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2. OKTOBER 2018

02.10.2018 | Tageskommentar

„Die tote Stadt“ in Berlin: Der ganz große „Regiewurf“ wurde es nicht, Sara Jakubiak (Marietta) mit dem Ensemble, Foto Iko Freese / drama-berlin.de

Die tote Stadt“ als Saisoneröffnung wirkt bei ihrer Premiere an der Komischen Oper Berlin recht lebendig, was zunächst dem Orchester des Hauses unter der Leitung des neuen GMD Ainārs Rubiķis zuzuschreiben ist. Der 40jährige Lette setzt bei der musikalischen Gestaltung dieses Psychothrillers eher auf laute Effekte als auf das Geheimnisvolle, das diesem Stück, vor allem im Libretto, innewohnt.

In der Musik ist das allerdings nicht immer enthalten. Korngold war 19 Jahre jung, als er mit dem Komponieren dieses Dreiakters begann und sich dabei deutlich an den Großen orientierte. Von Wagner bis Wiener Walzer ist alles drin, insbesondere Richard Strauss…

Zum Premierenbericht von Ursula Wiegand

Copyright: Komische Oper Berlin

Anton Schlatz geht in seinem Blog „Opern- und Konzertkritik Berlin“ mit Robert Carsen hart ins Gericht

Robert Carsen inszeniert und enttäuscht. Kalt und allzu berechenbar ordnet Carsen Bühne und Handlung. Von den Bedeutungsschichten, die ein inspirierter Regisseur der tiefenpsychologisch schillernden Toten Stadt abgewinnen könnte, bekomme ich wenig mit. Der Kraft der Korngold’schen Melodie setzt Carsen eine eindimensionale Bühnenerzählung entgegen. Die kesse Blondine Marietta umgarnt den psychisch angeknacksten Paul mit einem perfiden Flirtplan. Sie schwingt pausenlos das Tanzbein. Bei Carsen ist diese Marietta ein bisschen verruchte Femme fatale im Flatterkleidchen, ein bisschen Pippi Langstrumpf aus der Großstadt, ein bisschen zickig verzappelte Soubrette, das ist der Spannungsbogen. Paul zeigt sich von diesem impulsiven Luxusgeschöpf restlos überfordert, trägt pausenlos Anzug und tigert händeringend durch sein ödes Kingsize-Schlafzimmer. Ist das nun pure Einfalt oder doch höhere Regiekunst? Ich vermute Ersteres. Mariettas feierwütige Freunde profilieren sich als trostlose Variété-Heinis, und nicht viel besser gelingen die weiteren Szenen: blutleer der Aufmarsch der Friedhofsprozession, ideenlos die durch Pauls Schlafzimmer irrende Marienprozession mit gefühlt zehntausend Marienstatuen. Und Marietta – Überraschung! – schwebt auf dem Deckenleuchter wie ein fescher Putto vom Bühnenhimmel herab.

Berlin
An der Komischen Oper Berlin inszeniert Robert Carsen Korngolds Die tote Stadt simpler als nötig

Robert Carsen erzählt Korngolds aufregende Künstleroper etwas zu geradlinig. Dennoch ist die Premiere ein starkes Plädoyer für Korngold. Umjubelter Star des Abends ist Sara Jakubiak als kesse Tänzerin Marie.
https://konzertkritikopernkritikberlin.wordpress.com/2018/10/01/komische

Der „Konzertgänger in Berlin“ ist auch nicht begeistert:
Schlagzahlig: „Die tote Stadt“ an der Komischen Oper
In der Oper gewesen. Geächzt.

