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23. APRIL 2019 – Dienstag

23.04.2019 | Tageskommentar

Osterfestspiele Salzburg legen ehrliche Bilanz. Ein leichter Rückgang der Auslastung ist zu konstatieren! Foto Wikipedia

Im Normalfall bekommen wir immer Jubelmeldung, irgend einer neuer Rekord wird immer gefunden. Bei 99 % und mehr werde ich immer nachdenklich – wo hat man da wieder an einer Statistik-Schraube gedreht?

90,5 % sind bei einem Hochpreisfestival auch kein schlechter Wert, wenn es aber 93 % aus dem Vorjahr zu verteidigen gilt, sind diese zweieinhalb Prozent ein kleiner Dämpfer. Bemerkenswert: Nur die „Meistersinger“-Premiere war total ausverkauft, für die selben „Meistersinger“ am Ostermontag bekam man schon noch Karten? Was sagt uns das über das Publikum?

Osterfestspiele Salzburg 2019: Weniger Karten verkauft als 2018
Insgesamt wurden 18.800 Karten für das Festival verkauft. Die Auslastung war damit geringer als 2018.
Kurier

Heinrich Schramm-Schiessl zum Kartenverkauf bei den Osterfestspielen: Man muss hier etwas zurechtrücken. Mehr als „Ausverkauft“, d.h. es gab Wartelisten für Karten, waren die Osterfestspiele ausschließlich in der Zeit Karajans. Das war einerseits der Persönlichkeit Karajans an sich geschuldet und andererseits dem Umstand, dass Karajan damals – sieht man von den Aufführungen zwischen 1977 und 1980 an der Wr. Staatsoper ab – ausschließlich in Salzburg (Ostern wie Sommer) Oper dirigiert hat und überhaupt ausschließlich zu Ostern Wagner-Opern (mit Ausnahme des „Tannhäuser“ alle).

Die jetzigen Opernproduktionen hingegen kann man meist wenige Monate später ebenfalls unter Thielemann in Dresden zu wesentlich günstigeren Preisen erleben.  

 

Mittlerweile wird das Osterfestival bereits in Frage gestellt (Salzburger Nachrichten) . Doch davon morgen!

Im Vergleich: Baden-Baden berichtet von mehr als 23.000 Besuchern bei acht Veranstaltungen im Festspielhaus

Gedanken zur Auslastung – nicht nur in Salzburg, sondern generell.

Wiener Stehparterre: Leere unmittelbar vor dem 3. Akt „Parsifal. Foto: F.K.

99 % sind ohne Tricks nicht zu schaffen, von keinem Theater der Welt. Jetzt billige ich der Wiener Staatsoper durchaus eine großartige Auslastung zu (sogar die beste der Welt), aber 99,2 % Jahresdurchschnitt sind unmöglich zu erreichen, ohne „nachzuhelfen“:

Was ist „Auslastung“? Die Anzahl der völlig regulär verkauften Karten bei voller Auslastung der Besucherkapazität? Das wäre echte Auslastung!

Unsere Rezensenten aus Deutschland führen sehr oft schlechten Besuch an (München ausgenommen, manchmal auch das eine oder andere Berliner Haus), die Opernhäuser zaubern dann eine Statistik hervor, die das Gegenteil beweisen soll

Es gibt natürlich Tricks, mit denen Theater ihre Prozentzahlen schönen. Man legt zum Beispiel bei wenig attraktiven Vorstellung weniger Karten auf, sperrt ganz Ränge (nicht die Wiener Staatsoper, die hat das nicht nötig), so erreicht man trotzdem- in Prozenten gemessen – eine gute Auslastung, die sich in der Jahres-Schlussbilanz niederschlägt. Die Ausgabe von stark verbilligten „Regiekarten“ ist auch ein gangbarer Weg. Als ich Schüler war – das ist wohl einige Jahre her – wurden Karten verschenkt, das Angebot aber wirklich nicht von allen dermaßen Beteilten wirklich angenommen. In der Statsitik gelten diese Karten aber als „verkauft“, wenngleich sicher nicht zum Vollpreis!

Wenn dann das Wetter nicht mitspielt (und zu schön ist) , lassen doch einige der zuvor Besuchsbereiten ihre Karten verfallen, vor allem, wenn diese nicht viel gekostet haben. Ostersonntag war so ein Tag in Wien, herrliches Wetter konkurrierte mit einer über fünfstündigen Wagner-Oper. Das kann nicht gut gehen! Zumindest keine drei Akte lang. Der Fairness halber sein erwähnt, dass das Foto unmittelbar vor Beginn des 3. Aufzugs „Parsifal“ gemacht wurde. Für die Statistik zählt natürlich der erste Akt!

