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2. MÄRZ 2020 – Montag

02.03.2020 | Tageskommentar

Vor 120 Jahren geboren: Kurt Weill. Dessau eröffnet das „Kurt Weill-Fest. Foto: Kurt Weill-Fest

Mit einem Reigen von zwölf Konzerten und Veranstaltungen wurde am Wochenende 28. Februar bis 1. März in Dessau-Rosslau (Sachsen-Anhalt) das 28. Kurt Weill Fest eröffnet. Bis 15. März stehen 53 Veranstaltungen in Dessau, Halle, Magdeburg und Wörlitz auf dem Programm. Festival-Intendant Jan Henric Bogen äußerte sich mit dem ersten Wochenende – bei fünf ausverkauften Konzerten – sehr zufrieden: „Das Publikum quittierte die ganze Bandbreite des Programms des Kurt Weill Festes mit viel Beifall. Meine persönlichen Höhepunkte waren die bewegend gesungenen Lieder Kurt Weills auf Texte des amerikanischen Dichters Walt Whitman durch Rolando Villazón und der unterhaltsame wie nachdenkliche jiddische Abend ‚Farges mikh nit‘ mit Barrie Kosky, Helene Schneiderman und Alma Sadé.“

Vor 120 Jahren geboren: Kurt Weill
https://www.dw.com/de/vor-120-jahren-geboren-kurt-weill/a-52597412

HEUTE: Besetzungsänderung in „Madama Butterfly“ an der Wiener Staatsoper

Stefano La Colla springt in der heutigen (2. März 2020) Vorstellung von „Madama Butterfly“ kurzfristig für den erkrankten Fabio Sartori als B. F. Pinkerton ein und gibt damit sein Rollendebüt an der Wiener Staatsoper.

BAYERISCHE STAATSOPER: Uraufführung von Marina Abramovićs 7 DEATHS OF MARIA CALLAS am 11. April 2020

 

Marina Abramović, eine der wichtigsten Performancekünstlerinnen unserer Zeit, konzipiert nach lebenslanger Beschäftigung mit Maria Callas diese Uraufführung zusammen mit dem jungen Komponisten Marko Nikodijević. Anhand berühmter Callas-Szenen aus den Opern Carmen, Tosca, Otello, Lucia di Lammermoor, Norma, Madama Butterfly und La traviata beleuchtet Abramović sowohl die tragischen Schicksale von Callas’ Bühnenfiguren als auch die Lebensgeschichte der Sängerin auf der Bühne, im gesellschaftlichen Rampenlicht und als Privatperson. Abramović führt Regie, entwirft das Bühnenbild und wird selbst auf der Bühne stehen. Die Opernszenen, gesungen unter anderem von Selene Zanetti, Adela Zaharia und Hera Hyesang Park, werden verbunden durch Neukompositionen des 1980 geborenen Komponisten Marko Nikodijević, Förderpreisträger der Ernst von Siemens Musikstiftung (2012). Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters gibt der israelisch-amerikanische Dirigent Yoel Gamzou, Generalmusikdirektor am Theater Bremen, sein Hausdebüt. Der Modedesigner Riccardo Tisci, derzeit Creative Director von Burberry, entwirft die Kostüme. In einem eigens für die Uraufführung kreierten Film wird der Schauspieler Willem Dafoe mitwirken.

Dresden: Offenbach-Doppel – Unterschiedliche Reaktionen. Im Fokus: Walentin Schwarz, der Bayreuther „Ring-Regisseur“

Foto: Staatsoperette Dresden

Michael Koling war sowohl in der Staatsoperette wie auch in der Semperoper. Zur Staatsoprette: Nein, das hat Jacques Offenbach nicht verdient. Und nochmals Nein, das hat auch das Publikum (und nicht nur das der Premiere am Freitag, 28.Februar) der Staatsoperette Dresden nicht verdient. Diese szenische Verunstaltung von Jacques Offenbachs 1869 in Paris uraufgeführten Opéra-bouffe „Die Banditen“ (im Original „Les Brigands“). Wäre da nicht Offenbachs unsterbliche Musik, man würde in dieser Produktion das Werk nicht mehr erkennen. Dass es auch anders geht, bewies die Semperoper mit der Premiere der „Großherzogin von Gerolstein“ am Tag danach…

