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23. JÄNNER 2021 – Samstag

23.01.2021 | Tageskommentar

NABUCCO in Wien. Foto: Instagram

Renate Wagner sah Nabucco mittels Stream und hat sich im Vorfeld  notgedrungen mit einigen Zeitungsartikeln auseinandergesetzt, bei denen es ihr „den Magen umgedreht hat“:

Die „politische Korrektheit“ ist nicht viel wert, wenn man sie nur dort einsetzt, wo sie einem gerade passt. Heißt es nicht, dass kein Mensch diskriminiert werden darf – nicht wegen seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seiner Religion, seiner sexuellen Orientierung, seiner Behinderung? Und wohl auch nicht wegen seines Alters, das ja an sich kein Verbrechen ist. Gilt allerdings nicht, wenn es den Journalisten und Social-Media-Trollen nicht gefällt.

Schon seit mindestens einem Jahrzehnt hat das Halali eingesetzt, Plácido Domingo von der Bühne zu vertreiben. Genützt hat es ja nichts, denn der alte Herr beweist unglaubliche Standfestigkeit – egal, welch eisiger Wind ihm entgegen bläst.

Nun sollte man meinen, dass zu seinem 80. Geburtstag (den ihm ja viele auch wiederum nicht glauben) wenigstens ein paar anständige Gratulationen anstünden, und es gab auch einige steif-freundliche, die mehr eine bekannte Karriere vorbeteten (oder nachbeteten), statt sie zu analysieren.

Aber Manuel Brug hat im „Profil“ massenhaft Öl in alle nur möglichen Feuer gegossen, damit es schön blutrot blubbert und lodert – Stoßrichtung: Weg mit dem Alten! In der „Welt“ (teils wortgleiche Zweitverwertung des Artikels) geht er noch weiter, wenn er Domingo eine „tragische Witzfigur“ nennt. Wie weit dürfen Respektlosigkeit und schlechter Ton eigentlich gehen? Scheinbar lobende Sätze dazwischen wirken gallbitter… Der ganz normale Anstand spielt keine Rolle im Brutalo-Journalismus…

Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Zu allererst: Der Stream kam offenbar nicht live auf die Laptops oder wo immer man ihn gesehen hat. Der Beginn von 16,30 wurde stillschweigend auf 20 Uhr, dann ebenso stillschweigend auf 20,30 geändert. Der Direktor kam vor den Vorhang, sagte etwas von unzureichender Vorbereitungszeit und dass man für die Aufzeichnung möglicherweise unterbrechen würde. Kurz, bevor er seinen Star aufs Trapez schickte, spannte er ihm gewissermaßen ein Sicherheitsnetz… Ob man die Aufführung „bearbeitet“ hat? Man weiß es nicht, es gab ja einige Zeit für mögliche Korrekturen. Es ist auch egal, es wird ja nicht echtes „Live“ vorgelogen…

Für Plácido Domingo ist es eine Rolle, die ihm passt, ein Vater, ein älterer Herr, ein Herrscher, der gestürzt wird. Viel drinnen, und er kann ja, was er soll. Wie zuletzt als „Boccanegra“ setzte er die Reste seiner Stimme souverän ein (Technik, Technik, Technik! Wer sie hat, ist ein König), und wenn der Abend auch spürbar ein Kraftakt war, sich selbst abgerungen und abgetrotzt, so muss man ihn ehrlicherweise auch bewundern. Vor allem, und das sei gesagt – auch wenn Domingo gegen Ende ein wenig schwächer wurde, peinlich war er nie.

Und noch etwas: Manchmal klang er wie früher (mit dem Abdunkeln der Stimme gab er sich nicht ab): wie Domingo, der Tenor. Gerade das werden viele übel nehmen, denn bekanntlich ist Nabucco eine Baritonpartie. Aber quod licet Iovi… und die Götter unter uns machen sich eben ihre eigenen Gesetze

Zum Bericht von Renate Wagner

Wann immer nun seine Zeit als Sänger zu Ende geht, es war ihm vergönnt, in einer „guten Opernzeit“ zu werken. Die nachfolgende Generation hat zu kämpfen – und wie!

