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19. JULI 2018

19.07.2018 | Allgemein, Tageskommentar


Ersatz für die von Durchfall heimgesuchte „Göttliche“ und deren Ehemann: Tatiana Serjan, Migran Agadzhayanyan. Foto: Festspielhaus Baden-Baden

Netrebko und Eyvazov sagen in Baden-Baden ab
Die Sopranistin Anna Netrebko und der Tenor Yusif Eyvazov haben ihre Mitwirkung an der Oper „Adriana Lecouvreur“ im Festspielhaus Baden-Baden abgesagt. Die Eheleute hätten sich mit dem Noro-Virus infiziert und müssten die nächsten Tage weitgehend mit ihrer Familie in Quarantäne verbringen, teilte Festspielhaus-Intendant Andreas Mölich-Zebhauser am Mittwoch mit.

In den Vorstellungen am 20. und 23. Juli übernehmen Tatiana Serjan die Titelpartie und Migran Agadzhanyan die Rolle des Maurizio.
http://www.musik-heute.de/18210/netrebko-und-eyvazov-sagen-in-baden-baden-ab/

Eine Norovirus-Infektion ist eine akute Magen-Darm-Erkrankung mit Erbrechen und Durchfall. Im Volksmund heißt die Krankheit auch anders, aber wir befinden uns hier auf einer Kulturseite.

Für uns normale Sterbliche ist es tröstend zu wissen, dass auch eine Operndiva vor derlei Problemen nicht befreit ist.

Fritz Krammer, ein scharfer Beobachter der internationalen Opernszene, meint dazu: Guten Morgen, jetzt bin ich aber neugierig ob die Zwei am 31.7.2018 die große Südamerika Tournee in Santiago – Chile starten können, den August durch? Werde ein Auge darauf halten.

Erstaunlich viele VIPs kommen aus Russland mit dem Virus zurück, bekanntlich lag auch Österreichs  Außenministerin tagelang im Krankenhaus. Unter Reisenden wird „ Dünnschiss“ elegant Montezumas Rache genannt…

Für das Hochpreis-Festival Baden-Baden ist die Absage eine mittlere Katastrophe, mit der nicht zu rechnen war. Als berühmte Absagerin gilt Anna Netrebko nämlich nicht.

Viel Applaus für „Beatrice Cenci“ bei den Bregenzer Festspielen
Mit großem Applaus ist gestern die Eröffnungspremiere der 73. Bregenzer Festspiele zu Ende gegangen. Die Österreichische Erstaufführung der im 16. Jahrhundert spielenden Opernrarität „Beatrice Cenci“ von Berthold Goldschmidt (1903-1996) hat Johannes Erath im Festspielhaus mit einigen starken Bildern, aber ohne explizite Gegenwartsbezüge in Szene gesetzt.
Salzburger Nachrichten

Zur Eröffnung der Festspiele setzte sich Bundespräsident Van der Bellen auch mit der Person des Dirigenten Karl Böhm (1894-1981) auseinander. Böhm sei nicht nur „großartiger Dirigent“ und gefeierter Mozart- und Wagner-Interpret gewesen, sondern auch „williger Diener des Nationalsozialismus“, meinte Van der Bellen. Bei den Festspielen analysiert Paulus Hochgatterers Stück „Böhm“ den Dirigenten.

Bregenz: Heute „Carmen-Premiere: Befreit von vielen Klischees
https://www.vol.at/befreit-von-den-vielen-klischees/5865131

Die Micaela der Bregenzer „Carmen“: CRISTINA PASAROIU – „Meine Micaëla ist eine starke Frau“. Bregenzer Festspiele 2018


Cristina Pasaroiu. Copyright: Harald Hoffmann

Cristina Pasaroiu kehrt am 19. Juli 2018 als Micaëla in der diesjährigen Premiere von „Carmen“ an die Bregenzer Festspiele zurück. Im Interview mit dem Online-Merker spricht die rumänische Sopranistin, die unter anderem in Wien studiert hat, über „ihre“ Micaëla, Kasper Holtens spektakuläre Produktion in Bregenz und ihre Liebe zum französischen Repertoire.

