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19. JÄNNER 2020 – Sonntag

19.01.2020 | Tageskommentar


Salome“ im Theater an der Wien: Marlis Petersen mit Puppe. Foto: Werner Kmetitsch/ Theater an der Wien

Das Zauberwort (so es eines ist) heißt „Mehrwert“. Durch seine Puppen entstehe, sagt Regisseur Nikolaus Habjan, „eine zusätzliche Ebene, die ich anders nicht darstellen kann“. Marlis Petersen, zweifellos geplagte Hauptdarstellerin der Habjan-„Salome“ im Theater an der Wien (denn sie muss ihre Puppe schleppen, außerdem singen und im Rahmen der Möglichkeiten noch spielen), machte in einem Interview gute Miene zum bösen Spiel: Sie erklärte, durch diese Verdoppelung könne man „Seele und Körper des Charakters entkoppeln“. Das doppelte Salomechen…

Nun kann eine „Sonder-Interpretation“ einem Werk nicht schaden, das man so gut kennt, das eigentlich immer im Repertoire zu finden ist (so schön, so normal, so jugendstilig, so zur schrankenlosen Entfaltung großer Persönlichkeiten geeignet in der Staatsoper): Schaute man zuletzt über den Tellerrand (Fernsehen und Streams erlauben es), hat man von den Salzburger Festspielen bis zur Bayerischen Staatsoper einige verrückte Salome-Spielchen gesehen. Da ist die Puppe vergleichsweise nicht einmal so pervers. Auch, weil sich Habjan im Grunde mit einer einzigen begnügt – so bescheiden ist er selten.

Nun, jetzt soll dieses hässliche blonde Klappmaulgeschöpf die Prinzessin Salome bedeuten, die gleich mit den ersten Worten als „wie schön!“ besungen wird. Dahinter, die vergleichsweise bescheiden wirkende Echtfrau in einem clownartigen Volantkleid, die mal von Narraboth, mal von Jochanaan ein bisschen Hilfe im sicher mühseligen Puppentragen erhält. Sie ist also dann die „Seele“…

...Am Ende gab es aber auch deutliche Buh-Rufe – offenbar haben Zuschauer den Mehrwert des Gebotenen nicht erkannt. Und meinten, Habjan hätte bei seinem ersten Entschluß bleiben sollen: „Ursprünglich hatte ich die Idee, Salome komplett ohne Puppen zu inszenieren…“ Da er aber am Theater an der Wien derzeit die Stellung eines „Directors in Residence“ einnimmt, ist wohl zu erwarten, dass seine Puppen noch oft die Klappmäuler da öffnen werden, wo man sie weder will noch braucht…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

heater an der Wien – Habjans „Salome“: Blutiger Ernst, fast ohne Puppe.  Bezahlartikel
Ein fantastisches Sängerensemble und eine atmosphärisch dichte Inszenierung von Nikolaus Habjan holen Richard Strauss‘ „Salome“ ins Theater an der Wien. Imposant, nicht nur wegen der fulminanten Marlis Petersen in der Titelpartie.
Kleine Zeitung

BERLIN / Deutsche Oper: ANDREA CHENIER – dritte Aufführung der Serie, 18.1.2020
Repertoire-Perle mit Martin Muehle als Bilderbuch-Chenier

Der Deutsch-Brasilianer Martin Muehle wird in der Premiere von „Pique Dame“ an der Deutschen Oper Berlin im Mai dieses Jahres den Hermann singen. Im Jänner ist es vorerst einmal die Verismo Revolutions-Oper Andrea Chenier des Umberto Giordano, der er mit seinen ungemein sicheren metallischen Höhen, der Passion seines Vortrags und der romantischen Glut seines Spiels den Stempel aufdrückt. 

In der wunderbar ästhetisch und dramaturgisch sinnvollen Produktion des John Dew (Bühne Peter Sykora) aus dem Jahr 1994 kann, wenn die Besetzung stimmt, große Oper stattfinden. Das riesige auf Stelzen stehende Parkett, auf dem der Adel noch die Gavotte tanzt, kippt wie der Schiffsrumpf der Titanic zu einem gesellschaftlichen und politischen Fanal, an dessen Ende die Guillotine Köpfe sonder Zahl rollen lässt.. .

