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18. NOVEMBER 2018

18.11.2018 | Tageskommentar

HEUTE STREAM: Marcus Werba (Don Giovanni), Myrto Papatanasiu (Donna Anna). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Beginn: 18,3o h

https://www.staatsoperlive.com/de/live/

Auszug aus der Rezension von Manfred A. Schmid: Das schneidende Blech und das erregte Tremolo der Streicher zu Beginn der Ouvertüre lassen keinen Zweifel daran, wohin der nur noch kurz bemessene Lebensweg den skrupellosen Frauenverführer und Serienvergewaltiger führen wird: Geradewegs in die Hölle. Heute, in Zeiten von #MeToo, wohl zuerst in einen Shitstorm, der sich gewaschen hat, und dann in eine Reihe hochnotpeinlicher Gerichtsverfahren…

Unbestrittener Mittelpunkt des Geschehens aber bleibt selbstverständlich die Titelpartie. Markus Werbas Don Giovanni ist ein Mann, der mit den Gefühlen der Frauen spielt, dem es vor allem ums Erobern geht. Nichts nimmt er ernst, weder das Leben noch den Tod. Jugendlicher Leichtsinn zeichnet ihn aus und Unbekümmertheit. Bei der überschäumend vorgetragenen Champagner-Arie ertönt aus der Galerie sogar eine kecke „encore“-Aufforderung. Viel fehlt diesmal dafür tatsächlich nicht. Der Kärntner Bariton erweist sich als ein würdiger Basso cantante, wie er im Büchel Mozarts für diese Figur auch vermerkt ist. Gefährlich charmant…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Brandon Jovanovich: Kann er nun Tschechisch oder nicht?

Gut, es ist „nur“ ein Forumsbeitrag, der Brandon Jovanovich ein unverständliches Tschechisch attestiert. Bei einer Rezension würde ich tatsächlich mit dem Mitarbeiter reden und ihn kurz mit einem Muttersprachler telefonieren lassen – dann wüsste ich, ob diese Behauptung ernstzunehmen oder Stehplatzgerede ist. Ich erinnere mich noch an meine Stehplatzzeit (die ist noch nicht ganz zu Ende), da wurde sehr wissend geredet. Da habe ich meist zugehört, hatte aber damals zum Glück keine Gelegenheit, meine erhörten Fremd-Weisheiten „unter die Leut zu bringen“.

Wie dem auch sei, in der Presse wir explizit die Artikulation von Brandon Jovanovich gelobt: Diesmal nicht zuletzt dank des neuen Prinzen Brandon Jovanovich – bei den Salzburger Festspielen in „Lady Macbeth“ und „Pique Dame“ zu erleben, an der Staatsoper zuletzt als bravouröser Enéee in „Les Troyens“. Den Prinzen hat er schon an der „Met“ gesungen. Er ist eine Glanzbesetzung, mit mustergültigen Höhen, überlegter Phrasierung, eloquenter Artikulation.

Ein Amerikaner glänzt als „Rusalka“-Prinz
Dvořáks Oper mit Brandon Jovanovich in der Staatsoper.
Die Presse
 
High Noon in Salzburg
Sagen Sie bitte nicht, dass diese Salzburg-Posse schön langsam fad wird. Zumindest ich erwarte mir davon noch viel Stoff für schlechtere Nachrichtenzeiten, wenn zum Beispiel rund um die Weihnachtszeit alles „auf friedlich macht“ – obwohl sich die Leute eigentlich nicht ausstehen können.
 
 

Auszug aus NEWS/ Heinz Sichrovsky: Das jetzt mit Getöse Eintretende war bis ins Detail prognostizierbar, als die teilverstaatlichten Salzburger Osterfestspiele ihre neue Führung ab Juli 2020 bekannt gaben: Ab diesem Zeitpunkt übernimmt Nikolaus Bachler, derzeit Münchner Oper, zunächst als kaufmännischer, ab 2022 auch als Gesamtdirektor. In beide Entscheidungen wurde der amtierende künstlerische Leiter, der Dirigent Christian Thielemann, offenbar nicht einbezogen. Dass er mit Bachler nicht arbeiten will, hat er mehrfach deponiert.

