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18. JUNI 2018

18.06.2018 | Tageskommentar


BERLIN/ Komische Oper: Barrie Kosky „hat einen Lauf“. Erfolg für „Die Nase“ von Schostakowitsch

Albrecht Selge, der „Konzertgänger in Berlin“: Das Wort нос (Nase) ist im Russischen maskulin und damit einiges vom Gogol-Wortwitz kaum übersetzbar. Vor allem aber ist der eigentliche Reiz von Gogols Erzählung überhaupt nicht bühnenfähig: Die surreale Vorstellung eines Beamtengesichts mit blöder profilloser geebneter Fläche im Zentrum und einer wichtigtuerisch durch die Stadt scharwenzelnden, herrisch motzenden und inniglich betenden Nase in Uniform – das geht nur in der Sprache, in der Literatur…

Die 1927/28 entstandene Oper des damals erst 21jährigen Schostakowitsch setzt deshalb Groteske an die Stelle von Surrealismus. Und Barrie Koskys Regie, eine internationale Koproduktion u.a. mit Covent Garden, klebt dem Kowaljow zwar irgendwann auch mal einen wippenden Phallus ins Gesicht, nimmt aber dennoch нос weniger als männliches Prachtstück denn als Umdrehung des Wortes сoн (Traum). Kosky inszeniert das Stück als Albtraum-Revue, wohl ganz im Sinn von Schostakowitsch, der sagte: ‚Die Nase‘ ist eine Horrorgeschichte, kein Witz. Mit gutem Grund heißt es im Programmheft vorneweg mit Meyerhold: Das Groteske muss nicht unbedingt komisch sein. Freilich, dürfen tät es wohl schon. Aber das überbordende Bühnenspektakel an der Komischen Oper ist kein Witz und in der Tat nicht gerade komisch; was okay ist, aber auch ein bisschen schade…

Rabennaseschwarz: Schostakowitschs „Die Nase“ an der Komischen Oper
Man fasst sich (von urkindlicher Sorge erfasst wie diese Dreijährige) unwillkürlich ins Gesicht bei Dmitri Schostakowitschs Die Nase, um nachzufühlen, ob alles noch da sei. Wenn nicht, falls männlichen Geschlechts, in noch urkindlicherer Sorge in den Schritt.
https://hundert11.net/ko2018-nase/
„Die Nase“ begeistert an Komischer Oper Berlin
Mit Dmitri Schostakowitschs „Die Nase“ hat die Komische Oper Berlin am Samstag ein vergnügliches Kontrastprogramm zur Fußball-Weltmeisterschaft geboten. Das Premierenpublikum spendete begeisterten Applaus und Bravo-Rufe für das Sängerensemble und Regisseur Barrie Kosky. Besonders gefeiert wurde Günter Papendell, der in der Hauptrolle des Kowaljow auch schauspielerisch überzeugen konnte
http://www.musik-heute.de/18071/die-nase-begeistert-an-komischer-oper-berlin/
„Die Nase“ an der Komischen Oper: Barrie Koskys Sause geht weiter
Berliner Zeitung
Mannes Kraft
Richtiger Riecher: Barrie Kosky inszeniert Schostakowitschs „Die Nase“ an der Komischen Oper als schrille Großstadtgroteske
Tagesspiegel
Der richtige Riecher – Schostakowitschs „Die Nase“ an der Komischen Oper Berlin
Neue Musikzeitung/nmz.de

NEU/ Erste Stimme zur Macbeth-Premiere an der Deutschen Oper Berlin

Staraufgebot für ein Königsmörder-Paar
Anna Netrebko und Placido Domingo in Berlin gefeiert
Mit Anna Netrebko und Placido Domingo in den Titelrollen hat die Berliner Staatsoper Unter den Linden am Sonntag mit Giuseppe Verdis „Macbeth“ einen rauschenden Erfolg gefeiert. Das Premierenpublikum im Saal und Tausende Musikfans vor einer Projektionswand unter freiem Himmel auf dem Bebelplatz jubelten den Sängern und Dirigent Daniel Barenboim zu.
https://www.sn.at/kultur/musik/anna-netrebko-und-placido-domingo-in-berlin-gefeiert-29337115

