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21. NOVEMBER 2022 – Montag

21.11.2022 | Tageskommentar

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„Werther“ an der Wiener Staatsoper: Julie Boulianne (Charlotte) und Maria Nazarova (Sophie). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

…Trotzdem freut man sich – angesichts der von Ex-Staatsoperndirektor Ioan Holender eben erst ausgesprochenen Warnung vor den verhängnisvollen Konsequenzen des überhandnehmenden Regietheaterunwesens –, wenn in dieser Inszenierung am Schluss es immer noch Werther ist, der hier stirbt, und nicht Charlotte, und Werther schließlich auch nicht von Albert erschossen wird, sondern Selbstmord begeht. Das Geschehen läuft eben so ab, wie’s im Büchel (der Librettisten Blau, Milliet & Hartmann) festgeschrieben steht. Und wenn Werther im 3. Akt nach langer Abwesenheit zurückkehrt und beim Wiedersehen das vertraute Cembalo besingt, steht auch tatsächlich ein Cembalo dort. Heutzutage fast schon eine Sensation. Man ist in seinen Ansprüchen eben wirklich schon sehr bescheiden geworden.

Nicht bescheiden sollte man sich an der Staatsoper aber, wenn es ans Eingemachte geht: Musik und Gesang. Das sind nämlich die Konstanten, an denen die Regietheaterleute noch nicht ihre Hand anlegen, da die meisten von ihnen – so nachzuhören in Holenders Expertise – ohnehin keine Noten lesen können. Bei der Premiere stand übrigens Philippe Jordan am Dirigentenpult, es war sein Premierendebüt an der Staatsoper…

...Recht zäh, um nicht zu sagen: langweilig gestalten sich die beiden ersten Akte auch auf der Bühne. Dabei wurlt es da eigentlich schon recht heftig: Dramatische Zuspitzungen kündigen sich an, Emotionen brechen hervor (Werther) oder werden unterdrückt (Charlotte). Davon aber ist wenig zu verspüren. Julie Boulianne als Charlotte wirkt bei ihrem Hausdebüt, gesanglich wie auch darstellerisch, zunächst zu verhalten. Auch Dmitry Korchak in der Titelpartie agiert und singt anfangs wie auf Sparflamme, so dass er stellenweise etwas zu leise klingt. Bei seinem Liebesgeständnis „Rêve! Extase! Bonheur!“ wird nicht nur vom Amtmann unterbrochen, sondern zudem vom Orchester zugedeckt. Nur Maria Nazarova bringt Farbe in das Geschehen. Ihre lebenslustige Sophie wirbelt mit der ihr anvertrauten Kinderschar fröhlich über die Bühne und ist eben dabei, die ersten Liebesregungen und ihre Gefühlswelt als Frau zu entdecken. Dass ihre heimliche Zuneigung zu Werther von diesem nicht erwidert wird, wird sie wohl nicht allzu sehr belasten. Da ist sie um einiges pragmatischer und freier als ihre große Schwester…

Zum Bericht von Manfred A.Schmid

Wien/Staatsoper: Unter Raben-  „Macbeth“ im Dunkeln (Bezahlartikel)

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Anna Pirozzi als Lady Macbeth. Foto: Staatsoper

Barrie Koskys karge, doch starke Inszenierung von Verdis „Macbeth“ wurde an der Staatsoper wiederaufgenommen. Unter den Darstellern beeindruckte besonders Anna Pirozzi als Lady Macbeth.
https://www.diepresse.com/6217701/unter-raben-macbeth-im-dunkeln

Auf ARTE Concert steht der Berliner Tcherniakov-„Ring des Nibelungen“ derzeit zur Ansicht. Dringende Empfehlung

Berlin
Porträt – Heldentenor Clay Hilley

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Clay Hilley und Sara Duchovnay. Foto: Agentur

An der Deutschen Oper fiel im letzten Jahr plötzlich der Sänger des Siegfried in Wagners Ring aus. Der Amerikaner Clay Hilley sprang spontan ein – rettete den Ring und wurde in Deutschland als Entdeckung gefeiert.
rbb-online.de

Spektakulärer war wohl sein Einspringen in Bayreuth für Stephen Gould !

Sopranistin Fatma Said: „Sprechen schadet mehr als Singen“
Ein Gespräch mit Fatma Said über die winzigen Muskeln, die wir brauchen, um uns zu artikulieren – und die Herausforderung, sie richtig einzusetzen
Tagesspiegel.de

WIENER VOLKSOPERNFREUNDE: Terminverschiebung Adventkonzert
Das ursprünglich für Samstag, 17. Dezember angekündigte Adventkonzert müssen wir aufgrund einer terminlichen Kollision in der Kapelle auf den Sonntag, 11. Dezember vorverlegen.