Und zur Semperoper: …Köpplinger beweist einmal mehr, dass er nicht nur die Personen zu führen weiß, sondern auch mit passend eingesetzten szenischen Bonmots das Interesse des Publikums wach hält. Und selbst lange bekannte Gags wirken bei ihm nicht abgestanden sondern wie neu erfunden. Mit Recht konnte das Premierenpublikum einen gelungenen Abend bejubeln. 

Zum Bericht von Michael Koling

Völlig anderer Meinung ist Manuel Brug, der sich auch beide Produktionen angetan hat:

Österreichisches Offenbach-Doppel in Sachsen: Dresdens Staatsoperette punktet mit den „Banditen“, die Semperoper langweilt mit der „Gerolstein“
http://klassiker.welt.de/2020/03/01/oesterreichisches-offenbach-doppel

Dann haben wir noch eine dritte Meinung eingeholt:

Offenbachs „Banditen“ als Kopulations-Komödie
Im letzten Jahr wurde an vielen Theatern Jacques Offenbachs 200. Geburtstag gefeiert und die Welle an Neuproduktionen schwappt noch nach. Der junge Österreicher Valentin Schwarz will im Sommer den Ring des Nibelungen in Bayreuth neu inszenieren. Vorher versucht er sich in einer vollkommen anderen musikalischen Welt.
Deutschlandfunk

Wien/ Volksoper: „Der Zigeunerbaron“ ohne Lizenz zum Publikumsrenner

Lucian Krasznec als Sándor Bárinkay mit dem Kinderchor.(c) Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Wegen des „Zigeunerbarons“ habe ich vor vielen Jahren eine Pressekonferenz vorzeitig verlassen (ich war mit Toni Wendler dort, der fast vom Sessel gefallen wäre) , der Theaterdirektor – mittlerweile anderswo tätig – ist mir heute noch böse, was wiederum für mich kein Problem ist. Soviel geballten Blödsinn auf einem Fleck habe ich schon lange nicht gehört, die Regisseurin hielt damals einen Kurs in politischer Bildung ab. Wenn man die Aussage einer Operette in der heutigen Zeit nicht mehr mittragen kann, dann soll man sie ganz einfach nicht mehr aufführen, was immer noch besser ist, als sie zu „verhunzen“ – wie es Peter Lund (der schon sehr positive Arbeiten auch an der Volksoper abgeliefert hat), getan hat.

Als ich Sonntag-früh die Premierenkritik von Heinrich Schramm-Schiessl eingestellt habe, geschah dies mit einem flauen Gefühl. Obwohl ich weiß, dass die schlechten Nachrichten in der Medienlandschaft eigentlich die guten sind (für die Quote). Nun, H.S.S. war fair – es gibt negativere Kritiken.

Zum Beispiel läutet „Die Presse“ ihre Kritik wie folgt ein:

Der neue „Zigeunerbaron“ in der Volksoper ist atmosphärisch so dumpf, dass sogar Glitzer und Klimbim grau aussehen. Am Text hat ein Norddeutscher herumgedoktert.

Das einzig Gute dieser überflüssigen Neuproduktion ist das Plakat, das wochenlang in Wien zu sehen gewesen ist: Kurt Rydl im Ruderleiberl und mit Ferkel aus Pappmaché auf der Schulter. Ein vitaler Kerl aus Fleisch und Blut, eine Rampensau im allerbesten Sinn des Wortes, mit Charme und Schmäh – der Stoff, aus dem Operette eigentlich gemacht sein sollte…

„Zigeuner“ gegen böse Obelixe (Bezahlartikel)
https://www.diepresse.com/5777580/zigeuner-gegen-bose-obelixe