Thielemann übernahm die Osterfestspiele 2013 in existenzbedrohenden Umständen: Die alte Festspielführung hatte über einen Malversationsprozess mehrjährige Gefängnisstrafen ausgefasst, worauf sich Stadt, Land und Fremdenverkehr am bis dahin privaten Konstrukt notbeteiligten. Der brillante Kulturmanager Peter Alward hatte die Leitung übernommen, doch am Hauptproblem konnte er nichts ändern: Zwei Opernamateure, nämlich das Kollektiv Berliner Philharmoniker und sein Chefdirigent Simon Rattle, produzierten ein österliches Golgatha nach dem anderen. 2011 gaben sie bekannt, sich mit 2012 ins besser zahlende Baden-Baden zu verändern, und da sah Alward die Chance: Er verpflichtete Thielemann und die von ihm geleitete Dresdner Staatskapelle – neben den Wiener Philharmonikern der einzige Klangkörper von Weltrang, der ständig Opern spielt. Der musikalische Aufschwung war enorm. Szenisch war man nicht besser unterwegs als davor, doch störten die Resultate weniger als die verflossenen, teils dilettantischen Regietheater-Eskapaden. Sah Thielemann sein Prinzip, die unbedingte Vorherrschaft der Musik, gefährdet, setzte er den einen oder anderen bereits verpflichteten Regisseur ohne zu zögern vor die Tür. Alwards Nachfolger, der nun scheidende Intendant Peter Ruzicka, ordnete alles mit kluger, kundiger Hand.

Bachler hingegen räumt an der Münchner Oper dem Szenischen höchsten Rang ein. Dass das Haus auch musikalisch blüht, ist in erster Linie das Verdienst des Chefdirigenten Kirill Petrenko. Der aber verändert sich 2019 zu den Berliner Philharmonikern, und auch Bachler quittiert mit Ende der herrlichen Zeiten…

Spitzentöne: High Noon in Salzburg
Osterfestspiele in Turbulenzen: Mit Pult-Star Thielemann und Intendant Bachler wird es wohl nichts mehr
https://www.news.at/a/spitzentoene-high-noon-salzburg-10467727

Die Berliner Philharmoniker drängen angeblich mit Vehemenz nach Salzburg, obwohl Baden-Baden dem Vernehmen nach besser bezahlt. Angeblich!
Heinrich Schramm-Schiessl vermutet: Ich kann Dir schon sagen, warum die „Berliner“ wieder gerne nach Salzburg zurück wollen: Im Vergleich zu den Osterfestpielen ist Baden-Baden nur eine mediale Fußnote.

Wie wird das Stammpublikum, das bereit und in der Lage ist, irrwitzige Eintrittspreise zu bezahlen, reagieren? Der als konservativ geltende Christian Thielemann wurde vom ebenfalls meist konservativen Festspiel-Publikum (das sich aber als Alibi-Handlung auch sehr aufgeschlossen präsentiert – vor allem, wenn Fernsehkameras in der Nähe sind) wie der Messias aufgenommen. Wie wird der Fördererkreis reagieren? Ist Herr Bachler tatsächlich so beliebt, wie seine „Salzburg-Erfinder“ glauben?

Fragen über Fragen. Die Spannung ist garantiert!

Übrigens: Es gibt Gerüchte über die weitere Planung der Osterfestspiele: Turandot und wieder Don Carlo!

Berlin/ Staatsoper Unter den Linden
Monteverdis ingeniöser L’Orfeo in der Inszenierung von Sasha Waltz
Wiederaufnahme Unter den Linden: Mit Sasha Waltz‘ manchmal haarsträubendem, doch bild- und perspektivreichem und schlussendlich tief berührendem l’Orfeo starten die Barocktage 2018 an der Staatsoper Berlin. Der formidable Bariton und Neue-Musik-Spezialist Georg Nigl überzeugt in der Titelrolle mit musikalischem Reichtum und bannender Ausdrucksmusik. An seiner Seite singen Anna Lucia Richter und Charlotte Hellekant.
https://konzertkritikopernkritikberlin.wordpress.com/2018/11/18/orfeo/

Mailand: Der Anfang vom Endspiel der Operntradition?
Intendant Alexander Pereira glaubte daran, dass György Kurtág, Doyen der internationalen Komponistenszene, seinen Opernplan realisieren würde, und sicherte seinem Haus damit die Uraufführung von „Fin de partie“.
Die Presse
Endspiel für die Opernwelt
Kurier

Heidelberg: IDOMENEO – Premiere am 16.11.