 „In dulci jubilo“ – Adventkonzert der Wiener Volksopernfreunde, Musikalische Leitung: Chie Ishimoto

Sonntag, 11. Dezember 2022, 18:00 Uhr, Johannes-Nepomuk-Kapelle, Währinger Gürtel bei U-Bahn-Bogen 115, 1090 Wien

 Karten an der Abendkassa: Mitglieder: € 20.-, Nicht-Mitglieder: € 25.-

Reservierung unter: volksopernfreunde@outlook.com

 

NEAPEL: DON CARLO mit  POLENZANI, GARANCA, PEREZ, PERTUSI, TEZIER, GUTH (Inszenierung)

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ZU FACEBOOK

Aus Neapel ist seit Samstag der OTELLO von 2021 im Stream-Angebot (Kaufmann Agresta Mariotti, Martone)

PARIS: „LA PERICHOLE“ von Jacques Offenbach am Théâtre des Champs-Elysées – 18 11 2022 Come-back des Erfolg-Duos Laurent Pelly und Marc Minkowski, der mit Verve (s)einen doppelten Geburtstag feiert.

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Überbordende gute Laune beim Schluss-Applaus für die Geburtstagskinder Marc Minkowski und seine Musciens du Louvre (die in den Schluss-cancans aus dem Orchestergraben mitgesungen haben!).  © Vincent Pontet

Noch etwas Neues zu Jacques Offenbach? Eigentlich könnte man davon ausgehen, dass nach dem fabelhaften Jubiläumsjahr 2019 so ungefähr alles gesagt, geschrieben, gesungen und vor allem gespielt wurde. Im Merker haben wir über ein Dutzend wiederentdeckte Opern & Operetten berichtet – das ist mehr als die Anzahl gespielter Opern vieler Komponisten! Doch die Offenbach-Forschung geht stetig weiter und nach der vollständigen Fassung der „Vie parisienne“ letztes Jahr hat das Palazzetto Bru Zane nun diesen Herbst „La Périchole“ neu editiert. Der Unterschied zu den vorigen Fassungen ist nicht so spektakulär wie bei dem „Pariser Leben“ – deswegen gehen wir jetzt auch nicht darauf ein und macht das Palazzetto auch keine neue CD-Aufnahme. Aber die neue Edition ist wohl die Gelegenheit für ein wunderbares Come-back des Bühnenteams, das ein Meilenstein in der Offenbach-Rezensionsgeschichte war. Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, was für einen schlechten Ruf die Operette in den Jahren 1970/80 noch in Frankreich hatte. Bis der Direktor der Oper in Lyon Jean-Pierre Brossmann 1997 den blutjungen Regisseur Laurent Pelly einlud mit dem damals ebenfalls noch startenden Dirigenten Marc Minkowski für Offenbachs „Orphée aux Enfers“. Als Brossmann 1999 die Leitung des Théâtre du Châtelet in Paris übernahm – in Nachfolge von Stéphane Lissner, der in dem traditionsträchtigen Haus das Genre Operette vollkommen verbannt hatte – lud er das Duo wieder ein für „La Belle Hélène“ und „La Grande-Duchesse de Gérolstein“, die inzwischen legendär geworden sind. Marc Minkowski – den man bis dato nur als Barock-Spezialisten kannte – entpuppte sich bei dieser Gelegenheit als kongenialer Offenbach-Interpret. Laurent Pelly auch: er hat seitdem 14 Opern von Offenbach inszeniert! Und nun, nach zwanzig Jahren, beugen sich beide über „La Périchole“ – ein Fest für Augen und Ohren!…
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Die Straßensänger Périchole und Piquillo (Marina Viotti und Stanislas de Barbeyrac) in der Rock ‘n‘ Roll Inszenierung und Ausstattung von Agathe Mélinand und Laurent Pelly. © Vincent Pontet

Bis zum 27. November im www.theatrechampselysees.fr
Nächste Spielzeit in den Opern von Liège (Lüttich), Dijon und Toulon
Neue Partitur und CD-Buch aus 2018 beim Palazzetto Bru Zane: www.bru-zane.com
„Offenbach, musicien européen“ von u.A. Jean-Claude Yon bei Actes Sud und
„Marc Minkowski, confessions“ (mit Antoine Boulay) beim Verlag Séguier

