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2. SEPTEMBER 2019 – Montag

02.09.2019 | Tageskommentar

Die Festspiele sind vorbei, die Saison beginnt. Auch in Berlin

Endlich sind die Festspiele vorbei und die „normale Saison“ hat uns wieder. Wir berichten nun von Repertoirevorstellungen, die sich meist in der Qualität von „Festspielen“ kaum unterscheiden, von täglichen Umbesetzungen und anderen Problemen (die keine sind).

Österreich
Was bringt der Kulturherbst? Ein Wegweiser für Musik, Theater, Kunst und Co
Die Sommerfestivals verabschieden sich erschöpft in den Tiefschlaf, es beginnt die neue Saison. Es ist also für jeden etwas dabei
Der Standard

Aber wir schielen gleich wieder auf die nächstjährigen Festspiele, wo Bayreuth mit seinem neuen Ring besondere Aufmerksamkeit beansprucht. Der Regisseur, der für uns ein unbeschriebenes Blatt ist, steht ab sofort unter besonderer Beobachtung. In Darmstadt stand er dieser Tage mit einer neuen „Turandot“ auf dem Prüfstand – und begeisterte eher nicht:
Darmstadt
Puccinis „Turandot“ in Darmstadt: So zeigt Bayreuther „Ring“-Regisseur die „Turandot“

„Quizfrage: Oper von Puccini mit einem Maler? Klar, es ist die „Tosca“, und der Maler wird darin am Ende bekanntlich erschossen. Aber neuerdings gibt es noch ein zweites Werk von Puccini mit einem Maler: „Turandot“ nämlich, und der Maler wird darin am Anfang irrsinnig. Jedenfalls in der Inszenierung von Valentin Schwarz am Hessischen Staatstheater Darmstadt. Bei ihm ist die „Turandot“ eine einzige Wahnvorstellung, eine Geschichte, die so absurd ist, dass sie nur als Nervenkrankenheit vorstellbar ist, Schizophrenie zum Beispiel. “ (Quelle: BR-Klassik)

Er ist erst 30, fast unbekannt und soll gleichwohl im kommenden Jahr in Bayreuth Wagners vierteiligen „Ring des Nibelungen“ inszenieren: Da war die Neugier groß, wie Valentin Schwarz Puccinis „Turandot“ inszeniert – allerdings auch die Enttäuschung.
BR-Klassik
Der Fall Prinz C.
https://www.fr.de/kultur/theater/staatstheater-darmstadt-fall-prinz-12962115.html

Bayreuth: Wieder an der Spitze
Alljährlich fällt der Beifall für die Bläser auf dem Balkon des Festspielhauses dürrer aus. Das liegt nicht daran, dass die Musiker die kurzen Motive, mit denen sie das Ende der jeweiligen Pause zwischen den Akten ankündigen, unsauber intonieren würden. Es liegt daran, dass immer mehr Festspielbesucher ihre Handys in die Höhe recken und somit keine Hand zum Beifall klatschen frei haben
Nordbayerischer Kurier

NEU IN UNSEREN KRITIKEN:

BERLIN/ Musikfest/ Philharmonie: BENVENUTO CELLINI von Hector Berlioz – halbszenisch unter Sir Eliot Gardiner (31.8.)

Gefeierte Interpreten nach „Benvenuto Cellini, dirigiert von John Eliot Gardiner. Foto: Adam Janisch

Zum Bericht von Ursula Wiegand

München: Oper Incognita: „Aida“, 31.8.2019 – Super-Breitwandkino in der Ägyptischen Sammlung München

Das freie Opernensemble Opera Incognita ist bekannt für die Aufführung von meist unbekannten Opern an außergewöhnlichen Orten. So gab es in den vergangen Jahren beispielsweise „Stiffelio“ von Verdi im Arri-Filmstudio, Wagners „Rienzi“ in einem Hörsaal an der Ludwigs-Maximilian-Universität und letztes Jahr die Verzahnung von Purcells „Dido und Aeneas“ und Brittens „The Rape of Lucretia“ im Müllerschen Volksbad, einem Jugendstil-Schwimmbad.

Nun ist also „Aida“ dran, eine nicht so ganz unbekannte Oper, die aber im Ägyptischen Museum in München zur Aufführung kommt.

