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22. AUGUST 2020 – Samstag

22.08.2020 | Tageskommentar

Kritik – Uraufführung "Impresario Dotcom" in Bregenz: Matter ...
Bregenzer Festtage: Opern-Uraufführung „Impresario Dotcom“. Foto-Copyright: Karl Forster/ Bregenzer Festspiele

Das hätte Jörn Florian Fuchs gerne geschrieben: Ein Triumph! Das passende Stück zur Viren-geschüttelten Gegenwart. Goldoni blitzgescheit aktualisiert, dazu eine tolle Regie und brillante Musik – die Komponistin, eine Entdeckung!“ Diese Sätze würde man so gerne schreiben und den Bregenzer Festspielen, die sich heuer mit arg reduziertem Programm Bregenzer Festtage nennen, einen Coup testieren.

Und das musste er schreiben: Doch leider erweist sich das Auftragswerk „Impresario Dotcom“ als ziemlich missglückte Angelegenheit….

Bleibt zu erwähnen, dass „Impresario Dotcom“ eigentlich als längere Version geplant war – und auf der Bühne im Corona-Abstand gespielt wird. Warum, bitteschön, gibt es in Salzburg „Elektra“ und „Così fan tutte“ ganz ’normal‘, in Bregenz jedoch einen Neunzigminüter auf Distanz?

Bregenz/ Uraufführung
Wimmelbild der Opernfiguren: „Impresario Dotcom“ wurde in Bregenz uraufgeführt
Wiener Zeitung

Das Lokalblatt siegt das „naturgemäß“ etwas anders:

Ein böser Witz, der sitzt
Gefeierte Uraufführung der komödiantischen Oper „Impresario Dotcom“ bei den Festtagen der Festspiele.
https://www.vn.at/kultur/2020/08/20/ein-boeser-witz-der-sitzt.vn

GRAZ/ Schloßbergbühne Kasematten: FIDELIO konzert – starbeglückt!


Wer singt hier lauter: Barbara Krieger (Leonore), Marcus Merkel (Dirigent), Bryn Terfel (Pizarro). Foto: Photowerk/Kmetitsch

Die im 18. Jahrhundert als Gefängnis für Schwerverbrecher genutzten Kasematten auf dem Schloßberg in Graz wurden in der Zwischenkriegszeit in eine Bühne umgewandelt und 1937 sinnigerweise mit der Oper Fidelio feierlich eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten kam Beethovens Freiheitsoper in diesem stimmungsvollen Rahmen immer wieder, zuletzt 1997, zur Aufführung. Dem Verein „Junge Konzerte in Graz“, in Kooperation mit der Spielstätte, ist es zu verdanken, dass im Corona-Sommer 2020 dieses Werk dort wieder gespielt wird. Konzertant, aber zum Teil auch durchaus halbszenisch dargeboten wird die dritte Fassung von 1814, die sich allgemein auf der Opernbühne durchgesetzte hat…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Michael Tanzler fungiert ebenfalls als Berichterstatter: Im Programm wird ausführlich über Corona und die Maßnahmen berichtet, um circa 2.100 Besuchern die Möglichkeit zum Besuch zu geben, wird 3x mit maximal 700 Besuchern gespielt, man sah auch etliche freie, gesperrte Plätze zwischen den Besuchergruppen, jedoch waren die Reihen doch sehr dicht gestellt – also zum Vordermann hätte der berüchtigte „Baby-Elefant“ maximal der Quere nach dazwischen gepasst…

…Hier hatte der sein Partiedebut gebender „Star“-Partner Bryn Terfel auch seine besten Momente. Er brauchte nach mißglücktem Beginn seiner Arie etwas Anlaufzeit, schaffte es mit Routine, Bühnenpräsenz und expressivem Stimmeinsatz doch einigermaßen die Erwartungen zu erfüllen –  an die großen Interpreten dieser Partie der letzten Jahrzehnte kam er bei Weitem nicht heran.

Der als zweiter „Star“ angekündigte Peter Seiffert hatte kurzfristig abgesagt, und so sprang Roberto Sacca ein, der eine tadellose Leistung ablieferte. Prägnant, wortdeutlich, mit heldischem Applomb zeichnete er einen tadellosen Florestan und überraschte positiv!…

Auf die Titelrolle haben wir nicht vergessen, aber deren Interpretin hatte hörbar keinen guten Abend.

