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21. JULI 2018

21.07.2018 | Tageskommentar


Die Salzburger Festspiele starten „Ouvertüre Spirituelle“ mit Pendereckis „Lukaspassion“. Foto vom Schlussapplaus: Penderecki umarmt Kent Nagano. Foto: Andrea Masek

Die Ouvertüre Spirituelle wurde von Alexander Perreia erfunden, um die Festspiele „nach vorne zu verlängern“. Als eine der wenigen Ideen wurde sie vom Nachfolger übernommen.

Intendant Markus Hinterhäusers Verdienst ist es, das monumentale und zugleich feingliedrige, über weite Strecken sehr introvertierte und „leise“ Werk (trotz einer Besetzung, die an Mahlers „Symphonie der Tausend“ denken lässt!) anzusetzen. Noch dazu in eine überzeugende Gesamtdramaturgie dieses Festspieljahres eingebettet mit den Eckpfeilern SPIRITUALITÄT; VOM LEID ZU LICHT & KATHARSIS; WEGE ZUR ERKENNTNIS; EKSTASE; PASSION (auch in der Bedeutung: LEIDENschaftliche BEGEISTERUNG); SUCHT (ich sag‘ nur: „Pique Dame“!),…

Gerade die Lukaspassion ist auch nach 52 Jahren, so will es mir scheinen, nach wie vor (oder wieder!) am Pulsschlag der Zeit, die mehr denn je Innehalten, Nachdenklichkeit, Eintauchen in spirituelle Musik (aber ohne jeden religiösen Dogmatismus) evoziert. Vieles davon ist in Pendereckis Chorwerk spürbar gewesen..

Zum Bericht von Karl Masek

Bregenz: Das „Spiel auf dem See“ ist eröffnet: Was kann bei „Carmen“ schon schiefgehen?

Gaelle ARQUEZ, die „Premieren-Carmen“. Sie kommt angeblich bei ihren waghalsigen Aktionen ohne Stuntwoman aus. Foto; Bregenzer Festspiele/Karl Forster

Unbestritten im Mittelpunkt steht  Gaelle Arquez in der Titelpartie. Ihr facettenreicher, fein nuancierender  Mezzosopran bringt jene Mischung aus ungezähmter Leidenschaft, feurigem Temperament und bedingungsloser Freiheitsliebe, die für Carmen bestimmend ist,  zum Leuchten und verstrahlt auch genügend erotische Anziehungskraft. Sie ist mit physischem Totaleinsatz bei der Sache und kommt – bewundernswert – bei ihren waghalsigen Aktionen ohne Stuntwoman aus…

Der Beifall klingt begeistert, aber auch bald enden wollend. Die Busse vor den Toren warten schon.

Zum Premierenbericht von Manfred A. Schmid

Einige Berichte aus den Tageszeitungen:

Bregenz
Effekt ist Trumpf
Teilweise mehr Show als Oper
Wiener Zeitung
Carmen stirbt einen spektakulären Liebestod in den Fluten des Bodensees
Die spektakuläre Carmen-Inszenierung dieses Traumteams – des dänischen Regisseurs Kasper Holten undder Engländerin Es Devlin, berühmt für ihre aufsehenerregenden kinetischen Bühnenplastiken – geht in Bregenz als diesjähriges Spiel auf dem See in die zweite Saison. Diese außergewöhnliche Produktion hatte bereits letztes Jahr mit ausverkauften Rängen, die immerhin 7000 Zuschauer pro Abend unterbringen, Publikum und Kritik restlos begeistert.
Dr. Charles E. Ritterband berichtet von den Bregenzer Festspielen.
https://klassik-begeistert.de/georges-bizet-carmen-bregenzer-festspiele-spiel-auf-dem-see/
„Carmen“ auf der Seebühne: Eine Zigarette geht noch!