Enden als Ausstellungsstücke: Aida und Radames in der Schlussszene © Opera Incognita

Zum Bericht von Susanne Kittel-May

BERN/ Konzert Theater: Georges Bizet: CARMEN.  Wiederaufnahme: 30.08.2019

Die Blume ist ein Handschuh

 «Carmen» gehört zu den populärsten Opern überhaupt und so wird Bizets Opus ultimum als Erfolgsproduktion der Saison 2017/2018 nun von Konzert Theater Bern zur Eröffnung der neuen Saison wiederaufgenommen.

 

In der Wiederaufnahme ist nun praktisch zu erleben, warum das so ist. Mario Venzago dirigiert ein hervorragend disponiertes Berner Symphonieorchester: im Graben glühen die Leidenschaften und auch wenn mit der grossen Kelle angerichtet wird, ist der Klang nie breiig. Mit klug gewählten Tempi gelingt es Venzago die Spannung vom Anfang bis zum Ende aufrechtzuerhalten und die Farben der Partitur zum Leuchten zu bringen…

Zum Bericht von Jan Krobot

BADEN/ Sommerarena: ZIGEUNERLIEBE von Franz Lehàr. Derniere am 31.8.


Star des Abends war der in China geborene Vincent Schirrmacher in der Rolle des „Zigeunergeigers“ (Foto: Christian Husar)

Mit einer musikalischen Rarität wartete die Bühne Baden in der ausverkauften Sommerarena auf: „Zigeunerliebe“ von Franz Lehár. Sie wurde damit neuerlich ihrem Ruf als führende Operettenstadt gerecht…

Zum Bericht von Udo Pacolt

Hombrechtikon/ Schweiz: DER BETTELSTUDENT von Carl Millöcker. Premiere am 31.8.

 

«Kasimir, wie der Reis»?

Wie schon in den vergangenen Jahren vermag die Operette Hombrechtikon (https://www.operettehombrechtikon.ch/) auch dieses Jahr wieder mit Spielfreude, Leidenschaft und Qualität zu überzeugen.

Zum Bericht von Jan Krobot

Berlin/ Komische
Eugen Onegin an der Komischen Oper Berlin 
Barrie Koskys Onegin ist eine der weniger spektakulären Inszenierungen an der Komischen Oper. Doch Günter Papendell beeindruckt als herber Titelheld und Aleš Briscein singt einen packenden, allerdings etwas unebenen Lenski. 
Konzertkritikopernkritikberlin

„konzertgänger in Berlin“
Vogelkundig: Aimard und Gardiner eröffnen das Musikfest mit Messiaen und Berlioz
Wo beginnen? Alle scheinen an diesem Wochenende auf einen Drücker loszulegen: Mahlers 8. im Konzerthaus, Eugen Onegin an der Komischen Oper… Das vielleicht Relevanteste gabs an der Peripherie des Klassikbetriebs, wo das Herz manchmal am heftigsten schlägt: im Heimathafen Neukölln unter Beteiligung von Hellersdorfer und Lichtenberger Musikschulen ein Musiktheaterstück über das Frauenorchester Auschwitz. (Dieses Mädchenorchester gibts nochmals am 19. und 20. September.)
https://hundert11.net/vogelkundig/

Musikverein Graz: Michael Nemeth: „Träume muss man einfach haben“  Bezahlartikel
Michael Nemeth geht mit dem Musikverein für Steiermark in die 205. Saison. Wir sprachen mit dem Generalsekretär über Spaß und Strenge, über Geld und Fliegenklatschen.
Kleine Zeitung

BAYREUTH/Studiobühne Bayreuth: „LEUBALD“ – ein Jugendwerk von Richard Wagner

Das ist ja fast ein Kinderwerk Wagners, wer hat davon schon gehört? In Bayreuth nützte man die Chance, unzählige Wagnerianer um sich zu haben, diese „Jugendsünde“ aufzuführen.

Schlussapplaus. Foto: Klaus Billand

 Nach dem erfolgreichen „Heda, Heda, Hedo“ aus dem vergangenen Jahr (Merker 09/2018) brachte Uwe Hoppe, der Leiter der Studiobühne Bayreuth, diesmal das von ihm vor 30 Jahren uraufgeführte Jugendwerk Richard Wagners, das Trauerspiel „Leubald“ in einer Neuinszenierung von 2013 wieder heraus. Schon des Öfteren sorgte Hoppe mit seinen Stücken auf der Studiobühne Bayreuth in der Innenstadt auf dem Hoftheater im Steingräber-Palais, in dem die weltbekannte Klaviermanufaktur Steingräber & Söhne beheimatet ist, mit interessanten, durchaus kontroversen, stets aber humoristischen Vorstellungen für Unterhaltung, weitab des Grünen Hügels. „Leubald“ war nun etwas weniger humoristisch als „Heda, Heda, Hedo!“, aber in der Tat unterhaltend, durchgespielt in 90 Minuten.

