Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

23. JULI 2018

23.07.2018 | Tageskommentar

Salzburger „Jedermann“ -Premiere fiel wieder „ins Wasser“

Wenn überhaupt, ist dieses moralisierende Stück nur auf dem Domplatz auszuhalten. Dort konnte es aber gestern nicht stattfinden, also erübrigt sich somit jede Kritik.

Angeblich soll dafür die Premierenfeier „überschäumend“ gewesen sein, wofür aber ein nicht ganz geglückter Bieranstich verantwortlich sein soll. Nicht einmal der hat geklappt!

Salzburg
Überschäumende „Jedermann-Premierenfeier“ – aber leider wieder Pech mit dem Wetter
Salzburger Nachrichten

NEU: „Die Walküre“ am Sonntag in München (erster Bericht)
Bericht vom „Konzertgänger“

In zwei Tagen erfordert Bayreuth unser ganzes Interesse (dort spielt das Wetter eine weniger wichtige Rolle)

Allerdings, verregnete Endlos-Pausen sind auch dort eine Horror-Vision. Auf engstem Raum zusammengepferchte, wie Palm-Eseln herausgeputzte Festspielgäste machen auch dort „keinen schlanken Fuß“.

Was für Salzburg die „Jedermann-Premiere“, ist für Bayreuth der Rote Teppich, über den Thomas Gottschalk, Roberto Blanco, Angela Merkel (zum Glück hat sie keine anderen Sorgen) und Co. schreiten werden. Katharina Wagner gilt als „Angela Merkel der Festspielszene“.  Deshalb verleihe ich ihr einen „Beharrungsorden“. Katharina ist gemeint, nicht Angela Merkel.

 

Das ist ein Bayreuther Orden, war bis vor kurzem um 1 Euro im Internet zu erstehen („10 Jahre Bayreuther Spielmannszug“)

Auszug aus „Tagesspiegel“: Pragmatisch, beharrlich, krisenfest: Zum zehnten Mal wird Katharina Wagner am Mittwoch als Intendantin der Richard-Wagner-Festspiele am roten Teppich stehen und Angela Merkel in Bayreuth begrüßen. Seit ihrem Start als Festspielchefin ist Richard Wagners Urenkelin selbst so etwas wie die Angela M. des Grünen Hügels geworden. Sie hat etliche Skandale überstanden, sie trotzt den Stürmen, wie sehr sie auch als angezählt gelten mag.

Beharrlich in Bayreuth
Katharina Wagner eröffnet als Intendantin am Mittwoch zum zehnten Mal die Festspiele in Bayreuth. Was ihre Krisenfestigkeit angeht, hat sie längst Angela-Merkel-Format.
Tagesspiegel

Im Artikel werden die Aufreger seit 2010 aufgelistet, die Katharina Wagner allesamt unbeschadet überstanden hat. Auch ihre Halbschwester ist sie los geworden (laut „Tagesspiel“ war das „eine hässliche Geschichte“). Ich kann mich an die Hintergründe gar nicht mehr erinnern, vielleicht helfen mir da meine Informanten auf die Sprünge. Mit Frau Wagner-Pasquier hatte ich aber selbst ein wenig erfreuliches Erlebnis. Bei meinem letzten Bayreuth-Besuch (vermutlich war das sogar mein letzter überhaupt) besuchte ich an einem Vormittag den Festspielhügel. Der war menschenleer, auch kein Auto befand sich auf der Zufahrtsstraße. Ich ließ meine Frau vor der WC-Anlage aussteigen und blockierte somit für wenige Sekunden (!) die Zufahrt zum Festspielhaus. Plötzlich kam Frau Wagner-Pasqier rasant des Weges und führte sich wie eine Furie auf.

Braucht Bayreuth neue Visionen?