Zum Bericht von Dr. Ingobert Waltenberger

Bayerische Staatsoper: CARMEN am 16.1.

Es war einer dieser ganz besonderen Opernabende, die sich nicht beliebig wiederholen lassen: Herausragende Leistungen im Graben und auf der Bühne treffen zusammen, verbinden sich und bringen das gewisse Etwas hervor, das einer Vorstellung eine ganz besondere Sogwirkung verleiht. Dieser kann sich das Publikum hingeben, um stimmlichen und orchestralen Höchstgenuss einerseits sowie packende Spannung und gewaltige emotionale Intensität andererseits zu erleben. Mit anderen Worten: Opernglück pur!

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Varduhi Abrahamyan. Copyright: Henry Fair

Der Auftritt von Varduhi Abrahamyan als Carmen war zugleich das Hausdebüt der armenischen Sängerin – und ein großer Erfolg! Ihre stimmliche Gestaltung der anspruchsvollen Titelpartie ließ keine Wünsche offen. Mit ihrer dunklen, warmen, sehr angenehmen Stimme ohne Schärfen gelang es ihr hervorragend, die Persönlichkeit der Titelfigur auszugestalten, ihr insbesondere auch – die für eine überzeugende Rolleninterpretation zwingend nötige – immense erotische Ausstrahlung zu verleihen und die Bandbreite von Carmens Emotionen hörbar zu machen…

Zum Bericht von Martina Bogner

Salome und Otello an der Wiener Staatsoper: Michael Boder und Jonathan Darlington dirigieren anstelle von Mikko Franck

Mikko Franck musste krankheitsbedingt seine Dirigate der anstehenden Vorstellungsserien von Strauss’ Salome und Verdis Otello an der Wiener Staatsoper absagen.

An seiner Stelle übernimmt Michael Boder die musikalische Leitung von Salome (er dirigierte das Werk am Haus zuletzt im April 2019), Jonathan Darlington wird erstmals an der Wiener Staatsoper Otello dirigieren.

In Salome ab Montag, 20. Jänner 2020 kehrt Lise Lindstrom in der Titelpartie zurück ins Haus am Ring. KS Waltraud Meier gibt als Herodias ihr weltweites Rollendebüt, Michael Volle singt erstmals an der Wiener Staatsoper den Jochanaan. KS Herwig Pecoraro verkörpert den Herodes und Carlos Osuna den Narraboth.

Reprise: 24. Jänner

In Otello ab Dienstag, 28. Jänner 2020 ist KS Stephen Gould erstmals an der Wiener Staatsoper in der Titelpartie zu erleben. KS Krassimira Stoyanova singt die Desdemona und KS Carlos Álvarez den Jago. Weitere Staatsopern-Rollendebüts geben Bongiwe Nakani als Emilia, Ryan Speedo Green als Lodovico und Gabriel Bermúdez als Montano.

Reprisen: 31. Jänner, 3., 7. Februar

Die Vorstellungen von Salome am 24. Jänner und Otello am 7. Februar werden mit WIENER STAATSOPER live at home weltweit live in HD gestreamt: www.staatsoperlive.com.

NEUESTE NACHRICHT (Sonntag 17 h: Valery Gergiev hat sich erneut verspätet, Michael Güttler dirigiert den heutigen „Lohengrin“

Zur Bekräftigung meiner nachstehenden Zeilen, für mich aber dennoch unglaublich: Valery Gergiev stand um 17 h nicht zum Dirigat bereit. „Plan B“, den ich Ihnen gegenüber bereits vor drei Tagen angedeutet habe, trat somit in Kraft: Michael Güttler dirigiert heute „Lohengrin“

HEUTE: LOHENGRIN-STREAM AUS DER WIENER STAATSOPER

https://www.staatsoperlive.com/

Beginn ist 17 h – oder wenn Maestro Gergiev eben kommt!

Linda Watson wird heute im Anschluss an die Vorstellung Kammersängerin!

