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2. MAI 2018

02.05.2018 | Allgemein, Tageskommentar

Wien/ Staatsoper: HEUTE letzte Vorstellung des Aufregers „ANDREA CHÉNIER“. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Bei Tenören gehen die Wogen hoch – das erkennt man auch in unserem Forum. Wir haben uns bemüht, eine möglichst faire Berichterstattung zu liefern, was uns meiner Ansicht nach gelungen ist. Zum „Drüberstreuen“ veröffentliche ich heute einen Vergleich der ersten mit der dritten Vorstellung, den Dominik Troger in seiner bekannt unaufgeregten Art erstellt hat

Liebe im Schatten der Revolution  – von Dominik Troger

„Gehört“ein Künstler „seinem“ Publikum?

 

Diese Frage war in den letzten Tagen Streitthema in unserem Forum. Meine Haltung dazu ist bekannt: die Privatsphäre darf in keinem Fall gestört werden.  Künstler pflegen den Kontakt zum Publikum beim „Bühnentürl“, über diverse Opernclubs, durch Interviews etc. Ich weiß aber von total überzogenen Fällen auch aus unserem Merker-Bereich, wo Sänger (meist natürlich Tenöre) unvorsichtigerweise ihre Telefonnummer (im weniger gefährlichen Fall die Mailadresse) bekanntgegeben haben. Über zu nächtlicher Stunde erfolgte Anrufe haben sie sich dann gewundert. In einem Extremfall ging das bis zu einem handfesten Ehezwist. Das muss nicht sein – und diese Auswüchse sind gemeint. Ein Restaurant, in dem der Sänger nicht „flüchten“ kann, ist meiner Ansicht nach aber auch tabu.

Man soll aber auch die Popularität von Opernstars nicht überschätzen. Ich biete eine Wette an, die ich wohl nie einlösen werde müssen: Wenn ich mit Herrn Kaufmann die Meidlinger Hauptstraße  von der Philadelphia- bis zur Lobkowitzbrücke (1200 Meter) oder meinetwegen sogar durch die Favoritenstraße oder die (bereits ziemlich abgesandelte) Mariahilferstraße gehe, wird Herr Kaufmann selbst ohne Sonnenbrille kein einziges Mal angesprochen.

Bei Michael Jackson hätte ich diese Wette nie angeboten, selbst Fußballer David Alaba wäre nicht ungefährdet. Sovel zum Bekanntheitsgrad unserer Opernstars. Wien ist nicht nur die Kärtnerstraße!

Ein Leser bietet eine Art Gegenwette an:

Wenn ein Sänger sich derart kommerzialisieren lässt, wie Herr Kaufmann das tut, dann muss er auch damit leben können, dass er „in der Öffentlichkeit“ angesprochen wird, erst recht wenn diese „Öffentlichkeit“ ein von Opernbesuchern und -sängern gleichermaßen frequentiertes Lokal nahe der Oper nach einer Vorstellung ist.

Ich würde eine Gegenwette eingehen, dass 95 % der Künstler (aus dem Opernbereich) sich in einem solchen Fall über das Lob freuen würden und die paar Sekunden gerne opfern, die es sie kostet, einem Bewunderer ein Autogramm zu geben, gerade auch, weil man in diesem Genre nicht an jeder Straßenecke erkannt und angesprochen wird.

Zur Information: Ich habe meine Infos zu dem Vorfall aus erster Hand und bin überzeugt davon, dass der betreffende Ex-Fan sich Hr. Kaufmann gegenüber nicht ungebührlich verhalten oder ihn in einer unpassenden Situation angesprochen hat, sodass dessen mir geschilderte Reaktion absolut unakzeptabel ist.

Aber vermutlich hat ihm ja seine Marketingoffensive schon genug eingebracht, sodass er es nicht mehr nötig hat, seinen Bewunderern mit einem Mindestmaß an Höflichkeit zu begegnen.

Zitat Ende

An den Herrn Kaufmann hätte ich da aber einen Vorschlag: Wenn er nicht vor (!) dem Essen gestört werden will (während des  Essens war es ja nicht), dann soll er eben nicht in ein Lokal gehen, in dem es von Opernfreunden (und auch Bewunderern) nur so wimmelt. Nicht jedes Restaurant, in dem wenige Operngäste verkehren, ist deswegen ein schlechtes Restaurant. Besagtes Restaurant kenne ich nicht, aber vielleicht gibt es dort sogar ein Extrazimmer. Wer sich in die Auslage setzt, wird gesehen, das haben Auslagen so an sich!

Für mich selbst ist aber klar: Ich würde Herrn Kaufmann keineswegs in einem Restaurant anquatschen, nicht einmal beim Bühnentürl!

