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3. JULI 2018

03.07.2018 | Tageskommentar

Noch wissen wir nicht, wer Bayreuths Lohengrin sein wird.

Aber bald werden wir es wissen, denn die Zeit drängt. Ich vermute, dass das noch heute sein wird, denn auf was will man noch warten.

Auffallend ist, dass Herr Alagna dreieinhalb Wochen vor einer mit Spannung erwarteten Bayreuther Festspieleröffnung offenbar noch nicht mit den Proben begonnen hatte. Wie das? Sechs Wochen Probezeit gelten selbst bei „normalen“ Premieren als unabdingbar. Deswegen gehen auch in unserer Redaktion die Wogen hoch. Ein bitterböser Leserbrief erreichte uns – von einem Verfechter der Langzeitproben: 

Gegenständlicher Anlassfall ist die letzte Kritik aus der Wiener Staatsoper und das Einspringen eines Ännchens im Freischütz. Das führte zu der, auch bei diesem Anlassfall Bemerkung: „Erstaunlich, wie gut sie sich in die Regie einfügte, und wieder tritt die Frage auf, warum sechs Wochen proben, wenn es drei Tage tun?“

Und wieder tritt die Frage auf, ob die Schreiberin über den Sinn dieser Bemerkung je nachgedacht hat. Natürlich gibt es Regisseure, die aus Unvermögen oder Selbstherrlichkeit übliche Probenzeiten gerne ausdehnen würden, aber grundsätzlich sind solche Zeiten aus Erfahrung und Möglichkeit der Mittel angesetzt, die kurze und kurzfristige Einarbeitungszeit für Einspringer ist ein Sonderfall und hat nichts mit der Länge allgemeiner Probezeiten für die Einschulung des gesamten Apparates zu tun.

Daher, liebe Rezensenten, gebt euch nicht in Gefahr solcher Blößen, denn als Witz hat das schon ausgedient.

Nun, der „Lohengrin“ ist kein „Ännchen“, der sollte schon zu Beginn der Probenarbeit zur Verfügung stehen. Gab es eine Sonderregelung, die Roberto Alagna mit der Bayreuther Festspielleitung ausgehandelt hat? Wenn ja, dann ist die Rechnung für solche „Extrawürste“ exorbitant hoch.

Bei einer unserer letzten Veranstaltungen in der Online-Galerie stand diese Frage der Länge der Probenarbeit im Zentrum und es waren die Künstler, die sich gegen die sechs Wochen aussprachen. Von „Lagerkoller“ war da die Rede, von der Gefahr, sechs Wochen lang womöglich täglich Gesichter sehen zu müssen, die auf die eigene Psyche drücken.

Aber warten wir ab. Ich vermute, dass der Lohengrin bereits in Bayreuth ist!

 

Saisonabschluss der Wiener Staatsoper 2017/2018 mit Einnahmenrekord: Neuerlich mehr als 35 Millionen Karteneinnahmen

In der Spielzeit 2017/2018 konnte die Wiener Staatsoper erneut einen Einnahmenrekord durch Kartenverkauf erzielen: 35.298.761,91 Euro (2016/2017: 35.205.803,24). Die Auslastung betrug 98,61% (2016/2017: 98,83%).

Insgesamt 608.952 Gäste (2016/2017: 601.532), besuchten 292 Opern-, Ballettvorstellungen und Matineen auf der Hauptbühne (2016/2017: 289), 90 Vorstellungen im Studio Walfischgasse (2016/2017: 84) sowie 20 Matineen im Gustav Mahler-Saal (2016/2017: 17).

Erfreulich ist auch die Anzahl an verkauften Kinderkarten im Haupthaus und in der Walfischgasse: Insgesamt wurden 13.469 Kinderkarten (2016/2017: 10.500) ausgegeben Dazu kommen in beiden Spielzeiten rund 7.000 Kinder in den beiden Vorstellungen von Die Zauberflöte für Kinder am Tag nach dem Wiener Opernball.

Das ist die unvermeidliche Zahlenspielerei nach Saisonschluss, hier wird mit „Zweizehntel Prozentpunkten“ gerechnet. Jede Bilanz kann relativiert werden – und wenn zum Beispiel ein Festival nach Saisonschluss keine Bilanz präsentiert, dann ist diese wahrscheinlich auch nicht erfreulich. So gesehen: Finanzielle Misswirtschaft wird der Staatsoper ohnehin nicht vorgeworfen.

