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22. APRIL 2020 – Mittwoch

22.04.2020 | Tageskommentar

HEUTE auf Servus TV (22,05):

Der ehemalige Staatsoperndirektor Ioan Holender diskutiert mit Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek, Kulturjournalist Thomas Trenkler, Opernsänger Günther Groissböck und Stadträtin für Kultur und Wissenschaft Veronica Kaup-Hasler über die Zukunft der Kulturbranche.

Geschlossene Theater, keine Konzerte und Opern-Aufführungen, abgesagte Festivals: Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Kulturbetrieb sind gravierend. Freischaffende Künstler und große Institutionen fragen sich derzeit: Welche Auswirkungen wird diese Krise auf den Kulturbereich haben? Wird sich der Kulturbetrieb ab September in dieser Vielfalt noch finanzieren lassen? Kann Streaming das Live-Erlebnis ersetzen? Gibt es Ideen, der Krise zu trotzen? Oder werden Künstler und Veranstalter den Gürtel einfach enger schnallen müssen?

Merken Sie sich den Termin vor! Dabei diskutiert auch erstmals ein bekannter und in jeder Hinsicht stimmgewaltiger Opernsänger mit – und auch Ioan Holender nimmt im Normalfall kein Blatt vor dem Mund!

Auch Klaus Billand hat sich schon in der Vor-Corona-Zeit Gedanken um das zukünftige Schicksal der Oper gemacht:

Straßburg und Karlsruhe: Herbst-Konferenz von OPERA EUROPA „Building Bridges“ oder: Wie es mit der Oper weitergeht/weitergehen könnte…

Ich gebe zu, ich habe mich geirrt! Die Berliner Philharmoniker kommen nun doch nicht im Bachler-Schlepptau zu Salzburgs Osterfestspielen

Es hat so einfach gestrickt ausgesehen: In Salzburg will man Thielemann mit seinen Dresdnern loswerden und holt deswegen Bachler, der Petrenko mit dessen „Berlinern“ als Einstandsgeschenk mitbringt.

Allein, es ist nicht so! Es ist überhaupt nicht einfach, es ist komplizierter, als zumindest ich mir denken kann:

Berliner Philharmoniker und Festspielhaus Baden-Baden planen Fortsetzung der gemeinsamen Osterfestspiele
Die Baden-Badener Osterfestspiele sollen über das Jahr 2022 hinaus in künstlerischer Kooperation mit den Berliner Philharmonikern stattfinden. Der Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa und Andrea Zietzschmann, Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker, unterzeichneten einen entsprechenden Letter of Intent, der die weitere Zusammenarbeit ermöglicht. Damit erhalten seit längerem kursierende Überlegungen eine Absage, wonach die Berliner Philharmoniker unter der künftigen Intendanz von Klaus Bachler in Salzburg zu den dortigen Osterfestspielen zurückkehren könnten.
Neue Zürcher Zeitung

Osterfestspiele: Berliner bleiben in Baden-Baden
Die Frage, wer in der Ära Bachler die Salzburger Osterfestspiele bestreiten wird, erhebt sich nach dem Hinauswurf Christian Thielemanns jetzt dringlicher.
Die Presse

Was nun? Wenn Christian Thielemann „hinausgeworfen“ wurde, ist das an mir vorbeigegangen. Er selbst hat sich von Nikolaus Bachler distanziert, ist aber nach wie vor unter Vertrag.  Sind Thielemann und seine „Dresdner“ tatsächlich wie siamesische Zwillinge untrennbar miteinander verbunden? Weiß Thielemann was die Dresdner wollen – und umgekehrt? Gibt Thielemann klein bei? Wollen die Dresdner bleiben – notfalls auch ohne Thielemann? Oder kommt nun ein ganz anderes Orchester, das offenbar zu diesem Zeitpunkt unausgelastet ist!

Oder wollte man nur Peter Ruzicka loswerden?

Das wird nun wirklich spannend! Es darf spekuliert werden! Viel spannender ist freilich, von wem dieses ganze Theater überhaupt ausgegangen ist.