Wieder bei den Bregenzer Festspielen: Neuerungen gibt es kaum, Kasper Holtens Inszenierung wird dennoch ihre magnetische Wirkung entfalten
Der Standard

Die Rolle der „Carmen“ ist in Bregenz dreifach besetzt. Heute ist Annalisa Stroppa im Einsatz, dann folgt Lena Belkina

Annalisa Stroppa stellt sich vor:


Annalisa Stroppa als „Carmen“. Foto: Karl Forster/ Bregenzer Festspiele

Stroppa sprach mit dem „Online-Merker“: Die Partie der Carmen begleitet mich seit den Anfängen meiner Karriere, seit dem Jahr 2010. Damals durfte ich bei der letzten Runde von „Operalia“ in einem Konzert an der Seite Plácido Domingos das Schlussduett singen. Eine unglaubliche Erfahrung für eine so junge Sängerin, die gerade ihren Abschluss gemacht hatte! Domingo sagte damals zu mir, dass mir die Rolle Glück bringen würde, und er hatte Recht. Im Jahr 2011 gab ich mein Rollendebüt als Carmen in Trento und im Jahr 2014 sang ich die Rolle in einer Neuproduktion in Limoges in Frankreich. Ich liebe diese Rolle, sie ist so reich an Facetten. Fast schon, als ob man mehrere Rollen an einem Abend singt. Und aufgrund von dieser Vielfalt liebe ich die Carmen, ihr Charisma und ihre Kraft, ihre Entschlossenheit, aber auch ihre Fragilität, Sensibilität und Weiblichkeit. Wichtig für mich ist es, die Carmen nicht als Stereotyp darzustellen. Sie ist mehr als eine leichtlebige, oberflächliche Zigeunerin, die nie mehr als wenige Monate verliebt ist. Für mich ist sie einfach eine unglaublich moderne Frau. Sie steht immer im Einklang mit ihren Überzeugungen, verrät sich niemals selbst. Carmen folgt ihrem Ideal von Freiheit bis zum Tod und opfert sich am Ende für diese Freiheit… (Ausführlicheres lesen Sie in unseren heutigen „Infos des Tages“)


Ebenfalls als „Carmen“ in Bregenz im Einsatz: Lena Belkina

In Bayreuth „scharrt man schon mit den Hufen“. In vier Tagen werden die diesjährigen Festspiele eröffnet.

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Der Bamberger Erzbischof ist „von Amts wegen“ Dauergast bei den Festspieleröffnungen. Obwohl die Anzahl der in Bayreuth aufgeführten Wagner-Werke überschaubar ist, muss sich der Bischof dennoch Jahr für Jahr „einlesen“. Er ist überdies der Meinung, dass Wagners Musik zur gefährlichen Droge werden kann, wenn sie „die Falschen“ erreicht. „Hand aufs Herz“ – ist das aber nicht mit jeder Art von Musik so? Vor „den Falschen“ ist niemand gefeit.

Da ist sogar die Preisgabe der VIP-Menüs während der Festspielpausen tiefsinniger.

Erzbischof Ludwig Schick: „Wagners Musik kann Tendenzen im Menschen verstärken – wie bei Hitler“
Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, besucht jedes Jahr die Bayreuther Festspiele. Ein Gespräch über gefährliche Klänge, Pausengetränke, Promi-Small-Talk und katholische Messen als Gesamtkunstwerke
Die Welt.de

Währenddessen erklärt uns Anja Harteros weiterhin die Elsa und wird anscheinend immer mit den gleichen Fragen konfrontiert
Vorreiterinnen im Gender-Dschungel
Elsa-Sängerin Anja Harteros hadert mit dem Frauenbild in Wagners Opern. Doch oft sind die Frauen in Wagners Musikdramen besonders stark.
Braunschweiger Zeitung

Opernhistorisches: 20. Juli 1968 – Joseph Keilberth stirbt. Tod am Dirigentenpult

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Joseph Keilberth starb vor 50 Jahren am Dirigentenpunlt (2. Akt „Tristan“)

