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23. AUGUST 2019 – Freitag

23.08.2019 | Tageskommentar

Berlin: Ein Orchester ist in seinen Chef verliebt!

Ein Orchester ist verliebt (Glosse)
Ja, sie wollen: Kirill Petrenko scheint für die Berliner Philharmoniker viel mehr zu sein als bloß der neue Chefdirigent. Eine Glosse.
Tagesspiegel

Das sagen Berliner Philharmoniker über ihren neuen Chef
Die Geigerin Anna Mehlin, der Schlagzeuger Raphael Haeger und der Solo-Oboist Albrecht Mayer erzählen von ihren ersten Erlebnissen mit Kirill Petrenko.
Tagesspiegel

Ist ja wunderschön. Ein Chef sollte freilich nicht zu beliebt sein. Bei solchen Jubelarien werden natürlich die richtigen Leute gefragt. Ich bin überzeugt, dass das Verhältnis des Orchester zu seinem genialen Chef ein normales ist – mit allen zu erwartenden Höhen und Tiefen.

Salzburger Festspiele: Sonntag kommt Domingo dran!

Die Vermutung, dass sich Placido Domingo nach all den Turbulenzen eine Auszeit gönnen werde, trifft anscheinend nicht ein. Die „Aktion Luisa Miller“ läuft programmgemäß – also mit PD in der Rolle des alten Miller, die keineswegs die Hauptrolle ist.

 

Die Oper heißt „Luisa Miller“ und nicht „Luisas Vater“. Nino Machaidze. Copyright: Zemsky Green/ Artist Management

Meine Meinung in dieser undelikaten Geschichte habe ich hinlänglich deponiert. Viel interessanter wäre, wer die Sache medial zum Zeitpunkt des Auftritts beim weltweit doch bekanntesten Klassikfestival so punktgenau losgetreten hat. Wem ist Domingo plötzlich so sehr im weg? Die Umtriebigkeit des Sängers ist ja ein uralter Hut!

Der Domingo-Effekt
Die Reaktionen auf die Vorwürfe gegen Plácido Domingo, und was sie bedeuten.
https://van.atavist.com/domingo?fbclid=IwAR3z-p34u6cyvuXJa_lr8MmZS9w

Gruppenbild ohne den alten Miller: Nino Machaidze und Piotr Beczala. Foto: Instagram

SALZBURG/Festspiele: Wiener Philharmoniker mit Daniel Barenboim am 22. August 2019


Schlussapplaus. Foto: Klaus Billand

Gestern Abend spielten die Wiener Philharmoniker unter Daniel Barenboim ein reines Gustav Mahler-Programm, und zwar die „Kindertotenlieder“ und die „Symphonie Nr. 5 cis-Moll“. Im vollbesetzten Großen Festspielhaus sang die bekannte Mezzosopranistin Okka von der Damerau den Solopart der Kindertotenlieder. Offenbar hatte sie es auf einenbetont lyrischen Vortrag abgesehen, denn ihre Stimme war nicht so präsent wie ich sie aus Aufführungen des „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner in München und Bayreuth her kenne. Aber so war eine sehr nachdenkliche, ja kontemplative Interpretation der Kindertotenlieder zu erleben, die mit dem ebenfalls zurückgenommenen Dirigat von Barenboim am Pult der Wiener Eindruck machte.

Dieser stellte sich aber in des Begriffes wahrster Bedeutung gleich mit dem Beginn des 1. Satzes, des Trauermarsches, der 5. Symphonie nach der Pause ein. Hier hatte es Barenboim wohl auf Bombastik abgesehen. Er akzentuierte die großen Ausbrüche der Fünften mit enormer Klarheit und Prägnanz im 1. und 2. Satz, wobei die außergewöhnliche Potenz der Blechbläser besonders stark zum Ausdruck kam, die Zwischentöne aber weitgehend auf der Strecke blieben. Das grandios abwärts gehende Motiv der Hörner klingt mir noch heute Morgen im Ohr. Umso stärker wirkte dann die Lyrik und Sublimität des Adagiettos – Momente zum Nachdenken. Das Publikum war begeistert.