„Die Presse“ setzt neuerdings Walter Gürtelschmied ein (auch kein Jüngling mehr), der sich zum Krampus der Szene mausert (nicht immer, aber immer öfter) und somit eine ernsthafte Konkurrenz zu Thomas Prochazka ist. Mir wurde berichtet: Gürtelschmid war immer schon der Krampus der Kritiker-Szene. In den 80ern war er Hauptmusikkriter des Kurier und damals einsamer Verfechter des Regietheaters. Je schräger, desto besser hat es ihm gefallen…

Aber auch die anderen Kritiken klingen nicht euphorisch:

Zigeunerbaron in Wien – wie ein bitterböses Spiel von Brecht
Die Operette von Johann Strauß an der Wiener Volksoper versucht die Quadratur des Kreises.
Kurier
Schlaffördernd: Der Zigeunerbaron an der Wiener Volksoper
Der Standard

Ich bin immer froh, wenn die Erstkritik im Online-Merker später weitgehend bestätigt wird. Oft wird sie zur „Leitkritik“ – weil sie eben die erste ist. Manchmal höre ich, dass man das Erlebte erst einmal überschlafen sollte. Das kann auch heißen, dass man sich an anderen Meinungen orientieren will. Es gibt aber auch eine Lebenweisheit: „Die erste Meinung ist meist die richtige“ .

Im konkreten Fall: Alles in Ordnung, „nichts ist geschehen“

Paris: Waldemar Kamer mit „Ersatzrezension“

Hier zwei kleine amüsante Raritäten. Ich hätte so gerne über die wunderbare « Manon » an der Pariser Oper berichtet – wirklich gekonnt, durchdacht, liebevoll und sehr musikalisch inszeniert mit einem sensationellen Benjamin Bernheim, für mich der beste Des Grieux, den ich je « live » gehört habe –  den Sie ja offensichtlich auch im Auge haben. Wäre auch eine schöne Parallele zu Wien gewesen – aber ich wurde als Massenet-Spezialist zur Hauptprobe eingeladen und musste hoch und heilig versprechen, dass ich darüber keine Rezension schreiben würde. Aber vielleicht gibt es ja doch noch ein paar Vorstellungen, über die dann deutschsprachige Medien berichten, die Sie dann übernehmen können, wie jetzt schon im Februar für den « Barbiere » mit BachTrack wenn ich recht erinnere.

Paris: „LISCHEN ET FRITZCHEN“ von Jacques Offenbach im Théâtre Marigny – 29 2 2020 Vergnügliche Raritäten mitten im Pariser Opernstreik

Was nicht alles passieren kann, wenn man sich abends aus Versehen in der Wohnung seiner Nachbarin einschließt: Adriana Bignagni Lesca (Thérézina) und Damien Bigourdan (Bigorneau) in der köstlichen Offenbach-Parodie „Un mari dans la serrure“. © Raphaël Arnaud

Ein vergnüglicher Abend, der Ende März in Montpellier wiedergegeben und in der nächsten Spielzeit auf einer Tournee durch Frankreich reisen wird. Zum Glück gibt es neben der „großen Oper“ auch noch die kleinen! 

Zum Bericht von Waldemar Kamer/ Paris

Staatsoper Hamburg, 1. März 2020
Staatsoper Hamburg: Der „fliehende“ Holländer
Mit großem Applaus des Publikums vor fast ausverkauftem Haus an der Dammtorstraße ist die 80. – und letzte – Aufführung des „Fliegenden Holländers“ von Richard Wagner bedacht worden. Der „fliehende“ Holländer: In dieser Kult-Inszenierung von Marco Arturo Morelli wird diese Romantische Oper in Hamburg nicht mehr zu sehen sein werden. Aus die Maus nach 24 Jahren.
Andreas Schmidt und Ulrich Poser berichten aus der Staatsoper Hamburg.
https://klassik-begeistert.de/richard-wagner-der-fliegende-hollaender-staatsoper-hamburg-1-maerz-2020/

