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Die internationale Kulturplattform

2. Mai 2019 – Donnerstag

02.05.2019 | Tageskommentar

„Das Rheingold“ in New York. Tomasz Konieczny (Alberich) und Norbert Ernst (Loge). Foto: Ken Howard/ Metopera

...Für ein paar Sekunden herrscht wirklich komplette Finsternis in der heiligen Halle an der Lincoln Plaza, während Philippe Jordan unfallfrei seinen Weg zum Pult findet – kein Auftrittsapplaus soll die Sammlung vor den mythischen Rheinklängen stören (Claus Peymann hätte Freudentränen in den Augen gehabt).

Die unglaubliche Bühnenmaschine (Carl Fillion – samt ebenso hochgestochenen Projektionsfantasien von Boris Firquet, Licht Etienne Boucher), die das Herzstück der Inszenierung bildet, hat gleich einmal einen ebenso stimmungs- wie eindrucksvollen Auftritt: Die quicklebendigen und stimmlich sehr gut disponieren Rheintöchter (Amanda Woodbury, Samantha Hankey und Tamara Mumford) verwedeln mit ihren Schwanzflossen den Sand am Flußgrund und produzieren beim Gesang Luftbläschen. Noch wirkt das verspielt, aber das – bislang technisch makellos und lautlos agierende – Werkl kann natürlich auch ganz anders…!

Petra und Helmut Huber kamen aus Linz zum Met-Ring angereist und berichten über die beiden ersten Abende. Es ist keine schlechte Idee, „Das Rheingold“ ohne den störenden Auftrittsapplaus für den Dirigenten so aus der Dunkelheit beginnen zu lassen, freilich auch eine gefährliche. Wenn der Dirigent ohne Sicht auf den Weg zum Pult „eine Brez’n reisst“, wäre die feierliche Stimmung dahin. Aber Philippe Jordan ist ein junger Mann, mit dem kann man es ja machen! 

Mit dabei sind wieder Tomasz Konieczny, Norbert Ernst und Günther Groissböck, also die „Österreicher-Kolonie“ (den Konieczny haben wir „eingebürgert“)

Zum Bericht von Petra und Helmut Huber

In Chemnitz: Wagners „RING“ aus weiblicher Sicht

Vier Regisseurinnen waren aufgeboten, Klaus Billand als Berichterstatter und Frauenerklärer natürlich dabei

„Das Rheingold“. Guibee Yang (Woglinde), Sophia Maeno (Floßhilde). Foto: Kirsten Nijhof

„Das Rheingold“ übernahm die junge Regisseurin Verena Stoiber aus der Karlsruhe-Truppe um Peter Spuhler…

„Die Walküre“ wurde von Monique Wagemakers in Szene gesetzt. Foto: Kirsten Nijhof

...Gibt es also nun eine spezifisch „weibliche Sicht“ auf den „Ring“?Muss es überhaupt eine „weibliche Sicht“ gegenüber einer „männlichen“ geben?! Nach allem, was zuvor und nun in Chemnitz zu erleben war, denke ich, dass Wagner auch diese Komponente in sein Riesenwerk eingebaut hat, zumal das Weibliche ihm doch nur allzu hold war. Es ist eigentlich nur eine Frage, ob,wie und in welcher Intensität man diese Elemente dramaturgisch und konzeptionell hervorhebt bzw. hervorheben will. Und das kann, wie ich glaube, bei gutem Studium dieses Werkes sowohl ein Regisseur wie eine Regisseurin…   

Zum Bericht von Klaus Billand

 Antwerpen: „Die Wohlgesinnten“

Foto: Opera Vlaanderen

Als 2006 Jonathan Littells Roman „Die Wohlgesinnten“ erschien, löste er heftige Diskussionen aus: Darf man die Geschichte des 2. Weltkriegs und der Judenvernichtung aus der Sicht eines SS-Obersturmbannführers erzählen, der zudem noch bisexuell ist und eine inzestuöse Beziehung zu seiner Schwester unterhält? Die Ankündigung der Opera Vlaanderen den Roman als Oper auf die Bühne zu bringen, erregte zusätzliches Aufsehen, denn wie soll diese ausufernde 1500-Seiten-Geschichte, die in den Jahren 1941 bis 1945 spielt, adäquat mit den Mitteln des Musiktheaters erzählt werden?