Gedankenanstoß von W.B.: Bis 2022 ist Thielemann mit den Dresdnern da. 2023: keine Ahnung. 2024: Pappano hat in einem Interview davon gesprochen, dass er mit seiner Accademia „orchestra in residence“ ist…

TTT ist etwas verwundert: Irritierend bleibt, dass hier lediglich eine Absichtserklärung ( letter of intend) vorliegt, mglw. sogar einseitig nur vom Festspielhaus. Üblicherweise geht man mit solchen Offenbarungen erst an die Öffentlichkeit, wenn alles mit Vertrag „in trockenen Tüchern“ ist. Will die Festspielhausleitung hier möglicherweise eine Öffentlichkeit herstellen, die zwar nicht aktuellem Vertrag entspricht aber mglw. doch Ergebnisse von Vertragsverhandlungen vorwegnehmen soll, um Einfluss zu lenken?

Geschichte des Opernbetriebs : In der Dunkelloge wird soupiert

In der (vermeintlich) ruhigeren Zeit haben wir nun Gelegenheit, uns mit der Geschichte der Oper zu befassen.

 

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/michael-walter-analysiert-die-geschichte-der-oper-14902591.html

Die oft totgesagte Oper ist nicht nur eine der langlebigsten, sondern auch eine der kostspieligsten Kunstformen. „Ohne Geld ka Musi“, wie man im hochsubventionierten „Musikland Österreich“ nur zu gut weiß. ….. Wenn der Hauptzweck der Institution Oper darin liegt, „Opern als Bühnenereignisse zu produzieren“, treten Komponisten und Musik naturgemäß in den Hintergrund. Es sind die Sänger, Impresarii, Theaterdirektoren, Mäzene …

…Der Impresario muss in sich die Eigenschaften eines Feldherrn, eines gründlichen Musikers und eines geschickt taktierenden Politikers vereinigen. Ihm obliegt das Anheuern der Truppe, das Anmieten der Spielstätte und das Kalkulieren des lokalen Publikumsgeschmacks mit Blick auf eine neue Produktion. Unerbittlicher Unternehmergeist ist dabei gefragt, Bildung nicht unbedingt vonnöten: Domenico Barbaja etwa, der maßgeblich für den Siegeszug von Rossinis Opern in Europa verantwortlich war, stammte aus bescheidenen Verhältnissen und schrieb seine Briefe im Mailänder Dialekt…

Ausführlich behandelt Walter das Thema der Prostitution im Opernhaus des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts. Er wendet sich hier beredt gegen die Auffassung, die großen Opernhäuser seien auch Orte sexueller Ausschweifungen gewesen, eine Vorstellung, die vor allem mit den sogenannten „Dunkellogen“ oder „Gitterlogen“ verknüpft ist. Diese Logen waren durch Jalousien oder Vorhänge zum Zuschauerraum hin verschließbar. Man konnte in ihnen Konversation machen, Karten spielen, essen, schlafen oder einfach inkognito der Musik lauschen…

Geschichte des Opernbetriebs : In der Dunkelloge wird soupiert
Die oft totgesagte Oper ist nicht nur eine der langlebigsten, sondern auch eine der kostspieligsten Kunstformen. „Ohne Geld ka Musi“, wie man im hochsubventionierten „Musikland Österreich“ nur zu gut weiß. ….. Wenn der Hauptzweck der Institution Oper darin liegt, „Opern als Bühnenereignisse zu produzieren“, treten Komponisten und Musik naturgemäß in den Hintergrund. Es sind die Sänger, Impresarii, Theaterdirektoren, Mäzene …..
Frankfurter Allgemeine

TTT hat diese Beschreibung für uns aufgestöbert

„Informationen über neues Streamingangebot des Teatro Regio di Parma“

Hier der Link: www.teatroregioparma.it/en/spettacolo/festival-verdi-home-streaming/

Die Streams stehen am jeweiligen Datum um 20 Uhr zur Verfügung und sind bis Mitternacht des Folgetages abrufbar.