Wieland Wagner, der Reformer

Wieland Wagner war nicht bloss ein Enkel Richard Wagners – er hat den Bayreuther Festspielen in einer Weise künstlerisch seinen Stempel aufgedrückt, von der man heute nur träumen kann. Aus Anlass von Wielands 100. Geburtstag 2017 hat Oswald Georg Bauer, dem wir bereits eine voluminöse Geschichte der Wagner-Festspiele verdanken, eine 300 Seiten starke Monografie über den Erneuerer Bayreuths vorgelegt. Es sticht unter den zahlreichen Büchern, die zu dessen Gedenken erschienen sind, um Längen hervor, weil es sich ganz auf den Künstler Wieland, seine Regiearbeiten und auf sein exemplarisches Konzept eines modernen, zukunftsfähigen Theaters konzentriert… (Quelle: „Neue Zürcher Zeitung“)

Bitte eine neue Vision für Richard Wagner!
Wieland Wagner gilt als Begründer von «Neu-Bayreuth». Noch bedeutsamer als dieses Nachkriegskonzept erscheint heute sein Plädoyer für eine umfassend reflektierte Idee von Theater – an der es nicht nur den Wagner-Festspielen mangelt
Neue Zürcher Zeitung

Kaum ist „Bayreuth-Zeit“ , muss „erklärt“ werden: „Hitler. Macht. Oper – Propaganda und Musiktheater in Nürnberg“ 

Wer in eine Nürnberger Bratwurst beißt, ist noch lange kein Nazi. Auch ist das am Nürnberger Volkspark Dutzendteich angrenzende Reichsparteitagsgelände keine Adolf-Hitler-Erlebniswelt für Ewiggestrige. Es beherbergt das wohl umfangreichste Dokumentationszentrum zur Zeit des deutschen Nationalsozialismus. Die aufklärende, schonungslose Dauerausstellung führt die in Barbarei mündende Überrumpelungsdramaturgie der von sich selbst berauschten Nationalsozialisten deutlich vor Augen und hilft dadurch einmal mehr den Anfängen zu wehren…

Hitler und die Oper: Der Mörder träumt zu Orgelklang
Frankfurter Allgemeine

Bayreuth startet am Mittwoch, derzeit spielt man Wagner aber in München

 

Immer wieder ist dieser Beginn, wenn man das Nationaltheater zu einem „Rheingold“ betritt, paradiesisch schön: Weißgekleidete Mittzwanziger lagern zum Picknick auf der Bühne, später entkleiden sie sich und bemalen den fast nackten Körper blau, bevor sie bei Einsatz der Musik pärchenweise fließend am Boden sich bewegen und den Rhein darstellen Andreas Kriegenburgs Inszenierung und Zenta Haerters Choreographie sind nie wieder so poetisch und zwingend wie hier. Ein letztes Mal dirigiert Kirill Petrenko einen Münchner „Ring“ und während er bescheiden auf sein Orchester weist, trifft ihn gigantisch aufbrandender Applaus… (Quelle: „Sueddeutsche Zeitung“)

Wunderbar gerundet
Wagners „Rheingold“ glänzt bei den Opernfestspielen
https://www.sueddeutsche.de/kultur/kurzkritik-wunderbar-gerundet-1.4065019

London/ Holland-Park: „Ariadne auf Naxos“

Jennifer France (Zerbinetta), Director Antony McDonald created a clever mix of stylish and wickedly funny 

Opera Review: Ariadne Auf Naxos at Opera Holland Park
https://www.express.co.uk/entertainment/music/992565/opera-review

The week in classical: BBC Proms; Ariadne auf Naxos – review
The Guardian

Oderza/ Treviso. Foto von der Denkmalenthüllung für den Tenor Giuseppe di Stefano

 

 Il Mosaico di Giuseppe Di Stefano in Piazza Grande ( con Adua Veroni Pavarotti,  Enrico Stinchelli, Miro Solman, Maria Grazia Patelli, Jose Carreras, Maria Chiara).