Eine Bemerkung, in der Tat am Rande: Placido Domingo erschien, als Barenboim fast schon den Taktstock hob, am linken Rand des Ranges in einer Seitenloge, verfolgte die ganze Fünfte, und verschwand sofort wieder nach ihrem letzten Ton. Kaum jemand bemerkte ihn, eher eine Seltenheit bei PD…

Klaus Billand aus Salzburg

Salzburger Festspiele:  Mozart auf den Müll
Leiden wir heutzutage unter einem «Meisterwerk-Komplex»? Darf man in die grossen Opern der Vergangenheit eingreifen? Peter Sellars will anlässlich seiner Salzburger Neuinszenierung des «Idomeneo» sogar Teile der Partitur entsorgen. Ein Widerspruch.
https://www.nzz.ch/feuilleton/mozart-auf-den-muell-ld.1502973

Mozart ist für alles gut
Mozart-Oper „Idomeneo als Protestveranstaltung
https://rp-online.de/kultur/musik/mozarts-idomeneo-bei-den-salzburger-festspielen_aid-45079105

Thielemann / Bachler wird uns noch lange beschäftigen, bis zu einem vermutlich „blutigen“ Ende, bei dem einer von ihnen „geopfert“ werden muss.

Renate Wagner fragt in ihrem „Apropos“ wieder einmal nach den Hintergründen: Wir  nehmen Fakten allzu ungefragt hin. Und diejenigen, die dahinter stecken, bleiben unerkannt. Wer, warum, cui bono sind Fragen, die man sich stellen muss und die in diesem Fall besonders interessant wären. (Dass wir nie erfahren werden, wer hinter „Ibiza“ steckt oder wer der „Causa Domingo“ so geschickt gebastelt hat, die ja auch nicht von selbst aus dem Nichts gekommen ist – damit muss man sich wohl abfinden.)

 

 

APROPOS: Entweder – oder

Kultur ist Politik, und Politik ist – wie man weiß und woran sie einen ununterbrochen erinnert – etwas Übles. Ich habe auch schon üble Aktionen beobachtet, Menschen aus ihren Funktionen einfach hinaus zu mobben. Aber so übel wie der Fall Christian Thielemann ist mir schon lange nichts vorgekommen.

Wenn man ihn bei den Salzburger Osterfestspielen nicht mehr will (wer eigentlich?), dann soll man seinen Vertrag nicht verlängern, was zwar peinlich, aber zumindest eine geradlinige Aktion wäre. Ihm Nikolaus Bachler vor die Nase zu setzen, war zweifellos eine himmelschreiende Gemeinheit. Zwei Männer, die, wie jeder weiß, nicht miteinander können. Ordinärer hätte man zu Thielemann nicht „Putz dich!“ sagen können.

Dass dieser nicht kampflos aufgibt – warum soll er, Salzburg ist gut für ihn, ist ein schönes, seit Karajan personalisiertes Festival, und er ist die Persönlichkeit, es zu tragen, zumal er ein großes Orchester hinter sich hat. Dass er jetzt rechtzeitig in den Kampf zieht, ist auch vernünftig. Er kann nicht mit Bachler, er will nicht mit Bachler, also muss es auf eine „Er und ich“-Alternative hinaus laufen…

MEHR DARÜBER

Auch in diesem Fall wäre die Identität der Hinterfrauen oder Hintermänner interessanter als die Sache selbst. Gar so wichtig ist dieses in seinem Programm doch sehr überschaubaren Festivals nicht. Mir ist aufgefallen, dass von einer „Ausweitung“ der Osterfestspiele gesprochen wird, für die Herr Bachler in Zukunft wohl mehr Zeit hätte als der vielbeschäftigte Thielemann. Zwischen Ostern und Pfingsten liegen sechs Wochen. Wenn man drei davon nützt, hat man ein „Gegenfestival“ zu den Sommerfestspielen und Nikolaus Bachler den Job, den er sehr gerne bei den großen Festspielen gehabt hätte – und den letztlich der Presse-Weltmeister Markus H. geerbt hat.