Stühlerücken im Opernhaus Zürich: Luisi geht, Homoki bleibt, Noseda kommt
Das Opernhaus Zürich schafft Fakten: Intendant Andreas Homoki verlängert seinen Vertrag bis zum Sommer 2025, es gibt einen neuen Generalmusikdirektor – und eine Neuproduktion von Wagners «Ring des Nibelungen».

Andreas Homoki, der die neben Genf bedeutendste Schweizer Musiktheaterbühne seit 2012 leitet, wird seinen bestehenden Vertrag um weitere drei Jahre verlängern und bis zum Ende der Saison 2024/25 im Amt bleiben. In sieben Jahren, wenn Homoki das Rentenalter erreicht, soll dann, ganz regulär, Schluss sein mit dem Intendantendasein.
Neue Zürcher Zeitung

DRESDEN: Rothe als Interimsintendant der Semperoper verabschiedet
Das sächsische Kunstministerium hat am Montag Wolfgang Rothe als kommissarischen Intendanten der Semperoper Dresden verabschiedet. Er hatte nach dem Tod von Amtsinhaberin Ulrike Hessler im Sommer 2012 die Leitung der Sächsischen Staatsoper übernommen und übergibt sie nun an Peter Theiler.
Sueddeutsche Zeitung

Star-Dirigent Zubin Mehta sagt Konzerte ab
Zubin Mehta (82), Dirigent des Israelischen Philharmonieorchesters, muss aus gesundheitlichen Gründen bis zum Ende der laufenden Konzertsaison pausieren.
Einspringen werde der deutsche Dirigent Karl-Heinz Steffens, teilte eine Sprecherin des Orchesters in Tel Aviv am Montag mit.
Oberösterreichische Nachrichten

Berlin/Gendarmenmarkt: Classic Open Air in Berlin 2018 – Termine & Programm
Das Classic Open Air am Gendarmenmarkt findet in diesem Jahr vom 5. bis 9. Juli statt. Alle Informationen zum Programm.
Berliner Morgenpost

Jetzt wird die Opernregie endlich selbst historisch
Der Gegensatz zwischen Fortschrittsglauben und Historismus, der das Denken unserer Gegenwart prägt, hat vielerorts das Musiktheater erreicht. Das bedeutet freilich nicht, dass die Oper zum Museum werden muss – es ist eine Chance.
Die Presse

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK – 3. –9. JULI 2018
(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bezieht sich ausschließlich auf die untenstehenden Sender). Kurzfristige Programmänderungen der Sender vorbehalten!
Alle Zeiten MEZ.

 

3.7. RICHARD III. (Live aus Venedig) RAI 3-19 Uhr
5.7. LA SIEGE A CORINTH (aus Pesaro, Aufnahme v. 10.8.2017) BBC 3-15.30 Uhr
7.7. LOHENGRIN (aus London, Aufnahme v. 1.7.) BBC 3-18 Uhr
FRA DIAVOLO (aus Rom, Aufnahme v. 8.10.2017) RNE Clasica Madrid-19 Uhr
DER DÄMON (aus Barcelona, Aufnahme v. 26.4.) ORF Ö1-19.30 Uhr
SIMON BOCCANEGRA (aus Wien, Aufnahme v. 13.5.) HR 2-20.04 Uhr
LA FIERA DI VENEZIA (aus Schwetzingen, Aufnahme v. 19.5,) Bayern 4-20.05 Uhr
(H.S.S.)

LONDON/Royal Opera House: LOHENGRIN (Bericht über die Neuinszenierung)

Jennifer Davis, Klaus Florian Vogt. Copyright: Clive Barda/Royal Opera House

LONDON/Royal Opera House: LOHENGRIN – Premiere war am 7. Juni 2018, die Serie wurde vor wenigen Tagen beendet.