https://www.deropernfreund.de/antwerpen-6.html

Schrecklich wenig
Die Inszenierung des Skandalromans „Die Wohlgesinnten“ als Oper könnte kaum banaler sein.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/oper-schrecklich-wenig-1.4428201

OPERA AWARDS 2019. Für Österreich eine Pleite. Ist es ein Trost, dass auch Deutschland leer ausgegangen ist?

Also mir ist das kein Trost!

 

Alle Nominierten 2019 auf einen Blick:

https://de.wikipedia.org/wiki/International_Opera_Awards_2019

Timm Theo Tinn hat die Jury ausfindig gemacht. Die ist nicht eben hochkarätig, wenn man von Serge Dorny einmal absieht. Aber dieser „Presseweltmeister“ wird sich in München erst einmal durchsetzen müssen. Im Moment taucht er überall auf, wo Presseleute zu erwarten sind.

Die Idee, einen Wettbewerb zu veranstalten, taucht auch bei uns Online-Merkern  immer wieder auf. Es müsste aber etwas Originelles sein, ein Feld, das wir allein beackern:

Idee von unseren Dramaturgen Tim Theo Tinn: Vielleicht sollen wir als Online Merker den Small Blob Village Award ( =  „Kleinkleckersdorf – internationalisiert“) tatsächlich für die Verirrung des Jahres im Operngeschehen vergeben –  ich such mir wirklich eine Jury! (TTT)

Rückständig sind wir freilich nicht:

TIROLER FESTSPIELE ERL MIT ZEITGENÖSSISCHER MUSIK: DIE DREI KOMPONISTEN UND DIE PROJEKTLEITER STELLEN BEIM „ONLINE-MERKER“ DAS PROJEKT VOR!

Bitte vormerken: Donnerstag, 23. Mai um 19 h

Wien/ Kammeroper: CANDIDE von Leonard Bernstein

Kristjan Johannesson, Johannes Bamberger, Aleksandra Szmyd. Copyright: Barbara Zeininger

Eine Online-Merker-Kritik folgt in den nächsten Tagen,  wir bieten eine 50 Exemplare umfassende Fotoserie an:
50 FOTOS (Barbara Zeininger) von dieser Produktion

Pressebericht:
Castorf im Kleinen für die Welt im Großen
Tiroler Tageszeitung/ APA-Bericht

Hohenems/ Schubertiade: „Mozart und Beethoven reichen bis zum Himmel – Schubert kommt von dort“

Zitat Oskar Werner. Treffender kann man es fast nicht ausdrücken. Was wäre als Motto passender, wenn 2019 die Hohenemser und Schwarzenberger Tore zu den „Schubertiaden“ wieder geöffnet werden?

Kit Armstrong, auch ein Origami-Falter! C: Gesine Born

Eindrucksvoller als mit gleich zwei Kompositionen von Kit Armstrong konnte das Klischee, zeitgenössische Musik sei unzugänglich und nicht publikumswirksam, nicht widerlegt werden wie an diesem Abend! Die Multi-Hochbegabung, mittlerweile 27 Jahre, hat sich von den Wunderkindzeiten (Kompositionen mit 5, frühe Sensationen am Klavier, Studien von Mathematik, Physik, Chemie im Grundschulalter,… längst frei gestrampelt, sich nicht auf Dauer als Genie vermarkten und bestaunen lassen. Er pflegt inzwischen vielfältige musikalische Partnerschaften als Kammermusiker und Liedbegleiter und begibt sich damit immer wieder auf neues, spannendes Terrain. Und er beweist in seiner Weiterentwicklung als Komponist eindrucksvoll: es ist noch lange, lange nichts alles „wegkomponiert“!…

