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19. NOVEMBER 2018

19.11.2018 | Tageskommentar

Vorsicht, Kinder!. Das Böse lauert überall. Die Hexe verkleidet sich als Weihnachtsmann – zumindest in der Oper Zürich bei der Neuinszenierung von „Hänsel und Gretel“Anna Stephany (Hänsel), Marina Prudenskaya (Knusperhexe), Olga Kulchynska (Gretel). Foto: Tanja Dorendorff

Regisseur Robert Carsen hat die Geschichte verdammt ernst genommen und sie im Heut und Jetzt spielen lassen. Armut und Hungersnot sind auch heute kein Fremdwort, sondern für viele Menschen bittere Realität. Hänsel und Gretel sind Kinder von heute, leben mit ihren Eltern in erbärmlicher Armut, in einer kaputten Welt von Abfall und Chaos. In einem heruntergekommenen Wohnwagen leben sie, überall liegt Müll herum, an den Mauern, die die ganze Szene klaustrophobisch umschliessen, sind Graffiti zu sehen. Die beiden Kinder sind auch heutig angezogen, tragen Kapuzenjacken und Turnschuhe. Die Mutter kommt nach Hause – offenbar war sie in ihrer Not auf dem Strich – beschimpft die Kinder wegen Untätigkeit und verjagt sie. Peter Besenbinder, der Vater, kommt mit seinem Sack voller Esswaren zurück, die er aus dem Erlös seiner Bürstenwaren, die er auf dem Jahrmarkt feilgeboten hatte, erstehen konnte. Doch Besenbinder ist Alkoholiker und versucht offenbar so, sein Elend zu ersäufen. ..

Pure Tristesse also im Elternhaus. Dann taucht so ein freundlicher Weihnachtsmann auf – und eber der ist die Hexe! Wem können Kinder heute noch vertrauen, wem kann man überhaupt noch vertrauen?

Zum Premierenbericht von John H. Müller/ Zürich

WIESBADEN/ Hessisches Staatstheater: EUGEN ONEGIN (18.11.). Wiederaufnahme mit neuer Besetzung

Premierenbestzung war Asmik Grigorian (Foto). Nun kam Oleysa Golovneva zum Zug. Copyright: Monika und Karl Forster

Die Inszenierung von Vasily Barkhatov überzeugt in der klaren, verständlichen Personenführung. Barkhatov zeigt in der ungewöhnlichen Bühnenraumgestaltung von Zinovy Margolin packendes Theater. Wir sehen an den Seiten meterhohe Holzwände, am Bühnenhorizont eine Holzschräge über die gesamte Bühnenbreite. Davor fährt eine Rückwand auf und nieder, um zwischen Innen- und Außenraum zu wechseln, ebenso am Bühnenportal. Von daher entstehen immer wieder filmische Effekte, etwa auch, wenn die Szene „einfriert“ und nur Tatjana herausgeleuchtet wird. Der 3. Akt spielt in einer eindrucksvollen Bahnhofshalle, in welchem sich die feine Gesellschaft um Fürst Gremin zum Brunch trifft. Barkhatov zeigt eine realistische Lesart im Wechsel der Jahreszeiten. Es regnet und schneit auf der Bühne. Verblüffend und begeisternd umgesetzt Larinas Ball hier als Winterfest mit großer Schneeballschlacht und ausgiebigem Rodeln des gesamten Ensembles. Diese Inszenierung macht auch beim wiederholten Sehen Freude!

Für die Partie der Tatjana gelang dem Staatstheater Wiesbaden 2017 ein Besetzungscoup! Denn mit Asmik Grigorian wurde eine perfekte Interpretin verpflichtet. Jede nachfolgende Tatjana hat es da besonders schwer. Nun kam also Oleysa Golovneva zum Zuge. Im Gegensatz zu iher am gleichen Haus gegebenen Desdemona überzeugte sie hier als Tatjana wesentlich besser. Plötzlich vermochte sie ihren Tönen Ausdruck zu geben, wirkte vieles deutlicher von innen erlebt. Sie war weniger Kindfrau, sondern viel mehr klar positionierte Träumerin einer imaginären Welt. Ihre Sopranstimme erfüllte mühelos die beträchtlichen Anforderungen ihrer Partie…

Zum Bericht von Dirk Schauß

Auch in Wiesbaden war der Besuch nicht so toll. 50 % Auslastung sind ja wirklich ein schlechter Witz, ähnliche Meldungen bekomme ich auch aus den sogenannten „Opernhäusern des Jahres“. Eine Meisterproduktion erkennt man anscheinend daran, dass nur wenige Besucher sie sehen wollen! Dafür flippt aber das Feuilleton geradezu aus!