 

Kartenvorverkauf der Live-Kinosaison 2018/19 des Royal Opera House hat begonnen

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Mit elf Titeln, die in über 1.500 Kinos in mehr als 40 Ländern der Erde übertragen werden, präsentiert die Live-Kinosaison 2018/19 aus dem Royal Opera House die gesamte Vielfalt von Ballett und Oper, einschließlich dreier neuer Arbeiten, live übertragen aus Londons Covent Garden. Viele Kinos zeigen die Aufführungen auch zeitversetzt in den Wochen nach der Liveübertragung.

Mehr darüber in unseren heutigen „Infos des Tages“ – Aktuelles

NEU IN UNSEREN KRITIKEN

GELSENKIRCHEN/ Musiktheater im Revier: NABUCCO. Premiere am16.6.2018

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Copyright: Musiktheater im Revier

Inszenierung: Sonja Trebes

...Fenena ist keineswegs das traditionelle Opferlamm, sondern verfolgt durch all die politischen Ränke hindurch zielstrebig ihren eigenen Weg. Zuletzt wird sie auf ihren Vater schießen („Ersatz“ für den Blitzschlag), steht sie doch längst voll auf der Seite der Juden. Dies geschieht nicht ganz ohne Zutun von Rahel (bei Verdi Anna, Schwester des Zaccaria), die durch Sonja Trebes völlig neue Rollenkonturen erhält (der Singpart für SHIXUAN WEI bleibt freilich der gewohnt beiläufige). Rahel bringt Fenena die orthodoxen Glaubengesten bei, welche sich diese immer lustvoller aneignet…

Zum Premierenbericht von Christoph Zimmermann

LINZ. Rarität im Musiktheater: „JOSEPH AND HIS BRETHREN“ von Georg Friedrich Händel (Premiere: 16. 6. 2018)

Am 16. 6. 2018 fand in der BlackBox-Lounge des Musiktheaters Linz die vierte Vorstellung der in der heurigen Saison neuentwickelten Reihe „Oper am Klavier“ statt. Diesmal wurde das Geistliche Drama genannte Oratorium „Joseph and his Brethren“ von Georg Friedrich Händel in Kombination mit einer Lesung von Thomas Manns Roman Joseph und seine Brüder konzertant aufgeführt…

Zum Bericht von Udo Pacolt

WIEN/ Musikverein: „IL VIAGGIO A REIMS“ als Florez-Gala am 16.6.

Eine wunderbare Reise ins Opernglück

Zum Bericht von Elena Habermann

GRAZ/ Schloßbergbühne in den Kasematten: MARÍA DI BUENOS AIRES  Tango-Operita von Astor Piazzolla. 16.6.2018


Copyright: Werner Kmetitsch

Zum Bericht von Herrmann Becke/ www.deropernfreund.de

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München – Gärtnerplatztheater – DER TAPFERE SOLDAT – Operette v. O. Straus: Prächtige Besetzung in netter Operetten-Drollerie (14.6.)

…Unbequeme Farce mit tiefgründigem Humor wurde auch nicht geboten. Der Abend ist ein temporeiches, sehr unterhaltsames, aber doch krudes szenisches Irgendwie. Getragen wird alles von einem hervorragenden Ensemble mit übersprudelnder Spiellaune in außerordentlich guter Personenregie, Körpersprache und Textbehandlung: viel Klamauk, Schenkelklopferhumor, anbiedernde Drollerie, zeitweise artifizieller Blödsinn bis zu dünnbrüstigem Unsinn ohne Tiefgang und großartigem Slapstick insbesondere im dritten Akt. Über Humor in dieser Weise kann man nicht diskutieren…

Zum Bericht von Tim Theo Tinn

Peter Konwitschny inszeniert Straus: Mit den Waffen der Operette
Wie andere könnte man sich über die Operette lustig machen. Oder man nimmt den „Tapferen Soldaten“ so ernst wie Peter Konwitschny bei seinem späten Debüt am Gärtnerplatz
Münchner Merkur

Rolando Villazon als „Papageno“. Muss das sein?