Dabei könnte man in Erich Wolfgang Korngolds Die tote Stadt doch weinen wie Kafka im Kino. Dass man an der Komischen Oper eher stöhnt als schluchzt, dürfte nicht nur mit der Inszenierung von Robert Carsen zu tun haben, sondern mehr noch mit dem Dirigat von Ainārs Rubiķis, der hier seinen Einstand als neuer Generalmusikdirektor feiert. Natürlich klingt das tüchtig geprobt und mächtig feurig. Aber ist diese Interpretation nicht zwar reich an Verve, doch arm an Differenzierung? Es knallt und zischt, aber wo schwelgts und irisierts? Wo ist der korngoldig brillante Klangfarbenrausch, der Strauss und Puccini übertrumpfen will? Und das Wichtigste, wo sind die Gefühle, wo sind Verzweiflung, Trauer, Hoffnung?…

Konzertgänger in Berlin

Wiesbaden: „Die Meistersinger von Nürnberg“- betreutes Wohnen. Premiere

Margarete Joswig (Magdalene), Marco Jentzsch (Stolzing). Copyright: Monika und Karl Forster

Wie schön, eine Inszenierung zu erleben, in welcher einmal nicht das Vorspiel inszeniert ist! Und auch der akustisch günstige Bühnenraum offenbahrt das handwerkiche Geschick des Regisseurs. Dieser wartete mit einer Fülle sinngebender Einfälle auf, so dass der Abend vielschichtig, berührend und kurzweilig geriet. Mottls Stärke ist die Personenführung. So sind alle Charaktere klar gezeichnet und aus dem Geiste der Musik entwickelt. Fabelhaft die Chorführung, vor allem in der umwerfend choreographierten Festwiese. Selten vereint ein heutiger Regisseur so viel Klasse, der Musik zu vertrauen, den Subkontext ins Heute zu übersetzen. Eine fabelhafte Regiearbeit!..

Zum Bericht von Dirk Schauss

Jung und alt in Nürnberg
Richard Wagners „Meistersinger“, szenisch und musikalisch quicklebendig am Staatstheater Wiesbaden.
http://www.fr.de/kultur/theater/oper-jung-und-alt-in-nuernberg-a-1593156

Linz: Tristan und Isolde – Derniere der Premierenserie

Die Wiederaufnahme der inzwischen schon zum Kult gewordenen Inszenierung des ostdeutschen Schriftstellers Heiner Müller für die Bayreuther Festspiele 1993 erfolgte im Vorjahr in Lyon. Im Stile Brechts hatte Heiner Müller (1929-95) seinerzeit eine der größten Liebesgeschichten der Opernliteratur radikal und konsequent entschlackt und gemeinsam mit seinem Bühnenbildner Erich Wonder in völlig abstrakt angeordnete Räume platziert…

Zum Bericht von Dr. Harald Lacina

Machen wir einen Blick in die Aufführung vom 22.9.

Armes Landestheater! Trotz einer aufsehenerregenden musikalischen Leistung unter der Leitung von Markus Poschner ist der Gesamteindruck von Richard Wagner`s „Tristan und Isolde“ aufgrund einer nichtssagenden, destruktiven und nicht einmal modernen, ehemaligen Bayreuth Inszenierung von Heiner Müller/Rekonstruktion Stephan Suschke leider nur maximal befriedigend…

Zum Bericht von Dr. Alexander Gallee

Und jetzt gehen wir zurück zum Start. Dr. Klaus Billand hat uns jetzt seinen Premierenbericht geliefert:

Natürlich ist die Ausgrabung einer Musiktheater-Produktion, zumal nach einem Vierteljahrhundert, wie gut sie auch immer gewesen sein mag, in mancher Hinsicht fragwürdig. Sofort stellen sich Gedanken ein wie Festhalten an Liebgewordenem (wie die „Ring“-Inszenierungen von Götz Friedrich in Berlin und Otto Schenk in New York), statisches oder gar museales Denken gegenüber der nicht zuletzt aus gesellschaftlichen Entwicklungen heraus notwendigen Weiterentwicklung des Musiktheaters, bisweilen gerade bei Wagner auch als gutes oder schlechtes „Regietheater“ wahrgenommen, oder das retrograde Frönen eines Kultes bis hin zur Kultur-Archäologie. Man denke nur an die diesbezüglichen Diskussionen um den Wiederaufbau des Berliner Schlosses vor einigen Jahren…

