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22. NOVEMBER 2018

22.11.2018 | Tageskommentar

Bildergebnis für otello ramon vinay
Zur morgigen Otello-Premiere in der Bayerischen Staatsoper. BR-Klassik stellt die fünf spektakulärsten Otello-Darsteller vor bzw gegenüber

Wie sehr sich der Titelheld von Verdis Eifersuchtstragödie „Otello“ jenseits normaler Verhaltensmuster bewegt, machte kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs der Chilene Ramón Vinay klar. Ein Otello-Interpret, der sich auf atemberaubende Weise in die Wahnvorstellung hineinsteigerte, seine Frau sei ihm untreu. Auch und gerade wegen Vinay sind die legendären monauralen Live-Tondokumente aus New York einerseits, Wien andererseits (unter Arturo Toscanini und Fritz Busch beziehungsweise Wilhelm Furtwängler) wichtige Beiträge zur Rezeptionsgeschichte der Oper.

Keine Opernfigur hat einen so spektakulären Auftritt wie Verdis Otello: Nach siegreicher Schlacht schmettert er sein triumphales „Esultate!“ dem Volk entgegen und darf auf Anhieb einhundert Prozent seiner Leistungsfähigkeit abrufen. Er sollte eine hochdramatische, baritonal grundierte Stimme ins Feld führen können, die zu großer Differenzierung imstande ist. Es gibt nur wenige Rollen im Opernrepertoire, die an den Sänger auch als Darsteller vergleichbar vielfältige Ansprüche stellen: Als „Loser“ eigener Couleur sollte der Mann physisch und psychisch belastbar sein. (Quelle: BR-Klassik)

Fünf Otellos für die Ewigkeit – eine Bestenliste
Opfer und Täter in einer Person
BR-Klassik

Der Leser FB schreibt: Danke für die Vorstellung legendärer Otellos. Der größte der Geschichte ist für mich Ramon Vinay, weil diese außergewöhnliche Stimme in jeder Hinsicht den Außenseiter Otello darstellen kann und alles  abdeckt, was Verdi wollte, einen Otello, wie er ja bereits bei Shakespeare festgeschrieben ist. Übrigens ist es Dummheit sondergleichen, den moro nicht bräunlich getönt darzustellen. Das ist keine Diskriminierung, sondern unterstreicht den tragischen Außenseiter, der in den venezianischen  Adel einheiratet, schon bei Shakespeare.

Vergessen wurde hier der erste Otello, Francesco Tamagno, der noch mit Verdi selbst arbeitete und angeblich sensationell war. Auf youtube gibt es tatsächlich 4 Aufnahmen von Francesco Tamagno, 2 davon als Otello, die ahnen lassen, warum er als legendär gilt. Da gibt es auch Bilder, privat und in Kostümen, sowie eines Arm in Arm mit Verdi.  Domingo war auch erfolgreich, aber von der lyrischen Stimme her kein echter Otello. Er hat aber mit Intelligenz vieles wettgemacht! F.B.

Nun ist Jonas Kaufmann am Zug! Leicht hat es es in dieser Rolle bei diesen Vorgängern nicht!

Die Münchner Otello-Premiere wird auch bei uns das Thema der kommenden Tage sein.

WIENER STAATSOPER: URAUFFÜHRUNG VON DIE WEIDEN VON JOHANNES MARIA STAUD UND DURS GRÜNBEIN AM 8. DEZEMBER 2018

Aber auch „Die Weiden“ in Wien erwecken im Vorfeld mehr Aufmerksamkeit als eine „Oper von der Stange“ – selbst bei einer Neuinszenierung.

Darf eine Oper politisch sein? Natürlich darf sie das! Sie darf nur nicht „politisch beauftragt“ sein. Im konkreten Fall sind „Die Weiden“ das nicht, allerdings soll das Thema Migration und Flucht im Roman, den ich nicht gelesen habe, eher eine untergeordnete Rolle spielen (zumindest nicht eine so große wie im Libretto von Durs Grünbein), auf die aktuelle weltpolitische Situation „zurechtgebogen“ worden sein.

