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23. MÄRZ 2022 – Mittwoch

23.03.2022 | Tageskommentar

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Christian Gerhaher, Anja Kampe. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Wien/ Staatsoper: Eigenberichte von der WOZZEK-Premiere

„Wozzeck“-Premiere: „Arbeitslos in Simmering?!“
Die Wiener Staatsoper präsentiert einen neuen „Wozzeck“. Die Inszenierung ist das typisches Produkt der gegenwärtigen Opernverhältnisse. Der Regisseur hat ein Konzept. Das Konzept wird durchgezogen. Es ergeben sich szenisch große Unstimmigkeiten im Vergleich mit der Partitur. Aber wen stört das noch?

Dominik Troger: Wozzeck“-Premiere an der Wiener Staatsoper. Gut hundert freie Plätze auf der Galerie, im Vorfeld gab es Karten im „Sonderangebot“. Für die kommenden vier Vorstellungen der Premierenserie waren am Premierenabend noch Hunderte Karten verfügbar – pro Vorstellung! Man mag COVID die Schuld geben – oder nicht, aber der „Wozzeck“ ist nie ein Repertoirestück gewesen (auch wenn auf Seite 120 im Programmheft zur Aufführung anderes zu lesen ist).

Die Statistik stützt diese Einschätzung: Die letzte „Wozzeck“-Vorstellung an der Wiener Staatsoper gab es 2014. Es gab seit der Wiedereröffnung des Hauses zwei Neuinszenierungen und keine hundert Vorstellungen insgesamt – in 67 Jahren! Aber beide Produktionen, die von Oscar Fritz Schuh und Ausstatter Caspar Neher (1955) beziehungsweise die spätere von Adolf Dresen und Herbert Kaplmüller (1987) haben sich weitgehend an die Partitur gehalten. Man könnte sie heute noch spielen und auch einem dem Berg’schen Opernschaffen ganz „naiv“ gegenüberstehenden Publikum dieses unglaublich dichte und spannende Werk in einer exemplarischen Weise vermitteln. Die Neuproduktion, die an diesem Abend Premiere hatte, ist dazu nicht in der Lage…

Das Orchester unter Philippe Jordan war auf der sinnlichen Seite unterwegs, was einen mehr „symphonischen“ Gesamteindruck ergab. Aber die Pointensetzung hätte etwas rigider ausfallen können, zu nüchternem „musikologischem Sezieren“ neigte das Spiel dankenswerter Weise nicht. Manches solistische Detail entzückte. Jordan ist ein Dirigent, der um die klanglichen Qualitäten des Orchesters weiß, auch bei einem „Wozzeck“ – und das verlieh diesem, aus meiner Sicht szenisch schwer misslungenen Abend zumindest im Orchestergraben eine gewisse Nachhaltigkeit. Es gab langen Schlussapplaus (über zehn Minuten). Für das Regieteam gab es ein paar Buhrufe.

http://www.operinwien.at/werkverz/berg/awoz8.htm

Dominik Troger/ www.operinwien.at

Manfred A. Schmid kann der Neuinszenierung erfreulichere Aspekte abgewinnen:

WIEN / Staatsoper: Premiere von Simon Stones WOZZECK-Inszenierung. 21. März 2022

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Anja Kampe, Christian Gerhaher. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Verdis La Traviata hat Simon Stone, der australisch-schweizerische Theater-, Film- und Opernregisseur, für die Staatsoper bereits in die Gegenwart versetzt. Man erinnert sich an den Traktor fahrenden Alfredo und an die Kuh melkende Violetta sowie daran, dass dieser Zeitsprung nicht ganz aufgegangen ist, so dass es in dieser schicken Inszenierung an mehreren Ecken und Enden merkbar knirscht. Im Falle von Alban Bergs Wozzeck geht der von Stone angestrebte Transfer ins heutige Wien hingegen weitgehend klaglos über die Bühne, auch wenn Wien darin wohl etwas zu klischeehaft festgemacht wird. Es gibt aber in der Tat auch heute noch Deklassierte und Ausgegrenzte, die ausgebeutet werden, sich und ihre Angehörigen, mehr schlecht als recht, mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten, bis ihre Familien auseinanderbrechen, sie arbeits- und obdachlos werden und – in manchen Fällen, wenn sie psychisch labil sind  – überall Verschwörungen wittern und letztlich von Opfern zu Tätern werden…