Zum Bericht von Klaus Billand

Der „Tristan“ kommt allerdings wieder, die nächste Serie ist bis zum 10.2.2019 anberaumt

Basel: Pelléas et Mélisande“. Premiere

Andrew Foster-Williams, Elsa Benoit, Rolf Romei © Priska Ketterer

Bis kurz vor seinem Tod unterzog Claude Debussy die Partitur seiner einzigen Oper immer wieder einer Revision. Die „Fassung letzter Hand“ unterscheidet sich dadurch in der Instrumentation erheblich von der Fassung der Uraufführung vom 30. April 1902 in Paris.
Er verzichtet auf Arien und grosse Soloszenen. Dies gibt der Vertonung des Textes von Maurice
Maeterlinck eine realistische Prägung. Dazu Debussy über die Gestaltung der Gesangsrollen:
>Die Gestalter dieses Dramas wollen natürlich singen – und nicht in einer willkürlichen Ausdrucksweise, die aus überlebten Traditionen stammt. Ich wollte, dass die Handlung nie stillsteht, sondern ununterbrochen weitergeht< (J. Kapp, 1949)…

Zum Bericht von Jakob Lorenz/Fribourg

Freiburg: Eugen Onegin. Premiere 28.9.

Auszug aus der Premierenkritik von Alice Matheson: …Dass sich aber Tatjana später heimlich  zurück in die Galerie schleichen soll, ist doch eher abwegig, macht doch Puschkin deutlich, wie sehr Onegin Tatjana verfolgt (und nicht umgekehrt). Überhaupt bewegen sich die Protagonisten etwas hölzern, insbesondere Lenski und Onegin wissen nichts mit sich anzufangen, und wirken in der Duellszene eher verloren.

Glücklicherweise landet Freiburg  aber mit der Besetzung der Tatjana durch die junge Französin Solen Mainguiné einen Volltreffer. Endlich einmal eine Tatjana, der man das junge, unschuldige Mädchen abnimmt!..

Zur Premierenkritik von Alice Matheson

Frankfurt: Tri sestry (Drei Schwestern)/P.Eötvös  30.9.2018
Zum Bericht von Friedeon Rosén

Magische „Tosca“ in der Deutschen Oper Berlin: Zum Raum wird hier die Zeit
Anja Harteros ist die Tosca assoluta. Das macht ihr – noch – keine nach. Sie singt Tosca nicht, sie ist Tosca.
Ulrich Poser berichtet über die Tosca aus der Deutschen Oper Berlin vom 30. September 2018
Klassik-begeistert

HALLE: Babylon den Afrikanern – Oper Halle mit Giacomo Meyerbeers Grand opéra „L’Africaine“
Neue Musikzeitung/nmz.de

Dresden: Dummes Volk: „Moses und Aron“ an Dresdens Semperoper
Neue Musikzeitung/ nmz.de

Paris: Opern-Triumph: Am Ende ist der Populist sehr einsam
„Berenice“ von Michael Jarrell: Uraufführung in Paris mit Barbara Hannigan und Bo Skovhus sowie Dirigent Philippe Jordan.
Kurier

Wien/ Kammeroper: Stürmische Musiktheaterzauberei
Das Junge Ensemble von der Wien präsentiert unter der Führung von Jean Renshaw eine Shakespeare-Collage zu Musik von Purcell voll Poesie, aber auch Ironie.
Die Presse

Nürnberg: In ihrem Potenzial kenntlich gemacht: Prokofjews „Krieg und Frieden“
Neue Musikzeitung/nmz.de
„Krieg und Frieden“ in Nürnberg: Viel Raum für große Historie und Gefühle
DeutschlandfunkKultur

Nürnberg: History today: War and Peace at Staatstheater Nürnberg
bachtrack

Baden bei Wien: Die „Operettenbühne“ zeigt Beethovens „FIDELIO“ . Ambitioniert, Premiere ist am 20.10.