Zum Bericht von Klaus Billand

BUDAPEST-WAGNER TAGE – Camilla Nylund: WAGNER UND SEINE ZEITGENOSSEN

Helmut Deutsch, Camilla Nylund. Photo © János Posztós, Müpa Budapest

 Schon seit vielen Jahren ist die finnische Sopranistin Camilla Nylund aus Vaasa als ausgezeichnete Wagner-Sängerin weltweit bekannt, mit großer Erfahrung in Bayreuth und auf fast allen großen deutschen Bühnen, sowie natürlich auch weit darüber hinaus. Schwerpunkte ihres Opernrepertoires sind Wagner, R. Strauss, Mozart, Verdi, und natürlich auch Fidelio. Nylund hat auch ein breites Konzert-Repertoire. Marksteine waren in den letzten Jahren ihre „Tannhäuser“-Elisabeth und Sieglinde-Interpretationen. Im Rahmen der von Ádám Fischer geleiteten Budapester Wagner Tage 2018 kam sie in den Palast der Künste und gab einen Soloabend zum Thema „Richard Wagner und seine Zeitgenossen“, obwohl diese Eigenschaft eher in Bezug auf die letzte Epoche der Schaffenszeit des Bayreuther Meisters zu verstehen ist…

Fortsetzung in Themen und Kultur

LONDON: Don Giovanni, Royal Opera House, London, review: The cast are sensationally good in an assured revival

Anatoli Sivko and Mariusz Kwiecień in ‚Don Giovann‘ ( ROH Bill Cooper )

Kasper Holten’s production, with designs by Es Devlin that seemed irritatingly tricksy first time round, has settled satisfyingly into its skin

Don Giovanni, Royal Opera House, London, review
The cast are sensationally good in an assured revival
The Independent

Publikumsmagnet Sommertheater? Was man über die Theatersaison wissen sollte
Zwar oft belächelt, ist die Qualität der Freiluftdarbietungen in den vergangenen Jahren gestiegen. Einen kleinen Skandal gibt es auch schon. Ein ABC zum Beginn der Saison
Der Standard

Filme der Woche

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

Es gibt Publikumsfilme, und es gibt Festivalfilme, die für Kritiker und Preise gemacht werden. Keine Frage, dass die Geschichte von „Candelaria“ des kolumbianischen Regisseurs Jhonny Hendrix Hinestroza Anerkennung verdient hat – beim Filmfestival 2017 in Venedig war es „Bester Film Giornate degli Autori“, und die Kritiken sind hymnisch. Als Normalzuschauer wird man allerdings angesichts dieser Geschichte in Depressionen ausbrechen…

Wir sind in Kuba, in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der alte Castro hält an seiner ewigen Revolution fest, und wenn seine Untertanten in der Wirtschaftskrise dabei fast verhungern: Sie seien „zwei unterernährte alte Leute“, sagt Candelaria, die Heldin der Geschichte, zu Beginn ironisch, und oft genug sieht man auf ihren Tellern irgendeinen Karottenbrei, nicht mehr. So alt kann man gar nicht sein – und Candelaria und ihr farbiger Gatte, der Victor Hugo heißt, sind hoch in die Siebzig -, dass man nicht schwer arbeiten müsste, Candelaria in einem Hotel in der Wäscheabteilung, Victor in einer Zigarrenfabrik. Abends tritt sie in einem Club auf, und es ist eine ziemlich kläglich Performance, die man da mit ansieht…

Deutschland: CSU-Chef Seehofer bleibt deutscher Innenminister
Der Standard
Durchbruch im Asylstreit
Frankfurter Allgemeine

Also, alles in Ordnung bei unseren Nachbarn! Jetzt können sich die Zeitungen wieder ihrem Lieblingsthema widmen, nämlich Österreich und was dort alles mit der ach so bösen Regierung schief läuft. Gratulation an alle Deutschen, dass sie ein so grandioses Regierungsbündnis haben!

Fußball-WM: Was Neymar gestern aufgeführt hat, war eine Schande für den Fußball. Nach einer Berührung, die nie und nimmer wehgetan haben konnte, wälzte er sich vor Schmerzen auf dem Boden. Es ist ja nicht zum ersten Mal passiert, dass sich der Brasilo-Star so aufführt. Also ich glaube ihm überhaupt nichts mehr – und ein Vorbild ist er so auch sicher nicht – vielleicht eines für Schmierenkomödianten. Er ist der absolut unsympathischte Spielers eines ansonsten sympathischen Teams.

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

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