Zum Bericht von Karl Masek

Die Welt-Macht China
„Wir wollen eine neue Musik schaffen, die wir alle genießen können.“

Exklusivinterview mit Pang Kapang und Zhu Changyao vom Suzhou Chinese Orchestra
Mit dem Suzhou Chinese Orchestra gründete der inzwischen international bekannte Dirigent Pang Kapang vor knapp zwei Jahren ein Ensemble, das als eines der ersten Orchester weltweit die klassische Tradition Europas mit Jahrtausende alten Instrumenten der chinesischen Tradition verbinden soll…
Daniel Janz berichtet aus Köln.
Klassik-begeistert

München/ Gärtnerplatztheater. Auszug aus unserem Forum („Petra Pan“):

Eine Sternstunde des Belcanto erlebten die Besucher am 29. April im Gärtnerplatztheater München mit Maria Stuarda (Gaetano Donizetti)!

Die Wiederaufnahme bot mit dem Dirigenten Kiril Stankow einen musikalisch spannenden Abend: Tempi und Dynamik nahmen den Zuhörer mit, gaben den SängerInnen alle Möglichkeiten der Gestaltung. Und die gelang den Herren Arthur Espiritu (Graf Leicester), Levente Pall (Talbot) und Matija Meic (Sir Cecil) mit weichen und dramatischen Stimmführungen. Die Elisabetta Nadja Stefanoff war eine geradezu lebensecht enttäuschte und rächende „Eiskönigin“. Ganz hervorragend Jennifer O’Loughlin (Maria Stuarda), deren Piano auch noch den letzten Räusperer verstummen ließ! Ihre grandiosen Spannungsbögen in Stimme und Gestaltung wurden unterstützt von Elaine Ortiz Arandes (Anna Kennedy). Und nicht zuletzt von einem beeindruckenden Chor (Einstudierung Felix Meybier), der die ansonsten requisitenarme Bühne stimmlich und darstellerisch füllte.

Unbedingte Empfehlung für die beiden noch folgenden Aufführungen am 2. Mai und am 5. Mai!

Rock/ Pop

Poptitan Elton John: Sag beim Abschied leise Ohrwurm
Der 71-Jährige befindet sich derzeit auf Abschiedstournee. Am Donnerstag gastiert er in der Wiener Stadthalle, im Juli in Graz
Der Standard

Berlin/ Theatertreffen
50 Prozent Regisseurinnen: Berliner Theatertreffen führt Frauenquote ein
Weg von der Idee des rein männlichen Geniekults: Mindestens die Hälfte der ausgewählten Stücke beim Berliner Theatertreffen soll künftig von Frauen stammen.
Tagesspiegel

Wenn man nicht kapiert, dass jede Forderung nach einer Quote eine Beleidigung darstellt, ist einem nicht zu helfen. Liebe Regisseurinnen, lasst Euch eben beleidigen und klatscht dazu Beifall!

WIEN / Burgtheater: ZELT von Herbert Fritsch: Uraufführung
Premiere: 27. April 2019
Besucht wurde die Vorstellung am 1. Mai 2019

Gruppenbild: Foto: Reinhard Werner/ Burgtheater

Renate Wagner: Karin Bergmann hat zum Ende ihrer Ära als Direktorin des Burgtheaters noch schnell jene Regie-Namen herbeigeholt, mit denen sie das Haus nahtlos und unterscheidungslos an die deutsche Regietheater-Landschaft anschließt. Es gab auch andere Zeiten, da war das Burgtheater etwas Besonderes, unverwechselbar und auch solcherart anerkannt und bewundert. Individualität eines Hauses vor Uniformität des Angebots. Aber das ist lange her.