Bregenzer Festspiele: „Rigoletto“-Clown geht in Winterschlaf
Die Bregenzer Festspiele haben nach Abschluss der Saison damit begonnen, das „Rigoletto“-Bühnenbild winterfest zu machen. Dazu wurde am Donnerstag unter anderem der gelb-weiß gestreifte Ballon abmontiert, er wird bis zum nächsten Sommer eingelagert. Der Clownkopf hat seine Augen geschlossen und scheint zu schlafen. Der Kopf benötigt keinen weiteren Schutz, er sei bereits winterfest konzipiert.
Salzburger Nachrichten

KOMISCHE OPER BERLIN: Saisonauftakt 2019/20 bereits erfolgt

»Flucht I« (15.9.) | Kinderfest (1.9.) | Wiederaufnahmen (ab heute)

Wir starten frisch zurückgekehrt vom gefeierten Edinburgh-Gastspiel in die neue Spielzeit! Der Spielbetrieb in Berlin fängt wieder an, gestern mit der Wiederaufnahme von Candide (in größtenteils neuer Besetzung, auch am 25.8.), weiter geht es heute mit Roxy und ihr Wunderteam (natürlich wieder mit den Geschwistern Pfister). Ab 30. August kehrt Jewgeni Onegin nach Berlin zurück: An fünf Terminen wird dieses »unforgettable staging« [The Daily Telegraph] im Haus an der Behrenstraße zu erleben sein… (Quelle: Komische Oper Berlin)

Ruhrtriennale/ „Nach den letzten Tagen“: Alle Menschen werden müder
Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp sammelte Äußerungen von rechten und ganz rechten Politikern und machte daraus mit Regisseur Christoph Marthaler einen Abgesang auf Europa. Premiere war am 21. August. Musikalisch und textlich überzeugend war das nicht, eher plakativ.
BR-Klassik

Schwarzenberg/ Hohenems: Umbesetzungen bei der Schubertiade 2020
Elisabeth Leonskaja und Jussen statt András Schiff.
Wiener Zeitung

Wenn Herr Schiff nicht mehr will, wird eben umbesetzt!

WIENER KAMMERORCHESTER: SAMSTAG (24.8.) IM STEPHANSDOM: DIE VIER JAHRESZEITEN

 

„Die vier Jahreszeiten“ im Stephansdom
Stephansdom Wien
Aufführungen
Sa, 24.08.2019 20:30 Wiener Stephansdom

„1825“ – Elisabeth Plank (Harfe)

 

1825 – der Titel der neuen CD der jungen österreichischen Harfenistin Elisabeth Plank nimmt Bezug auf das Instrument dieser Einspielung, die historische Doppelpedalharfe. Die Auswahl der Werke machen die Entstehung eines eigenständigen Harfenstils hörbar, der zuallererst aus der stilistischen Abgrenzung der Harfe vom Klavier bestand, die durch die technischen Innovationen beider Instrumente in dieser Zeit ermöglicht wurde. So finden sich Kompositionen von Louis Spohr, Ludwig van Beethoven und Ignaz Pleyel, die noch für die Einfachpedalharfe entworfen wurden, neben Werken des damals berühmtesten, auch in Wien wirkenden Harfenisten Elias Parish Alvars, von Franz Lachner, Charles Nicholas Bochsa und Gioacchino Rossini. „Für mich ist dieses Album der Beginn einer intensiven Auseinandersetzung mit der historischen Doppelpedalharfe, wie auch mit der harfenistischen Vergangenheit Wiens, und so soll diese CD dazu einladen, in eine heute unbekannte Klangwelt und in ein unbekanntes Wien einzutauchen“ (Elisabeth Plank).

