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22. SEPTEMBER 2019 – Sonntag

22.09.2019 | Allgemein, Tageskommentar

Im Konzerthaus Berlin wurden gestern die 1. OPER! AWARDS in insgesamt 20 Kategorien verliehen. Im ausverkauften Saal haben u.a. die Sopranistin Edita Gruberová den Preis für ihr Lebenswerk und der Maler Neo Rauch den Award für das beste Bühnenbild entgegengenommen. Zum besten Opernhaus wurde das Opernhaus Zürich unter Intendant Andreas Homoki gekürt. Der Preis „Beste Sängerin“ ging an die US-amerikanische Mezzosopranistin Joyce DiDonato, „Bester Sänger“ wurde der Tenor Piotr Beczała. Die selten gezeigte Tschaikowsky-Oper „Die Zauberin“ in einer Neuproduktion der Opéra de Lyon wurde als „Beste Aufführung“ ausgezeichnet, Serge Dorny, Intendant in Lyon und designierter Intendant der Bayerischen Staatsoper nahm den Award entgegen.

Über Serge Dorny und seinen Weg nach oben wird noch viel zu schreiben sein.

Bemerkenswert (ich halte nicht viel von Preisverleihungen) sind für mich aber die Benennungen für die größten Ärgernisse:

Größtes Ärgernis: Die Vertragsverlängerung von Daniel Barenboim an der Berliner Staatsoper sowie die als Event vermarkteten Inszenierungen des bis vor kurzem mit Hausarrest belegten russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov.

LINZ IST AN DIESEM WOCHENENDE DIE OPERN-HOCHBURG: SAMSTAG „LUCRETIA“, HEUTE „DER PROPHET“

LINZ: PREMIERE THE RAPE OF LUCRETIA von Benjamin Britten (Black-Box) am 21.9.)

„The Rape of Lucretia“- Ensemble. Foto: Petra Moser

Die dritte Oper Brittens, zwischen „Peter Grimes“ und „Albert Herring“ entstanden, wurde am 12. Juli 1946 in Glyndebourne unter der Stabführung von Ernest Ansermet mit der Bühnendebütantin Kathleen Ferrier in der Titelrolle uraufgeführt. Sie war dezidiert als kleine Produktion mit reduziertem Orchester, für einen „schlanken“ Klang, gedacht.

Ein großer Erfolg war dem neuen Werk nicht beschieden; ein wichtiger Kritikpunkt war, daß mehrfach im Stück, am deutlichsten zum Finale, entschieden auf christliche Prinzipien und besonders die Erlösung durch Jesu Tod am Kreuz verwiesen wird – und das in einem Stück, das 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung angesiedelt ist. An der Musik kann die Ablehnung, aus heutiger Sicht, kaum gelegen sein; sie ist z. B. in Kenntnis der Wiener und Berliner Moderne um den ersten Weltkrieg herum (die freilich in Großbritannien erst spät, wenn überhaupt, ankam) ausgesprochen „zahm“ und oft von wunderbarer Lyrik; Britten orientierte sich auch in vielen Teilen des Werkes an Henry Purcell…

Zum Premierenbericht von Petra und Helmut Huber

 

HEUTE PREMIERE AM LINZER LANDESTHEATER: DER PROPHET von Giacomo Meyerbeer

Jeffrey Hartman, Matthäus Schmidlechner, Adam Kim. Foto: Barbara Palffy

Premiere Sonntag, 22. September 2019, 19.00 Uhr. Großer Saal Musiktheater
Die weiteren Vorstellungstermine: 27. September; 3., 6., 12., 18., 30. Oktober; 20., 28. November; 12. Dezember 2019; 12. Februar; 3. März 2020

 Musikalische Leitung  Markus Poschner
Inszenierung  Alexander von Pfeil

Wiener Staatsoper: L’ELISIR D’AMORE in „Hausbesetzung

Natürlich rümpfen viele Wiener „Berufsnörgler“ die Nase, aber gerade beim „Liebestrank“ haben sich  große Stars bereits „überqualifiziert“ gefühlt und das dem Publikum spüren lassen. Bryn Terfel etwa war bei seinem Rollendebüt im Dezember 2016 in der Rolle des Quacksalbers Dulcamara eine herbe Enttäuschung. Nicht unschön, aber lustlos gesungen und noch lustloser gespielt. Als ob er sich überqualifiziert für diese Rolle gehalten hätte. Da ist man nun mit einem von kömödiantischer Spiellaune angetriebenen und mit vollem Einsatz ans Werk gehenden Sänger, wie Paolo Rumetz einer ist, auf jeden Fall besser bedient…

Mit Maria Nazarova kommt eine Hausbesetzung als Adina zum Zug. Die russische Koloratursopranistin punktet bei ihrem Rollendebüt mit ihrem eleganten Timbre und einer anmutigen bis leicht(sinnig) koketten Darstellung. Als Nemorino feiert der am Grazer Opernhaus engagierte Pavel Petrov, der erst im Juni bei der Verleihung des österreichischen Musiktheaterpreises als bester männliche Hauptrolle (für seinen Lenski in Eugen Onegin) ausgezeichnet worden ist, sein Staatsoperndebüt. Der erst 28-jährige Weißrusse präsentiert sich als feiner Belcanto-Tenor, von dem man gewiss noch viel hören und sehen wird…