Trotzdem, geben wir dem Werk eine faire Chance. Es darf nur eines nicht passieren, dass nämlich das Werk nicht nach seiner Qualität, sondern nach seiner Aussage bewertet wird. Diese Gefahr droht bereits, denn eine Ablehnung des Werkes nach künstlerischen/qualitativen Aspekten darf nicht automatisch in die Zuordnung zu einer politischen Richtung führen. Es gibt gerade heute vor allem in der Sprechtheaterszene zahlreiche erfolgreiche Versuche, keineswegs herausragende Werke durch deren aktuelle und „erwünschte Aussage“ (Abwandlung eines Merkel-Zitats) an Bühnen zu hieven, an die sie von der Qualität her eigentlich nicht hingehören!

In jedem Fall aber wirbeln „Die Weiden“ in Wien endlich etwas Staub auf – und das ist auch notwendig, wenn nicht über eine Münchner Premiere intensiver berichtet werden soll als über eine in Wien.

Bildergebnis für die weiden
Durs Grünbein, Andrea Moses, Ingo Metzmacher, Johannes Maria Staud. Foto Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Bildergebnis für die weiden

 

In unseren „Infos des Tages“ veröffentlichen wir heute eine ganz detaillierte Vorstellung des Werks bzw. der Produktion, bis hin zur exakten Orchesterbesetzung!

Stockholm: Asmik Grigorian an extraordinary Butterfly in Stockholm
bachtrack

Los Angeles Opera 2018-19 Review: Hansel & Gretel
http://operawire.com/los-angeles-opera-2018-19-review-hansel-gretel/

 

BUCHBESPRECHUNG: Otto Schenk –  WER’S HÖRT, WIRD SELIG
Musikalisches und Unmusikalisches
240 Seiten, Amalthea Verlag, 2018

Jetzt dirigiert er auch noch… aber wenn man lebenslang ein so passionierter Musikliebhaber war und ist wie Otto Schenk, dann wünscht man sich zum 88er auch das. Und schreibt wieder ein Buch. Diesmal über Musik, weil er dazu so viel zu sagen hat.

Musik hat er immer geliebt, von früher Jugend an – aber die Klassik. Da ging es ihm wie manchem, der diese Erfahrung mit ihm teilt, dass die ganze Pop-Welt unbeachtet an ihnen vorbei gerauscht ist. Ungehört. Weil niemand, der dem Rausch der Klassik verfällt, anderes braucht. Dabei war er nicht gut im Singen und im Klavierspielen. Aber die „Achte“ von Bruckner hat er auf Anhieb verstanden… Und wenn man einen Vater hat, der einem die Wagner-Opern erzählt (statt Märchen) und die musikalischen Höhepunkte vorsingt (vorkrächzt), dann ist der Lebensweg ja auch schon bereitet. (Seiner Wagner-Arbeit widmet er später ein ganzes langes Kapitel.)…

Außer an der Wiener Staatsoper hat Schenk am öftesten an der Metropolitan Opera in New York inszeniert. Die Sänger mochten, was er aus ihnen herausholte. Eines Tages rief ihn Met-Direktor Rudolf Bing an. Schenk meinte, er habe keinen Agenten (in Amerika muss jeder einen Agenten haben). Doch, meinte Bing, die Birgit Nilsson. Sie will die Tosca singen, aber sie macht es nur, wenn Sie Regie führen… Und sogar Franco Corelli, von dem es hieß, er käme nicht zu Proben, war immer da, weil er so begeistert von dem war, was Schenk machte. Er selbst meint, gewissermaßen bescheiden: „Ich habe mich immer in alles eingemischt.“…

Die Zeiten ändern sich, mit ihnen auch der Inszenierungsgeschmack. Vielleicht sieht Herr Schenk diverse Sängermeinungen von damals auch bereits etwas verklärt (Flunkern gehört in dieser Branche zum Geschäft). aber er war eben zur richtigen Zeit an den richtigen Orten. Auch das muss erst einmal geschafft werden!

