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20. DEZEMBER 2021 – Montag

20.12.2021 | Tageskommentar

GRAZ  WAR DIESES WOCHENENDE OPERNHAUPTSTADT: „Die Perlenfischer“ und „Schwanda, der Dudelsackpfeifer. Petr Sokolov (Schwanda) in der Hölle. Alle Fotos: Oper Graz / Peter Kmetitsch

In dieser Situation hätte sich die Oper Graz wohl kaum ein besseres Stück aussuchen können als Jaromir Weinbergers frohsinnig-übermütige, ungemein unterhaltsame und abwechslungsreiche Vertonung der legendären Abenteuer des Dudelsackpfeifers Schwanda. Der Bauer und Musikant Schwanda ist eine Mischung aus Til Eulenspiegel und dem Lieben Augustin, dem Bänkelsänger, Dudelsackspieler, Sackpfeifer, Stegreifdichter und Stadtoriginal von Wien, der bekanntlich die damalige Pandemie, Pest genannt, heil überlebt hat…

Zum Premierenbericht von Manfred A. Schmid

Graz: Grazer Oper“Schwanda“: Übermütige Märchengroteske (Bezahlartikel)
KleineZeitung.at

München: Doch massive Proteste gegen Marthalers „Giuditta“

Vida Mikneviciute, Daniel Behle. Foto: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Liebe, Liebe, Liebe – das geht gar nicht: Christoph Marthaler inzeniert Lehár Ferenc‘ Oper „Giuditta“ an der Bayerischen Staatsoper und wird heftig ausgebuht.

Mein allererster Informant, der die angeblich doch massiven Buh-Rufe gegen Christoph Marthaler total heruntergespielt hat, gehörte wohl zum „sich progressiv gebenden Teil des Publikums“. Egal, es gibt viele Gründe, warum Menschen so sind, wie sie eben sind oder warum sie sich so geben, wie sie eigentlich nicht sind. Unvergesssen wird mir Zeit meines Lebens der Ausspruch eines Rezensenten bleiben, der zuerst eine ziemlich progressiv klingende Hymne aus überwiegend „Dramaturgensprech“ abgeliefert hat, um mir dann auf meine aus Neugierde gestellte Frage gestand, dass er  „bei diesem Unsinn  nach kurzer Zeit ausgestiegen ist“!

Die „Sueddeutsche Zeitung“ meint, dass nur die Minimalbelegung (550 Besucher), noch dazu mit dem „typischen Premierenpublikum durchsetzt, tumultartige Reaktionen verhindert hat.

Aber das gehört zu Marthaler. Wäre es anders, würde er sich hinterfragen.

Was Serge Dorny will, ergründet sich mir nicht. Will er einen Machtkampf mit einem großen Teil des Stammpublikums gewinnen? Hät er das aus? Wielange hält er das aus?

GÖTEBORG: Kurzkritik GÖTTERDÄMMERUNG – NI am 19. Dezember 2021

Der Göteborger „Ring“ hat sich geschlossen

Das Opernhaus. Foto: Klaus Billand

Das war sie also nun, die „Ragnarök“ wie das hier im hohen Norden heißt, oder die „Götterdämmerung“, die nun den 2018 in Angriff genommenen „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner in der Inszenierung von Stephen Langridge unter der musikalischen Leitung von Evan Rogister abgeschlossen hat (Premiere 5.12.21). Es war ein mächtiges Stück Arbeit für dieses imposante Mehrspartenhaus, und man wurde hinsichtlich des „Siegfried“ auch noch unangenehm von Covid 19 tangiert – er konnte nur im stream gezeigt werden. „Rheingold“ und „Die Walküre“ habe ich hier schon rezensiert. So kann ich nun sagen, dass dieser „Ring“, abgesehen von einigen Entbehrlichkeiten und Fragwürdigkeit, mit Erfolg abgeschlossen wurde. Man hat bekanntlich mit dieser Produktion ganz auf die Ökologie gesetzt. Ein umweltneutraler „Ring“ sollte es werden, und es scheint, nicht zuletzt mit den Sammeln der Requisiten auf Schrottplätzen und im Wald, dass dies auch gelungen ist, auch wenn viele Bühnenbilder echt spartanisch wirken. Dramaturgisch passt aber fast alles. Das leading team mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Alison Chitty und dem phantasievollen Lichtdesigner Paul Pyant fand einfache und gerade deshalb oft überzeugendere Lösungen als mit regietheatralischer Aktualisierungs-Überfrachtung. Das ganze Stück steht im Prinzip im Spannungsfeld zwischen Alberich und Wotan, also dem Schwarz- und dem Lichtlaben. Dazu wird auch immer wieder sinnvoll Videotechnik angewandt, gerade auch um Menschen wie du und ich als betroffen und teilnehmend darzustellen. Das überzeugte.