Zum gestrigen Tageskommentar: Die Salzburger Festspiele legen Wert auf die Feststellung, dass sie den „Kurier“-Redakteur Gert Korentschnig nicht zur Präsentation in Los Angeles „auf Regimentskosten“ eingeladen haben.

Siehe gestriger Tageskommentar, bereits vollständig gelöscht!

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Berlin/ Deutsche Oper: Anette Dasch bei der zweiten Vorstellung „DIE FLEDERMAUS“ mit Buh-Rufen bedacht, Regisseur Villazon setzte sich zwischen zwei Stühle

Thomas Blondelle (Eisenstein), Thomas Lehmann (Falke). Copyright: Thomas M. Jauk

Was passiert, wenn jemand zwischen zwei Stühlen sitzt? Genau, er fällt durch. Was ist dann, wenn drei Stühle im Spiel sind? Hoppala, erst Recht hart gelandet. Genau das ist Rolando Villazon mit seiner Regie von Johann Strauss jrs. Meisterwerk “Die Fledermaus” an der Deutschen Oper widerfahren. Drei verschiedene Zeiten und Räume, drei nicht kongruente Ansätze, nichts scheint bis zu Ende dekliniert. Am Ende: Buhs auch nach der zweiten Vorstellung in dieser Inszenierung. Die Konservativen stoßen sich an der Nummer mit dem All und dem skurrilen Treiben auf einer drollig-prolligen DDR-Orgie, die Regietheaterleute gähnen vor lauter Konvention und Biedersinn beim ersten Akt. Allen recht getan, ist eine, Kunst die niemand kann…

…Als veritable Operettentypen mit Kraft, Biss und Drive ins Rampenlicht taugen nur Annette Dasch als prächtige Diva Rosalinde (leider ohne Höhe und Koloratur, was ihr bedauerlicherweise gehörig Buhs einbringt), Thomas Lehmann als glatzig männlicher Falke mit Nosferatu-Masche (rein stimmlich der Hero des Abends) und der herrlich alle Tenöre der Welt persiflierende Enel Scala als Alfred mit der passend penetranten Stimme…

Zum Bericht von Ingobert Waltenberger

Dresden: LA FORZA DEL DESTINO. Neuinszenierung. Premiere am 29.4.2018

Gregory Kunde, Emily Magee. Foto: Youtube

Für die neueste Inszenierung an der Semperoper „La forza del destino/Die Macht des Schicksals“ von Giuseppe Verdi wird in Dresden mit Großpostern, auf denen der „Berg der Kreuze“ in Litauen, ein katholisch und touristisch geprägter Wallfahrtsort, zu sehen ist, geworben. Keith Warner erzählt die Geschichte adliger Personen zwischen Ehre, Krieg, realistischen und seelischen Kämpfen und Zuflucht in Glauben, Kirche und klösterlicher Weltferne ganz „im Sinne des Kreuzes“

Für den amerikanischen Tenor Gregory Kunde, einen der erfolgreichsten Sänger der internationalen Opernbühne und führenden Vertreter vieler Verdi-Rollen, gehört der Don Alvaro, dem er seine kräftige, dramatische Stimme lieh, zu den Höhepunkten dieser Saison…

Zum Premierenbericht von Ingrid Gerk.

GRAZ/ Ballett der Oper Graz: Geträumte Sommernacht

 

Am 5. Mai heißt es „vom Wald in die Welt“, wenn „Ein Sommernachtstraum“ in einer Choreographie von Ballettdirektor Jörg Weinöhl Premiere feiert. Das Ballett der Oper Graz träumt dabei zur Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Mozart, Schubert, aber auch Udo Jürgens und Stromae eine Sommernacht nach.
Wie träumt jeder seinen Traum in diesem Wald und wohin geht die Reise, wenn der Traum zu Ende scheint? Jörg Weinöhl begleitet alle Figuren auf ihrer Reise ins Unbekannte.

Lesen Sie mehr zum Ballett „Ein Sommernachtstraum“

Interview mit Thaddeus Strassberger, Regisseur der Oper „The Greek Passion“ von B. Martinu am Ekaterinburg Opera and Ballet Theatre, am 20. April 2018

 Th. Strassberger (mit Dolmetscherin). Copyright: Olga Kereluk

Anlässlich der Neuinszenierung der Oper „The Greek Passion“ von Bohuslav Martinu an der Uraloper Ekaterinburg konnte Dr. Klaus Billand den US-amerikanischen Regisseur Thaddeus Strassberger interviewen, der auch für das Bühnenbild und die Lichtregie verantwortlich zeichnet. Eine eingehende Besprechung dieser Produktion finden Sie auf dieser Website.

