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23. SEPTEMBER 2018

23.09.2018 | Tageskommentar

Kann eine „Carmen“-Vorstellung fad sein? Unser Innsbrucker Rezensent behauptet das! Ksenia Leonidovas (Carmen), Rafal Bartminski (José)- Copyright: Rupert Larl

Volles Haus, am Vorplatz Hunderte von Interessenten, die der ersten Live-Übertragung aus dem Tiroler Landestheater auf der Leinwand vor der Hofburg bei spätsommerlichen Temperaturen mit Spannung entgegenfiebern. Leider blieb es bei der Vorfreude, denn was sich danach auf der Bühne des TLT abspielte, war die langweiligste, unpackendste „Carmen“ seit Jahren. Wenn man sich das letale Ende der Handlung förmlich herbeisehnt, um raschest das Haus zu verlassen, ist alles gesagt. Und das bei einer „Carmen“!!

Der ehemalige Tenor Laurence Dale hat sich seit 2000 der Regie zugewandt und feiert mit seinen Inszenierungen internationale Anerkennungen. Bloß Innsbruck scheint kein gutes Pflaster für ihn zu sein… (Dietmar Plattner in seiner Rezension für den „Online-Merker“)

So ein Regisseur hat es wirklich nicht leicht. Stellt er eine konventionelle „Carmen“ ohne eigene Interpretationen auf die Bühne, ist er bestenfalls einfallslos, ein Reaktionär. Da hat dieser „rückständige“ Regisseur aber noch Glück, denn von „altvaterisch“ lässt sich heutzutage leicht auf „Nazi“ schließen.

Also muss eine Königsidee her, die womöglich das ganze Stück tragen soll. Der Innbrucker Regisseur hatte so eine Erleuchtung. Ihn bewegt die Frage, was so ein Torero in der Nacht vor einem Stierkampf macht und ob Sex vor einem sportlichen Wettkampf schadet. Wie ist das übrigens bei Opernsängern, gibt es da Erfahrungswerte?

Nun aber zur Innsbrucker „Carmen“: Der äußerst attraktive Escamillo und Carmen spielen Liebe Marke „Blümchensex“. Aber Sex vor der Arbeit / dem Sport tut selten gut und so nimmt es nicht wunder, dass der Stierkampf tödlich für den Torero (!) endet. Dieser platzt in die „Unterredung“ von Carmen und José, um sein Leben an ihrer Seite auszuhauchen. Sie wird es ihm gleich tun. Seltsam – in der Pause war fast nur Negatives über die Regie zu hören, aber am Schluss war kein einziger Misston zu vernehmen. 

Zum Premierenbericht von Dietmar Plattner

Lieber Rezensent, die negativen Publikumsäußerungen fielen in der Pause, den Sex gibt es aber erst knapp vor dem Ende. Kann es sein, dass das Tiroler Publikum von diesem so angeturnt war, dass es sich mit dem Regiekünstler versöhnt hat?

Es gibt aber auch andere Meinungen. Der „Online-Merker“ geht über diese nicht hinweg:

Starke „Carmen“ in Innsbruck: Ein Torero kennt keinen Scherz
Diesmal gewinnt der Stier: Georges Bizets populäre Andalusien-Oper orientiert sich in Innsbruck optisch an den Bildern von Francisco Goya. Schwermut liegt über der Inszenierung, ein spektakulärer Tenor räumt mächtig ab und Carmen sieht alles voraus. Am 21. September war Premiere am Tiroler Landestheater
BR-Klassik

Wiener Staatsoper: WERTHER. Erste Vorstellung der Serie am 22.9.

Stefano Secco rettete wieder einmal eine Vorstellung. Foto: Wiener Staatsoper

Dominiert hat zweifellos Charlotte – und wie! Der Titelheld gehört aber auch zur Aufführung: Dass er im unvorteilhaften Kostüm (Peter Pabst, Petra Reinhardt) des 2. Aktes in der 59. Aufführung der Inszenierung von Andrei Serban eher wie ein unscheinbarer Pastor aussah als ein exzentrischer, selbstmordgefährdeter Dichter, der an sich selbst und der Welt zerbricht: Das kann man einem Einspringer nicht anlasten. Jedoch: es verstärkte eine blasse, geradezu biedere Bühnenerscheinung zusätzlich. Stimmlich? Nun ja. Nach französischer Stilistik klang das nicht wirklich. Gerade, offene, etwas trompetige „Italianitá“, trockene Stimme, wenig glanzvolle Höhen. Das darstellerische und gestische Repertoire ging über verzweiflungsvoll vor das Gesicht geschlagene Hände kaum hinaus. Und „Pourquoi me reveiller“, der Prüfstein im 3.Akt, klang verspannt. Die Nervosität vor den heiklen, typisch Massenet’schen Sext-Aufschwüngen war ihm anzumerken. Dank gebührt ihm dafür, wieder einmal eine Vorstellung gerettet zu haben. Er wurde vom Publikum sehr freundlich akklamiert…