Zwei kurze Auszüge aus unserem Forum:

Uwe Paul: Dem ist wohl auch absolut nichts mehr peinlich. Erst an der DO dieser peinliche Regierversuch mit der Fledermaus, dann der sehr fragwürdige Pelleas und wie ich gerade jetzt lese, verhunzt er in Baden Baden den Papageno.

Schlimm, dass sich das Publikum das gefallen lässt und Intendanten diese Peinlichkeiten mitmachen

Michael Koling: Dem zweiten Satz kann der Opernliebhaber und -besucher auch nach intensiver Nachdenkpause keinen Widerspruch entgegensetzen.

Gut Immling/Bayern: Das Paradies ist politisch
Mit einem ambitionierten „Don Carlo“ eröffnen die Festspiele Immling die Opernsaison im Chiemgau. Krankheitsbedingte Ausfälle werden bravourös gemeistert
http://www.sueddeutsche.de/kultur/festival-das-paradies-ist-politisch-1.4019172

„Versungen und vertan“
Vor 150 Jahren, am 21. Juni 1868, fand die Premiere von Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ in München statt. Ihre antisemitischen Untertöne sind bis heute unüberhörbar
Wiener Zeitung

Beziehungsmuster und Sprachspiele im Gesamtkunstwerk : „Der Rosenkavalier“

Univ. Prof. Dr. Oswald Panagl attachiert einen Rosenkavalier-Essay, den sich Brigitte Fassbaender für das Programmheft ihrer Inszenierung im Festspielhaus Baden-Baden von ihm gewünscht hat.

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Zum Rosenkavalier-Essay von Oswald Panagl in unseren Feuilletons

The week in classical: Aldeburgh festival; Lohengrin; Der Fliegende Holländer review – love and jazz

Irish soprano Jennifer Davis and Klaus Florian Vogt in Lohengrin at the Royal Opera House, London.
Irish soprano Jennifer Davis and Klaus Florian Vogt in Lohengrin at the Royal Opera House, London. Photograph: Tristram Kenton

The Guardian

Immer effektvoll: Zum 200. Geburtstag des französischen Komponisten Charles Gounod.
Wer im 19. Jahrhundert in Frankreich als Komponist Erfolg haben wollte, für den gab es nur ein Ziel: die Oper. Sinfonik und Kammermusik interessierten nur Liebhaber, mit sakralen Werken ließ sich zwar Ansehen erwerben, aber kein Vermögen. Charles Gounod, geboren am 17. Juni 1818 im 6. Pariser Arrondissement, wollte Erfolg haben, unbedingt. Auch um seiner Mutter zu beweisen, dass ihre Mühen nicht umsonst gewesen waren
Tagesspiegel

Ein Jahr mit Franz Lehár: Der Tagebuchkalender des Komponisten von 1911
In der Unterhaltungsindustrie des frühen 20.. Jahrhunderts war Lehár (1870-1948) eine zentrale Figur. Der Andrew Lloyd Webber seiner Zeit, so sagt man. Vom Fund eines Tagebuches zum Versuch einer Annäherung in seinem 70. Todesjahr
Der Standard

WIEN / Volkstheater: ROMA ARMEE von Yael Ronen und Ensemble
Nach einer Idee von Simonida und Sandra Selimović als Gastspiel des Maxim Gorki Theaters Berlin
Besucht wurde der zweite und letzte Abend am 17. Juni 2018


Foto: © Ute Langkafel / MAIFOTO (Website Volkstheater)