Zum Kurzbericht von Dr. Klaus Billand

KÖLN/Staatenhaus: DIE VÖGEL – Premiere
Eine Metapher von hoher Relevanz

Foto: Paul Leclaire

Wer die Biografie des Komponisten Walter Braunfels und die Umstände und Zeit ihrer Entstehung nicht kennt, der muss zu Beginn seiner Oper „Die Vögel“ in der Neuinszenierung von Nadja Loschdy im Ausweichquartier Staatenhaus der gefühlt schon eine Ewigkeit in der Renovierung befindlichen Oper Köln ins Zweifeln kommen, ob er im richtigen Stück sitzt. Man sieht, wie sich – noch vor Beginn der Musik – Soldaten mit Stahlhelm und Gewehr langsam über eine ohnehin wie ein graues Schlachtfeld anmutende Bühne an einen unsichtbaren Feind heranpirschen. Es gibt einen heftigen Kanonenschlag, und alle sinken getroffen zu Boden. Nur einer steht zunächst wieder auf, Hoffegut, der eigentlich mit Ratefreund im Reich der Vögel gelangweilt einen Rückzugsort von den Entwicklungen der rastlosen und enttäuschenden Zivilisation sucht. „Die Vögel“ entstanden in der Zeit von 1913 bis 1919, also unterbrochen von 1. Weltkrieg, in dessen Verlauf Walter Braunfels eine Verletzung davontrug und in der Folge zum Katholizismus konvertierte…

Zum Bericht von Klaus Billand

WIEN/ Staatsoper: DON GIOVANNI – Vorstellung am 17.12.2021 (Bericht von Thomas Prochazka)

Barrie Kosky ward von der Direktion der Wiener Staatsoper dazu auserkoren, Mozarts Don Giovanni zu inszenieren. Wer Koskys Arbeiten kennt, weiß, daß er selten am (Noten-)Text interessiert ist.

Anstelle der zu verhandelnden Geschichten erzählt Kosky seine eigenen: zur Freude vieler Intendanten und großen Teilen des Feuilletons (das doch nie seine Karten selbst bezahlt).

http://dermerker.com/index.cfm?objectid=3A978C9C-0C6A-50E4-3C6AFE046C9359A8

» Eine Inszenierung kann modern sein und zugleich unglaublich trostlos «, so Direktor Roščić in der aktuellen Ausgabe von Opernring Zwei.
Das scheint mir eine hübsche Zusammenfassung des Abends.

Gaëtano Donizetti: Anna Bolena • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 18.12.2021

War das die gleiche Oper wie am 5. Dezember (Premiere «Anna Bolena»)? Der Besetzungszettel sagt ja. Gleiche Oper, gleiche Solisten, gleicher Dirigent.

Der Blick auf den Besetzungszettel bestätigt in diesem Fall gang besonders nachdrücklich, dass eine Produktion im Laufe der Serie besser wird. Das war an diesem Abend exemplarisch zu erleben. Diana Damrau hat Anna Bolena mit packender Bühnenpräsenz und grossem Stilbewusstsein interpretiert. Die Stimme hat gut getragen, wohl auch deshalb, weil nun der Premierendruck weg war und es nichts mehr zu beweisen galt. Die «sportliche» Arie mit den Koloraturen, wie Damrau die Cavatina «Come, innocente» beschreibt, gelingt wunderbar leicht und mit wohl dosierter Attacke. In den Duetten, gerade im grossen Duett mit Giovanna im zweiten Akt, steigern sich Brio und szenische Intensität immer mehr. Am Schluss des finalen «Coppa iniqua» hätte man gerne, wie man es in Zürich von früher her gewohnt ist, lang ausgehaltene spitzentöne gehört. Damrau hat sie nicht gebracht und das war gut so: ihr gab es Sicherheit und der Zuhörer lernte ohne Verlust an emotionaler Beeindruckung eine neue Variante kennen…

Zum Bericht von Jan Krobot

Wien/ Kammeroper: „Thérèse Raquin“- Zwischen Satire und Horrorshow
Die Oper „Thérèse Raquin“ des US-amerikanischen Komponisten Tobias Picker taucht in die Abgründe der menschlichen Seele. Sie folgt der Handlung von Émile Zolas gleichnamigem Erfolgsroman und wird derzeit an der Kammeroper gespielt. (Nachstehende Anmerkungen beziehen sich auf die zweite Vorstellung.)
http://www.operinwien.at/werkverz/picker/atherese.htm

LEIPZIG: Meisterkurs für Gesang mit Kammersänger Bernd Weikl

 

Bewerbungen für die aktive Teilnahme sind beim Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V. einzureichen und sollten folgende Informationen bzw. Unterlagen beinhalten: Name, Adresse, Geburtsdatum, Stimmlage, tabellarischer Lebenslauf, Foto, Demo-Aufnahme (nur CD)
Anmeldeschluss ist der 15. März 2022.