Zu Facebook

Zu Valery Gergiev: Ich bekam böse Mails,weil ich gestern die Vermutung angestellt habe, dass Valery Gergiev am Donnerstag im Verkehrsstau vom Flughafen zur Oper steckengeblieben ist und die Besucher 15 Minuten auf den Beginn der Vorstellung warten hat lassen. Als Beweis für die „Bösartigkeit“ meiner Vermutung wurde angeführt, dass Maestro Gergiev am Dienstag in Wien dirigiert hat, folglich also in Wien „stationiert“ war. Das besagt bei Herrn Gergiev gar nichts, wie uns ein Insider berichtet (Name der Redaktion bekannt, auf Zuverlässigkeit mehrmals überprüft):

Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Menschen immer noch dem Irrglauben anhängen, Valery Gergiev würde einen freien Tag zwischen zwei Auftritten in Wien auch dort verbringen. 

Dazu ein prägnantes Beispiel von seinem Festival im finnischen Mikkeli. In einer Zeit, als er bei diesem Festival, das einst als die finnische Sommer-Residenz des Mariinsky-Theaters diente, 5 Tage und mehr verweilte, erbat er sich normalerweise einen freien Tag. Beim Festmahl nach seinem Lieblingsevent, der typisch finnischen Rauch-Sauna, eröffnete er den überraschten Anwesenden um Mitternacht, er müsste jetzt gehen. Er sei vom Präsidenten Kazakhstans eingeladen, dort an seinem freien Tag zu dirigieren, würde aber rechtzeitig zum nächsten Konzert in Mikkeli zurückkehren. Nun liegt Kazakhstan nicht gerade „um die Ecke“. Gergiev wird also mit Privatflugzeug dorthin gejettet sein – und zurück, denn (oh Wunder!) zum nächsten Konzert erschien er pünktlich. Doch was heißt bei Gergiev pünktlich ? Eine viertelstündige Verspätung ist immer drin. 

Übrigens – seit dieser Zeit heißt Gergievs freier Tag in Mikkeli „Kazakhstan-Tag“.

Vor einigen Jahren verstarb Gergievs Schwiegervater während des Mikkeli-Festivals im nordossetischen Vladikavkaz. Gergiev ließ sich in der Nacht nach einem Konzert von seinem Chauffeur nach Helsinki fahren und flog von dort per Privatjet nach Vladikavkaz, um an der Beisetzung teilzunehmen. Am Abend stand in Mikkeli das Verdi-Requiem auf dem Programm. Nachmittags rief er um 16 Uhr finnischer Zeit an, er würde jetzt in Vladikavkaz abfliegen. Das Konzert könne also stattfinden. Er ließ sich dann zum Flughafen von Savonlinna fliegen, von dort per Helikopter zum Flughafen von Mikkeli, wo ihn sein Fahrer mit Dirigierkleidung abholte. Auch das ist Gergiev! 

Liebe Leser, ich meine es nicht böse mit Herrn Gergiev, er zählt zu meinen Dirigenten-Favoriten. Er meint offenbar, dass ein einziger Gergiev für diese Welt zuwenig ist, deshalb macht er was er kann, damit dieser eine einzigartige Gergiev möglichst an mehreren Orten gleichzeitig sein kann! Und da sind Pannen nicht zu vermeiden!

Gestern (Samstag 18.1.) dirigierte Valery Gergiev zum Beispiel die Münchner Philharmoniker beim 2. Akt „Tristan und Isolde“ in Baden-Baden (Serafin, Matochkina;  Schager, Petrenko)

Zum Bericht von Gerhard Hoffmann

OPER FRANKFURT: HEUTE PREMIERE „TRISTAN UND ISOLDE“

Musikalische Leitung: Sebastian Weigle
Regie: Katharina Thoma


Claudia Mahnke (Brangäne), Rachel Nicholls (Isolde), Vincent Wolfsteiner (Tristan). Foto: Oper Frankfurt/ Barbara Aumüller)

Tristan: Vincent Wolfsteiner
Isolde: Rachel Nicholls
König Marke: Andreas Bauer Kanabas
Brangäne: Claudia Mahnke
Kurwenal: Christoph Pohl
Melot: Iain MacNeil
Ein Hirte: Tianji Lin
Ein Steuermann: Liviu Holender
Ein junger Seemann: Michael Porter

INSTAGRAMEREIEN:

Anna Netrebko/ Yusef Eyvazov: Vor der Münchner „Turandot noch rasch ein Besuch bei Annas Vater in Krasnodar

ZU INSTAGRAM – Netrebko und Familie beim Vater in Krasnodar

Dazu passend (wegen Yusif Eyvazov und dessen Problemchen mit der Armenierin). Nachstehender Artikel hat nichts mit Oper zu tun, sondern mit Film. Aber in der Oper gibt es das auch – und wie!

