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22. SEPTEMBER 2018

22.09.2018 | Tageskommentar

HEUTE: Werther an der Wiener Staatsoper – Besetzungsänderung

Am Samstag, 22. September 2018 wird Massenets Werther an der Wiener Staatsoper wiederaufgenommen: In dieser Vorstellung übernimmt Stefano Secco die Titelpartie anstelle von Dmitry Korchak, der die erste Vorstellung krankheitsbedingt absagen musste. Ihre Rollendebüts im Haus am Ring geben Clemens Unterreiner als Albert, KS Hans Peter Kammerer als Le Bailli und Ayk Martirossian als Johann.

Sophie Koch (Charlotte). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

KS Sophie Koch singt die Charlotte, Maria Nazarova die Sophie.

Am Dirigentenpult: Frédéric Chaslin.

Wiener Staatsoper: LA TRAVIATA (Sonntag als Stream zu erleben)

Albina Shagimuratova, Pavol Breslik. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Das Haus am Ring erfreut mit einer gut besetzten Aufführung eines der erfolgreichsten Werke des Opern-Repertoires. Bietet mit Albina Shagimuratova in der Titelpartie eine Sängerin auf, die den Vorstellungsbesuch lohnt…

ZUM BERICHT www.dermerker.com

Bereits gestern ging der Bericht von Elena Habermann über die zweite Vorstellung online

Zum Bericht von Elena Habermann

Erl: Gustav Kuhn nun auch als Dirigent kaltgestellt

 

Dass so gar nichts an den Anschuldigungen dran ist, fällt schwer zu glauben. Anderseits gilt die Unschuldsvermutung, solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt. In Österreich muss einem immer noch eine Schuld bewiesen werden, im Fall Gustav Kuhn erwartet man, dass er seine Unschuld beweist. Wie soll das geschehen, wo es doch meines Wissens nach (noch) keine Anklage gibt?

Mit der Entscheidung, Gustav Kuhn auch das Dirigieren in Erl zu verbieten, hat man die Festspiele, die einst als Gegenpol zu Bayreuth angetreten sind (was ohnedies nie gelungen ist), wohl endgültig ruiniert!

Festspiele Erl: Gustav Kuhn auch als Dirigent beurlaubt
Gustav Kuhn soll bis zur endgültigen Klärung der Causa Erl nicht mehr dirigieren. Er wurde bereits als Intendant beurlaubt, nachdem ihm Künstlerinnen in einem offenen Brief sexuelle Übergriffe vorwarfen.
Die Presse
Erl stellt Kuhn kalt
Jetzt steht Gustav Kuhn in Erl ganz ohne Funktionen da: Der 73-jährige österreichische Dirigent ist bei den Tiroler Festspielen nicht nur als künstlerischer Leiter, sondern nun auch als Dirigent passé – zumindest vorerst. Der Vorstand der Tiroler Festspiele Erl Gemeinnützigen Privatstiftung hat Kuhn „aufgrund der anhaltenden Diskussion und um weiteren Schaden von den Festspielen abzuhalten“ von den geplanten Dirigaten entbunden
Wiener Zeitung

Ich weiß viel zu wenig darüber, um mir über das Vorgefallene eine Meinung bilden zu können. Ich weiß nur, dass ein Chef, der seine Position ausnützen muss, um Frauen „gefügig zu machen“, ein armes Würstchen ist. Das gilt für jeden Vorgesetzten, nicht nur für Herrn Kuhn.

Mich stört die Vorverurteilung in einem Rechtssystem, in dem eine Schuld zu beweisen ist. Wie beweist man in solch einem Fall seine Unschuld? Unmöglich – und damit auch nicht rechtskonform.

Die Privatstiftung kann machen, was sie will – und tut es auch. Sie kann die Festspiele auch auflösen. Von allein können sich die Festspiele ohnedies nicht erhalten. Warum sollen Steuerzahler ein Modell finanzieren, das sich überholt hat und ohne den „Übervater“ und wohl auch ohne den großzügigen Mäzen (würde der auch bei den „Nutznießern  weitermachen?) – zumal in dieser Gegend – nicht lebensfähig ist? Was steht am Ende des Weges?