Und hier die Daten:

– 22.4. Giovanna d’Arco (2016) mit Vittoria Yeo, Luciano Ganci, Vittorio Vitelli

            (aus dem barocken Hoftheater Teatro Farnese, das nur selten bespielt wird)

– 25.4. Un Giorno di Regno (2010) mit Anna Caterina Antonacci, Alessandra Marianelli, Paolo Bordogna, Ivan Magri

– 28.4. Jérusalem (2017) mit Ramon Vargas, Pablo Galvez, Michele Pertusi, Annick Massis

            (Inszenierung der nur selten gespielten Oper von Hugo de Ana)

– 2.5.   Le Trouvère (2018) mit Roberta Mantegna, Nino Surguladze, Giuseppe Gipali, Franco Vassallo, Marco Spotti

            (Troubadour in französischer Sprache aus dem barocken Hoftheater Teatro Farnese)

Ingrid Heyer

Oper trotz Corona: Filmstudio auf der Bühne des Opernhauses eingerichtet; Die Staatsoper Stuttgart setzt ihr digitales On-Demand-Programm mit Unterstützung der LBBW mit Mefistofele und Satyagraha fort

Cornelius Meister hat in Corona-Sperrzeiten sein Orchester dirigiert – mit einer speziellen Austellung der Musiker, teils in den Logen!

Im Rahmen des kostenlosen Opernprogramms „Oper trotz Corona“ auf der Website der Staatsoper ist noch bis Freitag Arrigo Boitos Mefistofele als Live-Aufzeichnung einer Aufführung aus der letzten Saison auf der Website zu sehen sein. Regisseur Àlex Ollé, Mitglied des katalanischen Theater-Kollektivs La Fura dels Baus, zeigt Boitos italienische Sicht auf Goethes Faust-Stoff. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Daniele Callegari.

Direkt daran anschließend folgt ab Freitag, 24. April, 17 Uhr mit Achim Freyers Produktion von Philip Glass’ Satyagraha ein Klassiker der Minimal Music der 1980er Jahre – eine legendäre Produktion, an die sich noch viele Zuschauer*innen schwärmerisch erinnern. Die Musikalische Leitung hat der damalige Stuttgarter Generalmusikdirektor Dennis Russell Davies inne. Die Produktion ist eine Woche lang kostenlos und on demand auf der Website der Staatsoper Stuttgart zur Verfügung zu sehen.

Alle Informationen: www.staatsoper-stuttgart.de/oper-trotz-corona

Wien/ Konzerthaus: Verschiebung der konzertanten Aufführung von Monteverdis „L’Orfeo“ mit Rolando Villazón & L’Arpeggiata auf 1. November 2021

 

Rolando Villazon. Foto: Felix Broede

Aufgrund des Veranstaltungsverbots der österreichischen Bundesregierung, welches besagt, dass sämtliche Veranstaltungen bis 30. Juni 2020 untersagt sind, kann das Konzert von Rolando Villazón & L’Arpeggiata leider nicht wie geplant am 2. Mai 2020 im Konzerthaus stattfinden. Das Konzert wird nun auf 1. November 2021 im Wiener Konzerthaus verschoben. Bereits erworbene Tickets behalten für den neuen Termin im kommenden Jahr ihre Gültigkeit und müssen nicht umgetauscht werden!

Interessant an dieser Meldung ist erstens der Ersatztermin in eineinhalb Jahren und zweitens die Aufforderung, gekaufte Karten für den Fern-Termin gleich zu behalten. Ich gehe davon aus, dass viele Veranstalter das Geld, das sie durch den Vorverkauf eingenommen haben, gleich wieder ausgegeben haben. Sie haben das Geld also gar nicht mehr und die Besucher sollen als Kreditgeber fungieren!

Dieter Hallervordens zweiter „Offener Brief“

 

An Alle, an Alle, an Alle – an alle, die unsere Initiative zur teilweisen Wiedereröffnung der Privattheater unterstützen!

Falls mein offener Brief vom 20.04.20 an Frau Staatsministerin Monika Grütters und Herrn Kultursenator Dr. Klaus Lederer ein positives Echo findet, wären auch folgende Überlegungen anzustellen:

Ein geregelter Kita- und Grundschulablauf ist auf lange Sicht mehr als unwahrscheinlich. Daher mein Vorschlag:

Den lesen Sie in unseren heutigen „Infos des Tages

Buchbesprechung: Jerneja Jezernik
ALMA M, KARLIN. Mit Bubikopf und Schreibmaschine um die Welt
200 Seiten, Drava Verlag, 2020

Besuchen Sie Renate Wagners BUCHRUBRIK

Zu ihren Lebzeiten war Alma M. Karlin (1889–1950) eine erfolgreiche Autorin populärer Bücher, die nicht nur Romane, sondern auch Reiseberichte umfassten. Nach ihrem Tod weitgehend vergessen, hat sich wohl die slowenische Journalistin Jerneja Jezernik am meisten um ihre Wiederentdeckung verdient gemacht – auch in dem Wunsch, die Autorin für Slowenien zu gewinnen, obwohl sie von ihrer damals „untersteirischen“ Herkunft her (Kronland Herzogtum Steiermark) und in ihrer Sprache wohl „deutsch“ war. Aber wo es um „altösterreichische“ Schicksale geht, verschwimmen solche Grenzen, die wir eher heute ziehen.