ZUR BUCHBESPRECHUNG (Renate Wagner)

Theater Freiburg: Strauss: „Die Fledermaus“ – 2. Aufführung vom 17.11.2018


Schräges Fest bei Orlowski: © T+T Fotografie 2018

Eigentlich hätte man diese Aufführung absagen müssen: Gleich mit drei kurzfristigen Krankheitsfällen musste das Theater fertigwerden, und das ausgerechnet bei den drei Hauptrollen. Wie es das Freiburger Theater geschafft hat, so schnell Ersatz zu finden, bleibt sein Geheimnis. Ein Wunder auch, wie dieser chaotische Abend doch noch irgendwie über die Bühne ging. Allein dafür gebührt Respekt, denn offensichtlich blieb keine Zeit, um Bewegungen, Gesten und Dialoge richtig einzustudieren…

Begeister zeibt sich unsere Rezensentin Alice Matheson nicht, im Gegenteil, sie empfiehlt, der Regisseurin eine Karte für die Fledermaus etwa in der Oper Zürich zu spendieren.

Die arme Angela Falkenhan als Fröschin muss – die Gedanken sind frei pfeifend – mit umgeschnalltem Bauch durch die Bühnendekoration stolpern, dass man vom Zusehen schon ganz blau anläuft. Nichts gegen weibliche Frösche – aber lustig ist anders. Juliane Stolzenbach Ramos muss sich als Ida einen Penisschutz umbinden lassen. Und der androgyne Prinz Orlowsky alias Inga Schäfer muss in High Heels zu Technobeats abtanzen. Das völlig verunglückte Bühnenbild (Michel Schaltenbrand) tut Übriges…

Zum Bericht von Alice Matheson

Ausstellungen/ Kunst

Rembrandts Daumenabdrücke offenbar auf Bild entdeckt
Zwei Fingerabdrücke von Rembrandt sind höchstwahrscheinlich auf einer Ölskizze aus dem 17. Jahrhundert entdeckt worden. Fachleute fanden die Daumenspuren in der unteren Farbschicht bei einer Restaurierung des Bildes.
https://orf.at/stories/3101546/

Österreich
Kurz verlieh Maler Arik Brauer Großes Goldenes Ehrenzeichen
Arik Brauer warnte in seiner Rede unter anderem vor durch Migration aus dem arabischen Raum importierten Antisemitismus.
Kurier

MÜNCHEN: Sonntag Künstlergespräch mit Sally Matthews

Nach dem Umbau: Künstlergespräch beim Online-Merker am 5. Dezember (bitte vormerken)

Im Moment haben wir Baustelle. Um bessere Sicht zu schaffen, werfen wir eine kleine Wand um. Bis zum 5.12. ist das erledigt.

Andrea Carè, Tenor aus Italien, gibt am 1. Dezember sein Debüt als Pinkterton an der Wiener Staatsoper. Wir stellen den Sänger vor!

Siebenfach-Jackpot geknackt: Solo-Sechser bringt 15 Millionen Euro
Der erste Siebenfach-Jackpot in der 32-jährigen Lotto-Geschichte wurde am Mittwoch in Niederösterreich geknackt. Ein Quicktipp-Schein im Waldviertel brachte einen Solo-Sechser zu mehr als 14,9 Millionen Euro.
Tiroler Tageszeitung

Der Solo-Gewinn täte mir gut, aber es sollte eben nicht sein. Dabei war meine Frau knapp daran: 3 Zahlen erraten, bei anderen drei Zahlen exakt eine daneben! Knapp vorbei ist auch vorbei! „Geld macht nicht glücklich“ – das sagen die, die keines haben!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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