Trenkler Tratsch: Warum Sänger hirnlose Marionetten werden

Ein eklatanter Misstand: Sängerinnen und Sänger lassen sich erniedrigen und ausbeuten – nur um auftreten zu können.
Kurier

Es ist leider so, auch ich höre es von mehreren Seiten. Dabei wissen wir noch gar nicht, wie sich die Lage weiterentwickelt. Ich musste mir von einer Kollegin den Vorwurf anhören, dass ich jede Gelegenheit benutze, „der Regierung eins reinzuwürgen“.  Das stimmt bestenfalls bedingt, das Medium und somit auch ich vertreten eine Klientel, das mit dem, was die Regierung macht, nicht zufrieden sein kann. Das ist in Deutschland aber nicht anders (eher noch ärger) – und was die deutsche Regierung macht, hat mich als Österreicher nichts anzugehen. Soviel also zu „politischem Kleingeld“ – ich bemühe mich schon um Verständnis für alle Seiten, zumal mir die allgemeine Wirtschaftslage in meinem Innersten – also nicht an dieser Stelle – mehr Sorgen bereitet als die Lage der Theater. Aber unser Klientel wendet sich im Irrglauben, dass wir an der Situation etwas verbessern können, an uns.

Wir können nichts verbessern, lediglich im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten unangenehme Wahrheiten (oder das, was wir für die Wahrheit halten) aussprechen. Mit der personellen Besetzung der Kulturverantwortlichen in diesem Land können Kunstschaffende nicht zufrieden sein. Dem Kanzler ist es kein Anliegen, da lügt er auch gar nicht herum. Deshalb muss er nicht zwangsläufig ein schlechter Kanzler sein, einen echten „Kulturverliebten“ sehe ich in unserer ganzen Spitzenpolitikerriege nicht – eher nur Leute, die Kunst und Kultur als Profilierungsmöglichkeit sehen und gerne salbungsvollen Schmus bei Festspieleröffnungen verbreiten. Die gar nicht mehr so neue Staatssekretärin ist „unter jeder Kanone“, das habe ich bereits geschrieben, als sie rundum bejubelt wurde.

Künstler werden es also kurz- bis mittelfristig besonders schwer haben und ich habe meiner Tochter bereits nahelegt, ihre Kinder von derartigen Ambitionen fernzuhalten.

Reintesten – ein Irrtum

In unserem nur sehr zögerlich wieder anspringenden Diskussionsforum unterlegt eine Diskutantin einen Irrtum, wenn sie meint, dass man sich durch „Selbsttest“ selbst „reintesten“ kann – dazu bedarf es schon eines behördlich anerkannten Tests – und den bekommt man nicht ohne Mühe! Auch die Staatsoper kann „Eintrittstests“ vor der Vorstellung nicht durchführen , obwohl die Zahl der „Zu-Testenden“ in nächster Zeit überschaubar bleiben dürfte. Noch vor einem halben Jahr konnten Veranstalter mittels Fieberkontrolle und aufgelegten Sitzlisten ihr Besucher problemlos „reintesten“ – das ist nicht mehr möglich. Sankt Bürokratius hat erbarmungslos zugeschlagen – wie sollte das in Österreich und Umgebung auch anders sein.

Die Staatsoper hat eine Befragung durchgeführt, wer sich denn überhaupt für einen Theaterbesuch eigens testen lassen würde. Das Ergebnis bleibt unter Verschluss, es dient dem Opernhaus zur weiteren Planung.

Uns würde inseressieren, wer von unserer Leserschaft zu solch einem „Theatertest“ bereit wäre. Ein kurzes Mail mit JA oder NEIN an die Redaktion (info@der-neue-merker.at) würde uns schon weiterhelfen!

NEU: Zahlreiche Mails sind bereits eingelangt, ein Trend zeichnet sich ab – aber weniger klar, als ich angenommen habe.
Ich will nicht beeinflussen!

Wien/ Theater an der Wien
Massenets „Thaïs“ ohne Keuschheitskitsch
Peter Konwitschny inszeniert im Theater an der Wien Jules Massenets „Thaïs“: eine ewig schiefe Geschichte von Anziehung und Abstoßung zwischen Mönch und Kurtisane.
Die Presse

Bayreuth
Katharina Wagner stellt Bayreuther Festspiele neu auf
Nachdem die Bayreuther Festspiele 2020 coronabedingt ausfallen mussten, sind für dieses Jahr neue Formate angedacht, die mit der Pandemie kompatibel sind.

Festspielleiterin Katharina Wagner sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass eine Installation zum Thema „Götterdämmerung“ von der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota geplant sei. Die Uraufführung einer Neukomposition von „Rheingold“ solle am Teich des Festspielparks stattfinden.
https://www.swr.de/swr2/musik-klassik/bayreuther-festspiele-mit-neuen-formaten-100.html

Von Hermann Nitsch hört man nichts mehr, wahrscheinlich ist er in so eine Begleitinstallation eingebunden (oder auch nicht mehr), jedenfalls dürfte die Regiearbeit an einer „Walküre“ eine ganze „Entenfarm“ sein – um einen österreichischen Politiker bei der Verbreitung einer seiner unzähligen Falschmeldungen zu zitieren.