Dass nach dem 2. Akt eine Fluchtbewegung entstand, mag auch an der Inszenierung gelegen haben. Gerade der zweite Akt ist – so die Meinung unseres Rezensenten, besonders fragwürdig:

Eine Zeitlang waren es die Zirkusarena oder der Boxring, die den Opernregisseuren bei ihrer Suche nach neuen Schläuchen für alte Weine zu Hilfe kamen, nun ist es offenbar das Krankenhaus. Einer der ersten war Claus Guth, der 2010 der Titelfigur seines Wiener Tannhäuser 2010 im letzten Akt kurzerhand ein Bett im von Otto Wagner erbauten Sanatorium Steinhof zuwies. Dort, wo auch die Pilgerschar in Zwangsjacken vorbei defiliert, liegt er im Koma. Das Ganze war von einer zwingenden Konsequenz und wirkte im Verlauf der Entwicklung, die Tannhäuser durchläuft, durchaus überzeugend. (Leider ist Tannhäusers Koma offenbar derart heftig ausgefallen, dass man ihn auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper schon lange vermissen muss. Das gilt leider auch für Wagners Meistersinger und Holländer, weitere schwere Versäumnisse der zu Ende gehenden Ära Meyer.)

Es dauerte nicht lange, bis Stephen Langridge 2015 dem Amfortas in seiner Parsifal-Inszenierung an der Royal Opera Covent Garden Bettruhe in einem Krankenhaus verordnen sollte. Diesen Einfall aufgreifend,  verlegt zwei Jahre später Alvis Hermanis in seiner Wiener Inszenierung von Wagners Bühnenweihspiel gleich die ganze Handlung in ein – im Wiener Jugendstil erbautes – „Wagner Spital“, das sich architektonisch wie eine Mischung aus Otto Wagners  Stadtbahnstationen und seiner Kirche am Steinhof ausnimmt. Das wirkt scheint zunächst vielversprechend, erweist sich allerdings spätestens ab dem Klingsor-Aufzug als ein krampfhaft exekutierter, unpraktikabler Ansatz. Dem zauberhaften Bühnenweihspiel ist damit jedenfalls nicht beizukommen.

Zum Bericht PARSIFAL am Ostersonntag von Manfred A. Schmid

Zum Bericht von Christoph Karner

Wien/ Staatsoper: Stehplatz wird teurer, Stammgäste sollen bleiben
Eine Kompromisslösung versucht, den Frieden zu wahren.
Wiener Zeitung

Wien: Sängerisches Kräftemessen beim 11. Hilde Zadek Gesangswettbewerb
Die Vorrunden finden in der Musikuni, das Finale am Samstag im Musikverein statt.
Wiener Zeitung

PARSIFAL in Erl-Tirol – erstmals ohne Gustav Kuhn

Michael Güttler hat Kuhn erfolgreich ersetzt

Karl Masek hat den „breiten Weg“ von Wimpassing im Burgenland (seine Sommerresidenz) nach Erl nicht gescheut:

Im Moment befindet man sich in Erl sozusagen in einer „Zwischenzeit“. Man bringt – einmal noch – die „Parsifal“-Produktion von Furore di Montegral, die im März 2018 erstmals im Festspielhaus gezeigt wurde. Einiges wurde da von einer früheren Produktion, noch aus dem Passionsspielhaus, integriert. Work in progress wird da gespielt.

Gurnemanz (Pavel Kudinov) mit dem getöteten Schwan. Foto: Xiomara Bender

Man konnte feststellen: Eine Arbeit, „nah am Werk“ in Szene gesetzt. Neu- und Umdeutungen blieben außen vor. Keine mutwilligen „Verortungen“. Kein „Wagner-Spital“, kein Chefarzt Gurnemanz, die Gralsritter sind keine Patienten, Kundry wird nicht im Gitterbett vorgeführt.

Eine sehr stilisierte Lesart wird hier gezeigt. Pathos in kleinen Dosen.

