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20. JULI 2019 – Samstag

20.07.2019 | Tageskommentar

BAYERISCHE STAATSOPER: OPER FÜR ALLE / FESTSPIELKONZERT: Kirill Petrenko dirigiert Broadway-Hits auf dem Marstallplatz (HEUTE) Foto: Bayerische Staatsoper

Nach einem erfolgreichen Auftakt der Oper-für-alle-Reihe am 6. Juli mit Salome, leitet Generalmusikdirektor Kirill Petrenko diesen Samstag, den 20. Juli auch das Festspielkonzert auf dem Marstallplatz. Das Bayerische Staatsorchester spielt Werke aus Broadway-Musicals unter anderem von George Gershwin, Leonard Bernstein und Cole Porter. Begleitet werden sie von den Solisten Golda Schultz und Thomas Hampson.

Die Veranstaltung wird auch auf STAATSOPER.TV im Live-Stream zu sehen sein.

SALZBURGER FESTSPIELE: HEUTE PREMIERE „JEDERMANN“
Offiziell wird zwar erst in einer Woche eröffnet, aber der von Alexanderer Pereira erfundene „Vorspann“ ermöglicht einen Vorgriff auf den „Jedermann

Valery Tscheplanowa (Buhlschaft), Tobias Moretti (Jedermann). Foto: Matthias Horn/ Salzburger Festspiele

Wie jedes Jahr – eine Rolle mit Mini-Text im Kurzauftritt steht im Zentrum des Interesses: Die Buhlschaft

Die Salzburger Festspiele und der Seelenfrieden der Einheimischen
Das Festival steht wieder in den Startlöchern. Von der Wien-Dominanz zum unbedingten Starprinzip.
Die Presse

Salzburger Festspiele 2019: Gala-Soiree, Dirndlflug und Klimawandel
Zur Festspielzeit reiht sich in Salzburg ein Society-Termin an den nächsten: John Travolta kommt an den Wolfgangsee, Erzbischof Franz Lackner eröffnet die Ausstellung „Lacrimae“ und Peter Sellars referiert über den Klimawandel.
Tiroler Tageszeitung

Bregenz: DON QUICHOTTE – Premiere „im Haus“

 

Was hat Massenets Don Quichotte mit Don Quixote von Miguel Cervantes de Saavedra zu tun? -Herzlich wenig. Die Handlung seiner 1910 uraufgeführten Oper (nach einem Libretto von Henri Cain) reduziert die zu einem Stück Weltliteratur und so unsterblich gewordene Geschichte des „Ritters von der traurigen Gestalt“ auf eine banale Liebesgeschichte. Don Quichotte verliebt sich in Dulcinea, bei Massenet eine edle Dame, im Cervantes-Original eine arme Hure mit Herz. Als er ihr ein Ständchen darbringt, wird er von einem ihrer Verehrer gestört und zum Duell gefordert. Dulcinea greift ein, lobt seine Dicht- und Fechtkunst und meint: Wenn er die ihr gestohlene Halskette zurückbringe, werde er sie glücklich machen. Er verspricht, sich unter Einsatz seines Lebens dafür einzusetzen, was ihm dann auch gelingt – überraschenderweise, denn Don Quichotte ist im Original eigentlich kein Siegertyp, sondern zeigt seine menschliche Größe und Würde eher im konstanten Scheitern und niemals-aufgeben-Wollen. Doch seine Hoffnung, mit dieser Heldentat ihre Gunst und ihr Herz zu erringen, erfüllt sich nicht. Er stirbt und beschwört in an Dulcinea gerichteten Abschiedsworten seinen steten Einsatz für die Verwirklichung seiner Ideale und verspricht seinem treuen Diener Sancho Pansa die von ihm erhoffte „Insel der Träume“.
Dass sich aus dieser trivialen Geschichte trotz ihrer Dürftigkeit etwas machen lässt, hat Götz Friedrich 1974 an der Komischen Oper in – damals noch – Ost-Berlin gezeigt.

