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22. JUNI 2020 – Montag

22.06.2020 | Tageskommentar

München/ Bayerische Staatsoper: WO IST DER ORCHESTERGRABEN HIN?

Wo üblicherweise der Orchestergraben, durch eine Brüstung vom Zuschauerraum getrennt, in die Tiefe reicht, ist nun ein Boden eingezogen. Was drastisch klingt, dient letztendlich einer guten Sache: Um bestmöglich auf die neuen Anforderungen zu reagieren, und somit auf die Wiederaufnahme eines Spielbetriebs im Herbst hinzuarbeiten, ist es unter anderem nötig, unseren Orchestermusikerinnen und -musikern zu ermöglichen, auch während ihres Dienstes die geltenden Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen einzuhalten…

https://blog.staatsoper.de/post/news/wo-ist-der-orchestergraben-hin.html?tx_news_pi1%255Baction%255D=detail&cHash=f2046d851ebbe9060ee65f4e47a22a40

Diese Information deutet an, dass die Bayerische Staatsoper eigentlich nicht mit „normalen“ (gewohnten) Bedingungen im Herbst rechnet. Der Orchestergraben ist eine Spezialät jedes Opernhauses (auch der Wiener Staatsoper), jede Änderung ein schwerer Eingriff. Wenn der Spuk nicht bald ein Ende hat, bedeutet das eigentlich das Ende der Bayreuther Festspiele, dessen verdeckter Orchestergraben den Mythos Bayreuth in wesentlichen Teilen ausmacht. Wenn dann noch die Sitzreihen „coronatauglich“ gemacht werden sollen, kann man dort gleich ein Festzelt aufstellen (etwa auf dem Parkplatz), das man natürlich mit Klimaanlage und so weiter ausstatten kann. Nur, was bleibt dann von Bayreuth über? Wenn der Mythos weg ist, wären die Festspiele kaputt.

Wenn – wie zu Beispiel in München offenbar angedacht –  nur mehr ein „Corona-Spielplan“ mit kleinerer Orchesterbesetzung stattfinden kann, ist das wohl das Ende der Oper.

Ist das verhältnismäßig? Sicher nicht. Was ist überhaupt an dieser Situation „verhältnismäßig?  In Wien gab es zum Wochenende „Corona-Partys“ (die Ottakringerstraße war zeitweise blockiert), trotz des Sauwetters feierten natürlich überwiegend junge Menschen ausgelassen ohne jeden Sicherheitsabstand, wie er den Opernbesuchern zugemutet wird,  mit viel Alkohol. Der Polizeipräsident meint, dass ein Einschreiten nur zur Eskalation beigetragen hätte und daher vorsorglich vermieden wurde. Zitat wörtlich: „Ein Einschreiten wäre unverhältnismäßig gewesen“

Und dann setzt der Gesundheitsminister seine besorgte Miene auf und wird so zur Buster Keaton-Parodie.

In Theatern sind die „Muatterl“ und „Vaterl“ vertreten, von denen ist kein Widerstand zu erwarten, deshalb statuiert man dort ein Exempel nach dem anderen. Ist das fair, vor allem, ist das sinnvoll? Gott gebe, dass ich nie so ein „Vaterl“ werde!

EIN GEWALTSTÜCK: Ausgebootet: Die Causa Genf – What’s Opera Doc

 

ZUM VIDEO (4 Minuten)

Eigentlich eine Frechheit. Überzeugen Sie sich selbst!