Rock/ Pop: Rammstein brannten Wien ohrenbetäubend nieder
Die Berliner Band legte am Donnerstag bei ihrem ersten von zwei Shows das Happel-Stadion in Schutt und Asche
Heute

Das ist zum Glück nicht wörtlich zu nehmen, aber 50 000 Zuschauer gestern und weitere 50 000 heute macht die imponierend Zahl von 100 000 an zwei Abenden . Zum Vergleich: Die Bayreuther Festspiele werden von 60 000 Wagnerianern an 32 Abenden besucht (das hat Rammstein fast an einem Abend), für Salzburg werden mit großem Tam-Tam und internationaler Werbung 237 000 Karten für ein riesiges Angebot, das sich über 5 Wochen erstreckt  aufgelegt (nicht alle verkauft).

Natürlich spielen Bayreuth und Salzburg nicht in Stadien und so gesehen hinkt der Vergleich. Aber wir sollten unsere „Klassik“ nicht punkto Zuschauerinteresse allzu wichtig nehmen. Missionierungsversuche meinerseits sind kläglich gescheitert, ich bin schon auf genug zu verschenkenden Opernkarten sitzen geblieben! Bei Rammstein hätte ich das Problem wohl nicht!

Ich würde nie zu Rammstein gehen, aber mich faszinieren derartige Verkaufszahlen!

In eigener Sache: Forums-Erhalt gesichert – bis zu nächsten Problem

4000 Fake-Mails lähmten unsere Registrierung, wir mussten einen Schutzwall einbauen, der Sonntag kurzzeitig auch die Website-Besucher ausgesperrt hat.

Unsere Technikerin Sonja Haag urlaubt derzeit und hat vom Campingplatz aus repariert:

Liebe Merker-Leser,

es hat jetzt ein wenig gedauert bis ich wieder Strom hatte -> Campingplatzwechsel. Ich habe eben ein Anti Spam Tool eingebaut, das ausschliesslich das Registrierungs- und Logenformular schützt. 

Die Flutwelle an Mails sollte nun vorbei sein!

Zitat Ende!

Sie, liebe Leser, haben es kaum bemerkt, aber es war eine ernste Situation. Der Server hat Alarm geschlagen und hätte – wenn wir keine Lösung gefunden hätten – die Seite vom Netz nehmen müssen, bis das Forum deaktiviert ist. Deaktivieren kann aber nur unsere „Urlauberin“. Danke für deren Einsatz!

Womit auch die in letzter Zeit in verschiedenen Zeitungsartikel aufgeworfene Frage, ab ein Dienstleister/ Arbeitnehmer im Urlaub erreichbar sein muss, beantwortet ist: Er muss nicht, soll aber! Bei mir in der Firma hat das recht gut geklappt. Und hier klappt es auch – wie man sieht!

Wien/ Burgtheater
300.000 Euro in eigene Tasche gesteckt: Ex-Burgtheater-Chefin muss vor Gericht
Im November steht die ehemalige Geschäftsführerin des Burgtheaters Silvia Stantejsky vor dem Wiener Landesgericht. Ihr wird vorgeworfen, in ihrer Zeit als kaufmännische Leitung rund 300.000 Euro in die eigene Tasche gesteckt zu haben.
VOL.at

Zuerst einmal – es handelt sich nicht um die Burgtheater-Chefin, sondern um die Geschäftsführerin/ Buchalterin.

Als die Dame als einzige angeklagt wurde, habe ich vermutet, dass sie sich gewissermaßen für die Herren Hartmann und Springer „opfert“. Die Bauernopfer kennen wir ja aus dem Schachspiel.

Nun, so ganz kann ich diese Vermutung nicht mehr aufrecht erhalten! Offenbar war die Dame doch nicht nur „gute Seele“, sondern nicht nur trickreich, sondern „link“. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass jemand seinen guten Ruf verkauft und fortan als kriminell bezeichnet werden darf.  Es sei denn, sie hat soviel Geld bekommen, dass sie auswandern kann. Das Gericht wird das festzustellen haben. Freilich: 300 000 Euro waren nicht für die Burgtheaterkrise verantwortlich.

Haben Sie einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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