Sängerinnen und Sänger werden „am Fließband produziert“, ohne Rücksichtnahme auf den Markt und somit auch ohne Skrupel. Der überwiegende Teil der Künstler war und ist gerne in Erl. Soll diese Beschäftigungsmöglichkeit nun mutwillig zerstört werden?

Die Ankläger gegen Gustav Kuhn sollten sich fragen, ob sie das gewollt haben.

Weimar: „Don Giovanni“

Unser Mitarbeiter Christoph Karner fuhr nach Weimar, weil ihn die Besetzung dieses „Don Giovanni interessiert hat (der auch in Wien bekannte Alik Abdukayumov / Leporello), nicht um die Inszenierung zu beschreiben. Er beschreibt dennoch und findet dafür die Bezeichnung „originell“:

Die Regiearbeit des deutsch-argentinischen Opernregisseurs Demis Volpi zeichnete sich durch einige originelle Einfälle aus. Zunächst bringt er als vermeintlichen Sohn Donna Annas und Don Ottavios einen kleinen Jungen auf die Bühne, wobei es sich dann herausstellt, dass der eigentliche Vater Don Giovanni ist. Weiters ersetzt er das Standbild des Komtur mit einem ’singenden“ Foto. Als schließlich todbringender Komtur erscheint dann wiederum dieser kleine Sohn Don Giovannis, der zu der mächtigen Bassstimme Daeyoung Kims agiert.   

Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus.

Zum Bericht von Christoph Karner

Magdeburg: Eine Frau singt den „Wotan“ in „Die Walküre“

Vor einigen Monaten habe ich dieses „Novum“ angekündigt, nun hat es tatsächlich stattgefunden. Es liegt kein Bericht eines dem Theater verbundenen „Platzhirschen“ vor, sondern Dr. Klaus Billand – „Wagnerkompetenz pur“ berichtet aus Magdeburg:

Wahrscheinlich war es eine Weltpremiere, und nicht nur die Premiere einer neuen „Walküre“-Produktion, mit der das Theater Magdeburg unter der Leitung von Intendantin Karen Stone an diesem Abend im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen ließ. Zumindest ich kann mich nicht erinnern, dass je zuvor eine Frau die wohl männlichste aller Wagner-Partien, den Göttervater Wotan, auf der Bühne spielt und singt. So tat es an diesem Abend Lucia Lucas, die zunächst ein Mann war und seit einiger Zeit eine Frau ist, also eine Transgender-Person. Nach einer Reihe von Partien im Bariton-Fach wie Graf Monterone, Sharpless oder Capellio, ging sie an diesem Abend den Mount Everest für alle Bassbaritone an, den „Walküre“-Wotan, an dem einst in London Covent Garden sogar Bryn Terfel gescheitert war. Und welches Risiko sie damit einging, war ihr an der großen Erleichterung, ja fast einer Rührung anzusehen, die sie beim Schlussapplaus zeigte. Es schien Lucia Lucas ein riesiger Felsbrocken vom Rücken gefallen zu sein. Diese Partie war wohl auch ihr Mount Everest…

Premierenfeier: Johannes Stermann (Hunding), Julia Borchert (Brünnhilde), Lucia Lucas (Wotan), Undine Dreißig (Fricka). Foto: Dr. Klaus Billand

3. Aufzug. Brünnhilde (Julia Borchert). Lucia Lucas (Wotan). Copyright: Andreas Lander/ Theater Magdeburg)

Man hat mit der Magdeburger „Walküre“ neue Zeichen in der Interpretation des „Ring“ gesetzt, woran man mit diesem Team für die „Ring“-Rezeption bereichernd fortfahren könnte. Die standing ovations, die nicht nur Lucia Lucas für ihre Leistung bekam, zeigten auf, dass die Intendantin das Publikum auf ihrer Seite hätte…