Dazu passend: Das war besagtes Konzert:

GENF/ Victoria Hall: Choir and orchestra fill historic concert hall for socially-distanced Beethoven’s Ninth

Live music returns to Geneva… with distancing. Picture: Grand Théâtre de Genève/Facebook

This is what a Beethoven concert looks like in June 2020…

Mehr darüber in den „Infos des Tages“

Dresden
Anna Netrebko singt Verdi. Es gibt sie noch, die große Oper
In Dresden singt Anna Netrebko vor 330 Zuhörern in Verdis „Don Carlo“. In Bayern wäre das gar nicht möglich
Münchner Abendzeitung

Eine Königin am Dresdner Hof…. – Superstar Anna Netrebko begeistert in der Semperoper in Dresden
Neue Musikzeitung/nmz.de

Anna Netrebko feiert Rollendebüt in Dresden
Donaukurier

ANNA NETREBKO PROBT IN IHRER WOHNUNG „DON CARLO“ (für Dresden)

Bitte untenstehenden Link anklicken. Gefunden von TTT

ZU INSTAGRAM MIT VIDEO

Wien/ Staatsoper: Juan Diego Flórez: Balsam für die Seele

Juan Diego Florez. Foto: Wiener Staatsoper
Der Star-Tenor begeisterte mit einem Liederabend in der Wiener Staatsoper.
Wiener Zeitung

Das hohe C in allen Facetten
Juan Diego Flórez demonstrierte mit italienischen und französischen Arien die Bandbreite, die seinem Tenor zu Gebote steht.
https://www.diepresse.com/5829016/das-hohe-c-in-allen-facetten

 

 

Gärtnerplatztheater „Corona-Spielplan“  19. Juni 2020,     BEING ALIVE! Musical at its Best! (halbszenisch)

… und Zeit wird zum üppig- paradiesischen Augenblick!


 © sarakurig.com

Es gibt Augenblicke, in denen alles gelingt! „Kein Grund zu erschrecken: Das geht vorüber“ sagt ein Aphorismus von Jules Renard…

Zum Bericht von Tim Theo Tinn

 

Mach’s wie der Vogel Strauß!

Da der Mensch in seiner Entwicklung auf dieser Erde noch in einem ganz, ganz frühen Stadium steckt, wie uns die Wissenschaft versichert, haben wir noch jede Menge „tierischen“ Verhaltens in uns. Das heißt, wir sind noch Jäger und Räuber, wissen aber auch, wie wir uns versteckten können. Oder selbst täuschen.

Dem Vogel Strauß sagt man nach, dass er den Kopf in den Sand steckt, nach dem Motto: Was ich nicht sehe, ist nicht. Kein vernünftiges Verhalten, aber man kann es dennoch auch unter Menschen finden.

Denn was kann eine ehemalige Bundeskanzlerin – also setze ich voraus: eine Frau mit Verstand und Urteilsvermögen und Selbstdisziplin – schon veranlassen, sich nach ein paar Schlucken zu viel ans Steuer zu setzen? Ohne daran zu denken, dass das eine Gefahr für sich und andere darstellt? (Es soll allerdings noch Steinzeit-Macho-Männer geben, die meinen, eine Frau am Steuer sei in jedem Fall eine Gefahr…)

Renate Wagner

Weiterlesen in Apropos“

WIEN: AUFG’SPERRT IS  II. Auch unsere Museen haben Reizvolles zu bieten.

Besuche lohnen vielleicht gerade jetzt besonders,  weil sie nicht überlaufen sind.

Mitte April ließen die Mitglieder der Direktorenkonferenz unserer Bundes­museen mit bemerkenswerter, nein, bewundernswerter Ahnungs­losigkeit um die öffentlichen Reaktionen verlauten, daß sie nicht gesonnen seien, ihre Häuser vor dem 1. Juli wieder zu öffnen. Man habe Reparaturarbeiten vorgezogen, das Personal befinde sich ihn Kurzarbeit, und nach dem Ausbleiben der Touristen nur für die österreichische Bevölkerung zu öffnen, zahle sich nicht aus.

Nachdem die Welle der Empörung abgeklungen war, einigte man sich auf eine Öffnung ab Ende Mai, wenn manchmal auch nur teilweise. Zeit also für Museumsbesuche ohne Menschenmassen vor den Objekten.