BUDAPEST/ERKEL-THEATER: AIDA
Überzeugende Altägypten-Ästhetik mit entbehrlichem Regietheater-Klamauk

 

Mit Giuseppe Verdis „Aida“ ging es jedoch diesmal ins Herz dieses Opern-Kanons im Erkel, welches sehr gut vom erwartungsvollen Budapester Publikum gefüllt war, das im Prinzip auch nicht enttäuscht wurde. Das auf Grundlage des vom damals in Kairo lebenden Gründer der ägyptischen Antikenverwaltung, des Ägyptologen Auguste Mariette, verfassten Librettos beruhende Drama wurde eigentlich auf Wunsch des in Europa erzogenen regierenden Khediven (Vizekönig) Ismail Pascha der osmanischen Provinz Ägypten zur Eröffnung des neuen Khedivial-Opernhauses von Verdi komponiert. Dieser soll damit unter Druck gesetzt worden sein, dass man das Libretto anderenfalls Richard Wagner geben würde… (Ich bezweifle, dass dieser es angesichts seiner damaligen Arbeit am „Ring“ je angenommen hätte. Zudem war Wagner kein Auftragskomponist)…

Nach jedem Akt gab es Applaus, als sei es schon der Schlussapplaus, sogar mit dem in Ungarn so charakteristischen rhythmischen Klatschen. Ein guter Abend im Erkel!  

Zum Bericht von Klaus Billand

Übrigens, „Parteitagsklatschen“ nennt man das. Das ist nicht nur für Ungarn typisch!

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

New York/ Metropolitan Opera. Proben zur WERTHER mit Joyce DiDonato  und Piotr Beczala

 

ZU INSTAGRAM mit einigen Fotos und einem Video

Dresden/ Semperoper: Letzte Gheorghiu-Tosca – Solovorhang

Ovationen klingen anders, sie „parkiert“ eindeutig zu lang!

 

ZUM VIDEO

Garanca, Viotti Berlin Philharmoniker 3. Mahler 3 Fotos

Elina Garanca. Foto: Instagram

ZU INSTAGRAM (3 Fotos)

WIEN/ Staatsoper: MANON -BACKSTAGE-FOTOS

 

ZU INSTAGRAM (ein weiteres Foto)

WIEN / Albertina / Galerie in der Basteihalle: MICHAEL HOROWITZ
Vom 28. Februar 2020 bis zum 13. April 2020

 

Gemma Promis schau’n!

Michael Horowitz, Jahrgang 1950 und unentwegt aktiv, war pudeljung, als er sich in den späten sechziger und siebziger und achtziger Jahren in die Promi-Szene Wiens stürzte. Mit seiner Schwarzweiß-Kamera war er dabei, wurde akzeptiert und konnte erstaunliche Fotos machen. Immer wieder hat man seine Bilder gesehen, zuletzt im Jüdischen Museum. Nun ist er im Kellergeschoß (der Basteihalle) der Albertina gelandet, wo es unter dem schlichten Titel „Michael Horowitz“ vor allem Fotos aus der Wiener Kulturszene zu sehen gibt. Ein Eindruck, der sich sofort einstellt: Wie jung sie alle damals waren!

Zum Ausstellungsbericht von Renate Wagner

Türkei lässt Migranten passieren, Athen verstärkt die Grenze
Wiener Zeitung

Vor wenigen Tagen habe ich mit einem Mitarbeiter gesprochen, dessen Wohnung über 180 m2 verteilt ist. Von der Hälfte kann er sich schon mal verabschieden, wenn er als guter, politisch korrekter Staatsbürger und Menschenfreund gelten will!

Türkei öffnet Grenzen: 75.000 Flüchtlinge in die EU eingereist
Vol.at

Zum Scherzen ist uns nicht zumute:

Trotzdem, wir können ja nicht in Depressionen verfallen und zudem ist das Thema hochaktuell! Betrachten wir es also als „Galgenhumor“.

ZUM VIDEO

Einen schönen März-Tag wünscht

A.C.

 

 

 

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