Herbert Fritsch, von dem man schon – mit bescheidenem Vergnügen – an der Burg „Der eingebildete Kranke“ und „Die Komödie der Irrungen“ gesehen hat, zählt (wie etwa auch Christoph Marthaler) zu jenen Regisseuren, die ihren gnadenlosen „Stil“ entwickelt haben. Da ist es doch allemale gescheiter, sie entwickeln dafür ihre eigenen Projekte, statt damit Klassiker zu verhunzen. In diesem Sinn kann man für „Zelt“ dankbar sein…

Es ist kein Stück – sollte es, wie es heißt, je Text gegeben haben, so hat man ihn fallen lassen. Was geboten wird, ist eine eineinhalbstündige pantomimische Grotesk-Show, die das Wiener Publikum durchaus an die Zeiten des einstigen Serapionstheaters gemahnt. Nur dass dort immer zumindest andeutungsweise eine Geschichte dahinter stand. Damit hat sich Herbert Fritsch nicht abgegeben…

Was einen Teil des Publikums nicht hinderte, heftigen Applaus zu spenden. Den Zorn der anderen hörte man noch in der Straßenbahn: „Nichtssagende Perversität!“ Man kann allerlei Meinungen zu ein- und derselben Sache haben… und diejenigen, die hinter der handwerklichen Brillanz keinen Sinn zu entdecken vermochten, sind vielleicht dem ganzen Spektakel bloß nicht auf den Leim gegangen.

Zum Bericht von Renate Wagner

Filme der Woche:

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Als Filmfreund hat man ein langes Leben mit Catherine Deneuve, Jahrgang 1943, verbracht. Sie war eine der hinreißendsten, schönsten jungen Blondinen, die man je gesehen hat (nur Grace Kelly kam da mit), damals noch an der Seite ihrer dann früh verstorbenen Schwester Françoise Dorléac in „Die Regenschirme von Cherbourg“. Sie zeigte sich früh experimentierfreudig (in Polanskis „Ekel“, 1965, oder Bunuels „Belle de Jour, 1967), aber auch durchaus mainstreamfreudig (als Mary Vetsera in einem prunkvollen „Mayerling“-Kitsch 1968). Ihr Abstecher nach Hollywood blieb rudimentär, sie war durch und durch Europäerin, drehte bemerkenswerte Filme mit ihren französischen Kollegen Alain Delon, Yves Montand, Gerard Depardieu („Die letzte Metro“, 1980) oder Philippe Noiret und war in Prestige-Produktionen wie „Indochine“ mit dabei. Unter „Acht Frauen“ war sie der strahlende Mittelpunkt, hat aber dann in ihren späteren Jahren auch viel Belangloses gedreht, sich an den seichten französischen Lustspielen beteiligt.

Kurz, man wartet auf die große Altersrolle, und man fragt sich, ob die Madame Claire in dem Film „Der Flohmarkt von Madame Claire“ Anspruch darauf erheben kann. Die Rolle hat es in sich, das Thema auch – wenn nur die Ausführung durch Regisseurin Julie Bertuccelli ein bisschen weniger behäbig und repetetiv gewesen wäre…

Fußball Österreich: Was Kühbauer und Rapid richtig weh tut
Rapid verliert das Cupfinale
https://www.laola1.at/de/red/fussball/oefb-cup/news/cup-finale

Ein gutes Spiel mit einem überforderten Schiedsrichter, Seine Fehler haben sich gleichmäßig aufgeteilt, spielentscheidend waren sie nicht.

Fußball/ Champions League: Dank Messi-Gala: Barcelona nimmt Kurs auf das CL-Finale
Liverpool nach 0:3 so gut wie aus dem Bewerb
Kurier
Liverpool ist out, darauf würde ich Wetten legen! „Kloppo“ und die Königsklasse, das wird wohl nichts mehr! Dass beim heutigen Kollektiv-Fußball noch Einzelkönner entscheiden, widerspricht eigentlich der Philosophie des derzeitigen Fußballs – aber es ist eben so. Zum Glück!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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