Zum Bericht von Waldemar Kamer/Paris

Hamburg/Laeiszhalle
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg in der Laeiszhalle: So bringt man das Brahms Requiem zum Klingen!
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg, Bremer Philharmoniker, Hansjörg Albrecht Laeiszhalle Hamburg, 19. November 2022
Es grenzt an ein Wunder nach einem Weinberg-Quintett und einem Schütz-Gesang noch Kraft für das Brahms-Requiem zu haben. Davon ließ sich weder die Musik noch das Publikum beeindrucken: Selbst nach über zweieinhalb Stunden war der Beifall genau so begeistert wie bei Missa Solemnis des Symphonischen Chores Hamburg am Vortag.
Von Johannes Karl Fischer
Klassik-begeistert.de

René Jacobs: Nach den Stürmen wird es heiter
Seit 30 Jahren sorgt der Dirigent und Countertenor René Jacobs an der Staatsoper Unter den Linden für Begeisterung mit Alter Musik. Vor allem die Jungen kommen.
BerlinerZeitung.de.Kultur

Badisches Staatsballett Karlsruhe: „GISELLE“ – 19.11.2022 (Premiere) – Raum und Zeit enthoben in musikalischer Transparenz

giselle finalszene 1.akt karlsruhe 19.11.2022
Finalszene des 1.Aktes mit dem Ensemble. Copyright: Yan Revazov

Bis vor zehn Jahren hatte die Karlsruher Compagnie noch Peter Wrights klassische Choreographie dieses rein stofflich betrachtet ur-romantischen Balletts im Repertoire – jetzt holte die derzeitige Direktorin Bridget Breiner eine Fassung ans Haus, die sie selbst während ihres vorübergehenden Wirkens in Dresdens Semperoper-Ballett kennen gelernt hatte…

Zum Bericht von Udo Klebes

Marcelo Gomes übernimmt die künstlerische Leitung des Semperoper Balletts
DeutschlandfunkKultur.de

Gemeinsam in der Musik: Festkonzert Kroatien-Österreich

wise

Zum 30. Jubiläum der internationalen Anerkennung Kroatiens und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Österreich:
Donnerstag, 24.11.2022
Wiener Konzerthaus, Mozartsaal
Ton der Jugend Symphonieorchester
WISE – Wien International Soloists Ensemble
Mehr darüber in den heutigen „Infos des Tages“

München/ Residenztheater: Drauf einen Schnaps
Wäre so ein Boulevardkrimi nicht schon witzig genug? Eugène Labiches „Die Affäre Rue de Lourcine“ hat es am Münchner Residenztheater schwer, sich gegen die tausend Ideen des Regisseurs András Dömötör zu behaupten.
SueddeutscheZeitung,de

Deutsches Theater Berlin: Gute Frauen, echte Frauen
Zwei Premieren am Deutschen Theater: Jette Steckel inszeniert „Das Himmelszelt“, Bastian Kraft zeigt frei nach Shakespeares „As You Fucking Like It“
Tagesspiegel.de

Graz/ Schauspielhaus: Party mit Hackebeil: „Die kahle Sängerin“ am Schauspielhaus Graz
Anita Vulesicas Inszenierung des absurden Stücks von Eugène Ionesco hat das Zeug zum Publikumshit – mit Körperkomik, viel Plüsch und Liebe
DerStandard.at.story