BERLIN: Sasha Waltz ist an der Staatsoper Unter den Linden das Glück nicht immer hold.

Neben dem feinen Opern-Dreiblatt Dido und Aeneas, Medea und Matsukaze lieferte Waltz einen tranigen Tannhäuser und den staubgrauen Sacre ab. L’Orfeo, 2015 kurz und klein gewaltzt, hat von beidem etwas. Monteverdis Favola in musica in der Version Sasha Waltz geht unter die Haut, hat aber auch Nerv-Potenzial.

Sasha Waltz lässt auch in L’Orfeo eloquent Tänzer über die Bühne wogen. Blitzschnell – hast du nicht gesehen! – formen sie komplexe Körperknäuel. Die choreographische Strategie zielt zugleich auf poetische Verdeutlichung und auf Verrätselung von Gebärden und Szenen.

Das Ergebnis sieht anfangs schwer nach Ringelpiez mit Anfassen aus. Vor lauter Hupfdohlen sehe ich kaum die Bühne. Früchte und Gräser aus Feld und Flur verbreiten pastorales Flair (können die Typen hinter der Gucci-Werbung sowas nicht besser?) Waltz‘ Blick auf die Antike neigt mal wieder zum blutleer Bildungsbürgerlichen…

Oper-und Konzertkritik Berlin/Anton Schlatz

Chemnitz: Dramatische Populismus-Studie: „Weiße Rose“, ein Manifest der Theater Chemnitz
Neue Musikzeitung/nmz.de

Happy Birthday, Intrada! – Günther Groissböck sang „Wotans Abschied“ zum Geburtstag!

Das Ö1 Konzert live
Die Ö1-Sendereihe „Intrada“ feiert Geburtstag – mit einem bunten Konzert, das die Vielfalt der österreichischen Musiklandschaft zeigt (Übertragung aus dem Großen Sendesaal des ORF RadioKulturhauses). Präsentation: Eva Teimel
https://oe1.orf.at/player/20181116/535711

HEUTE UND MORGEN IM WIENER KONZERTHAUS (Großer Saal): DAS WIENER KAMMERORCHESTER UND EMMANUEL TJEKNAVORIAN (Violine)

Emanuel Tjeknavorian

Emmanuel Tjeknavorian wurde 1995 in Wien als Sohn einer Pianistin und eines Dirigenten in eine Musikerfamilie geboren, erhielt ab dem Alter von fünf Jahren Geigenunterricht und trat als Siebenjähriger das erste Mal öffentlich mit Orchester auf. Seit 2011 studiert er bei Gerhard Schulz, ehemals Mitglied des weltberühmten Alban-Berg-Quartetts, an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.
http://kammerorchester.com/artistde/300/

Emmanuel Tjeknavorian spielt auf einer Violine von Antonio Stradivari, Cremona.
Mo, 19.11.2018 19:30 Symphonie Classique 1 2018/19 Großer Saal
Di, 20.11.2018 19:30 Symphonie Classique 1 2018/19 Großer Saal

London: Royal Opera House 2018-19 Review: Der Ring Des Nibelungen
Wagner’s Ever-Vibrant Genius Trumps An Unimaginative Production

Copyright: Clive Barda

London/ Royal Opera House 2018-19 Review: Der Ring Des Nibelungen
http://operawire.com/royal-opera-house-2018-19-review-der-ring-des-nibelungen/

Teatro dell’Opera di Roma 2018-19 Review: Le Nozze di Figaro
http://operawire.com/teatro-dellopera-di-roma-2018-19-review-le-nozze-di-figaro/

„Online-Merker“: Das Interview mit Kurt Rydl ist nun online!

ZUM INTERVIEW

Die „ausgebuchte“ Elena Habermann und Kurt Rydl. Copyright: Barbara Zeininger

Die Geschichte mit dem Rydl-eigenen Bahnhof (Wuppertal/Barmen) habe ich Ihnen schon in der Vorwoche nähergebracht. Rydls Finca auf Mallorca bietet 800 Olivenbäumen Platz. Rydl ist einer der fleißigsten Sänger aller Zeiten (von nichts kommt nichts) und war auch als kurzfristiger „Einspringer“ in allen Opernhäusern der Welt bekannt! Die Mailänder Scala hat er fünfmal „eröffnet“, zu seinen Lieblingshäusern zählen München und Berlin.