Zum Premierenbericht von Manfred A. Schmid

Wozzeck strandet in Simmering
https://orf.at/stories/3254881/

Die armen Leut‘
Simon Stone inszeniert an der Wiener Staatsoper Alban Bergs „Wozzeck“ und zeigt dabei die Grenzen seines Bühnenrealismus‘ auf. Aber Christian Gerhaher brilliert.
Sueddeutsche.de

Studie zu toxischer Männlichkeit: „Wozzeck“ an der Wiener Staatsoper
Simon Stone inszeniert Alban Bergs Oper als Karussell der Kränkungen: Im Fitnesscenter, am Arbeitsamt und beim Würstelstand
DerStandard.at

„Wozzeck“ in Wiener Vorstadt-Tristesse Bezahlartikel
Simon Stone inszeniert Alban Bergs Tragödie des kleinen Mannes wie einen TV-Krimi. Etlichen Stimmen fehlt Tragfähigkeit, Philippe Jordan lässt die Philharmoniker viele Effekte aus der Partitur lesen, auf Kosten der Klangkultur.
https://www.diepresse.com/6115226/wozzeck-in-wiener-vorstadt-tristesse

„Begegnungen“: Die neue Saison 2022/2023 im Musikverein Graz! Riccardo Muti in Graz
Am 21. März 2022 präsentierte der Musikverein Graz im Rahmen eines Pressegesprächs und einer Programmpräsentation vor mehr als 500 Gästen seine 208. Spielzeit 2022/2023. Das Konzertangebot umfasst mit mehr als 50 Projekten eine umfangreiche Repertoirebandbreite von der Barockmusik bis zur Moderne.

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Dr. Michael Nemeth bei der Vorstellung des Programms. Copyright: Andriichenko/Musikverein

Für Michael Nemeth, Generalsekretär und Künstlerischer Leiter des Musikvereins, liegt das Hauptaugenmerkt auf der Förderung von Talenten, Internationalität und der Gewinnung neuer Publikumsschichten: „Der Musikverein in Graz hält seine Tore für die internationale Musikwelt stets weit offen. Gerade nach den langen, pandemiebedingten Einschränkungen ist es wichtig, das Publikum wieder zu regelmäßigen Konzertbesuchen zu animieren. Daher haben wir für unsere Konzertbesucherinnen und -besucher das neue Programm in Bezug auf Vielfalt und attraktive Abo-Varianten maßgeschneidert.“..

Ausführlicher in unseren „Infos des Tages“

Musikalische Grundversorgung von Weltformat
Alle reden von der Resilienz, der Musikverein Graz demonstriert sie: Der Konzertveranstalter geht mit üppigen Plänen in die (hoffentlich) postpandemische Zukunft, wie das Saisonprogramm 2022/23 zeigt.
https://amp.kleinezeitung.at/6114846

Anna Netrebko und ihr Management beenden Zusammenarbeit
Wegen ihrer Nähe zum Kreml verliert die russische Sopranistin Anna Netrebko immer mehr Rückhalt in der Klassikszene. Nun braucht sie eine neue Agentur. Weitere Konzerte im Sommer stehen auf der Kippe.
DerSpiegel.de

Heftige Debatte: Management trennt sich von Anna Netrebko
Die einen schimpfen, die Berliner Ex-Agentur der Star-Sopranistin, eine Tochter von Universal, habe „sehr plötzlich“ entdeckt, dass sie eine Putin-Bewunderin ist – andere vermuten ihr neues Management ironisch im „Kreml“. Die Aufregung ist groß.
BR-Klassik.de

Netrebko und ihre Agentur: Negative Gefühle
Anna Netrebko und ihre Künstleragentur gehen getrennte Wege. Damit werden Auftritte der Sängerin im Westen immer unwahrscheinlicher.
SueddeutscheZeitung.de

LAS PALMAS/Teatro Pérez Galdós: Kurzkritik DON PASQUALE – Pr. am 22. März 2022

 Gelungener Donizetti auf Gran Canaria

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Das Theater/ Innenraum. Foto: Klaus Billand

 Gestern Abend hatte die Buffo-Oper „Don Pasquale“, einer der beliebtesten ihres Genres, in einer Neuinszenierung von Renato Bonajuto im Rahmen der 55. Temporada der Amigos Canarios de la Ópera – ACO Premiere. Diese Gruppe führt seit vielen Jahre eine meist erstklassig besetzte Opernsaison auf Gran Canaria durch, und diese Qualität war auch gestern wieder zu erleben…

Zum Premieren-Kurzbericht von Klaus Billand

Oper Bern: „DAS RHEINGOLD“

Das Stadttheater der wunderschönen Schweizer Hauptstadt hat einen „Ring“ gestartet. Dem „Rheingold“, seit der Premiere am 21.11. 2021 auf dem Spielplan, wird in den Folgejahren jeweils ein weiterer „Ring“-Teil folgen. Ein beachtliches Unterfangen.

