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24. FEBRUAR 2020- Montag

24.02.2020 | Tageskommentar

Das Coronavirus bestimmt die Schlagzeilen. Was ist übertrieben, was sind berechtigte Maßnahmen?

Am Tag nach dieser Vorstellung, am Sonntag 23. Februar 2020, brachte die Mailänder Scala folgende Verlautbarung in Umlauf: „Wir geben bekannt, dass wegen der Entwicklungen im Zusammenhang mit der Verbreitung des Coronavirus die Vorstellungen des Teatro alla Scala als Vorsichtsmaßnahme suspendiert wurden – in Erwartung weiterer Verfügungen durch die zuständigen Organe. Für Informationen in Bezug auf diese Programmänderungen und die Rückerstattung bereits bezahlter Tickets wende man sich an lascalarisponde@fondazionelascala.it .“

Was stand am 23.2. auf dem Spielplan? Der „Turco“ am Teatro alla Scala – ein Belcanto-Feuerwerk begeistert in minimalistischer Inszenierung…
Dr. Charles E. Ritterband berichtet aus dem Teatro alla Scala in Milano
Klassik-begeistert

Wir wollen bei der Panikmache nicht mitmischen, weil wir nichts über dieses Virus wissen. Dieses Nichtwissen teilen wir übrigens mit den meisten Medizinern. Wir wissen nur, dass Zeitungen Schlagzeilen brauchen – und dabei keine Rücksichten nehmen. Mittlerweile greifen aber die „Vorsichtsmaßnahmen“ bereits in den Kulturbetrieb ein, die Mailänder Scala sagt Vorstellungen ab. Was soll so ein Operndirektor machen, der ebensowenig Experte ist wie viele Mediziner, die auch nur im Trüben fischen. Lässt er weiterspielen, wird er womöglich für die Verbreitung verantwortlich gemacht, sagt er ab, wird ihm Panikmache vorgeworfen. Und der Karneval in Venedig? Wer ersetzt den Kaufleuten, die davon leben, den Verlust?

Mailand
Coronavirus-Ausbruch in Italien: Behörden wollen Millionenstadt Mailand nicht abriegeln
Drittes Todesopfer in Italien bestätigt + China spricht von größter Gesundheitskrise seit Staatsgründung + Südkorea ruft höchste Alarmstufe aus
Tagesspiegel

Performances suspended
The Teatro alla Scala’s performances are suspended in relation to the spread of the coronavirus as a precautionary measure pending the provisions of the competent authorities.
http://www.teatroallascala.org/en/coronavirus.html

Coranavirus:  Italien zwischen Panik und Schulterzucken
Drei Tote, mehr als 150 Infizierte. Italien erlebt Hysterie und Galgenhumor, seit im Norden das Coronavirus angekommen ist. Eindrücke aus einem Land, das wie kein anderes in Europa mit Covid-19 kämpft.
Der Spiegel

Coronavirus: Kein Venedig-Karneval
Die Regierung in Rom droht mit dem Einsatz des Militärs, will aber die Grenzen vorerst offen halten. Drei Todesopfer und mehr als 130 Erkrankungen wurden bisher registriert.
Die Presse

Theater an der Wien: „ISIS“ von Jean-Baptiste Lully (22.2.2020) – pompös ins Elysium getragen

Ludwig XIV., der „Sonnenkönig“, kein schöner Mann, Machtmensch (‚Der Staat bin ich‘), Kriegsherr (Spanischer, Pfälzischer Erbfolgekrieg) und, und …. und ein Liebhaber pompöser Festlichkeiten. Der richtige Platz für Jean-Baptiste Lully, der als Junger von Florenz (noch ein Giovanni Battista Lulli) an den französischen Hof gekommen ist und dort vom Hofknaben zum Königlichen Komponisten der Instrumentalmusik und Opernintendant aufgestiegen ist. Als Schöpfer der französischen Nationaloper – tragédie en musique – ist Lully in die Musikgeschichte eingegangen ist…

Zum Bericht von Meinhard Rüdenauer

KARLSRUHE / Badisches Staatstheater: SERSE. Händel sucht den Superstar: Barockes Spektakel als Las Vegas Soap Opera – „Serse and the Gang“

Foto: Felix Grünschloss

Die Mächtigen und die Schlauen: So sind viele Händel Opern gestrickt. Einer will alles, die Schlauen hindern ihn daran und kommen dennoch schlecht weg. Lieto fine hin oder her. Ganz schön verdorben ist die ganze Sippschaft rund um Serse. Eigentlich ist dieser Serse ein persischer König, der gleich zu Beginn der Oper das Surreale der Existenz mit einem Liebesständchen an eine Platane auf die Spitze treibt (alle kennen den zugehörigen Händel Hit „Ombra mai fu“). 