Reinhard Alessandri, Miriam Portmann. Foto: Lukas Beck

Beethovens Freiheitsoper ist anspruchsvoll – und aktueller denn je. „Die Musik ist ein Klassiker, doch das Thema ist so brisant, dass man es nur in einer heutigen Version auf die Bühne bringen sollte. FIDELIO ist ein Plädoyer für das Recht auf freie Meinungsäußerung.
Gerade in Zeiten, wo totalitäre Systeme und Autokratien im Vormarsch sind,“ ist Michael Lakner, Regisseur und Künstlerischer Leiter der Bühne Baden, überzeugt. „In dem Gefängnis, in dem Florestan gefangen gehalten wird, sitzen auch keine Kleinkriminellen, sondern Wissenschaftler, Journalisten und Politiker. Alles Menschen, die nicht die Meinung von Don Pizarro teilen.“

Damit habe ich ein ernstes Problem, denn so an der Realität vorbei will ich denn doch nicht gehen. Ein Gefängnis, in dem nur Unschuldige und Schöngeister einsitzen? Aber das Vorhaben ist für ein als „Operettenbühne“ bekanntes Theater sehr ambitioniert und wird auch sein Publikum finden.

HEUTE: Riccardo Massi gibt Debüt als Gabriele Adorno in Simon Boccanegra an der Oper von Marseille

Am 2. Oktober 2018 gibt Riccardo Massi sein Rollendebüt als Gabriele Adorno in Simon Boccanegra an der Oper von Marseille. Der Bariton Leo Nucci, legendärer Interpret der Titelpartie setzt Verdis Meisterwerk in Szene, Maestro Paolo Arrivabeni dirigiert die Serie von vier Vorstellungen. In den weiteren Partien treten Juan Jesús Rodriguez als Simon Boccanegra, Olesya Golovneva als Amelia Grimaldi und Nicolas Courjal als Fiesco auf.

Riccardo Massi. Copyright: Benjamin Ealovega

London: Siegfried review – blunt hero is hard to like in a cluttered production
The Guardian

Siegfried @ Royal Opera House, London
https://www.musicomh.com/classical/reviews-classical/siegfried-

Französischer Chansonnier Charles Aznavour ist tot

Sänger, Liedtexter und Schauspieler: Charles Aznavour war einer der letzten großen Vertreter des klassischen Chansons. Im Alter von 94 Jahren ist er gestorben.
Tagesspiegel
Charles Aznavour gestorben
Die Presse

WIEN/ Ronacher: Fotoserie online!

Schlussapplaus. Copyright DI. Dr. Andreas Haunold

Noch mehr Fotos zu dieser Premiere finden Sie im Album WIENER EVENTS 2018

Fußball: Didi Kühbauer neuer Rapid-Trainer

Dietmar Kühbauer

Das ging schneller als erwartet. Rapid zahlt eine Ablöse an St. Pölten und kauft den Trainer aus seinen Vertrag raus! Die Rapid-Fans haben nun ihren Wunsch-Trainer und keine Ausreden mehr, die Rapid-Chef-Etage hat nun einige Zeit Ruhe und Didi Kühbauer hat ausgesorgt. Der Vertrag läuft bis 2021. Ich gehe zwar jede Wette ein, dass Kühbauer 2021 nicht mehr Rapid-Trainer ist (das ist im Fußball-Geschäft so, nach kurzer Zeit nutzt sich auch der beste Trainer ab), aber ein Rapid-Vertrag – noch dazu geschlossen in einer Notsituation und daher sicher nicht unterdotiert – müsste für „Don Didi“ schon reichen! An seiner Stelle hätte ich auch so gehandelt, denn nach 4 Niederlagen wäre er sogar bei St. Pölten in Frage gestellt worden. Dankbarkeit ist keine Kategorie im Fußball.

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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