Auch die Bregenzer Inszenierung von Mariame Clément beginnt vielversprechend. Bevor sich der Vorhang öffnet, wird – wie bei einer Kinovorführung – zuerst einmal ein Werbespot für Gillette gezeigt. Das Publikum reagiert irritiert: Muss das sein? Sind wir jetzt so weit, dass auch schon Hochkulturevents nicht mehr ohne explizite Werbung für einen Großkonzern möglich sind? Ein (vermeintlicher, wie sich alsbald herausstellt) Zuschauer springt prompt auf und stellt lautstark die Frage, was denn Gillette mit der Oper und mit den Festspielen überhaupt zu tun haben soll. Erregt echauffiert er sich über die hier stattfindende Manipulation durch Reklame. Allmählich dämmert einem und man beginnt zu begreifen: Hier wird vorgeführt, dass es sich lohnt, Missstände aufzuzeigen und dagegen vorzugehen, auch wenn man es mit mächtigen Konzernmultis zu tun hat und das beherzte Engagement von Vornherein eher einem Kampf gegen Windmühlen gleicht und – donquichottesk – nicht gerade erfolgversprechend zu werden scheint.

Leider werden die hohen Erwartungen nicht eingelöst…

Zum Premierenbericht von Manfred A. Schmid

Karl Masek /Premierenkritik: Es muss also was dran sein an der „Veroperung“ des  Stoffes, bedenkt man, dass kein Geringerer als der legendäre Fjodor Schaljapin bei eben dieser Aufführung den Ritter von der traurigen Gestalt kreiert hat. Dennoch blieb das Werk wenig gespielt – gleichzeitig von Meinungsmachern in der Fachwelt immer wieder mit Nachdruck urgiert. Besonders in Erinnerung ist mir dabei, dass einer der Wiener „Kritikerpäpste“, Karl Löbl, Wiener Operndirektoren in den 70er Jahren vergeblich einredete, die Massenet-Oper doch endlich auf den Spielplan zu setzen, wo man doch mit Nicolai Ghiaurov für den Titel“helden“ und den damals aufstrebenden Alfred Šramek für Sancho Pansa eine Idealbesetzung hätte … 

Gábor Bretz war als Titelheld im Ritt durch die Zeitebenen angemessen sonderbar, schrullig, anbetungsfreudig, realitätsfremd. Angenehmer Bassbariton, gutes Zusammenspiel mit Sancho, machte er in allen Kostümmetamorphosen von Ritterrüstung bis Bademantel gute Figur. Aber das Loriot-Spießer-Outfit …

Favorit des Publikums war aber David Stout als angemessen pfiffiger Sancho Pansa, der aber auch berührend den Tod seines Herrn betrauert. Ganz anders als Diener Leporello aus einer ganz anderen Oper! Stimmlich hervorragend (das Solo vor dem Vorhang!). Anna Goryachova zog sich als vielbegehrte Dulcinée achtbar aus der Affäre, führte eine profunde Altstimme vor. In der Büroszene lieferten Léonie Renaud, Vera Maria Bitter, Patrik Reiter und Paul Schweinester mit Totaleinsatz gute szenische Pointen.

Das Premierenpublikum spendete am Schluss ausdauernden Applaus, samt Bravi für die Sänger/innen. Kein Widerspruch gegen das Leading-Team. Also ein Premierenerfolg. Von „Volkesstimme“ in der S-Bahn war aber auch zu vernehmen „Naja, ein bissl fad war‘s schon“ …

Zum Premierenbericht von Karl Masek

„Don Quichotte“ als aus der Zeit gefallener Sehnsuchtsort
Jules Massenets Oper „Don Quichotte“ wird in Bregenz zum klug rätselhaften Episodenfilm.
Wiener Zeitung
„Don Quichotte“ in Bregenz: Ein Kavalier und Spiderman
Regisseurin Mariame Clément inszeniert Jules Massenets Oper im Festspielhaus als heterogene Bilderfolge. Daniel Cohen und die Wiener Symphoniker mögen es gern leise
Der Standard
Unsere Perversion humaner Werte – Massenets „Don Quichotte“ in Bregenz
Neue Musikzeitung/nmz.de

Nochmals zum Bregenzer „RIGOLETTO: Die TV-Übertragung wurde der Inszenierung nicht gerecht. Kam die Bildregie vom Eishockey?