Zum Bericht von Michael Tanzler

Grafenegg: Opernabend Piotr Beczala


Foto: privat

Nachdem die Gäste in Gruppen eingeteilt, mit Masken auch im Freien, am ausverkauften Wolkenturm Platz genommen haben – natürlich mit Abstand zum unbekannten Nachbarn – wird das Programm mit der Ouvertüre von Rossinis „Guglielmo Tell“ eröffnet. Die fast 80 Musiker des Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, seit 2007 traditionell mit Residenz auch in Grafenegg, werden an diesem Abend vom sympathischen Dirigenten Sascha Goetzel geleitet…

Zum Bericht von Susanne Lukas

Wenn es laut kracht in der Nacht – Ein Opernabend in Grafenegg
„Nach den Schlussverbeugungen des Dirigenten kam Herr Piotr Beczała
wieder aufs Podium und verzauberte das Auditorium mit einem glanzvollen „Nessun Dorma“ aus Puccinis „Turandot“ – tatsächlich einer der Höhepunkte des Abends. Und das Publikum freute sich, dass es den Chorteil vor dem hohen h mitsingen und mitsummen durfte.“
Herbert Hiess berichtet aus Grafenegg vom Grafenegg-Festival
Klassik-begeistert

Mikulov am 15.8.2020 : „TRISTAN UND ISOLDE“ – Premiere


Tristan, 1. Akt. Foto: Sieglinde Pfabigan

Die verschobene Premiere forderte den Mitwirkenden gute Nerven ab. Schon mitten im 1. Akt, noch Ehe Tristan der Einladung Isoldes zur Sühne für „ungebüßte Schuld“ Folge leisten konnte, musste abgebrochen werden. Nach fast einstündigen feuchtigkeitsbedingten Unterbrechung kam es endlich zum „Sühnetrank“. Im 2. Akt passierte das Nämliche nach der Szene Isolde-Brangäne. Das Tag-Nacht-Gespräch war vernünftigerweise von vornherein nicht eingeplant. Man setzte fort mit „O sink hernieder Nacht der Liebe“, für die das Ambiente keinen wirklichen Rückhalt bot, denn diese ganz verinnerlichte Zweisamkeit der Liebenden, die ausschließlich im Geist- und Seelenbereich existiert, verträgt keine banalen Störungen von außen. Der Auftritt Markes mit Gefolge verkraftete die Umstände besser und der 3. Akt blieb ohnedies nur ein Fragment…

Zum Premierenbericht von Sieglinde Pfabigan

IOAN HOLENDER, JÜRGEN KESTING UND MICHAEL KRAUS IM GESPRÄCH BEI „SERVUS TV“

Gefunden von Christoph Karner


Bitte untenstehenden Link anklicken

Ioan Holender lädt zum Festspieltalk ins Schloss Leopoldskron – dem Geburtsort der Salzburger Festspiele, die vor 100 Jahren erstmals stattfanden.

ZUM VIDEO

Salzburg/ Konzertkritik: Des Beifalls lange nicht genug
Christian Thielemann sorgte mit den Wiener Philharmonikern für eine Sternstunde.
Wiener Zeitung

Salzburg
Thielemann dirigiert Wagner und Bruckner
Jubel bei den Festspielen
https://salzburg.orf.at/stories/3063339/

Salzburg
Markus Hinterhäuser“Unglück fühlt sich anders an“
Kleine Zeitung

Salzburg: Festspielbezirk soll größer werden
Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP)kündigte eine Erweiterung des Festspielkomplexes an, Pläne werden noch vorgestellt
http://www.derstandard.at/story/2000119510312/salzburg-festspielbezirk-soll-groesser-werden

Die schreiende Lücke: Warum Christoph Schlingensief fehlt
Der Standard

Christoph Schlingensief
Zehn Jahre ohne den Paradeprovokateur
https://orf.at/stories/3178179/

Kulturbühne Reichshof Bayreuth: Siegfried Wagner, Sonnenflammen (15., 16. 8. 2020)

„Nur ein bisschen kleiner“


„Sonnenflammen“ von Siegfried Wagner. Copyright: Martin Modes

Wäre der Kabarettist Otto Reuter (1870-1931) für diese Aufführung wundersamerweise von den Toten auferstanden, vielleicht hätte er dann das Couplet, das er Siegfried Wagner widmete (er sei Komponist wie sein Vater, „nur ein bißchen kleiner“), etwa so umgedichtet:

Siegfried Wagner in Bayreuth / Schrieb die Sonnenflammen; / Zwar die Aufführung, so schien’s / Brach in sich zusammen. / Doch frustrieren läßt sich nicht / So wie Pachl einer, / Und er hat es hingekriegt, / Nur ein bißchen kleiner.

Wirklich „ein bißchen kleiner“? Auf dem Plakat steht: „Szenische Vision einer Oper“, was wohl bedeutet, daß nicht die Oper selbst zu sehen ist, jedenfalls nicht vollständig. Auf der Bühne sitzt kein Orchester (einen Graben gibt es im Reichshof ohnehin nicht), die Klänge werden elektronisch erzeugt (mit einem Verfahren, das dem Profanen wohl ewig ein Buch mit sieben Siegeln bleiben wird). Ein Unterschied zu einem Live-Orchester ist allerdings nicht wahrzunehmen, und weil die Bühne den Sängern gehört..