Zickereien am Set: Diese Stars wollen nicht mehr miteinander arbeiten
https://www.krone.at/2056494

Herbsttage Blindenmarkt : Mit Lehárs „Graf von Luxemburg“ in die Saison 2020

Wiederaufnahme Pippi Langstrumpf

Der Vorverkauf startet am 24. Jänner 2020!

Die Saison 2020 wird mit Franz Lehárs Operette „Der Graf von Luxemburg“, die in nur drei Wochen entstanden ist, die diesjährigen „Herbsttage Blindenmarkt“ (Intendanz Michael Garschall) am 2. Oktober 2020 eröffnen.

Bildergebnis für herbsttage blindenmarkt
Clemens Kerschbaumer. Foto: Lukas Beck

In der Rolle des Grafen René ist Publikumsliebling Clemens Kerschbaumer zu hören. Regie führt Wolfgang Dosch.

Konzertgänger in Berlin“
Albtraumleicht: RSB mit Jurowski spielt Nikodijević und Mahler
Wichtige, lobenswerte, erfreuliche Durchlässigkeit vom Spezialistenreservat in den normalen Konzertbetrieb und umgekehrt: Der aus Serbien stammende Stuttgarter Komponist Marko Nikodijević, dessen Musik das Rundfunk-Sinfonieorchester unter Vladimir Jurowski vor Mahlers Vierter spielt, ist auch beim gerade laufenden Ultraschall-Festival für neue Musik zu hören. Und Nikodijevićs „да исправится / gebetsraum mit nachtwache“ scheint beim RSB-Publikum im Konzerthaus großteils gut anzukommen; trotz einer Dame, die zwanzig Minuten lang immer wieder „Das ist doch keine Musik“ murmelt, wie dem Konzertgänger in der Pause berichtet wird.
https://hundert11.net/albtraumleicht/

„Manon“ am Staatstheater Nürnberg: Glitzerkampf um die Liebe
Die junge Manon soll ins Kloster, lernt auf dem Weg dorthin aber ihre große Liebe kennen, flieht mit ihm, verfällt in Paris doch dem Laster und stirbt. Die Geschichte des französischen Schriftstellers Abbé Prévost hat gleich mehrere Komponisten zu Opern inspiriert: Etwa Giacomo Puccini und ein paar Jahre zuvor auch Jules Massenet. Am 18. Januar feiert Massenets Manon nun in der Nürnberger Staatsoper Premiere.
BR-Klassik

Düsseldorf: Oper muss für eine Sanierung fünf Jahre geschlossen werden
https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/duesseldorfer-oper-muss-fuer-eine

Davinia Rodríguez, double debut in Los Angeles with Roberto Devereux

 – The Spanish soprano will take the role of the English Queen Elizabeth I in this Donizetti opera and will be singing it for the first time in the Californian opera house.


Davinia Rodriguez. Copyright: Malmo

Performances: February 22, 27 & March 1, 5, 8, 14 / 2020
Website Davinia Rodríguez: www.daviniarodriguez.com

Rettet die Kunst vor den Moralaposteln
Die gesellschaftliche Sensibilität für Fehlverhalten ist dank MeToo und anderer Initiativen gewachsen. Aber die Grenze ist erreicht, wenn sich der Protest nicht mehr gegen die Personen, sondern gegen deren Kunst richtet, meint der Konzeptkünstler Peter Kees.
DeutschlandfunkKultur

Wien: Wutlehrerin Wiesinger patzt alle an – und muss gehen Bezahlartikel
In ihrem neuen Buch teilt sie gegen Parteipolitik aus – und stößt dabei alle vor den Kopf
Kurier
Faßmanns Ombudsfrau rechnet mit dem Ministerium ab
Susanne Wiesinger prangert in einem Buch die Zustände im Ressort von Heinz Faßmann an. Der ist darüber »außerordentlich irritiert« – und trennt sich von ihr.
Die Presse

Das habe ich so erwartet, es konnte gar nicht anders kommen!

Ich wünsche einen schönen Tag, der Pause von der Erderwärmung macht!

A.C.

 

 

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