Peter Paul Rubens (1577 – 1640): »Venus frigida«, 1614 (Ausschnitt). Öl auf Eichenholz, 145.1 × 185.6 cm. Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten. Public Domain

http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=B68B58B0-B3A6-11EA-BAE2005056A64872

Thomas Prochazka/ www.dermerker.com

Digitale Fotoausstellung zu Martin Schläpfer

Martin Schläpfer: Sinfonien – Alexander McKinnon, Marlúcia do Amaral, Alexandre Simões © Gert Weigelt

Zum Abschluss seines elfjährigen Schaffens in Düsseldorf und Duisburg zeigt die Deutsche Oper am Rhein in Kooperation mit dem Deutschen Tanzarchiv Köln eine Retrospektive zu Choreographien von Martin Schläpfer. Gert Weigelt, der seit vielen Jahren die Arbeit des Choreographen und Ballettdirektors mit der Kamera begleitet, hat Augenblicke festgehalten, die die beeindruckende Vielfalt des Schläpferschen Oeuvres lebendig werden lassen.
Unter www.kraftfeld-mensch-koerper.de präsentiert sich die Ausstellung jetzt der Öffentlichkeit und lädt zu einer sinnlichen, mit vielen Zitaten kommentierten Reise durch elf Jahre Tanzkunst ein.

Buchbesprechung: Oliver Schlick DAS CRIME ZERTIFIKAT
Verbrechen mit Qualität
268 Seiten, ueberreuter, 2020

Besuchen Sie Renate Wagners BUCHRUBRIK

Pius Nordberg ist fast zwei Meter groß, 39 Jahre alt, bändigt seine Haarpracht in einen Pferdeschwanz und hat einen Beruf, der nicht ganz sympathisch klingt– „Inkassowesen“. Allerdings ist er in tiefster Seele ein lieber Mensch und nützt seine beachtliche Muskelmasse auch zum Schutz der Armen und Hilflosen, und gar zu schlimm ist die Situation nicht, solange er für „Papa Ambros“ arbeitet. Der ist nämlich  ein gemütlicher Kleinkrimineller mit Handschlagmentalität und einem großen Herzen, der mit seinen „Mitarbeitern“ höchst menschlich umgeht. Und Pius sorgt dafür, dass er selbst beim Eintreiben von Schulden so schonungsvoll und überzeugend vorgeht, dass sein Kollege Bernward den Koffer mit den „Folterinstrumenten“ nur ganz selten aufmachen muss… Also scheint Pius anfangs nur ein Problem zu haben, eine anarchische Mutter, die ihr Altersheim aufmischt und auch für den Sohn sehr anstrengend ist…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Harald Martenstein über einen Zug der Zeit
Das liberale Wertesystem landet gerade auf dem Sperrmüll
Gestürzte Statuen, nicht gedruckte Artikel, Unvoreingenommenheit von Journalisten – unser Kolumnist macht sich Gedanken über die illiberale Hygienearbeit.
Tagesspiegel

Sexismus-Skandal um Grind-Banner der Rapid-Fans!
https://www.krone.at/2177009

Peschek zu Grind-Banner: „Sehe keinen Skandal!“
https://www.krone.at/2177131

Große Aufregung gab es wegen des Banners im leeren Stadion. Die Äußerung ist geschmacklos, jedoch kein Skandal. Der Spruch des Tages kam von einem Rapid-Funktionär (ich habe mich bereits geoutet, ein Rapidler werde ich selbst auf meine alten Tage nicht):

Demokratie und Meinungsfreit verlieren nicht an Stadientoren ihre Gültigkeit. Daher würde man Banner, sofern sie nichts strafrechtlich Relevantes beinhalten, grundsätzlich auch zulassen“.

Bingo! Auch in Redaktionsstuben sollte  Demokratie und Meinungsfreiheit nicht außer Kraft gesetzt sein. Für den Online-Merker stehe ich persönlich dafür ein. Das gilt aber auch für jede Äußerung in einem Forum oder in einer Kolumne, die den Sinn hat, mit überspitzten Formulierungen zu provozieren.

Auch wenn Rapid involviert ist: Dem Sinn nach stimme ich mit der Aussage auf dem Banner voll überein, in dieser Form verzichtbar ist sie aber allemal.

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

 

 

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