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23. DEZEMBER 2019 – Montag

23.12.2019 | Tageskommentar

GESTERN WAR TAG DER KURZFRISTIGEN UMBESETZUNGEN IN WIEN. Stefan Pop musste in der Staatsoper ran! Foto: Pop.eu

In der Wiener Staatsoper musste Saimir Pirgu frühmorgens den Rodolfo absagen. Da es um die Weihnachtszeit gar nicht so leicht ist, Wien kurzfristig anzufliegen, traf der Einspringer Stefan Pop erst um 17,30 h in der Staatsoper ein und „rettete“ die Vorstellung.

Noch knapper ging es im Theater an der Wien zu. Corinne Winters musste in der Titelrolle „Halka“ w.o. geben. Laut unserem Rezensenten war aber der kurzfristigst arrangierte Auftritt der polnischen Sopranistin Eva Wesin eine mittlere Sensation.

Ewa Wesin. Copyright: Teatr Wielki/Warszawa

Manchmal verkehrt sich die Absage der Interpretin der Titelrolle, der US-Amerikanerin Corinne Winters, durch Direktor Roland Geyer in ihr glückliches Gegenteil. Aus Polen wurde Ewa Vesin eingeflogen, die diese Partie im Februar des kommenden Jahres an der Polnischen Nationaloper in Warschau singen wird. Und es ist mehr als nur ein glücklicher Zufall, denn sie hatte die Rolle der Halka bereits in ihrem Repertoire. In groben Zügen war ihr auch das Regiekonzept von Mariusz Treliński bereits bekannt, denn die Sopranistin kam erst zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn in Wien an. Und sie hielt sich den ganzen Abend über wacker, lediglich in der letzten Szene waren ein paar in englischer Sprache wiedergegebene Anweisung, wie “back“ zu hören, worauf die Sängerin letztlich langsam zum Bühnenhintergrund gehend, ausgeblendet wurde…

Mit der Überraschung des Abend, Ewa Vesin, als „Einspringerin“ in der Titelrolle war eine Sängerin zu erleben, die vom gefühlvollsten piano bis zum gewaltigen dramatischen Ausbruch im forte jede Facette dieser geschundenen Frau durch ihren lupenreinen, perfekt geführten Sopran zum Erstrahlen brachte…

Zum Bericht von Harald Lacina

INNSBRUCK: Triumph für Nadia Krasteva als Dalila in „Samson et Dalila“

Nadia Krasteva ist in Innsbruck eine fulminante Dalila. Foto: Rupert Larl

Nadia Krasteva lebt in Wien, ist eine schöne Frau – und hatte als Sängerin unter Dominique Meyer in Wien kein leichtes Leben. Einige „Maddalenas“ hatte sie zu singen (was sonst noch?) , in München kam sie öfter auf die Bühne. Nun  gastiert sie in Innsbruck im Rahmen einer Neuinszenierung in einer Paraderolle ihres Fachs.

Dietmar Plattner berichtet aus dem „Heiligen Land Tirol“: Dramatische Mezzosopranistinnen (oder noch besser: Altistinnen, wegen der geforderten Tiefen) sowie ein zu heldischen Aufschwüngen befähigter Tenor finden in den Titelrollen dankbare Aufgaben vor. Das TLT ließ sich nicht lumpen und engagierte dafür zwei Sänger der Extraklasse. Eine bessere Dalila als die an vielen großen Häusern geschätzten Nadia Krasteva ist kaum denkbar. Ein Bild von einer sinnlichen Frau, ausgestattet mit einer wunderbar timbrierten, bruchlos geführten Stimme voll von lodernder Erotik und bronzefarbener, substanzvoller Tiefe. Wie sehr sie in dieser Rolle verwurzelt ist konnte man an ihrem reichen Gestenvokabular ablesen. Auf gleicher Augenhöhe begegnet ihr der in Innsbruck besonders beliebte (unvergessen sein Enzo, sein Adorno) St. Petersburger Tenor Viktor Antipenko. Mit reizvollem Tenorstrahl, dem es nur ein bisschen an Nuancierung mangelt, bewältigt er die kräftezehrende Rolle des Samson mühelos. Wenn er mit Dalila-Krasteva im spannungsgeladenen 2. Akt so richtig loslegt, muss das zwangsläufig zu einer Beifallsexplosion am Aktschluss führen. Was für ein superbes Paar! 