Zum Bericht von Pro.Dr. Albert Gier

Im Vorfeld dieser Aufführung spielte sich das Drama um den Wiener Tenor Johannes Föttinger ab. Dem war die eigentlich zentrale Rolle des Narren zugedacht, die sehr schwer zu erlernen ist. Föttinger starb überraschend drei Tage vor Probenbeginn und der Regisseur musste mit zwei Darstellern improvisieren!

Saisonstart an der Deutschen Oper am Rhein

Für die Vorstellungen vom 11. September bis 31. Oktober hat der Vorverkauf begonnen

An der Deutschen Oper am Rhein hat der Vorverkauf für rund 60 Vorstellungen im September und Oktober begonnen. Karten für das Programm im November und Dezember können bereits vorbestellt werden. „Wir freuen uns, dass wir endlich wieder spielen dürfen“, sagt Generalintendant Christoph Meyer. „Ich bin mir sicher, dass sich die Lust auf unser neu entwickeltes Programm, unsere künstlerische Neugier und die im ganzen Haus spürbare Kreativität auf unser Publikum übertragen.“

 Tickets und weitere Informationen: Opernshop Düsseldorf (Tel. 0211-89 25 211), Theaterkasse Duisburg (Tel. 0203-283 62-100), www.operamrhein.de.

Mehr darüber in unseren Infos des Tages

Heute in Salzburg „Großkampftag“. Das Jubiläum findet nämlich exakt heute statt:

Bei den Siemens Festspielnächten auf dem Kapitelplatz wird der Tag zur Nacht, die muss man nämlich schon zeitig am Vormittag beginnen. Um 10 Uhr wird schon Christian Stückls Inszenierung von 2010 mit Nicholas Ofczarek in der Titelrolle und Birgit Minichmayr als Buhlschaft projiziert. Im Jahr 2000 war Ulrich Tukur der Jedermann, Dörte Lyssewski war seine Gespielin, Regie führte damals Gernot Friedel. Dann nochmal Stückls Inszenierung, der Mitschnitt von 2004 mit Peter Simonischek und Veronica Ferres.

Um 19 Uhr gibt’s auf dem LED-Schirm die aktuelle Jedermann-Version in der Regie von Michael Sturminger mit Tobias Moretti und Caroline Peters. Der Eintritt für die Übertragungen am Kapitelplatz ist frei, aufgrund der aktuellen Bestimmungen ist der Zugang aber nur mit Platzkarte möglich

Salzburg: Fünf Jedermänner und eine Buhlschaft
Für die Festspiele ist heute Samstag (22.8.), der 100. Jahrestag der ersten Jedermann-Aufführung, logischerweise ein Festtag – wenn’s auch nicht ganz so betriebsam ausfällt wie vor den Corona-Einschränkungen geplant. Einige Schmankerl aus dem Festprogramm.
DrehpunktKultur

Russland: Ärzte fanden kein Gift bei schwer krankem Nawalny
Die Klinik im sibirischen Omsk hat nach Angaben eines Arztes keine Spuren von Gift in dem schwer kranken russischen Regierungskritiker Alexej Nawalny gefunden. Die Diagnose stehe vollständig fest, sagte einer der behandelten Ärzte am Freitag weiter. Sie könne aber noch nicht bekanntgegeben werden. Die Mediziner kämpfen weiter um das Leben des 44-Jährigen.
Niederösterreichische Nachrichten

Nawalny darf nun doch nach Berlin ausgeflogen werden. Die deutschen Ärzte übernehmen sozusagen die Verantwortung (das Risiko trägt aber in erster Linie Herr Nawalny).

Übrigens – ein Beispiel zur Fairness der Presse: Wenn Virologen der Berliner Charité unterschiedliche Meinungen haben, dann sind das eben unterschiedliche Meinungen. Wenn russische Ärzte nicht einer Meinung sind, verstricken sie sich in Widersprüche! 

Ich habe eigene Erfahrung mit dem russischen Gesundheitssystem. Dort wurde ich wie folgt beruhigt: Bei russischen Ärzten brauchen Sie keine Angst haben, die sind alle hervorragend ausgebildet. Die können sich nicht eine einzige negative Prüfung erlauben, denn dann sind sie „weg vom Fenster“. Wie ist das bei Euch – fragte mich der Arzt – um sich gleich selbst die Antwort zu geben: Bei Euch darf der Student so lange studieren, als es ihm der Vater finanziert“

Nawalny darf nach berlin ausgeflogen werden
Nach dem Zusammenbruch des Aktivisten verstrickten sich Ärzte in widersprüchliche Aussagen. Nawalnys Transfer nach Deutschland wird nun doch gestattet.
Die Presse

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

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