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2 TAGE NEW YORK

04.07.2012 | Allgemein, FILM/TV

Ab 6. Juli 1012 in den österreichischen Kinos
2 TAGE NEW YORK
2 Days in New York  /  Frankreich  /   2012
Regie und Drehbuch: Julie Delpy
Mit: Julie Delpy, Chris Rock, Albert Delpy, Alexia Landeau, Alexandre Nahon u.a.

Hilfe, die Franzosen kommen – und ehrlich, das ist in diesem Fall nicht angenehm. Es ist nicht einmal lustig anzusehen. Julie Delpy hat ihre Landsleute nicht eben positiv gezeichnet: Sie stinken, sie sind ordinär, neben Sex interessiert sie Dope, und was sie so von sich geben, das lässt die Zehennägel kringeln.

Julie Delpy ist ja nun überhaupt ein Fall für sich, dies aber durchaus in positivem Sinn. In Richard Linklaters „Before Sunrise“, in Wien gedreht, stand sie voll im Mittelpunkt – eine überblasse, schmale, blonde, gar nicht landläufig „schöne“ Französin. Die im Laufe der Zeit sehr viel Eigeninitiative entwickelte und ihre eigenen Projekte vor eine Mainstream-Karriere stellte. Ihr Film über die „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory war ein intelligenter Beitrag zu düsterem Psycho-Horror. Davor schon hatte sie die Komödie „2 Tage Paris“ gedreht – eigenes Drehbuch, eigene Regie, und die Familie mit dabei. Papa Albert Delpy ist selbst Schauspieler und, wie man bei dieser Gelegenheit schon erkannte, ein Urvieh.

Hat sie damals die klassische Situation der „Amerikaner in Paris“ gezeigt, wurden in der Fortsetzung die Klischees umgedreht – die sonst so unkultivierten Amerikaner kommen diesmal ganz etepetete daher, und die Franzosen, die sonst für die kultivierten Europäer stehen, benehmen sich wie die letzten Prolos. Ganz lustig? Nicht wirklich.

Ausgangssituation: Julie ist wieder Marion, die französische Fotografin. Jetzt lebt sie in Amerika in trauter Zweisamkeit mit ihrem farbigen Radiomoderator-Freund Mingus (Chris Rock, so zurückhaltend und nobel wie noch nie) in einer Patchwork-Familie – ihr kleiner weißer Sohn, seine kleine farbige Tochter. Das wäre schon Trubel genug.

Aber dann kommt ihre Familie zu Besuch, und das geballt, denn Papa (leinwandfüllend: Albert Delpy) und Schwester (scheinbar naiv, immer lasziv: Alexia Landeau) haben auch noch den Liebhaber der Schwester mitgebracht, der nebenbei gesagt früher auch einmal mit Marion… Wie schon im ersten Teil spielt Alexandre Nahon den Manu, und der Mann ist nun wirklich das, was man auf Wienerisch als „Kretzn“ bezeichnet…

Die Schwierigkeiten beginnen schon damit, dass man Papa erst einreisen lässt, nachdem man ihm Unmengen von Käsen und Würsten abgenommen hat. In der Wohnung der Tochter nerven dann alle nicht nur durch ihr Dauergeplapper: Mingus weiß gar nicht, was ihn mehr erschüttert – Papas Obszönitäten und strenger Geruch (von seinen anderen liebenswerten Eigenschaften ganz zu schweigen, etwa mit dem Schlüssel die Autos anderer Leute quietschend zu zerkratzen), die selbstverständlichen Nuditäten der Schwägerin (Badezimmertür abschließen – warum?), die Aufdringlichkeit des Ex-Freundes, der sich ganz schnell bei einem Dealer mit allem eindeckt, was man besser nicht zu Hause hat.

Das Ganze verstrickt sich zu einer Story, die zunehmend dümmer wird, bis sie in ein peinlich klebriges Happyend mündet. Chris Rock hält sich aus dieser Familienkatastrophe gewissermaßen raus, und klagt Obama (in Gestalt eines Riesenfotos) sein Leid: So unendlich schlicht diese Don-Camillo-Idee auch ist – am Ende ist sie noch das Hübscheste an dem Ganzen …

Nimmt man es genau, ist dieser Film mehr peinlich als lustig, und man weiß nicht, ob man vor Julie Delpy in ihrer Multifunktion als Drehbuchautorin / Regisseurin / Hauptdarstellerin wegen ihrer exzessiven Ehrlichkeit den Hut ziehen soll – oder ob man nicht meint, sie habe etwas unglücklich über das Ziel hinausgeschossen. Denn vor allem ihre französischen Landsleute werden sich über dieses Selbstbild auf der Leinwand kaum freuen, zumal Julie Delpy ja auch schonungslos schildert, wie abweisend die Amerikaner auf so viel geruchsstrenge kontinentale Enthemmtheit reagieren. Kurz, sie hat mit diesem Film niemandem etwas Gutes getan und im Grunde nur die grob gestrickten Anhänger eines Adam-Sandler-Unterleibs-Humors bedient.

Renate Wagner

 

 

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