Wie kamen Sie zum Gesang?
Ich habe schon immer gern gesungen. Meine Mutter hat früher Pop- und Folkmusik in Rumänien gesungen und sogar Preise bei verschiedenen Wettbewerben gewonnen. Sie hat mich auch schon als Kind in Solfeggio und Musiktheorie unterrichtet. Damals war von Oper noch keine Rede. Das kam erst, nachdem ich ein Konzert mit Carreras, Pavarotti und Domingo in Fernsehen gesehen habe. Da hab mich auf den ersten Blick in die unglaubliche Art der drei verliebt. Ich habe sofort versucht das nachzumachen, habe mich im Spiegel beobachtet, bis ich meinen Eltern zu sehr auf die Nerven ging. Die hatten dann eine Musikprofessorin gebeten, mich anzuhören und so hatte ich mit 9 Jahren ein Vorsingen bei ihr…

Lesen Sie das gesamte Interview in unseren heutigen „Infos des Tages“ bzw. natürlich in der Rubik „Interviews“ (ein Datei, zu finden in der Sammelrubrik „Künstler“

BAYREUTH: FOTOS VOM „HÜGEL“


Tomasz Konieczny (Telramund) und Piotr Beczala (Lohengrin). Fritz Krammer meint, dass Beczala auf diesem Foto Jess Thomas ähnelt (wäre auch keine schlechte Adresse)

Kommentar von Heinrich Schramm-Schiessl dazu:

Krammer hat recht, mit etwas Phantasie glaubt man Jess Thomas zu erkennen. Wenn das das Originalkostüm ist, dann ein Wort dazu: Der erste Lohengrin in Puff-Ärmeln.


Placido Domingo im Bayreuther Orchestergraben. Foto gefunden von Fritz Krammer

Plácido Domingo „Schwierige Zeiten: So viele Regisseure mit so vielen Ideen, die schwer zu verstehen sind“
Plácido Domingo spricht im Interview über Musik und Musiktheater, Kritiker, Disziplin, Wagner und seine Rückkehr nach Bayreuth
Frankfurter Rundschau

Wie eine Droge – Jonas Kaufmann berauscht Neumünster
Gerade noch auf der Waldbühne, jetzt in der Holstenhalle: Der Startenor singt Wagner-Hits, französische Arien und baut die Bühne um
Hamburger Abendblatt

Eisenstadt: „Hängepartie“ zwischen Esterhazy und dem Burgenland nun mit Einigung auf ein Remis beendet.

Ich möchte immer die Hintergründe wissen, denn unter vernünftigen Menschen passiert kaum etwas, ohne dass es Ursachen dafür gibt. Die Kollegen von der Berufsjournalistik haben sich in dieser Sache rasch festgelegt, die „Esterhazys“ waren als Schuldige und Abwürger der aus dem Schloss delogierten Haydn-Festspiele rasch gefunden und gebrandmarkt. So verhält es sich eben in dieser Art von Gefälligkeitsjournalismus. Mit mir geht das nicht, dazu habe erstens bereits zuviel erlebt und zweitens zuviel selbst „mitgemischt“

Die Haydn-Festspiele sind oder waren ein Bauernopfer im Spiel der Mächtigen – aber selbst offensichtlich nie mächtig. Hoffen wir für sie, dass es nun für die kommenden Saisonen nun doch Lösungen in Eisenstadt geben wird. Merke: Die Verpolitisierung eines Problems ist immer schlecht, die führt schnurstracks in eine Sackgasse.

Aber war ist der Hintergrund des Konflikts, der zwölf Jahre lang die Esterházy Betriebe und das Land Burgenland einen Krieg vor den Gerichten austragen liess?

Auszug aus der „Wiener Zeitung“: Um den Grund für den pannonischen Zwist zu verstehen, muss man ins vorige Jahrhundert zurückblicken: 1969 hat Esterházy das gleichnamige Schloss an das Land verpachtet. 40 Jahre später fiel das Gebäude an den Besitzer zurück, der sich irritiert zeigte: Das Land habe seine Instandhaltungspflichten vernachlässigt. Esterházy zog vor Gericht, das Land zürnte, der Konflikt wuchs sich aus – und wucherte in der Folge wie ein Krebsgeschwür. Hässliche Metastasen bildeten sich. Etwa am Römersteinbruch. Esterházy betreibt das dortige Opernfestival seit 2014 in Eigenregie, begehrte deshalb Förderungen vom Land – wurde aber abgeschmettert. Der Grundherr zog daraufhin mit der Beschwerde vor Gericht, dass andere Veranstalter sehr wohl Subventionen bekämen: etwa die Seefestspiele Mörbisch mit Kulturlandesrat Bieler an der Spitze. Das Argument verfing: Die Gerichte sahen den Gleichheitsgrundsatz als verletzt an, Esterházy bekam eine Million Euro zugesprochen.