Yael Ronen hat einen festen Platz im Volkstheater der Anna Badora. Offenbar produziert sie allerdings mehr, als ein einzelnes Haus zeigen kann. Also hat man ihren „Roma Armee“-Abend aus Berlin nach Wien geholt, als in jeder Hinsicht bunt zusammen gewürfeltes Gastspiel des Maxim Gorki Theaters…

Zum Bericht von Renate Wagner

Filme der Woche


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Da reisen und reisen sie im Kino in die unbewältigte Vergangenheit. Vor einiger Zeit war es Jürgen Prochnow in „Leanders letzte Reise“, der in der Ukraine die Tochter suchte, die er in seiner Zeit als deutscher Besatzungsoffizier gezeugt hatte. Nun ist Peter Simonischek unterwegs, um zu sehen, wo sein Vater im Krieg in der Slowakei Juden erschießen ließ… Nicht immer bringen diese Kino-Fahrten wirklich etwas, und diese, die sich – vom Ausgangspunkt der Geschichte her – „Dolmetscher“ nennt, noch weniger als andere.

Ärgerlich ist eigentlich, dass die ganze Sache dramaturgisch so wackelt, dass man sich gar nicht wirklich darauf einlassen will. Wenn ein 80jähriger (!) Jude an einer Wiener Wohnungstür läutet und den SS-Offizier sucht, der seine Eltern erschießen ließ, dann ist es nicht sehr logisch, einen mindestens hundertjährigen Täter zu suchen.

Moskau/ Fußball-WM: Wie lange noch ist Deutschland Weltmeister?

Gut, das Auftaktspiel gegen Mexico wurde gestern nicht unverdient 0:1 verloren, dennoch schafft Deutschland mit den programmierten Siegen gegen Schweden und Südkorea den Aufstieg in die K.O.-Phase. Das steht für mich außer Frage und dort werden die Karten neu gemischt. Oder doch nicht so ganz? Gesetzt den Fall, Mexico gewinnt die „Deutschland-Gruppe“, dann träfe Deutschland auf den Ersten der „Brasilien-Gruppe“, eben voraussichtlich Brasilien. Die Brasilianer haben gestern gegen die Schweiz auch keine Bäume ausgerissen (1:1) und sind zu besiegen. Schweiz und Island sind kleinere Länder als Österreich, trotzten WM-Favoriten jeweils ein Remis ab und blamierten damit unsere heimischen Kicker, die gegen Brasilien „vorgeführt“ wurden. Auch ein Schuß vor den Bug kann hilfreich sein, liebe deutsche Kicker. So wie gestern geht es nämlich nicht. Mesut Özil ließ sich beim Goldtor der Sombrero-Träger ausspielen wie ein Schulbub. 

An diesem Herrn Özil scheiden sich die Geister. Sein Bekenntnis zu Sultan Erdogan regt viele Deutsche auf, mich weniger. Ein Weltklasse-Fußballer muss nicht zwangsläufig ein Weltklasse-Diplomat sein. Viel mehr stört mich das Mienenspiel des Herrn Özil beim Abspielen der deutschen Hymne. Hymnen sind ein eigenes Kapitel und „singe wem Gesang gegeben“ trifft vielleicht auch auf Herrn Özil zu. In seiner Miene ist nicht Ablehnung, sondern völliges Desinteresse zu erkennen. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Mann die Stimmung im deutschen Team untergräbt, womöglich auch beim gemeinsamen Frühstück u.s.w.

Ich bin nicht Herr Löw, aber ich habe schon einmal einen ganz hervorragenden Fußballer während eines Trainingslagers meines Vereins eine Bahnfahrkarte Richtung Wien zugesteckt, verbunden mit der Aufforderung, sich einen neuen Verein zu suchen. Nicht nur bei so einem Turnier ist die Stimmung in der Mannschaft ungeheuer wichtig – und jeder Stimmungskiller sollte ferngehalten werden. Diese Erkenntnis basiert auf meinen Erfahrungen!

Für Deutschland kann es noch ein Happy End geben – es muss sich aber raschest etwas ändern!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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