Unser musikalischer Adventkalender Nr. 16
zusammengestellt von TTT
Ave Maria – Verdi, Puccini, Mascagni – Callas, Sutherland, DiDonato
Maria Callas: Verdi, Otello, Paris, 1964
1923/77, US amerikanisch/griechische Sängerin

Zum Youtube-Video

Joan Sutherland: Puccini, Suor Angelica, The London Opera Chorus, National Philharmonic Orchestra, Richard Bonynge , 1979
1926/2010, australische Sängerin

Zum Youtube-Video

Joyce DiDonato: Mascagni, Cavalleria Rusticana, Dresdner Frauenkirche
, Staatskapelle, Markus Poschner, 2013
*1969, US-amerikanische Sängerin

Zum Youtube-Video

WIEN / Theater in der Josefstadt: DER IDEALE MANN von Oscar Wilde
Deutsche Fassung von Elfriede Jelinek
Premiere: 18. Dezember 2021,
besucht wurde die zweite Vorstellung am 19. Dezember 2021 

Foto: Theater in der Josefstadt

Zweimal schon hat die Josefstadt aus Corona-Gründen die Premiere von Elfriede Jelineks „Rechnitz“ verschoben, nun muss die Produktion auf das neue Jahr warten. Dennoch gibt es eine ganz gehörige Portion Jelinek, wenn das Oscar Wilde-Stück, das stets unter dem Titel „Ein idealer Gatte“ bekannt war, nun als „Der ideale Mann“ Premiere hatte. Denn die Transformierung der ironischen englischen Boulevard-Komödie in eine schrille Polit-Posse trägt weit mehr die Handschrift der Bearbeiterin als jene des Autors, der ja bloß ein wenig in der noblen englischen Gesellschaft herumstochern wollte.

Aber der Ausgangspunkt, das Stück direkt zu uns zu führen, ist zu bestrickend. Immerhin steht schon im Original (wo man das Problem allerdings locker-komödiantisch lösen kann), dass Politiker offenbar immer so blöde waren, von ihren schmutzigen Geschäften irgendwelche Dokumente zu hinterlassen, statt dafür zu sorgen, dass diese verschwinden. Dass solcherart heute Regierungen gestürzt werden können, weiß man, und es ist leicht, mit dem Finger auf gegenwärtige (oder gerade erst vergangene Ereignisse) zu zeigen. Das passt auch perfekt in das Konzept von Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger, der immer weiß, in welche politische Richtung er straflos losschlagen kann (und die anderen zahlen dann seine Schulden)…

...Und die Josefstadt spielt Jelinek und sagt uns, wie verderbt unsere heutigen Politiker sind. Als ob sie es nicht immer schon gewesen wären – und in jeder Couleur immer noch sind. Jedes entrüstete Erstaunen darüber ist pure Heuchelei.

Zum Berichtvon Renate Wagner

Österreich
Sepp Forcher gestorben
Als Moderator der ORF-Sendung „Klingendes Österreich“ hat Sepp Forcher österreichweite Bekanntheit erlangt. Am Sonntag ist Forcher kurz nach seinem 91. Geburtstag gestorben. Erst im Frühjahr 2020 hatte er seine TV-Karriere beendet und das Staffelholz an seinen Nachfolger Hans Knauß übergeben.
https://orf.at/stories/3240717/

Filme der Woche

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

Filmstart:  17. Dezember 2021 
THE HOUSE OF GUCCI/ USA  /  2021 
Regie: Ridley Scott
Mit: Lady Gaga, Adam Driver, Al Pacino, Jared Leto, Jeremy Irons u.a.