Zum Premierenbericht von Dietmar Plattner

MÜNCHEN: THE SNOW-QUEEN

OFFEN GESPROCHEN: BARBARA HANNIGAN IM GESPRÄCH MIT HANS ABRAHAMSEN

Barbara Hannigan

ZUM VIDEO

Thomas Gräßle (Kay Double), Barbara Hannigan (Gerda), Peter Rose (Snow Queen), nackte Statistin (Gerda Double) Rachael Wilson (Kay) © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper: THE SNOW QUEEN. Premiere
„Lame Duck“ – Collage introvertierter Wirkungsarmut mglw. für Kognitivisten

TTT: Die Oper wurde nach Berichten in Verehrung zu Barbara Hannigan komponiert. Nach meinem Eindruck huldigt hier ein Komponist einer großartigen Sängerin, bleibt in stimmlich vorsichtigen Bahnen und vernachlässigt das Gesamtpaket.
https://onlinemerker.com/muenchen-bayerische-staatsoper-the-snow-queen-premiere/

Psycho statt Liebe – Hans Abrahamsens “The Snow Queen“ in München
An der Bayerischen Staatsoper München konnte die Deutsche Erstaufführung von Abrahamsens „Märchenoper“ nicht überzeugen, findet unser Kritiker Wolf-Dieter Peter. „Andersens geradewegs auf unsere Gesellschaftsprobleme zielende ‚Märchenbotschaft‘ wurde nicht fürs Musiktheater gewonnen … Jubel dagegen für alle Solisten und die faszinierende Ästhetik von Thors Szenerie.“
Neue Musikzeitung

„Konzertgänger in Berlin“
Raffiniert maskiert: Prokofjews „Verlobung im Kloster“ an der Staatsoper
Weihnachtsferien sind unter Opernabhängigen die gefürchtetste Zeit: lauter schwatzende und knipsende Touristen in mittelmäßigen Aufführungen. Eine beflügelnde Perle im Jahresendprogramm dürfte Die Verlobung im Kloster von Sergej Prokofjew sein, die jetzt an der Staatsoper Unter den Linden wiederaufgenommen wurde.
https://hundert11.net/raffiniert-maskiert/

Wien/ Theater an der Wien: „Sich selbst besiegen, ist der größte Sieg“
Kurz vor Weihnachten lud das Theater an der Wien zu einer konzertanten Aufführung von Georg Friedrich Händels „Rodrigo“. Die Oper wurde 1707 erfolgreich in Florenz uraufgeführt und war ein wichtiger Meilenstein in Händels Karriere als Opernkomponist.
20.12. „Rodrigo“, konzertant im Theater an der Wien
http://www.operinwien.at/werkverz/haendel/arodrigo.htm

Der Kleinbürger überlebt: Janaceks „Das schlaue Füchslein“ im Theater Liberec (CZ)
Neue Musikzeitung/nmz.de

Bewundert viel und viel gescholten: Dominique Meyer

Der scheidende Direktor wird von der „Neuen Zürcher Zeitung“  einer genaueren Betrachtung unterzogen. Ein Liebling des deutschen Feuilletons war Dominique Meyer nie, aber ist es ein Gewinn für das Publikum, wenn eben dieses umstrittene Feuilleton jubelt? Kein deutsches Opernhaus – also auch nicht München, das 97 ,4 % Auslastung bei geringerem Fassungsvermögen angibt, erreicht die Wiener Frequenz. Das ist zwar in erster Linie Umständen geschuldet, für die Herr Meyer nichts kann – aber er hat die Staatsoper zumindest nicht in Grund und Boden gefahren. Ich möchte hier keineswegs ein Duell Wien/ München oder Berlin provozieren – über derlei Kindereien bin ich längst hinaus – ich gebe Betrachtungen aus dem benachbarten Ausland Raum. Die Tatsache der vielen „deutschen Opernflüchtigen“ kann ich aber bestätigen, immerhin ist der Online-Merker mit seiner eigentlich öffentlich zugänglichen Redaktion/ Galerie/ Straßenlokal eine beliebte Anlaufstelle – in der sich manch deutscher Opernfreund „ausweint“

Er ist die graue Eminenz des internationalen Opernbetriebs:
Dominique Meyer leitet seit 2010 die Wiener Staatsoper – mit Auslastungsquoten, von denen andere Bühnen träumen. Wofür aber steht der Mann künstlerisch, der im März als Nachfolger von Alexander Pereira die Mailänder Scala übernimmt?