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Kennt  Ihr Loges Kunst?  Marco Jentzsch mit Mime (Michal Prószynski) (c: Gerardo Garciacano)

Auf den Plakaten sah man neben dem Titel der Wagner-Oper ein kleines grünes Zweiglein. Aha, dachte ich, da wird wohl viel Natur gezeigt werden. In diversen Premierenkritiken las ich allerdings ganz andere Sachen. Von Tänzer-Doubles für die Rheintöchter und Statisten-Doubles für Götter, Zwerge und Riesen…

Zum Bericht von Sieglinde Pfabigan

Interview mit den Loge dieser Produktion,  Marco Jentzsch. Im Gespräch mit Tristan und Loge

ZUM INTERVIEW (Sieglinde Pfabigan)

Interview mit dem  Tenor JONATHAN STOUGHTON

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Jonathan Stoughton. Copyright: Zoe Milton Brown

ZUM INTERVIEW (Gerhard Hoffmann)

The Hungarian State Opera announces 2022/23 season at the refurbished Opera House

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The Hungarian State Opera has announced its 2022/2023 thematic season titled Myth & History. The OPERA awaits the public in the renovated Ybl Palace on Andrássy Avenue with numerous new functions and services.

Mehr darüber in den Infos des Tages

Ungarns Nationaloper: Wem die Stunde schlägt
Frankfurter Allgemeine

TTT Vinylschätze 16 – Tempi passati: Bach – Matthäus Passion 1727, Philharmonia Orchestra, Choir London, Otto Klemperer 1961, Kingsway Hall

Peter Pears, Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Schwarzkopf, Christa Ludwig, u.a.

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Chor „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“

https://www.youtube.com/watch?v=yojsqLYTnEg 12 Min.

https://www.youtube.com/watch?v=mc3bS2E7GME komplett 3.5 Std.

Matthäus-Passion: Dieses beeindruckende Werk des Thomaskantors schildert die Leidensgeschichte Jesu, wie sie im 26. und 27. Kapitel des Matthäus-Evangeliums zu lesen ist. Für die Darstellung verwendet Bach zwei Chöre, zwei Orchester und sieben Solostimmen. Die Aufführungsdauer variiert je nach Interpretation zwischen drei und vier Stunden. Diese monumentalste aller Kompositionen Bachs ist von einem tiefen christlichen Glauben geprägt und wurde zur besonderen Gestaltung des Vespergottesdienstes am Karfreitag 1727 in der Leipziger Thomaskirche komponiert….

https://magazin.klassik.com/meisterwerke/template.cfm?MID=9&Seite=1&Start=1

Rom
Wie Ai Weiwei in Rom die Oper übernahm (Bezahlartikel)
Zwei Jahre lang hat Ai Weiwei an der Inszenierung von Puccinis „Turandot“ gearbeitet. Am Sonntag sahen spezielle Gäste, was ihm da gelungen ist. Er arbeitet jedenfalls viele Zitate aus seinem bisherigen Werk in die Märchenoper ein.
https://www.diepresse.com/6114747/wie-ai-weiwei-in-rom-die-oper-uebernahm

Ai Weiwei hat den Dreh heraus!

Grafenegg
Aus der Reitschule Grafenegg wird der Konzertsaal Rudolf Buchbinder
Das historische Gebäude am Kulturareal wird für 15 Mio. Euro adaptiert. Die Kosten werden zwischen Betriebsgesellschaft, Bund und Land gedrittelt.
DiePresse.com

Prag
Prager Nationaltheater streicht Oper von Tschaikowsky
Wegen russischer Invasion in der Ukraine wolle man „Erzählung über Großes russisches Reich nicht unterstützen“, hieß es seitens des Theaters
DerStandard.at

Aida Garifullina Out of Metropolitan Opera’s “Le Nozze di Figaro

Garifullina Aida - Bayerische Staatsoper
Aida Garifullina. Foto: Bayerische Staatsoper

The company announced that Aida Garifullina will no longer sing the role of Susanna. As a result, Ying Fang will sing the role.The news come a day after Garifullina performed “La Traviata” at the Bolshoi Theatre in Moscow, a theater that the Metropolitan Opera broke relationships with after the beginning of the War in Ukraine. Garifullina, who with over 1.4 million followers on Instagram is the most followed opera singer on social media, has yet to make a statement about the war and is still slated to perform at the Berlin State Opera and Bayerische Staatsoper later this season.
operawire.com