Katharina Wagner: Zugang zu Familienarchiv
Forscher sollten nach Ansicht der Komponisten-Urenkelin Katharina Wagner auf das komplette Archiv der Nachkommen von Richard Wagner (1813-1883) zugreifen können. „Es gibt natürlich ein starkes öffentliche Interesse am Nachlass der Familie Wagner, weshalb man immer nur wieder an die Vernunft der Erben appellieren muss, die Dokumente herauszugeben“, sagte die Chefin der Bayreuther Festspiele der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagsausgabe).
Münchner Abendzeitung

HEUTE STREAM AUS DER MAILÄNDER SCALA: „COSÌ FAN TUTTE“ am 23.1. um 19 h

Sabato 23 alle ore 19 l’opera torna alla Scala con il capolavoro di Mozart, Così fan tutte, in diretta streaming su RaiPlay, www.raicultura.it e www.teatroallascala.org nel classico allestimento di Michael Hampe con scene e costumi di Mauro Pagano, diretto dal M° Giovanni Antonini. Nei ruoli principali Eleonora Buratto, Emily d’Angelo, Bogdan Volkov, Alessio Arduini, Federica Guida e Pietro Spagnoli.

ZU INSTAGRAM mit mehreren Fotos

Streams
Elsa Dreisig, Ioan Hotea & Björn Bürger Lead Livestream of “Manon’ from Staatsoper Hamburg
https://operawire.com/elsa-dreisig-ioan-hotea-bjorn-burger-lead

Elena Stikhina & Evgeny Nikitin Headline Livestream of “The Fiery Angel’ from Mariinsky Theatre
https://operawire.com/elena-stikhina-evgeny-nikitin-headline-livestream-of

Aus Anlass von Domingos Achtziger: Fotogalerie der berühmtesten Tenöre der Welt

 

https://www.gmx.at/magazine/unterhaltung/musik/placido-domingo-80-beruehmtesten-tenoere-ueberblick-35442516

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

Geburtstagsständchen für Placido Domingo nach der Vorstellung

ZU INSTAGRAM mit Kurzvideo

TOSCA in Tokyo – Endproben

ZU INSTAGRAM mit Video (1,17 Minuten)

Ausstellungen/ Kunst: Streit um NS-Raubgut-Geige. Nürnberger Stiftung soll Erben entschädigen
Eine wertvolle Guarneri-Geige befand sich im Besitz eines jüdischen Musikalienhändlers, ehe sie den Nationalsozialisten in die Hände fiel. Auf den ersten Blick scheint die Sachlage klar: Es handelt sich hier um NS-Raubgut. Die Nürnberger Franz Hofmann und Sophie Hagemann Stiftung aber, in deren Besitz sich die Geige heute befindet, weist die Kritik der Beratenden Kommission in Berlin jetzt zurück. Die Erben hätten keinen Anspruch auf eine Widergutmachung, erklärte die Stiftung am Mittwoch.
BR-Klassik.de

Gernot Langes-Swarovski ist tot

Gernot Langes-Swarowski. Foto: Industriemagazin

Der Urenkel des Unternehmensgründers starb im 77. Lebensjahr nach langer schwerer Krankheit. Gernot Langes-Swarovski hat das Familienunternehmen zu einem Weltkonzern gemacht.
https://www.diepresse.com/5926207/gernot-langes-swarovski-ist-tot

Glosse: Auf zum Skihaserl-Flashmob
Als Kommentar- oder Glossenschreiber steht man in diesen Tagen auf hoffnungslos verlorenem Posten. Man glaubt, Dinge ziemlich drastisch zugespitzt zu haben. Doch am nächsten Tag schon zeigt sich, dass die Wirklichkeit den tollkühnsten Formulierungen davon galoppiert.
Wie oft haben wir in den vergangenen Wochen eigentlich vom großen Rätselraten im Lande lesen müssen: Wieso bloß hat ausgerechnet Salzburg so hohe Inzidenzzahlen? Nicht erst der aktuelle Skilehrer-Cluster in Flachau bringt uns da auf eine Idee…
DrehpunktKultur

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“:

  • Japan diskutiert über eine Absage der Olympischen Spiele von Tokio: Wegen der Pandemie ist das Sportfest letztes Jahr verschoben worden, es soll im kommenden Sommer stattfinden. Doch nun wendet sich im Gastgeberland die Stimmung gegen die Spiele. Auch in der Regierung gibt es Zweifel.
    Zum Bericht

Analyse: Bis Merkel abtritt, gibt es keine Rückkehr zu Grundrechten – trotz Impfung
Angela Merkel hat jetzt erklärt, warum sie mit großer Freude die Krisenkanzlerin ist. In ihrem Regieren in der Pandemie verharrt sie im Hier und Jetzt. Das hat für Merkel den Vorzug, sich auf das konzentrieren zu können: Was ist – und auszublenden, was war. Diese Rechnung geht auf.