Regisseur Max Emanuel Cencic macht aus der Figur einen allmächtigen Medienmogul im Las Vegas der 80-er Jahre. Köstlich persifliert, geben sich die Protagonisten in dem Stück ausgiebig allen Lastern hin. Da werden Poolpartys gefeiert, gesoffen, gehurt und intrigiert, bis der Arzt kommt…

Schade, dass gerade diese optisch so attraktive Produktion, in der Humor und Tiefgang, Klamauk und bittere gesellschaftliches Satire auf so einzigartige Weise Hand in Hand gehen, nicht auf Video gebannt wird. 

Zum Bericht von Ingobert Waltenberger

Am Micro Lauren  Snouffer, (c) Falk von Traubenberg/ Badisches Staatstheater

Friedeon Rosén lieferte den ersten Bericht: …Mit Ausnahmesopran und -erscheinung kann Lauren Snouffer als Romilda punkten. Ihre Koloraturen erscheinen wie gemeißelt. Den wunderschönen Countertenor des Arsamene verströmt Max Emanuel Cencic, in der Rolle, in der er als Sieger hervorgeht. Den Serse gibt der australische Countertenor David Hansen mit dem ganzen Esprit eines Rockmusicalstars und mit seinem wie Kaskaden sprühenden unvergleichlich strahlendem Countersopran.   

Zum Bericht von Friedeon Rosén       

INNSBRUCK: Giuseppe Verdi: Rigoletto, Tiroler Landestheater, Vorstellung: 21.02.2020
Rigoletto im SM-Milieu

Regisseur Dale Albright erklärt sich im Programmheft begeistert, dass die Figuren und ihre Emotionen im Mittelpunkt des Werkes stünden. Das spannende Geschehen stecke voller Gegensätze wie Liebe und Hass, Freude und Schmerz, Hoffnung und Enttäuschung, Mut und Angst, Ehrlichkeit und Verlogenheit. Sein Ziel sei es die Achterbahn der Gefühle, die die Protagonisten erleben zu inszenieren und in deren Beziehungsgeflecht einzutauchen…

Zum Bericht von Jan Krobot/Zürich

War sie Beethovens Tochter? Der Fall Minona
Am 8. April 1813 wird in Wien ein Mädchen geboren und zwei Tage später auf den Namen Maria Theresia Selma Arria Cornelia Minona getauft. Niemand würde sich zwei Jahrhunderte später für dieses Lebewesen interessieren, würde man nicht heute in Minona von Stackelberg, wie die lebenslang unverheiratete Frau hieß, die leibliche Tochter Ludwig van Beethovens vermuten.
https://www.dw.com/de/war-sie-beethovens-tochter-der-fall-minona/a-52422390

Gelsenkirchen: Greller Verdi XXL: „Macht des Schicksals“

Auszug aus BR-Klassik: Wenn die Frauen erstmal zu Engeln werden, fahren die Männer zur Hölle. Keine ganz neue Erkenntnis, aber wenn sie so gekonnt in Bilder umgesetzt wird wie im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, trägt sie immerhin einen knapp dreieinhalbstündigen Opernabend. Der war am Ende durchaus umstritten. Einige Zuschauer erhoben sich vor Begeisterung von ihren Plätzen, andere sorgten für ein lautstarkes Buh-Gewitter, Intendant und Regisseur Michael Schulz schien beides gleichermaßen zu genießen. Er und Dirigent Giuliano Betta hatten aus Verdis „Macht des Schicksals“ (1862/69) eine XXL-Version gezimmert, das ohnehin schon unübersichtliche Werk mit Passagen aus Claudio Monteverdis „Marienvesper“ und dem „Dies Irae“ aus Verdis „Requiem“ angereichert. Da fiel es dann auch nicht mehr ins Gewicht, dass sie Szenen umstellten und die Ouvertüre verspätet einbauten. Das geht bei diesem Verdi auf jeden Fall in Ordnung, denn hier wird eine dermaßen unzusammenhängende Geschichte erzählt, dass alles gleichzeitig passieren könnte, nicht etwa nacheinander. Und selbst in umgekehrter Reihenfolge machte das Werk tatsächlich Sinn.
BR-Klassik.de