Zum Bericht von Karl Masek

HEUTE STREAM aus der Wiener Staatsoper: LA TRAVIATA

Beginn ist 18 h

https://www.staatsoperlive.com/de/

Apropos Stream: Am nächsten Sonntag wird aus München und Berline gestreamt: „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Die tote Stadt“

Berlin/ Komische Oper
Komische Oper: Der Dirigent als Vermittlungskünstler
Der neue Generalmusikdirektor Ainars Rubikis bereitet Korngolds „Die tote Stadt“ an der Komischen Oper vor. Ein Treffen.
Berliner Morgenpost

KARLSRUHE: WAGNERSTIMMEN – Gesangswettbewerb

 

Die Wagnerstimmen der Zukunft kommen nach Karlsruhe – der 9. Internationale Gesangswettbewerb für Wagnerstimmen findet vom 27. – 29.9. am STAATSTHEATER statt. So messen sich bereits zum vierten Mal junge Stimmen im Rahmen des renommierten Wettstreites in der Fächerstadt. Ausgerichtet vom Richard-Wagner-Verband Karlsruhe und dem STAATSTHEATER hat sich der weltweit bedeutende Gesangswettbewerb das Ziel gesetzt, potenzielle Wagner-Sänger*innen früh zu erkennen und sie entsprechend mit weiterer Stimmförderung und Bühnenerfahrung zu fördern.

Den Vorsitz der Finaljury hat die langjährige Leiterin der Bayreuther Festspiele, Eva Wagner-Pasquier. Sie beurteilt gemeinsam mit Laura Åkerlund, künstlerische Leiterin der Komischen Oper Helsinki, Alessandra Althoff-Pugliese, Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbands Venedig, Laura Berman, Operndirektorin in Basel und designierte Intendantin der Staatsoper Hannover, Nicole Braunger, Operndirektorin in Karlsruhe, Mezzosopranistin Hedwig Fassbender, Philipp Kochheim, Intendant der Oper Aarhus, Prof. Stephan Mösch und Birgitta Svendén, Generalintendantin der Oper Stockholm und Präsidentin von Opera Europa, die Sänger*innen.

Auch die BADISCHE STAATSKAPELLE greift Kompositionen von Richard Wagner auf: Mit dem 1. Sonderkonzert am 28.9. bringt das Orchester unter der Leitung von Justin Brown Eine Faust-Ouvertüre und die Wesendonck-Lieder auf die Bühne.

Gent: David Alden präsentiert an der Flämischen Oper in Gent einen düsteren „Lohengrin“
Neue Musikzeitung/nmz.de

WIEN/ Borromäussaal in Wien/ Landstraße: Operette und Musical mit Thomas Weinhappel

„Lippen schweigen…“. Heidi Manser und Thomas Weinhappel. Foto: Andrea Masek

Man muss sich der Operette wie dem Musical als Interpret mit großem Respekt nähern, davon ist der Bariton Thomas Weinhappel überzeugt. Verlangen beide Bühnenkünste doch neben adäquater Stimme auch ganzheitliches Können im Auftreten, der Kraft des Schauspiels, der Sprech- wie Tanzkunst. Ein „Stehtenor“, der bei ‚Dein ist mein ganzes Herz‘ nur die Tableau-Hände ausbreitet, wird heutzutage nicht mehr als ausreichend empfunden, da mag die Stimme noch so schön sein.

Weinhappel wählt sehr bewusst und durchaus vorsichtig (nicht mit Hans-Dampf-in-allen-Gassen-Attitüde!) die Rollen aus. Natürlich sind in dem Querschnitt des aktuellen Abends jede Menge „Ohrwürmer“. Eine Gesangsnummer wirkungsvoller als die andere. Eine Art Hitparade gab es da zu hören…

Zum Bericht von Karl Masek

Zum Gedenken an RR.Prof. Hubert Deutsch: Mitschrift des Vortrags von RR Prof. Hubert Deutsch  „Ein Leben für die Oper“

 am 23. April 2008 in der Villa Wertheimstein in Wien, moderiert von Dr. Peter Dusek

Prof. Hubert Deutsch. Foto: Franz Johann Morgenbesser

 Dusek: Wie ich Sie kenne, Prof. Deutsch, werden Sie sicher wissen, was am Tag Ihrer Geburt am Abend in der Staatsoper gespielt wurde.