Dass man den mit einem samtig-frischen Bariton ausgestatteten Samuel Hasselhorn – auch er ein Ensemblemitglied – vor knapp einem Jahr in einer Kritik als „schüchternen, zurückhaltenden Musiker“ bezeichnet hat, kann man sich angesichts seines selbstbewussten und zugleich auch etwas lächerlich wirkenden Auftritts als eitler, in erster Linie in sich selbst verliebter Belcore kaum glauben. Da muss er sich aber inzwischen radikal gewandelt haben, oder das Urteil war – was wohl eher anzunehmen ist – ein klassisches Fehlurteil.

Jonathan Darlington hatte erst vor wenigen Tagen seine Wiener Feuerprobe als Dirigent der Don Carlo-Aufführung bestanden. Auch bei Donizetti erweist er sich als verlässlicher und stets die Übersicht behaltender Leiter des musikalischen Geschehens. Um ausreichende Italianita muss man sich bei diesem Engländer bestimmt keine Sorgen machen. Und der Chor singt überhaupt, als wäre er auf Betriebsurlaub in südlichen Gefilden.

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Jonathan Darlington

Bitte vormerken: Maestro Jonathan Darlington ist am 15. Oktober ab 20 h (wegen Probenarbeit wurde der Termin etwas rückverlegt) zu Gast beim Online-Merker

WIEN: Philharmoniker spielt in U-Bahn-Station
Oft zahlt es sich aus, genauer hinzuhören: So wie am Freitag, als „Bach in the Subway“-Initiator Dale Henderson gemeinsam mit dem Wiener Philharmoniker Tamas Varga in einer U-Bahn-Station ein Überraschungskonzert gab.
https://wien.orf.at/stories/3013768/

New York
Met Opera Faces ‚One More Catastrophic Crisis‘ As Employees Must Work With Domingo

https://www.npr.org/2019/09/20/762298674/met-opera-faces-one-more-catastrophic-crisis-as-employees-must-work-with-domingo?t=1569137026117

Ich bin gespannt auf Mittwoch!

Hannover: La Juive (Die Jüdin) von Fromental Halevy 18.9.2019
An der Staatsoper Hannover wird die Spielzeit mit La Juive (die Jüdin) von F.Halevy in der Neuinszenierung von Lydia Steier und dem Dirigat von Constantin Trinks eröffnet. Dieses Werk gehört mittlerweile mit den großen Meyerbeer-Opern zu der wieder im Repertoire präsenten Pariser Grand Opera etwa zwischen 1830 und 1860.

Lydia Steier
läßt sich bei der Inszenierung nicht lumpen und setzt sie grandios in Szene, was auch bedeutet, ein Gesamtkunstwerk aus großen Ensemble- und Massenszenen, imposanten Bühnenaufbauten und vielfältigen Kostümen aus verschiedenen Epochen bis zu einzelnen ChoristInnen und Statist*Innen hinunter mit einigem Aufwand zu zelebrieren…

Zum Bericht
von Friedeon Rosén
 

Und ewig singen die Toten
Bald geht Whitney Houston als Hologramm auf Tournee, die tote Maria Callas ist schon unterwegs. Was soll das? Antworten gibt es im Zürcher Opernhaus.
https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/klassik/und-ewig-singen-die-toten/story/19584518

Tim Theo Tinn darf, obwohl er einmal im Fasching braungeschminkt unterwegs war, bei uns weiterschreiben. Den Artikel kommentiert er wie folgt: Und doch habe ich prophetische Gaben : in meiner Stachelschrift im August habe ich einen Hologramm-Auftritt von der Calllas in Sarkasmus als Glosse beschrieben. Jetzt  ist das wohl schon Realtität geworden. 

Auch zu den Synchronizitäten (ich vermute, dass Sie dem recht kritisch gegenüberstehen) erlebe ich Erstaunliches: Vorgestern habe ich in einer Kirche gesungen. In der Kirche lagen Texte von G. Lichtenberg aus: „Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll!“

 Vor 150 Jahren wurde „Das Rheingold“ uraufgeführt
ötter, Riesen und Zwerge kämpfen um den Macht verheißenden Ring: Vor 150 Jahren wurde Richard Wagners Oper „Das Rheingold“ uraufgeführt. Ein König hatte entscheidenden Anteil daran.
https://www.volksstimme.de/buehne/vor-150-jahren-wurde-das-rheingold

Jasmin Solfaghari inszeniert in Neustrelitz „Il Barbiere di Siviglia

Jasmin Solfaghari

19.10.2019, 19.30 Uhr Landestheater Neustrelitz „Il Barbiere di Siviglia“, Gioacchino Rossini
Musikalische Leitung: Daniel Klein
Inszenierung: Jasmin Solfaghari
Ausstattung: Achim Römer
Der ehemalige Intendant der Oper Kopenhagen, Sven Müller,  beginnt seine erste Spielzeit als neuer Intendant des Landestheaters