Soeben ist die 150. Saison der Staatsoper wiederum mit Rekordergebnissen zu Ende gegangen: 662 081 Gäste besuchten die 291 Vorstellungen, eine Auslastung von 99,1 Prozent. Dadurch wurde die bisher höchste Summe durch den Verkauf von Eintrittskarten in der Geschichte des berühmten Hauses am Ring erzielt, präzise 37 695 162.26 Euro…

Indes ist allen Erfolgsmeldungen zum Trotz unverkennbar, dass die Wiener Staatsoper in den vergangenen Jahren in der künstlerischen Wahrnehmung, besonders durch die deutschsprachigen Feuilletons, drastisch an Prestige verloren hat. Altbacken, abgestanden und museal, langweilig, verstaubt und gestrig lauten die Adjektive, mit denen Rezensenten die Bühnenbilder, Kostüme und die Regiearbeit bei Neuinszenierungen der Staatsoper häufig charakterisieren.

Diese merkwürdige Diskrepanz zwischen dem Zuspruch des Publikums und der überwiegend negativen Rezeption durch weite Teile der professionellen Kritik wird nun gerne damit erklärt, dass das Haus die exzellenten Auslastungswerte vor allem dem enormen Zustrom von Touristen zu verdanken habe. Meyer kennt diesen Vorwurf natürlich und verweist auch hier gelassen auf die stets verfügbaren Zahlen. Mehr als zwei Drittel der Karten würden ans österreichische Stammpublikum verkauft, wie er von den Damen und Herren der Tageskasse wisse. Und unter den Touristen befänden sich auffällig viele Deutsche, «Opernflüchtlinge» gleichsam, die es satthätten, «zu Hause nur noch Sänger in Unterhosen auf der Bühne zu sehen», so Meyer pointiert…
Neue Zürcher Zeitung

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf eine geradezu sensationelle Formulierung einer der prominentesten Vertreterinnen des deutschen Feuilleton, der „Frankfurter Allgemeinen“, hinweisen.

Wer meint, dass diese Zeitung die Burgtheater-Untat des künftigen deutschen Volkstheater- Chefs Kay Voges bejubelt, irrt gewaltig: Der Mann, der als Regisseur hauptsächlich für diesen groben Unfug verantwortlich ist, Kay Voges, wird in knapp einem halben Jahr das zweitgrößte Wiener Theater, das Volkstheater, übernehmen. Das kann ja heiter werden.

Endzeit-Oper in Wien: Zunehmende Zombiefizierung
„Der Mann, der als Regisseur hauptsächlich für diesen groben Unfug verantwortlich ist, Kay Voges, wird in knapp einem halben Jahr das zweitgrößte Wiener Theater, das Volkstheater, übernehmen. Das kann ja heiter werden.“
Frankfurter Allgemeine

WIEN / Österreichische Nationalbibliothek / Prunksaal: BEETHOVEN MENSCHENWELT UND GÖTTERFUNKEN
Vom 19. Dezember 2019 zum 19. April 2020

 

Liebhaber, Sonderling, Titan

Wenn über einen Komponisten so unendlich viel geforscht wurde wie über Ludwig van Beethoven, kann man anlässlich seines 250. Geburtstags zwar in die gebührende Ehrfurcht und Bewunderung ausbrechen, wirklich Neues wird es nicht zu erzählen geben. Aber auch das Alte hat viele schöne und besondere Aspekte, wie die Ausstellung im Prunksaal der Nationalbibliothek unter dem Titel „Menschenwelt und Götterfunken“ zeigt. Hier konnte man mit rund 100 Objekten Leben und Werk nachzeichnen und mit wenigen Ausnahmen auf eigene Bestände zurück greifen.

Zum Ausstellungsbericht von Renate Wagner

Literaturporträt: Samuel Beckett: Die Eleganz der Schweigsamkeit
Vor dreißig Jahren, am 22. Dezember 1989, starb der Autor von „Warten auf Godot“, „Endspiel“ und der „Molloy“-Trilogie.
Wiener Zeitung

Paris: Modeschöpfer Emanuel Ungaro gestorben
Er starb im Alter von 86 Jahren in Paris.
Kurier

Wiener Silvesterpfad 2019/20: Das ganze Programm und alle Stationen
https://www.vienna.at/wiener-silvesterpfad-2019-20-das-ganze-programm

Einmal – und nie wieder – das gilt für mich im Bezug zum Silvesterpfad. Wien ist voll mit Gästen, wer immer es sich unter uns Wienern leisten kann, flüchtet aus der Stadt. Lasst doch bitte unseren Gästen diesen Silvesterpfad – wir haben Wien das ganze Jahr über!

Regen statt Schnee – so ist Weihnachten nicht gemeint. Zahlen wir fleißig in die Zertifikatfirmen ein, dann haben wir wieder Hoffnung auf Weihnachtsschnee. Aber bitte, wir zahlen nur für Originalschnee, Kunstschneekanonen sind nicht gemeint.

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

Einmal noch schlafen – und das Christkind ist da!

 

 

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