Aktuelles aus „Neue Zürcher Zeitung“

Schlechte Stimmung, schlechter Fußball: Katar verliert das Eröffnungsspiel: Erstmals ist der Gastgeber einer Fussball-WM im Eröffnungsspiel unter die Räder gekommen. Für Katar war das 0:2 gegen Ecuador noch ein gnädiges Endergebnis. Von Fussballbegeisterung war wenig zu spüren, die ersten Besucher verliessen das Stadion weit vor dem Schlusspfiff. Fifa-Präsident Gianni Infantino hielt sich bei der Eröffnung nach seiner denkwürdigen Pressekonferenz vom Vortag zurück.
Zum Bericht
Die IAEA will heute das Atomkraftwerk Saporischja inspizieren: Im Krieg in der Ukraine versuchen russische und ukrainische Truppen sich nach Angaben von Experten neu zu gruppieren. Die heftigsten Kämpfe fänden zur Zeit in der Region Donezk statt. Beide Seiten bewegten sich auch in Richtung Saporischja. Der Chef der Internationalen Atomenergieagentur, Rafael Grossi, warnt: Wer auch immer auf das dortige AKW schiesse, spiele mit dem Feuer. Die Angriffe müssten sofort eingestellt werden. Ein Team werde die Anlage heute inspizieren.
Zu den neusten Entwicklungen
Die Junge Union sucht nach einem Profil: CDU und CSU knabbern noch immer an ihrer Wahlniederlage, wollen aber lieber nicht darüber reden. Ihre Jugendorganisation wählte am Wochenende Johannes Winkel zum neuen Vorsitzenden. Auf dem Deutschlandtag schimpfte Friedrich Merz auf den Kanzler, und Jens Spahn warnte vor einer «Klimadiktatur».
Zum Bericht
Der frühere Bundesbank-Präsident Jens Weidmann soll den Aufsichtsrat der Commerzbank leiten: Knapp anderthalb Jahre nach seinem Rücktritt wird der 54-Jährige voraussichtlich im Mai Helmut Gottschalk bei der in einer Dauerkrise steckenden Grossbank ablösen.
Zum Bericht
Die türkische Luftwaffe bombardiert kurdische Positionen in Syrien und im Irak: Angesichts von Dutzenden Getöteten kündigen die Kurden Vergeltungsmassnahmen an. Die Türkei wiederum beruft sich auf «Selbstverteidigung» nach einem Bombenanschlag in Istanbul.
Zum Bericht
Elon Musk entsperrt Donald Trump auf Twitter: Nach einer Umfrage macht der neue Eigentümer des Kurznachrichtendiensts sein Versprechen wahr und erlaubt im Namen der Redefreiheit Trumps Rückkehr. Noch will der ehemalige Präsident der Plattform jedoch fernbleiben.
Zum Bericht
Ein Mann hat fünf Personen in einem Club für Homosexuelle im US-Gliedstaat Colorado erschossen: Er wurde von Anwesenden überwältigt und ist in Haft. Die Tat ereignete sich in der Nacht zum Transgender Day, einem Gedenktag für Opfer von Transfeindlichkeit.
Zum Bericht
Der französische Filmemacher Jean-Marie Straub ist tot: Er starb am Sonntag mit 89 Jahren in seiner Schweizer Wahlheimat. Straub drehte zahlreiche linkskritisch-politische Filme gemeinsam mit seiner 2006 verstorbenen Partnerin Danièle Huillet. Mit der «Chronik der Anna Magdalena Bach» gelang ihnen 1968 einer ihrer grössten Erfolge.
Zu den wichtigsten Kulturmeldungen

Zitat Ende „Neue Zürcher Zeitung“

Michael J. Fox erhält Ehrenoscar
Der Schauspieler Michael J. Fox ist mit dem Ehrenoscar für humanitäre Verdienste ausgezeichnet worden. Auch Diane Warren, Peter Weir und Euzhan Palcy geehrt.
https://kurier.at/kultur/michael-j-fox-erhaelt-ehrenoscar/402229590

Fußball-Weltmeisterschaft in Katar mit Lichtshow eröffnet
https://www.skysportaustria.at/wm-turnier-mit-grosser-lichtshow-eroeffnet/

Katar/ Fußball-WM
Ecuador vermiest chancenlosem Katar das WM-Debüt
Gastgeber Katar hat zum Auftakt der Fußball-WM wenig überraschend eine Niederlage kassiert. Der große Außenseiter zog nach der Eröffnungsfeier im Al Bayt Stadium von Al Khor im ersten Gruppe-A-Spiel gegen Ecuador mit 0:2 den Kürzeren.
https://www.krone.at/2860496

Schwerer Schlag gegen die ohnehin umstrittene Fußball-WM in Katar. Die gastgebenden Kataren verloren gegen Ecuador – auch nicht eben eine Fußball-Supermacht – 0:2 und schrauben damit die Stimmung weiter runter. Bislang haben die Gastgeber einer WM das Auftaktspiel noch nie verloren (zumindest ich kann mich an keine Pleite erinnern), ein Punktegewinn wäre immens wichtig für das Zuschauerinteresse der Heimischen (Nicht)Fans  gewesen. Tröstlicher Nebenaspekt: Geld schießt keine Tore. Die Katar-Kicker hätten vermutlich Probleme in Österreichs zweiter Bundesliga!

Heute werden drei Spiele im TV gezeigt, die Mit-Favoriten England und Niederlande stehen vor lösbaren Aufgaben.

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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