WIEN / Burgtheater:  THE PARTY von Sally Potter. Deutschsprachige Erstaufführung
Premiere: 21. September 2019

 

Man hätte vorsichtiger sein sollen mit seiner Vorfreude, aber warum? „The Party“ von Sally Potter war vor zwei Jahren ein reines Kinovergnügen für den denkenden Zuschauer, eine Satire auf englische Verhältnisse, bei der jeder sein Fett abbekam, man unbeschwert nicht nur über Politiker, sondern auch Esoteriker und Lesben lachen durfte und die Handlung um (fragwürdiges) bürgerliches Wohlverhalten allerlei Purzelbäume schlägt – bis zu einer infernalisch witzigen Schlußpointe.

Außerdem, und das mag als Argument für eine Bühnenaufführung gelten, hat Sally Potter selbst ihren Text für das Theater adaptiert. Und sie scheiterte schlicht und einfach daran, dass die Bühne nicht kann, was dem Film so locker möglich ist – mit schnellen Schnitten von einem Schauplatz zum anderen zu springen und allein aus der Szenenfolge Pointen zu holen; Aktionen locker glaubwürdig erscheinen zu lassen, die auf der Bühne plump wirken (von Szenen des Erbrechens über Nasenbluten und Ohrfeigen bis zu einer Rauferei, wo dann ein Opfer am Boden liegen bleibt…)…

Das alles holpert relativ schwerfällig und auch inszenatorisch ungeschickt über die Bühne des Burgtheaters, da sollte die Inszenierung noch gründlich nachgefeilt und nachadjustiert werden. Und ein paar Tipps für Szene und Darsteller könnte man sich auch aus dem Film holen, der als Vorbild leider unerreicht bleibt…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

WIEN / Oberes Belvedere: Reihe: IM BLICK. JOSEF IGNAZ MILDORFER (1719 – 1775)
REBELL DES BAROCK
Vom 19. September 2019 bis zum 6. Jänner 2020

 

Und warum kennt ihn keiner?

Es ist ein runder Geburtstag, der dreihundertste, und der Barock ist für das Belvedere ein großes Thema – als Sammlungsschwerpunkt des Hauses und als Forschungsprojekt. So rückt nun in der Reihe „Im Blick“ der Tiroler Barockmaler Josef Ignaz Mildorfer (1719 – 1775) ins Zentrum von Betrachtungen, wo er lange nicht (mehr) gestanden hat. Tatsächlich kann sich Kuratorin Maike Hohn nicht erklären, wie der zu seinen Lebzeiten anerkannte, in Wien wirkende und für das Herrscherhaus tätige Künstler so in Vergessenheit geraten konnte, während seine Zeitgenossen Paul Troger, Franz Anton Maulbertsch oder Daniel Gran durchaus im Bewusstsein der Kunstfreude leben. Drei Räume im Belvedere stellen ihn nun quasi für die Gegenwart vor.

Zum Ausstellungsbericht von Renate Wagner

Die „Albertina Modern“ entsteht
ALTES HAUS FÜR NEUE KUNST

Foto: Renate Wagner

Wenn ein Museumsdirektor an die Kunst der Moderne glaubt. Wenn ein Museumsdirektor das Glück hat, diese reichlich geschenkt zu bekommen. Wenn ein Museumsdirektor in seinem eigenen Haus keinen Quadratmeter Platz mehr finden kann, den er nicht längst schon genützt hat: Dann muss er ein neues, ein zusätzliches Haus finden.

Zum Bericht von Renate Wagner

Bitte vormerken: Morgen beim Online-Merker

Ausrine Stundyte singt ab Freitag in Wien die „Salome“. Lernen Sie sie kennen. Sie sind unser Gast!

 

Altmeister der Traumfabrik
Am 25. September wird Michael Douglas 75 Jahre alt – ORFeins feiert mit einem kleinen Schwerpunkt.
Wiener Zeitung

Dem neuen Eigentümer der „Berliner Zeitung“ ist Print zu langsam
Eine Lektüre stellt sich Holger Friedrich auf dem Handy oder dem Laptop zusammen. Zeitung liest der neue Eigentümer der „Berliner Zeitung“ auch „nur noch am Wochenende“, wie er in einem Interview erzählt.
Die Welt.de

Meine Frau glaubt, mich beim Frühstück mit den allerneuesten Meldungen aus den Zeitungen überraschen zu müssen.  Bei mir erweckt das nur ein „Gääähn“, denn diese Infos habe ich mir schon tags davor aus dem Netz geholt. Dennoch hat die „Berliner Zeitung“ neue Eigentümer gefunden, die an „Print“ glauben – aber vermutlich in einer anderen Form!

Kein Wort von Politik! Die macht heute das Burgtheater in einer Matinee. Es ist auch Aufgabe der Theater, uns zu sagen, wen wir nächste Woche wählen sollen!

Einen schönen Sonntag wünscht

A.C.

 

 

 

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