KAZAKHSTAN/ ULYTAU: FESTIVAL KLASSISCHE MUSIK UND FOLKLORE

Beim Auftritt von Anna Ryan war im Hintergrund der Ring mit der Wiener Staatsoper zu sehen. Copyright: Bolat Ajmagambetov

Das erste Internationale Festival von „Folklore und Klassischer Musik“ Zhezkiik“ fand von 12.-14. Juli 2018 im historischen Ort  „Ulytau“ in Kazakhstan statt. Mehr darüber in unseren „Infos des Tages“

Noch eine Kritik aus Bregenz:

Bregenzerwaldspezialität „Salatteller mit Kaspressknödelscheiben“

 

Fußball
Özil tritt aus der deutschen Nationalmannschaft ab und bezeichnet den DFB-Präsidenten als inkompetent
Sportoe24.at

Die Meldung erschüttert zumindest die Fußball-Welt. Wäre der Özil-Rücktritt vor sechs Wochen erfolgt, hätten sich der DFB und die deutschen Teamverantwortlichen viel Ärger erspart – und die Fußballfreunde wären um viele Ausreden umgefallen.

Über Herrn Özil möchte ich kein Wort verlieren, wohl aber über den von Mesut Özil als inkompetent bezeichneten DFB-Präsidenten. Ich habe ihn schon vor einigen Wochen zum abschließenden Thema meiner Kolumne gemacht, Auf die Frage, wie der Spieler bei der Aussprache über das sattsam bekannte Foto mit Herrn Erdogan reagiert habe – und ob das die Öffentlichkeit auch erfahren dürfe, antwortete Deutschland Fußball-Oberster“: “ Ich habe mit ihm gesprochen – und das genügt“.

Schmecks! Ist der Mann von Hybris befallen? Ob er inkompetent ist, weiß ich nicht! Diplomatisch klug ist er aber nicht!

Zu Mesut Özil hat Heinrich Schramm-Schiessl folgende Meinung:

Özil: Egal wer was jetzt noch sagt – die Geschichte ist verfahren und jede Wortmeldung macht sie noch verfahrener. Die ganze Sache ist eine Lehrstunde, wie Krisenmanagement nicht funktioniert. Richtig wäre folgendes gewesen:

Man hätte sich Özil und Gündogan nach Erscheinen des Bildes oder Videos vorknöpfen und ihnen eine Frist von 3 Tagen zu einer Stellungnahme einräumen müssen. Kommen sie dem nicht nach, bzw. fällt die Erklärung unbefriedigend aus, hätte man sie beinhart nicht zur WM mitnehmen dürfen. Wobei ich mir durchaus vorstellen könnte, dass die Erklärung, die Özil jetzt gegeben hat, damals durchaus verstanden und wahrscheinlich sogar akzeptiert worden wäre. Wenn ich Spieler mit Migrationshintergrund, und noch dazu aus einem Land mit einem solchen Nationalbewusstsein wie die Türken, die sich ja immer als verfolgt ansehen, habe, dann muss ich auf solche Dinge vorbereitet sein. Aber zu versuchen, eine solche Sache bei einer derart emotionsgeladenen Sportart wie Fußball – wo ja leider rassistische Emotionen bei nicht allzuwenigen Zuschauern an der Tagesordnung sind – auszusitzen, musste von Anfang an schiefgehen.

Gestern übertrug der ORF direkt das ÖFB-Cupspiel Oed (Landesliga OÖ) gegen Red Bull-Salzburg. Wie kommt der ORF auf diese Paarung? Nun, der Oed-Manager hat aus seiner früheren Zeit beim SV. Ried beste Verbindungen zum ORF, das genügt beim staatlichen Fernsehen.

Sportlich wurde es zur Pleite für den Landesligisten, der dem ORF ein 0:6 wenigstens hoffentlich gut verkauft hat. Die Oed-Manager drängten sich zum TV-Interview (wie oft werden sie wohl dort noch Wortspenden deponieren dürfen?). Ich erinnere mich, dass mein Verein während meiner Funktionärszeit gegen einen Spitzenclub der Bundesliga mit 0:2 verloren hat, nachdem wir in der ersten Runde einen anderen Bundesligisten eliminiert hatten. Ich war derart deprimiert, dass ich mich in die Kabine eingesperrt habe und diese erst verließ, als der Platzwart den Fußballplatz zusperren wollte! Bei einer im TV übertragenen 0:6 Klatsche hätte ich wohl ein Suizid in Erwägung gezogen.

Zum Glück sind die Menschen verschieden.

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

Diese Seite drucken