Wie man hört, sind die gegenwärtigen Mitglieder des Hauses Gucci alles andere als begeistert von dem Film, den Ridley Scott über ihren blutigsten Familienskandal drehte. Aber wer sind die heutigen Guccis schon? Das Modehaus ist verkauft, geblieben ist der Name als glanzvoller Begriff von einst und vermutlich das daraus lukrierte Geld. Und die ungute Erinnerung an die Verwandten der vorigen Generation…

Fürs Kino eignet sich das allerdings vorzüglich, und das hat Ridley Scott, der so verschiedenartige Filme dreht, natürlich gewittert. Vor allem Patrizia Reggiani, die in die Familie hinein geheiratet hat, ist eine Figur wie aus dem Drehbuch – ein „social climber“, wie der alte Gucci sofort erkennt, aber  sein Sohn Maurizio Gucci hat sich sofort einfangen lassen, heiratet die junge Frau aus einfachen Verhältnissen gegen den Widerstand aller – und besiegelt damit sein eigenes Schicksal…

Zur Filmbesprechungvon Renate Wagner

TTT Psychosoziales: Psyche beeinflussend, theaterrelevant: Spektrum Blackfacing
Cancel-Culture: Wo wieder Mauern aufgebaut werden
… derzeit findet eine Jagd auf Worte, Bilder und Menschen statt. Gerecht? Tilgungswut der Cancel-Culture … bei Johann Sebastian Bach. Wenn Bücher wie «Pippi Langstrumpf» als «kolonialistisch» und «rassistisch» gelten, …
NeueZürcherZeitung

Auslandsadoptionen: Helfen Eltern wirklich einem Kind oder nur dem eigenen Ego?
Tausende Kinder aus Indonesien, Sri Lanka, China oder Südamerika wurden vor allem in den Achtzigerjahren in den Niederlanden über Agenturen adoptiert. Doch die Dokumente sind unvollständig. Die Angaben über ihre Herkunft führen ins Nichts. Zurück bleiben Menschen, die zwischen den Welten stehen.
editionf.com

Hat der Tod eine Zukunft?
Können wir in Zukunft ewig leben? Und was hätte das für Konsequenzen? Ein Podcast.
spektrum.de

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

Österreich hat seine Einreisebedingungen verschärft. Ab Montag gilt die Regel 2-G-plus. Ohne weiteres darf nur noch ins Land, wer dreifach geimpft ist. Für doppelt Geimpfte sowie für Genesene gilt zusätzlich eine Pflicht zum PCR-Test. Wer bei der Einreise kein negatives Testergebnis hat, muss sich registrieren und unverzüglich in Quarantäne. Die Quarantäne darf beendet werden, sobald ein negativer PCR-Test vorliegt. Für Pendlerinnen und Pendler bleibe es bei der gewohnten 3-G-Regel.
Zum Bericht

  • Linkskandidat Gabriel Boric gewinnt Stichwahl um Präsidentenamt in Chile: Der für das linke Wahlbündnis «Apruebo Dignidad» (Ich stimme der Würde zu) angetretene Kandidat Gabriel Boric kam in der Stichwahl am Sonntag nach Auszählung von 99,5 Prozent der Stimmen auf 55,9 Prozent. Sein rechtsgerichteter Rivale José Antonio Kast, ein konservativer Bewunderer von Ex-Diktator Pinochet, erhielt 44,1 Prozent und erkannte seine Niederlage an.
    Zum Bericht

Chinas Tennisstar Peng Shuai bestreitet nun den Vorwurf des sexuellen Übergriffs: In einem Video-Interview der Zeitung «Lianhe Zaobao» aus Singapur sagte die Tennisspielerin: «Ich habe niemals gesagt oder geschrieben, dass mich jemand sexuell angegriffen hat.» Sie hatte den Vorwurf gegenüber dem früheren chinesischen Vizeministerpräsidenten Zhang Gaoli erhoben. Kurz danach war die 35-Jährige für einige Wochen verschwunden.
Zu den neusten Entwicklungen

Ich wünsch

Adventkalender von Prof. Christian Buchmann – eigene Bilder (Veranstaltungsagentur Buchmann)

Die Agentur wurde 1978 von Christians Vater, Herrn Prof. Rudolf Buchmann, gegründet. Das Management wurde von je her als Familienunternehmen geführt. Die Philosophie small is beautiful schränkt die Agentur allerdings nicht ein, mit nur wenigen Mitarbeitern große Aufgaben im Kulturleben zu erfüllen. Ganz im Gegenteil. Zahllose weltweite Orchestertourneen für Einzelkünstler bis hin zu Reisen der Wiener Philharmoniker und der Wiener Staatsoper sind an der Tagesordnung der Crew.

Auf Mateschitz‘ Privatinsel kann jetzt jeder urlauben
Insofern man 5.000 Euro pro Nacht hinlegen kann, stehen einem seit 15. Dezember die Türen des neuen Luxusresorts auf der Fidschi-Insel weit offen.
Heute.at

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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