Damit ist auch Aida Garifullina, eine der attraktivsten Sängerinnen, die unsere Opernbühnen bevölkern, indirekt ein Opfer des Ukraine-Krieges

WIEN / Freie Bühne Wieden:  OMA ODER ALLES PALETTI von Elfriede Hammerl
Uraufführung
Premiere: 22. März 2022 

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Foto: Freie Bühne Wieden

Ein neues Stück von Elfriede Hammerl in der Freien Bühne Wieden. Wer die Autorin (bzw. ihre Arbeiten) kennt, wird angesichts eines Titels wie „OMA oder Alles Paletti“ witzig-scharfzüngigen Schlagabtausch vermutet haben, der den „Alten“ ja doch ihren Platz einräumt. Aber das Stück, das man eindreiviertel Stunden kurz sieht, unterwandert alle Erwartungen auf das Erstaunlichste.

Denn es ist keine realistische Auseinandersetzung mit der Stellung der älteren und alten Frauen in unserer Gesellschaft, sondern eine Dystopie, die irgendwann in einer vielleicht gar nicht so fernen, totalitären Zukunft spielt. Da werden die Alten in „Gnadenhöfen“ zusammengepfercht, aus dem sie nur heraus dürfen, wenn sich junge Familien erbarmen und sie als Leihomas und –opas nehmen. Im übrigen dürfen sie sich der fest eingeplanten Euthanasie nur dreimal widersetzen, dann ist es aus. Damit es schneller geht, füttert man sie mit Depressionspillen…

Diese Vorgabe muss man nach und nach verstehen, wenn die titelgebende „Oma“ (nur einmal erfährt man, dass sie Dorothea heißt, und welche Art von „Naturwissenschaftlerin“ sie war, kommt nicht zur Sprache) von einer Familienmutter mit rüden Worten entlassen wird: Sie war nicht nett und freundlich genug, und ihre Kuchen haben auch niemandem geschmeckt..

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

100 000 Menschen harren in Mariupol «unter unmenschlichen Bedingungen» aus: Rund 100 000 Menschen – knapp ein Viertel der früheren Bevölkerung – harren in der umkämpften Hafenstadt Mariupol unter «unmenschlichen Bedingungen» aus, sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski in einer über Nacht veröffentlichten Videobotschaft. Sie hätten «keine Lebensmittel, kein Wasser, keine Medikamente» und seien «unter ständigem Beschuss, unter ständigen Bombenangriffen.»
Zu den neusten Entwicklungen
So wirken sich die Sanktionen gegen Russland aus: Ausserhalb Moskaus scheint das Leben noch seinen normalen Gang zu nehmen. Aber der oberflächliche Eindruck täuscht. Die Preise steigen Tag für Tag. Bisher jedoch zeigen sich viele Russinnen und Russen von den westlichen Sanktionen unbeeindruckt.
Zur Reportage
Ein Job im Westen ist für viele ukrainische Flüchtlinge längst nicht die erste Priorität: Firmen und Regierungsorganisationen aus aller Welt suchen in Polen unter den ukrainischen Flüchtlingen nach den begehrten Fachkräften. Es sind allerdings Menschen mit Sorgen und Nöten nach Polen gekommen. Ein Leben im Westen ist nicht ihr grösster Wunsch.
Zum Bericht
Tennis-Weltranglistenerste Ashleigh Barty beendet Karriere überraschend mit erst 25 Jahren: Die Tennis-Weltranglistenerste Ashleigh Barty hat völlig überraschend ihr Karriereende angekündigt. «Heute ist ein schwieriger Tag voller Emotionen für mich, während ich meinen Abschied vom Tennis verkünde», schrieb die 25-jährige Australierin am Mittwoch auf Instagram. Sie verlasse die Tenniswelt, «um andere Träume zu verfolgen».
Zum Bericht

Österreich
Neue Maßnahmen: Betreiber und Händler können zwischen 3G und Maskenpflicht wählen
Laut einem Verordnungsentwurf wird es Lokalbetreibern und auch Händlern freistehen, ob sie Maskenpflicht oder 3G-Regeln verhängen. Auch am Arbeitsplatz muss Maske getragen werden
Der Standard.at

Dafür brauchen Sie ab Mittwoch (nun angeblich Donnerstag) wieder den Grünen Pass
Heute.at

Ich erspare mir angesichts der Kasperliade jeden Kommentar. Ist wohl auch besser so!

Haben Sie einen schönen Tag

A.C.

 

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