Angela Merkel redet nicht von Grundrechten. Sie spricht von Privilegien. Seit gestern sogar von „doppelten“ Privilegien. Grundrechte, das ist das, was jedem zusteht. Privilegien sind das, was jemand sich gegen die Mehrheitsgesellschaft herausnimmt. Mehrheitsgesellschaft, das sind die Gleichen. Privilegierte, das sind die, die mehr dürfen, als sie dürfen sollten. Wer sich die Demokratie als Gleichheitsgesellschaft vorstellt, kann gar nicht anders: Er muss Privilegien ablehnen, schon gar doppelte Privilegien. In Corona-Zeiten bedeutet eine Gleichheitsgesellschaft die Gleichheit im Elend. Das Elend, das ist die fehlende Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit frei entfalten zu dürfen, so lange das nicht alle anderen auch können.

Focus.de

Mir genügen meine Grundrechte, die will ich haben. Privilegien brauche ich nicht. Deshalb habe ich mich bereits vergangenen Montag  zur Covid-Impfung angemeldet . „Nutzts nix, so schads hoffentlich nix“. Ich war Dienstag bei meiner Kardiologin Dr. Dimopolus im Ärztezentrum Hernalser Hauptstraße, die mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass ich auf Grund von Vorerkrankungen eigentlich ein Hochrisikopatient bin. Sie wollte mir das sozusagen als Hilfe schriftlich geben, ich habe aber abgelehnt. Jetzt warte ich brav, bis ich an die Reihe komme, bis alle Bürgermeister, Vereinsvorstände und deren Anhang dran waren, mein Geburtsdatum ist ja aus der Anmeldung ersichtlich.

Nun gibt es wieder Probleme mit dem Impfstoff, der Gesundheitsminister hat einen bestellt, mit dem es Probleme gibt. Ich will nun der Regierung „keinen reinwürgen“, aber Misstände wird man doch benennen dürfen. Ich muss ja sogar bei Mitarbeitern vorsichtig sein, denn wenn ich eine „rote Zeitung“ zitiere, wird mir das als tendenziös und absichtlich verfälschend ausgelegt. Also zitiere ich eine eher „schwarze Zeitung“, auch was die Besitzverhältnisse angeht.

Österreichs Impfplan wackelt: Astra Zeneca liefert wohl nur Bruchteil seines Impfstoffs
Nach KURIER-Informationen: Weil die EU sich so lange bei der Zulassung von Astra Zeneca Zeit lässt, werden jetzt im ersten Quartal statt 2.000.000 nur 600.000 Impfdosen geliefert.
Kurier

Die EU hat gute Gründe, warum sie sich Zeit lässt – aber als Nichtmediziner will ich darüber nicht diskutieren. Ich warte jetzt, bis ich ungeachtet des  „Hochrisikos“ einen Termin bekomme – und werde darüber berichten, wenn mich nicht bereits vorher der Teufel holt!

Heute unterschreibe ich übrigens das Volksbegehren gegen die Impfpflicht. Denn nur darum geht es: Ich bin kein Impfgegner und schon gar kein Coronaleugner, ich will lediglich selbst entscheiden und mich nicht zwingen lassen. Ist das so schwer zu verstehen?

Sorry, Herr Professor: Es ist Zeit zu gehen
Verunsicherung, Widersprüche, Chaos wirken sich im Schulwesen aktuell fatal aus. Man sollte Heinz Faßmann nicht zumuten, das weiter durchzustehen. Es ist nicht Ihre Schuld, Herr Minister Faßmann. Sie wären sicher ein guter Wissenschaftsminister. Doch die Zeiten, die sind nicht so. Sie sind Forscher, kein Politiker.
http://www.diepresse.com/5926432/sorry-herr-professor-es-ist-zeit-zu-gehen

Da musste ich nun wirklich zweimal lesen, um es glauben zu können. Dieser Minister ist einer der besten, die wir haben! Ein Fachmann. Gerade deshalb hat er es schwer.

Eigentlich ist so vieles unfassbar, was in diesem Land derzeit abgeht!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

 

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