Zum Bericht von Karl Masek

Nachstehend der Erler Schlußapplaus 😉 Video

 

https://www.facebook.com/watch/?v=567215107101168

Augsburg: DIE WALKÜRE (konzertant)

Augsburger Philharmoniker, Gerhard Siegel, Domonkos Héja, Jennifer Holloway – Foto: Jan-Pieter Fuhr

Im Jahre 1997 debütierte in Augsburg ein junger Tenor mit der Partie des Mime im (bisher letzten !!) Augsburger „RING“ und eroberte mit eben dieser Partie in der Folgezeit die Bühnen der Welt von München über Bayreuth bis Wien, New York und Japan: Gerhard Siegel. Trotz weltweiter Erfolge ist er der Stadt und dem Theater Augsburg immer verbunden geblieben und betrachtet Augsburg als seine künstlerische Heimat. Es war seine schöne Idee, nach all den Erfolgen weltweit, gemeinsam mit international anerkannten Kolleginnen und Kollegen, eine Benefiz-Gala zugunsten der  Sanierung des derzeit geschlossenen Großen Hauses des Augsburger Theaters zu veranstalten, so kam es zu der konzertanten Aufführung der WALKÜRE am Ostersonnabend im (unverständlicherweise nicht ausverkauftem) Kongress am Park. Alle, die Siegel gerufen hatte, kamen und stellten sich ohne Gage diesem Anliegen:Iréne Theorin als Brünnhilde, Jennifer Holloway als Sieglinde, Johan Reuter als Wotan, Walter Fink als Hunding, Katharine Goeldner als Fricka und Waltraute…u.s.w.

Zum Bericht von Werner P. Seiferth

Berlin/ Staatsoper: „Die Meistersinger von Nürnberg“. Meister Sachs als Schuhfabrikant und weit blickender Poet

 3. Akt:   Hans Sachs (Wolfgang Koch), rechts Eva (Julia Kleiter) Chor und Ensemble. Im Hintergrund das Berliner Schloss. Foto: Bernd Uhlig 

Zum Bericht von Franz Roos

Freiberg: DER KONSUL von Gian-Carlo Menotti  20.4.2019

Der „Konsul“ tritt in dieser ersten abendfüllenden Oper von Gian Carlo Menotti gar nicht auf. Er bleibt als großer Unbekannter unsichtbar, vielleicht gibt es ihn gar nicht, oder er ist mit dem Agent der Geheimpolizei identisch, der ja aus dessen Zimmer tritt, als Magda Sorel lange auf einen Termin bei ihm wartet.

In dem kleinen Barocktheater Freiberg wird diese beklemmende Oper gespielt, die Menotti in seiner 2.Heimat, den USA, geschrieben hat, und die 1950 mit großem Erfolg am Broadway in New York uraufgeführt wurde…

Zum Bericht von Friedeon Rosén

Operetten-Rarität in München (Gärtnerplatztheater): „Der tapfere Soldat“ von Oscar Straus (Vorstellung: 20. 4. 2019)

„Der tapfere Soldat“. Foto: Christian POGO Zach

Im Münchener Theater am Gärtnerplatz kam es zur Wiederaufnahme einer besonderen Operetten-Rarität: „Der tapfere Soldat“ von Oscar Straus. Dieses selten gespielte Werk hatte im Jahr 1908 seine Uraufführung in Wien, geriet aber bald in Vergessenheit –  außer in London und in New York, wo es unter dem Namen The Chocolate Soldier zu einem jahrzehntelang gespielten Renner wurde, der sogar die Entwicklung des amerikanischen Musicals wesentlich beeinflusst haben soll. Am Gärtnerplatztheater erlebte die Operette in den Jahren 1909 und 1961 zwei Produktionen…

Zum Bericht von Udo Pacolt

Elbphilharmonie Hamburg und deren Akustik: Muti hat ein gewaltiges Ego

Klassik begeistert Herausgeber Andreas Schmidt ist als Hamburger ganz nah dran – und er widerspricht Riccardo Muti: Bereits beim Eröffnungskonzert in der Elbphilharmonie war mir klar: Dies ist von der Architektur und von der Akustik her ein ganz besonderer Konzertsaal.
Klassik-begeistert

Was weiß Riccardo Muti schon über sein eigenes Konzert im Vergleich zu einen zumindest ebenso selbstbewussten Hamburger?

So nah, so klar, so kompliziert
An der Akustik der Elbphilharmonie gibt es immer wieder Kritik. Dabei birgt sie große Chancen.
Tagesspiegel

Ein Besuch in der Mailänder Scala ist ein Fest für die Sinne
Die schlichte klassizistische Fassade der Mailänder Scala mit ihrem kühlen Understatement täuscht. Denn wer den riesigen Zuschauerraum dieses wunderbaren Opernhauses im Herzen der norditalienischen Metropole Mailand betritt, verharrt unwillkürlich in Staunen und Bewunderung: sechs Reihen von Logen erheben sich vom Parkett zur mächtigen, weißen Kuppel, in deren Mitte ein einziger, gigantischer Kristallluster prangt. …
Klassik-begeistert

Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in eine Arbeitswoche, die erst mit dem Dienstag beginnt

A.C.

 

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