Thaddeus Strassberger ist in Ekaterinburg seit langem kein Unbekannter mehr. Er inszenierte hier 2014 „Satyagraha“ von Philip Glass, das seither bereits 60 Mal aufgeführt wurde. Im Jahre 2016 inszenierte er „Die Passagierin“ von Mieczysław Weinberg und nun „The Greek Passion“ von Bohuslav Martinu, womit die Uraloper diese Trilogie nun vollständig im Repertoire hat…

Zum Interview mit Thaddeus Strassberger

Thaddeus Strassberger ist aber keine „Ekaterinenburger-Größe“, sondern längst ein Geheimtipp. Ich traue mich zu wetten, dass er in der Roscic-Ära auch bei uns in Wien inszenieren wird.

Es gibt ein Leben nach der Sängerkarriere

Es muss ja nicht ein völlig branchenfremder Beruf sein (es gibt Sänger, die sind Börsenmakler oder Rinderzüchter geworden), so eine Masterclass tut es auch. Voraussetzung ist allerdings ein entsprechender Bekanntheitsgrad. Luciana D’Intino – zu still und heimlich von der Opernbühne abgetreten – hat diesen!

Wien/ Burgtheater: „Eines langen Tages Reise in die Nacht“

Copyright: Barbara Zeininger

Vater, Mutter, zwei erwachsene Söhne. Drei Trinker, eine Morphinistin. Vier Menschen, gleicherweise verzweifelt, die ihre Situation in Vorwürfen und Schuldzuweisungen gegen einander aufarbeiten – herzzerreißend, aufreibend, unendlich schmerzlich. Die berühmte Familienhölle des Eugene O’Neill, autobiographisch, wie nur je ein Dichter war: „Eines langen Tages Reise in die Nacht“.

Im Burgtheater inszeniert Andrea Breth. Auf sie muss man sich einlassen, immer. Sie wird stets einen alternativen Weg zu Werken finden, und immer wird das Publikum mit ihrer ganz spezifischen Art des „quälenden Theaters“ bedacht (dann wirkt die Katharsis besser). Diesmal in dreidreiviertel Spielstunden, die in jeder Hinsicht düster ausfallen. Es ist schon ein besonderer Trick, die szenischen Bemerkungen des Autors (das Stück spielt 1912 in einem Sommerhaus an der Küste von Neuengland) vorlesen zu lassen und dann nichts davon zu zeigen. Martin Zehetgruber schuf eine quasi abstrakten „Strand“-Szenerie, man fühlt sich zwischen Sand, Wasser und schwarzen Steinen, im Hintergrund sieht man einen Riesenfisch, ein Riesenskelett (ein Krokodil?). Hier werden die Darsteller umherwandern und –schwanken, ganz ohne Bezug zur Realität. Dass dergleichen (zumal dunkel gehalten) müde machen kann, merkte man: Nach der Pause fehlte mancher, während des zweiten Teils verabschiedeten sich andere aus dem Publikum (still und leise, wie es sich gehört)…

Zum Bericht von Dr. Renate Wagner

Fußball: Bayern-Drama

 

Die Szene in der 47. Minute war ein Wahnsinn, geradezu unglaublich auf diesem Niveau: Bayern-Tormann Ulreich, in den letzten Wochen ein sehr guter Ersatz für den verletzten Manuel Neuer, machte einen kapitalen Fehler. Die „Aktie Ulreich“ in den letzten Woche bereits in vielfacher Millionenhöhe gehandelt, fiel binnen Sekunden ins Bodenlose.

Im ersten Moment konnte ich den Fehler auch nicht fassen, diesen Rückpass hätte sogar meine Frau mit den Händen aufgenommen. Aber, genau bei „mit den Händen“ liegt das Problem. Bei einem absichtlichen Rückpass darf der Torhüter den Ball nicht mit den Händen aufnehmen, in diesem Fall gäbe es indirekten Freitoß für die Angreifer – und diesen 6 Meter vor dem Tor, mittig und somit aus Idealdistanz. Der Rückpass war zu leicht (zu wenig Tempo), Reals Benzemas setzte instinktiv nach und brachte somit den Goalie unter Druck. Ulreich überlegte in diesen Sekundenbruchteilen, ob er mit der Hand eingreifen soll – und traf dann die fatale Entscheidung. Er wollte regelkonform mit dem Fuß den Ball ins Torout schlagen (in diesem Fall hätte es bloß Eckstoß gegeben), rutschte dabei aber aus und Benzema kam zu einem ganz billigen Treffer.

Ulreich hat damit nicht nur Bayern die Chance auf ein Millionengeschäft genommen, er hat in dieser Sekunde seine Karriere zerstört!

Im Fußball gibt es aber keine „Masterclass“ wie bei Sängern, er kann wohl auch Börsenmakler oder Rinderzüchter werden.

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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