Cardiff
Verdi opera: Conductor stops performance over ‚phone miscreants‘
https://www.bbc.com/news/uk-wales-51605675

HEUTE in WIEN/ „Richard Wagner-Verband“: Künstlergespräch mit KS Olivera Miljakovic am 24.02.2020 im Cafe Museum


Olivera Miljakovic

Nach Abschluss ihrer Gesangsausbildung begann Olivera Miljakovic ihre Karriere zunächst an der Nationaloper Belgrad. Über Anraten der serbischen Mezzosopranistin Biserka Cvejic sang sie dann an der Wiener Staatsoper vor und wurde sofort an dieses Haus engagiert. Ihr Debüt gab sie hier als Despina in „Così fan tutte“ im Redoutensaal und wenig später im Haus am Ring als Page Oscar in Verdis „Maskenball“ (an der Seite von Leyla Gencer, Giuseppe Zampieri, Aldo Protti und Biserka Cvejic). Unter Herbert von Karajan sang sie oft bei den Salzburger Festspielen, dort ebenso unter Karl Böhm, der sie dann auch an die Deutsche Oper Berlin und zu den Bayreuther Festspielen geholt hat. Trotz einer großen internationalen Karriere, die sie bis an das Teatro Colón nach Buenos Aires geführt hat, blieb sie der Wiener Staatsoper bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1994 treu. Concert“.  Der Richard Wagner Verband Wien freut sich, Frau KS Miljakovic für ein Künstlergespräch begrüßen zu dürfen.
Termin: Montag, 24.02.2020 um 16 Uhr.
Ort: Clubraum des Café Museum, Operngasse 7, 1010 Wien

Oliviera Miljakovic hat übrigens auch Maryna Lopez unterrichtet, die am Freitag (28.2. um 19 h) in der Online-Merker-Galerie Schumanns „Dichterliebe“ singt. Anschließend sehr gemütliches Beisammensein, Eintritt frei!

WIEN / Akademietheater des Burgtheaters: : DAS INVERVIEW
Foto: Burgtheater/ Matthias Horn

Nach dem Film von Theo van Gogh und dem Drehbuch von Theodor Holman übersetzt und für die Bühne adaptiert von Stephan Lack
Premiere: 23. Februar 2020

Man weiß ja nicht, was aus einer „Tosca“ ohne Puccini geworden wäre. Vielleicht hätte es Birgit Minichmayr Spaß gemacht, auf den Spuren von Sarah Bernhardt die große Sängerin und große Liebende umrankt vom Historismus-Jugendstildrama des Victorien Sardou darzustellen. Aber es sollte nicht sein.
Es gab, wie man vernahm, künstlerische Zwistigkeiten mit dem ungarischen Regisseur, das Ersatzstück war schnell gefunden, Direktor Martin Kusej und die Minichmayr haben es schon einmal miteinander gemacht, und „Das Interview“ nach Theo van Gogh gilt allemale (obwohl man es nicht so recht versteht) als Schauspielerfutter. 100 Minuten vollwertiger Ersatz? Nicht wirklich.

Denn man hat „Das Interview“ schon gesehen (2007 in Peter Patzak-Regie im Stadttheater, 2013 in der Josefstadt), aber dass es wirklich ein gutes Stück sei – den Eindruck hatte man nie. Dabei ist die Ausgangssituation viel versprechend: der politische Journalist wütet, weil man ihn zum Interview mit einem Busenwunder-Filmstar abgestellt hat, die Dame spürt seine Verachtung und reagiert dem entsprechend…

100 Minuten (Kusej brauchte gut eine Viertelstunde länger als seine Regie-Kollegen bei diesem Stück) können lange werden. Aber das Risiko für das Haus ist gering, dass sich der Mangel an Spannung herumspricht – um die Minichmayr zu sehen, kommen die Wiener immer.