Das einzig große Haus, das in seiner Sammlung fehlt, ist die Met. Da musste er aus familiären Gründen den Rosenkavalier absagen. Der Gesundheitszustand seiner Mutter erforderte Rydls Anwesenheit in Wien. Also sprach er mit dem Wiener Betriebsbüro ab, dass er für den Fall des Falles in Wien – aber nur in Wien – einsatzbereit wäre. Es kam zu Einsätzen und die Met hörte davon, rief im Betriebsbüro an und fragte, ob Herr Rydl in Wien singt. Als die Frage bejaht wurde – ohne auf die Begleitumstände hinzuweisen – war die Met-Direktion verstimmt.

Im Leben gibt es oft Missverständnisse!

Eines der nächsten Projekte ist der „Frosch“ in der „Fledermaus“ in Tokyo. Bei all dem, was Rydl in aller Welt gesungen hat, wäre der „Frosch nicht eben die Rolle, die er sich wünscht. Also stellte er Bedingungen: Der Frosch sucht im zweiten Akt seinen Direktor beim Orlovfsky-Ball. Und dort singt er dann auch, u.a. Mussorgskys „Floh“. Der singende Frosch – allerdings ist das keine Weltpremiere mehr. Die Weltpremiere des singenden Frosches fand bereits bei einer konzertanten Aufführung der Fledermaus in Hannover (Januar 2018) statt. Rydl gab dort bereits Frosch plus Floh! Es war eine Aufführung des NDR Orchester Hannover, WDR Runfunkchor. Inklusive CD Aufnahme. Dank an den aufmerksamen Leser , der richtiggestellt hat.

Budapest/ Erkel-Theater: LA FANCIULLA DEL WEST: Premiere am 1. Dezember

 

Filme der Woche

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Nun begegnen wir Lisbeth Salander, dem verschlossenen Computer-Genie, bereits zum dritten Mal auf der Leinwand. Und es ist diesmal absolut nicht das Rechte. Aus vielen Gründen. Erstens hat die Fortsetzung der so genannten „Millenium-Trilogie“ von Stieg Larsson, die nach seinem Tod eher aus finanziellen Erwägungen denn aus künstlerischer Notwendigkeit erfolgte, mit dem neuen Autor David Lagercrantz viel an innerer Spannung verloren.

Das Original waren drei Bücher, in denen der Autor mit inner-schwedischem Schmutz aufgeräumt hat (auch sie haben eine teilweise unschöne Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg, auch sie „packeln“ mit der russischen Mafia), und er tat es für absolut jeden Leser atemberaubend spannend. Nicht zuletzt wegen der Figuren der geheimnisvollen Einzelgängerin Lisbeth Salander mit der schmerzenden Seele und dem aufrechten Journalisten Mikael Blomkvist: Schöner als in der schwedischen Fernsehserie mit Noomi Rapace und Michael Nyqvist war das nie besetzt (2009). Dann mussten die Amerikaner natürlich ihr Remake machen, das David Fincher mit Rooney Mara als Lisbeth Salander und Daniel Craig als Mikael Blomkvist nicht gleich glanzvoll geriet, aber man hielt sich an die Darsteller.

Aber nun bekommt man von dem Stieg Larsson-Nachschreiber David Lagercrantz eine entschieden schwächere Geschichte – und auf der Leinwand auch keine überzeugende Besetzung der Hauptrolle mehr. Also, was soll’s? Denn dass Lisbeth Salander engagiert ist, ein Computerprogramm zu zerstören, das ist heutzutage eine Allerweltsgeschichte…

Morgen (20.November) Mascagni-Rarität im Merker- Kunstsalon

„Zanetto“ heißt das Werk, das Sie vermutlich noch nie gehört haben. Also wird es Zeit!

Ich erinnere Sie morgen nochmals daran!

Großbritannien: Die Messer gegen Teresa May sind gezückt
Gegner der Regierungschefin schmieden Putschpläne. Für Misstrauensvotum fehlen Unterschriften.
Die Presse

Vielleicht macht man aus diesem Stoff später eine große Oper, wenn man weiß, wie die Geschichte ausgegangen ist.

Was heißt „vielleicht“? Ich bin mir dessen sicher!

Schnee in Wien/ Winterlandschaft im Wienerwald!

Die Freuden des Winters haben begonnen!

Eine schöne Woche wünscht

A.C.

 

 

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