Eine neue Hoffnung
Das Kriegsbeil im Burgenland ist begraben: Esterházy-Chef Ottrubay über den Frieden mit der Politik und seine Pläne.
Wiener Zeitung

Das mit dem „Gleichheitsgrundsatz“ verstehe ich nicht so ganz, denn ich kann ja auch nicht auf Presseförderung nach dem Gleichheitsgrundsatz  klagen – abgesehen davon, dass ich das nie machen würde. Meine Unabhängigkeit ist ein Luxus, den ich täglich genieße. Aber wenn mir ein Mieter ein Haus versaut, dann werde ich mich gegen den wehren und vor allem jede weitere Geschäftsverbindung zu dem einstellen. Das scheint mir der Grund für die Zwistigkeiten vordergründig mit dem Haydn-Festspielen, hintergründig aber mit deren Protege „Land unter Landesrat Bieler“ gewesen zu sein. Dass es mit Landesrat Doskozil nun funktioniert, wundert mich nicht, mit dem Mann würde auch noch vieles mehr funktionieren.

Opernsänger-Casting
Er ist keine Maschine: Ein Insider über Opernstar-Casting
Der Norweger Pål Christian Moe ist der „Casting-Guru“ der Opernszene – er entscheidet, welche Sänger in welchen Stücken auftreten. Was tut man, wenn der Star in letzter Minute abspringt? Ein Gespräch.
Die Welt.de

Viel erfahren habe ich über Opernsänger-Casting nicht, vielleicht können Sie dem mehr entnehmen.

LONDON/ Opera Holland-Park: „Ariadne auf Naxos“

Jennifer France (Zerbinetta), far left, in Ariadne Auf Naxos.
Jennifer France, far left, as a sparky Zerbinetta Photograph: Tristram Kenton for the Guardian

Ariadne auf Naxos review – sparky and irreverent production sounds sumptuous
The Guardian
Review: Ariadne auf Naxos (Opera Holland Park)
Opera Holland Park scores a triumph with its first-ever staging of a Richard Strauss opera
https://www.whatsonstage.com/london-theatre/reviews/ariadne-auf-naxos-opera-hol
Ariadne aus Glasgow: Strauss’ opera gets a few twists at Opera Holland Park

bachtrack
Ariadne auf Naxos, Opera Holland Park – stylish staging, world-class singing

https://theartsdesk.com/opera/ariadne-auf-naxos-opera-holland-park-stylish-staging

Filme der Woche


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„Kalokairi“ gibt es nicht – vielleicht kann man es deshalb als Inbegriff der griechischen Trauminsel nehmen, auf die alle zivilisationsmüden Europäer und Amerikaner auswandern wollen (man erinnert sich an das Stück / den Film „Shirley Valentine“). In „Mamma Mia“, dem Musical nach Abba-Gesängen, hat man dort die Amerikanerin Donna kennen gelernt, die für ihre uneheliche Tochter gleich drei mögliche Väter aus dem Hut gezaubert hat. Weil ein schlichter DNA-Test einfach zu unromantisch wäre, haben sich alle Herren schnell in die Rolle des liebenden Vaters gefügt… Außerdem hat Donna noch zwei Jugendfreundinnen, Tochter Sophie wollte heiraten – ja, das war so ungefähr der Inhalt des ersten „Mamma Mia“-Films vor zehn Jahren. Ein durchaus hinreißendes Musical, das weltweit über 600 Millionen Dollar eingespielt hat. Da musste es ja eine Fortsetzung geben.

Die Probleme liegen eine Dekade später auf der Hand. Die Besetzung, damals schon alle (bis auf die beiden jungen Darsteller) nicht mehr jung, sind noch älter geworden, und eine demnächst 70jährige Meryl Streep ist wohl keine geeignete Hauptdarstellerin mehr für ein Musical. (Bei den Nebenrollen tut man sich da leichter.) Außerdem wurde Donnas Geschichte als Erwachsene ja schon im ersten Film erzählt.

Keine Frage, dass die Fortsetzung in den Grundzügen gänzlich simpel ist, aber sie wurde von Regisseur Ol Parker und Helfern sehr geschickt gestrickt. (Phyllida Lloyd, die den ersten Teil inszeniert ist, ist jetzt nur noch bei den Produzenten dabei.)…

HEUTE beim Online-Merker


Besuchen Sie uns, wir erwarten Sie – natürlich bei freiem Eintritt! Viele unserer Stammgäste sind zu Festspielen ausgeschwärmt. Machen wir uns in Wien einen netten Abend!


Das ist die Villa Wesendonck in Zürich, in dessen Nebengebäude Richard Wagner mit Frau Minna von 1857 bis 1858 lebt. Die Villa ist das heutige Museum Rietberg.

Ich freue mich auf Sie und wünsche ansonsten einen schönen Tag

A.C.

 

 

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