Jerneja Jezernik, die sich seit zwei Jahrzehnten mit dem Nachlass von Alma M. Karlin beschäftigt, legt nun die Biographie der Autorin vor, vermutlich selbst übersetzt von ihrer 2009 schon erschienenen Biographie auf Slowenisch. Es ist ein mehr als seltsames und oft auch tragisches Leben, das Bewunderung erregt, weil eine Frau aus eigener Kraft und gegen gewaltige Widerstände sich eine Lebensform und eine Karriere geradezu ertrotzt hat…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Burgtheater-Chef Kusej zu neuen Vorgaben: „Es geht fast gar nichts“
Burgtheaterdirektor: „An Theaterarbeit, wie ich sie verstehe, ist nicht zu denken“. So seien Proben im Juni nicht möglich: „Vielleicht müssen wir den Saisonstart nach hinten verschieben“.
Kurier

Watschen für Lunacek im ORF: „Bitte lassen Sie Profis ran“
Die Staatssekretärin musste sich am Montag einiges anhören. Ihre Pressekonferenz sei „zum Fremdschämen gewesen“, hieß es. Oder: „Ich habe auch einen Rhetorikkurs gemacht“.
Die Presse

Tod der Kunst: Kulturszene drängt Politik zu rundem Tisch
Der Standard

Wer von Sars-Cov-2 besonders gefährdet ist, kann sich ab 4. Mai Attest vom Arzt holen
Wer von Covid-19 besonders gefährdet sein könnte, wird in nächster Zeit von der Sozialversicherung per Brief kontaktiert. Darin werde man aufgefordert, sich mit seinem Arzt in Verbindung zu setzen. Dieser trifft anhand einer nun ausgearbeiteten Checkliste dann die Entscheidung, ob man als Risikogruppe eingestuft wird.
Die Presse

Es ist eigentlich ungeheuerlich. In unserem Forum streiten sich Teilnehmer um den Begriff „Isolation“. Der Begriff ist nicht glücklich gewählt, ein geschickter Politiker würde von „besonderem Schutz“ sprechen. Schon sieht die Sache anders aus, gemeint ist aber genau das Gleiche!

Viel mehr stört mich aber, dass die Regierung nun über meinen Gesundheitszustand Bescheid weiß, Aufforderungen zum „dringenden Arztbesuch“ mit der normalen Post verschickt und somit der Briefträger weiß, dass ich zur Risikogruppe gehöre. Nun, mir persönlich ist das völlig wurscht, ich brauche kein Attest mehr und habe auch keinen Arbeitgeber. Wahrscheinlich bekomme ich deswegen auch gar keinen Brief. Aber was ist mit den Berufstätigen?

Die Aktion mag gut gemeint sein, aber wenn solche Listen (erstellt auf Grund der Medikamentenverschreibung) so leicht zur Hand sind, kann auch der Arbeitgeber darauf zugreifen. Ich weiß, nicht offiziell, „aber im besonderen Fall“ (würde der Ochs auf Lerchenau sagen) kann das schon möglich sein. In Corona-Zeiten ist das eben „ein besonderer Fall“, denn der Firmenchef kann anführen, dass er die anderen Mitarbeiter schützen muss. Eigentlich beunruhigt mich das viel mehr als „Isolation“, die nur ein provozierender und unglücklicher Ausdruck für Quarantäne ist.

Dieses blöde Virus steht mir schon bis zum Hals. Ich schütze mich davor mit dem besten Hausmittel, das immer noch der gesunde Menschenverstand ist!

Haben Sie einen schönen Tag, umarmen Sie niemand, waschen Sie sich oftmals am Tag die Hände und tun Sie alles, was „Doc Rudi“ so empfiehlt

A.C.

 

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