 Deutsch: „Tosca“ mit Vera Schwarz, Alfred Piccaver und Emil Schipper.

Meine erste Opernvorstellung habe ich im Alter von 10 Jahren gesehen; es waren „Die Meistersinger“ von Richard Wagner in der Wiener Volksoper. Den Hans Sachs sang ein gewisser Josef Schwarz, aber nicht der berühmte Josef Schwarz, sondern ein Namensvetter, der war damals in Prag engagiert; das habe ich aber erst nachher herausgefunden. Ein Herr Depser, von dem ich nichts Näheres weiß, sang den Walther von Stolzing. Es hat später einen Herrn Tepsa gegeben, beide waren Heldentenöre…

Zur Mitschrift (in unseren Feuilletons)

WIEN / Volkstheater: DIE ROTE ZORA UND IHRE BANDE
nach dem gleichnamigen Roman von Kurt Held (Premiere: 22. September 2018 )


„Die rote Zora“.
Copyright: lupispuma/ Volkstheater

Renate Wagner
berichtet: Noch bevor mit „Pippi Langstrumpf“ eine der sonst „verdächtigen“ Rothaarigen die berühmteste Kinderfigur der Welt wurde, hatte der deutsche, im Schweizer Exil lebende Autor Kurt Kläber die „rote Zora“ nicht erfunden, sondern auf einer Reise im damaligen Jugoslawien erlebt: Waisenkinder, die sich in der Gruppe durchschlugen. „Die rote Zora und ihre Bande“ erschien unter dem Pseudonym Kurt Held 1941 als „Erzählung aus Dalmatien für die Jugend“ (Pippi Langstrumpf zog erst 1945 nach, die Nöstlinger kam 1970 mit ihrer „Feuerroten Friederike“…)

Im Volkstheater setzt man nun auf die „Rote Zora“ als „Stück für alle von 7 bis 107“, und Regisseur Robert Gerloff bearbeitete und inszenierte in Richtung eines Kindermusicals, das drei Musiker am linken Rand der Bühne mit vielen lauten Klängen, teils Balkan-Folklore anklingen lassend, zuschütten..

...Die Unangepassten und die Außenseiter waren immer Liebkinder der Literatur und des Theaters, sie sind ja auch interessanter als die Braven – und für sie gelten auch andere Gesetze. Wenn die „bösen“ Gymnasiasten von Zoras Bande nicht minder verprügelt und getreten werden wie vice versa, ist das offenbar ganz in Ordnung. Und welche Aussage man nun mit der Geschichte mitnehmen soll, wird nicht klar. Aber Denken ist ohnedies nicht angesagt.

Denn Robert Gerloff hat den Abend auf extreme Lautstärke angelegt, Zora und ihre Bande sind ununterbrochen hüpfend und schreiend und kollektive Kampfes- und Siegesgesten zeigend unterwegs (und die Kopfmikrophone übersteigern das noch). Dagegen erlebt man die Dorfbewohner-Kapitalisten (sogar mit Hitler-Gruss) einfach als böse / blöde, und das Geschehen parodistisch-übersteigert, in Slapstick-Manier auf „kindergerecht“ (?) gepolt…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Übrigens, Christine Nöstlingers „Feuerrote Friederike“ bekommt einen kurzen Gastauftritt und sagt gleich, wie sie sich die Welt vorstellt: „Eine Welt, in der diejenigen, die nichts arbeiten wollen, alles umsonst bekommen.“ Das ist doch wenigstens eine klare Aussage.

So werden wir sicher sehr weit kommen! Kinder glauben das gerne, werden erwachsen – und glauben das weiterhin!

Unter’m Strich

Österreich: Rendi gekürt, Kern schon außer Landes
Christian Kern stürzt sich direkt nach der Kür seiner Nachfolgerin in die internationale Politik und ist bereits nach Kanada unterwegs.
Heute.at

Deutschland: Seehofer weigert sich, Maaßen zu entlassen
Innenminister spricht in „Bild am Sonntag“ von „Fürsorgepflicht“ – „Vorwürfe treffen nicht zu“ –
Der Standard

Bei der angeblichen Unterredung – wenn es dazu kommt – möchte ich ein Mäuschen sein und zuhören – um darüber im Online-Merker zu berichten. Ich liebe Menschen, die heute etwas sagen bzw. wie im konkreten Fall vereinbaren- um morgen das exakte Gegenteil von dem zu tun – wie zum Beispiel auch die Pressedame eines Hochpreisfestivals, mit der ich unlängst zu tun hatte!

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

 

 

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