 Richard Wagner hatte sich als Schüler mit dem Stück auf der Basis seiner Lektüre von Shakespeare und dem frühen Goethe befasst und schloss es 1828 mit nur 15 Jahren ab. Der Familie erschien es nicht zuletzt wegen der vielen Toten als zu wirr. Dennoch hat die Studiobühne unter Hoppe und mit ihm als Schauspieler daraus etwas sehr Interessantes gemacht. Man erkennt hier und da durchaus schon den späteren Komponisten des Wagnerschen Gesamtkunstwerks. Das Stück galt lange als verschollen, erst 1978 konnte das Original von der Richard-Wagner-Stiftung in London erstanden werden…

Zum Bericht von Klaus Billand

Österreich: Ex-NEOS-Chef gesteht: Politik ging ihm „am Oasch“
Im Mai 2018 hat der damalige Parteichef und Mitbegründer der NEOS, Matthias Strolz, überraschend seinen Rücktritt aus der Politik bekannt gegeben. Seitdem hat sich der gebürtige Vorarlberger ordentlich umorientiert und unter anderem ein Buch geschrieben. Im krone.at-Talk mit Gerhard Koller stellt Strolz sein Werk „Sei Pilot deines Lebens“, das am 2. September erscheint, vor. Das ganze Interview sehen Sie im Video oben.
https://www.krone.at/1987252

Eigentlich würde ich über Politik exakt die gleichen Worte wählen – aber für eine Opern- und Theaterzeitschrift ist das wohl zu deftig! Der Abgang von Strolz aus der Politik kam überraschend. So ganz wie in der Öffentlichkeit dargestellt war die Abfolge freilich nicht, es gab schon „sanften Druck“. Aber lassen wir das. Matthias Strolz hätte mich fast dazu verleitet, die Neos zu wählen (ich bin Wechselwähler, „gehöre“ keiner Partei – auch nicht der, für die ich gestern Wahlplakate aufgestellt habe und bei der ich nach der Wahl meine ohnedies nicht sehr erfolgreiche Politik-Karriere beende).

Sei Pilot Deines Lebens, nicht bloß Passagier“. Darin erkenne ich mich! Sind wir etwa seelenverwandt?
Besser ein kleiner Herr als ein großer Knecht“ – das hat auch mein Leben bestimmt. Angebote, ein großer Knecht zu werden, gab es in meinem Leben einige – das aber ist nicht meine Einstellung. Steuere Dein Leben selbst – und lass Dich nicht steuern! Wenn mir die Zeit noch vergönnt ist, dass meine Enkel verstehen, was ich ihnen für das Leben mitgeben will, dann eben diese Philosophie, die ich schon lange vor Herrn Strolz gelebt habe. Auch noch wichtig: Verbeuge Dich vor keinem Menschen, kein Mensch ist es wert dass Du Dich kleiner machst als Du bist! Ich habe das gelebt und bin zufrieden – auch wenn ich kein „Großer“ geworden bin. Zumindest aber musste ich mich nie verdrehen oder gar tun und schreiben, was gar nicht meiner Meinung entspricht. Wenn ich mir so die heutigen Zeitungen durchlese fällt mir nur ein: arme große Knechte!

Viel Glück auf Ihren weiteren Lebensweg, Herr Strolz. Ich habe Sie verstanden!

Landtagswahlen im Osten: Gewohnheits-Rechte
Die Wahlerfolge der AfD – eine Zäsur für unser Land? Nein, die Zäsur liegt längst hinter uns: Der Triumph der Rechten wird im Osten zur Normalität. Ein Rezept dagegen haben die anderen noch immer nicht.
Der Spiegel-online
Ohne Wenn und Maaßen
Der Wahlsieg im Osten ist für die demokratischen Parteien ein Sieg auf Bewährung. Nur wenn die CDU hart bleibt, wird der Aufstieg der AfD zu verhindern sein.
Die Zeit.de

Haben Sie eine schöne Woche!

A.C.

 

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