Zum Bericht von Renate Wagner

Linz/ Landestheater
Extravaganter, düsterer Tanz mit bunten Bären
Zügellose Dekadenz: Elfriede Jelineks „Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte“ feierte Premiere im Landestheater Linz
https://volksblatt.at/extravaganter-duesterer-tanz-mit-bunten-baeren/

WIEN / Albertina / Propter Homines Halle: VAN GOGH, CEZANNE, MATISSE, HODLER
DIE SAMMLUNG HAHNLOSER
Vom 22. Februar 2020 bis zum 24. Mai 2020

 

Wie die Franzosen in die Schweiz kamen…

Die „Villa Flora“ in Winthertur, einst in Besitz des Ehepaares Hedy Hahnloser-Bühler und Arthur Hahnloser, wird derzeit in ein Museum umgebaut und soll ab 2022 eröffnet werden. Wenn dann viele Bestände der Familie Hahnloser Einzug halten, versammeln sich „die Franzosen“, einst von den Hahnlosers als „Pioniere“ eingekauft, wieder fest in der Schweiz. Derzeit kann man Werke der Sammlung noch bei „Gastspielen“ sehen. Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder ist hoch erfreut, eine der edelsten Sammlungen von französischer Kunst des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts nun für einige Moinate zeigen zu können.

Zum Ausstellungsbericht von Heiner Wesemann

WIEN / Leopold Museum: HUNDERTWASSER – SCHIELE
IMAGE TOMORROW
Vom 21. Februar 2020 bis zum 31. August 2020

 

Die Wahlverwandten

Wer „Hundertwasser“ sagt, denkt an Spiralen – Markenzeichen und Erfolgsgeheimnis eines Mannes, der die meiste Zeit seines Lebens durch vielfältige Aktivitäten im Bereich der Ökologie, des Bauens, der Naturgestaltung jegliche Aufmerksamkeit auf sich zog. Ganz abgesehen von seinem malerischen und graphischen Werk. An Egon Schiele hätte man im Zusammenhang mit ihm nicht gedacht. Und dennoch wird anlässlich von Hundertwassers 20. Todestag im Leopold Museum genau diese Schiene gelegt – was nicht schwer fällt, wenn man sich auf eine Aussage wie „Ich liebe Schiele“ berufen kann. Und wenn es in der Ausstellung gelingt, den bewussten inneren und äußeren Zusammenhang der beiden Künstler, so wie von Hundertwasser angestrebt, nachzuzeichnen.

Zum Ausstellungsbericht von Heiner Wesemann

Fußball Österreich
Admira-Wacker entlässt schon wieder den Trainer
Fußball-Trainer sitzen immer auf dem Schleuderstuhl. „Admira Wacker“, der Club, dem ich Sympathie entgegenbringe, entlässt die Trainer besonders schnell. Das kostet übrigens auch Geld. Admira-Wacker ist in Abstiegsgefahr, da flattern die Nerven! Noch dazu mischt nun Felix Magath (ja, der deutsche  „Quälix“) als Vertreter des Sponsors mit. Magath schien sein legendäres Motto „Qualität kommt von Qual“ zu vermissen. Die Spiele gegen St. Pölten und Sturm dienten ihm offenbar als Bestätigung dafür. Wer Kommt? Das steht noch nicht fest. Aber das Motto scheint klar: „Auf zum lustigen Quälen„! 

Österreich
Die Krisenkolumne: Abschied von einem Winter, der keiner war

Kleine Öko-Erfolge und große Schmutzfinken
Der Standard

Das war wirklich kein Winter, zumindest nicht in Wien/ Umgebung. Ich denke darüber nach, ob ich den Vertrag mit der Firma Attensam (Gehsteigservice, im Volksmund Schneeschaufler genannt) kündigen soll. Ich soll! Denn dann gibt es im nächsten Winter garantiert Schneemassen, die Klimakrise ist abgesagt und die Firma Greta und Co. kann einpacken! Das ist mein Beitrag zur Lösung des Problems!

Einen schönen Montag wünscht

A.C

 

 

 

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