Seit 1959 ist Joseph Keilberth Bayerischer Generalmusikdirektor und damit in einer wichtigen Phase der Wiedereröffnung des Nationaltheaters verantwortlich für die musikalischen Belange der Bayerischen Staatsoper. Sein tragischer Tod mitten während einer Opernaufführung kommt völlig unerwartet.
BR-Klassik

Festival d’Aix-en-Provence: eine magische Vermischung von Musik mit den Lichtspielen des Himmels
In den französischen Sommerferien, der Spielzeitpause in den Häusern von Paris, reist die Crème de la Crème der internationalen Musikszene nach Südfrankreich zur Präsentation ihrer Künste bei den Festspielen von Aix-en-Provence. Die Open Air Bühne im ehemaligen Erzbischofpalastes sowie das Festspielhaus Grand Théâtre de Provence und diverse kleinere Theater bieten klassische Musik und Oper vom Allerfeinsten.
Phillip Schober berichtet von den Festspielen in Aix-en-Provence.
https://klassik-begeistert.de/richard-strauss-ariadne-auf-naxos-festival-daix

London: L’Ange de Nisida review – Donizetti premiere delivered with passion and elan
The Guardian
L’Ange de Nisida review, opera Rara, Royal Opera House: richly deserved revival of a Donizetti rarity

The Telegraph

A Donizetti world premiere: Opera Rara at the Royal Opera House
http://www.operatoday.com/content/2018/07/a_donizetti_wor.php

Italienische Theater: Warum Logenplätze undemokratisch sind
Warum Privatsphäre in Theatern verschrien ist

Lange ist es her, als sich die mächtigen Persönlichkeiten Italiens in den privaten Logen der prunkvollen Theater trafen. Bis auf wenige Ausnahmen sind die exponierten Plätze heute meist leer.
Frankfurter Allgemeine

Pavel Kohout: Der Freigeist von Prag ist 90
Pavel Kohout ist passionierter Bürgerrechtler, Ex-Kommunist und einer der meistgespieltesten Dramatiker Tschechiens. Gestern wurde er 90 Jahre alt. Eine Gratulation
Tagesspiegel

Interview: Intendant Christian Stückl zum Streit mit der CSU
In München brennt die Luft: Die CSU erregt sich über Theater, die zu einer Demo aufrufen. Der Volkstheater-Intendant Intendant Christian Stückl erklärt, dass er das Wort „Neutralitätspflicht“ zum ersten Mal gehört hat
Die Welt.de

Also, ich verstehe sie nicht – diese Politiker! Dass die Theaterdirektoren den medialen Steilpass, denn sie ihnen liefern, freudigst aufnehmen, ist wohl klar. „Ritter ohne Furcht und Tadel“ – das ist auch eine Rolle, die manche gut, andere wiederum miserabel spielen.  Letzlich ist es aber eine Märtyrerrolle – und die sind die allerbesten. Aber als Politiker sollte man sich nicht zum Idioten machen.

Dabei ist die Lösung doch ganz einfach. Seit Jahrtausenden gilt der Grundsatz „Wer zahlt, schafft an“. Der wird auch noch in weiteren tausend Jahren gelten. Als Politiker würde ich mir diesen Suventionsempfänger „zurBrust nehmen“, ganz ohne Medien, sanft im Ton – und ihm erklären, wo es lang geht. Denn eines muss schon gesagt werden: Jede Regierung (und somit jeder Politiker) ist das Ergebnis einer demokratischen Abstimmung, die man zur Kenntnis zu nehmen hat. Gewiss, man kann anderer Meinung sein und man darf sogar gegen diese Vertreter der Mehrheitsmeinung demonstrieren. Dann sollte man allerding von dieser Regierung nichts brauchen, sich unabhängig machen. Theater und Unabhängigkeit kann in der Regel nicht wirklich funktionieren. Das Theater kann sich nur einen anderen „Herren“ wünschen, aber einen „Herren“ wird es immer haben! 

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

 

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