Zum Premierenbericht von Klaus Billand

München: Arien für den König, Hymnen für die Revolution
Vor 200 Jahren wurde das Königlich Bayerische Hof- und Nationaltheater eröffnet, vor 100 Jahren wurde es zur Bayerischen Staatsoper. Mit einer Festwoche werden die Jubiläen gefeiert
Sueddeutsche Zeitung

New York: Retooling the Met Opera’s Problematic “Ring’ Machine
The New York Times

Chicago: Artur Ruciński To Replace George Petean In Chicago’s “Il Trovatore’
http://operawire.com/artur-rucinski-to-replace-george-petean-in-chicagos

At San Francisco Opera, more women in trouble, once again
https://www.thereporter.com/2018/09/21/at-san-francisco-opera-more-women

Salzburg: Abbruch der Medea-Premiere: Die Hauptdarstellerin hat sich verletzt

Salzburg/ Premieren-Abbruch
Die Salzburger Medea hat sich verletzt
Die Premiere von „Das goldene Vlies“ im Schauspielhaus Salzburg ging nicht über den ersten Kuss hinaus.
Salzburger Nachrichten

WIEN / Volx/Margareten / Vorstellung für die Bezirke: DER WEIBSTEUFEL von Karl Schönherr
Premiere: 21. September 2018

Katrin Grumeth. Foto: Alexi Pelekanos

Karl Schönherrs „Weibsteufel“, sein erfolgreichstes Stück, weil so prachtvoll konzentriert – drei Personen, ein Geschlechterkampf, ein Machtkampf jeder gegen jeden – zieht für das Volkstheater in die Bezirke. Die Premiere fand, wie immer, im Volx Margareten statt. Bekam viel Beifall. Und war wieder einmal ein Exempel.

Es ist zu bezweifeln, dass Regisseur*innen (nein, das Gender-Sternchen ist zu blöd, einmal und nie wieder) den Dichtern „helfen“ wollen. In diesem Fall kann niemand so dumm sein, nicht zu erkennen, dass man ein psychologisch und dramaturgisch perfektes Stück vor sich hat. Nein, sie wollen mit dem Mutwillen ungezogener Kinder, die genau wissen, dass niemand ihnen auf die Finger klopft, die alte Puppe neu anziehen und schminken, bis sie zur Unkenntlichkeit verunstaltet ist – und was ein Dichter einmal geschrieben hat, schert sie nicht das Schwarze unter dem Fingernagel…

All das mutet Anna Badora dem Publikum der Bezirke zu, das ohnedies zum Großteil abgebröckelt ist. Da möchte man das jüngste Gerücht aufgreifen, dass man ihr und den Zuschauern ihre letzte Saison erspart, das Haus zusperrt, renoviert und nach einem Jahr dann ganz, ganz vorsichtig neu beginnt. Irgendwie in Richtung Qualität, Geschmack, Verantwortung…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Wien/ Urania-Puppenspiele: Ein Paukenschlag – Andre Heller übernimmt die Puppenbühne

Kasperl über neuen Chef André Heller: „Der passt gut zu uns!“
Mit André Heller hat das Puppentheater einen neuen Direktor gefunden, Kasperl findet lobende Worte für ihn –
Der Standard

Ich denke, dass das funktionieren kann. Die Nachfolgesuche verlief sehr professionell, die Lösung ist eine Überraschung!

Österreich / Innenpolitik: Christian Kerns letzter Coup

Nach dreitägigen Verhandlungen einigt sich die SPÖ auf Pamela Rendi-Wagner als neue Parteispitze. Sie ist auch Christian Kerns Wunschkandidatin.

Die Presse

Die SPÖ ist keine Regierungspartei mehr, deshalb ist es ganz allein ihre Sache, wen sie an ihre Spitze stellt.

Ich verbleibe mit den besten Wünschen für einen schönen Tag

A.C.

 

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