Peter Bilsing besuchte die Premiere und saß gestern vor der „Glotze“. Welch ein Unterschied!

Was für eine Enttäuschung!

Was für ein Ärgernis!

Hatte Frau Rett ev. die Bildregie ?

Pars pro toto: der grandiose, ja begnadete Schluss – unten stirbt Gilda in der linken riesigen Hand, während der Ballon (Symbol ihrer toten Seele) aus der rechten Hand langsam bis auf 50 Meter Höhe aufsteigt. Wobei ihr totes Alterego noch einen langen blauen Schleier herunterfallen lässt (man sieht den leuchtenden Ballon auf dem TV Bild fast gar nicht! )

Und exakt mit dem Schlussakkord geht der illuminierte Ballon aus…

Sagenhaft.

Leider nicht im TV, weil die Gefühllosen wohl vom Eishockey oder Fussball kommen – Kamera immer da wo der Puck bzw. der Ball ist.

Grand merde….

Lesen Sie mehr von der Bilsing’schen Entrüstung in unseren „Infos des Tages“

Gars/Burg/ NÖ: FIDELIO – bearbeitet vom Regisseur. Premierenbericht

Peter Skorepa begab sich auf die Garser Burg, um zu berichten:

Wer erinnert sich denn noch an die Zeiten, als in Wien ein Sommerloch an Opernaufführungen im Freien herrschte und diese „Ödnis“ mit mehr oder weniger „billig“ wirkenden, aber vom Publikum durch ihre musikalischen Qualitäten durchaus anerkannten und manchmal sogar regelrecht gestürmten Vorstellungen zum Erfolg getragen wurden. Dazu zählte im direkten Raum Wien die sogenannte „Opernwerkstatt“ und im Umland der Bundeshauptstadt der Steinbruch von St. Margarethen und ab Beginn der Neunzigerjahre die später als sogenannte „Opernair“ in Erscheinung tretende Burg Gars.

Die „Opernwerkstatt“ des Dr. Schlösser musste aber letztlich ohne richtigen, fixen Sitz und vor allem Aufführungsort zu haben 2011 aufgeben, St.Margarethen erodierte am Größenwahn seines Intendanten, musste mit finanziellen Infusionen wieder zum Leben erweckt werden, werkt aber jetzt mit entsprechend wattierter Grundlage großtönend weiter. Dafür sind aber auch inzwischen viele Events an Sommeropern in Schlössern, Heustadeln und Parkanlagen herangewachsen.

Und so bleibt bescheiden und fast ein wenig von christlicher Armut im Auftreten gekennzeichnet diese Bühne im Waldviertel übrig und ein wenig zu sehr an den Rand geschoben. Wo andere teure Events abfeiern, mit Feuerwerken Talmiglanz in die Augen der Sektschlürfer streuen, Riesenköpfe aus Seen wachsen lassen um den Leuten Aug und Ohr zu verstopfen, mit den Landesförderungen oder mit Förderern oder Sponsoren protzen, da wird in Gars wie vor dreißig Jahren zu Zeiten des fast schon vergessenen Intendanten Karel Drgac Oper mit geringen Mitteln gemacht.

Warum also, lieber Regisseur Stephan Bruckmeier, an jene dort oben in Gars, zwischen dunklen Wäldern und Tälern vom Publikum ja gar nicht erwartete Zugeständnisse an den Zeitgeist und an das Regietheater machen, warum Textänderungen die man eh nicht versteht und zeitgeistige Nebenhandlungen wie die Goldene Hochzeit von Leonore und Florestan einbauen. Dafür fehlt es dann an Zeit für die guten Einfälle bei der Personenführung. Da kommt es dann etwa zu so einer verpatzten Situierung Florestans während seiner großen Arie. Wenn er singt „Öd ist es um mich her“! warum muss er dann seitlich zwischen Orchester und Publikum optisch eingezwängt kauern? Nein, die Szenerie rutscht zu oft ab ins Laienspieltheaterhafte, anstatt stringente Führung zu zeigen. Gute Ideen sind nicht allein Sache des Geldes sondern auch der künstlerischen Phantasie.

Natürlich darf es an guten Parolen nicht fehlen – ich vermeide das Wort Indoktrinierung – da stellen aus den Gefängnisstäben die Gefangenen und deren Frauen einzelne Worte zusammen, die Menschenrechte betreffend. Das wäre vielleicht eine schöne Szene geworden mit diesen Stäben: Aber so ungeprobt und ungeschickt vorgeführt, hat es eher nur Lacher provoziert…

Zum Premierenbericht von Peter Skorepa

Soeben wollte St. Margarethen die Welt verbessern – nun setzt Gars noch einen drauf. Die „Verkündung der Menschenrechte“  mittels Taferl geriet zur humorvollen Auflockerung des „Fidelio“ (für Humor hatte Beethoven nicht viel übrig). Immer, wenn ein Wort richtig zusammengesetzt war (nach einigen holprigen Versuchen), spendete das Premierenpublikum anerkennenden Beifall. Na, das ist doch immerhin etwas!

Liebe Garser „Burghäuptlinge“, bitte nicht gar so dick auftragen. Wir verstehen die Botschaft auch so. Wenn Ihr meint, diesen Weg weitergehen zu müssen, dann wünsche ich viel Glück dazu. Um diese Festspiele wäre nämlich echt schade!

„Fidelio“ in Gars: Trotzig für Europa
Die gut gemeinte Rahmenhandlung hinkt wie so manches in der Umsetzung
Der Standard
Beethoven rettet uns vor seinen Interpreten
„Fidelio“ in Gars mit recht überflüssigen szenischen Zusätzen, aber musikalisch fein aufbereitet.
Die Presse

Glyndebourne: DIE ZAUBERFLÖTE. Barbe & Doucet’s new production

Michael Kraus (Speaker) and Björn Bürger (Papageno). Photo credit: Glyndebourne Productions Ltd. Photo: Bill Cooper.

Michael Kraus ist übrigens der zukünftige Leiter des neu belebten Opernstudios der Wiener Staatsoper

Gylndebourne
Die Zauberflöte review – a visual feast of eccentricity
The Guardian

Barbe & Doucet’s new production of Die Zauberflöte at Glyndebourne
http://www.operatoday.com/content/2019/07/barbe_doucets_n.php

BYTOM/ Schlesien/ Polen: The Silesian Opera in Bytom: Society Cancer „Traviata“

joanna Woś. Copyright: Krzysztof Bieliński 

Zum Bericht von Iwona Karpinska

Eine Königsidee zum Klimaschutz: Lasst uns die Köter abschaffen

Lasst uns die Köter abschaffen
Katharina Schwirkus meint: Vierbeiner verschmutzen nicht nur Parks und Gehwege, sondern sind auch eine unnötige Belastung für das Klima. Sie sollten endlich aus unseren Städten und aus unserem Leben verschwinden
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1123027.haustiere-lasst-uns-die-koeter-abschaffen.html

Als doppelter Hundehalter sprang mir die Schlagzeile sofort ins Auge. Alles gehört abgeschafft, nur nicht die billigen Flugreisen, die unsere Hausmeister billig in die entferntesten Destinationen bringen – damit der Meister von der Nebenstiege samt Angetrauter daheim vor Neid zerspringt. Diese sind aber gar nicht daheim, sondern mit einem Traumschiff unterwegs – und vermutzen billigst die Meere! Aber wenn wir die Hunde abschaffen, können wir uns Flug und Schiff ohne schlechtes Gewissen leisten!

Genießen Sie einen schönen Tag!

A.C.

 

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