Copyright: Theater Heidelberg/Ludwig Olah

Am Ende ist das Meer zu grauweißem Eis erstarrt, davor der rohe Bühnenboden des Theater Heidelberg. Hier hatten Vater Idomeneo und Sohn Idamante sich gegenseitig erschossen und liegen zwischen einem auf die Bühne gekommenen Streichquartett in schwarz, das requiemartig die letzen Sequenzen von Mozarts Jugendoper Idomeneo spielt. Es sind nun alle Beteiligten bis auf die mit gelben Putzwesten bekleideten Kreter tot. Doch nun wird die Applausordnung zum fröhlichen Eingangschor des Stücks wieder und wieder vom Band gespielt wie bei einer Operette oder Musical, zu dem die Beteiligten erneut und im Takt auftreten.Das löst starkes Befremden aus, ist aber sicher so gewollt.
 
Dabei hatte die Regie von Peter Konwitschny eher heiter begonnen. Mit Meeresrauschen, sich bewegenden Wellen und Insel-Feeling samt Palme und Liegestuhl…
Zum Bericht von Friedeon Rosén
 
STUTTGART: DON PASQUALE: Morabitos Inszenierung nach wie vor humorbefreit

Erste Annäherungsversuche: Enzo Capuano (Pasquale) und Ana Durlovski („Sofronia“). Copyright: Martin Sigmund

Auch die zweite Begegnung mit der Inszenierung des nun ehemaligen Operndirektors Jossi Wieler in Personalunion mit seinem Chefdramaturgen Sergio Morabito vermag die ersten Eindrücke nur wenig nach oben zu korrigieren. Die mittels eines Animationsfilms mit Don Pasquales Vorleben und seiner daraus resultierenden jetzigen Handlungsmotivation missbrauchte Ouvertüre degradiert diese trotz vielfach übereinstimmender Bewegungstempi zur Begleitmusik und ist schon deshalb überflüssig,, weil sich der Inhalt des Films auch nur durch vorheriges Programmheftstudium oder eine Einführung vor der Vorstellung erschließt…
Zum Bericht von Udo Klebes
Jossi Wieler werden wir in Wien als Regiekünstler oft haben, dafür garantiert der designierte Chefdramaturg Sergio Morabito. Wer weiß, wie viele Verträge da schon fixiert sind!

London: Royal Opera House 2018-19 Review: Simon Boccanegra
http://operawire.com/royal-opera-house-2018-19-review
BWW Review: SIMON BOCCANEGRA, The Royal Opera House
https://www.broadwayworld.com/westend/article/BWW-Review
Moshinsky’s Simon Boccanegra returns to Covent Garden
http://www.operatoday.com/content/2018/11/moshinskys_simo.php

London: War Requiem, London Coliseum, review:
ENO’s attempt to turn Britten’s choral masterpiece into an opera had all the subtlety of a fifth-form school play

The Telegraph
War Requiem, English National Opera review – a striking spectacle, but oddly unmoving
https://theartsdesk.com/opera/war-requiem-english-national-opera-review

LIVE-STREAMS AUS DER ELBPHILHARMONIE

 Antonio Vivaldi trifft auf italienische Moderne und zwei Mal »My Polish Heart«

Das Konzert des italienischen Barockmusikensembles Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini mit Patricia Kopatchinskaja (Violine) am kommenden Montag, den 19.11.2018, um 20 Uhr im Großen Saal der Elbphilharmonie kann im Live-Stream auf www.elbphilharmonie.de mitverfolgt werden. Auf dem Programm stehen Konzerte von Vivaldi im Wechsel mit neuen Werken zeitgenössischer italienischer Komponisten.

Zwei Konzerte des NDR-Festivals »My Polish Heart« innerhalb des dreimonatigen Polen-Schwerpunkts der Elbphilharmonie sind ebenfalls im Live-Stream zu verfolgen: Der Auftritt des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter der Leitung von Krzysztof Urbański mit Piotr Anderszewski (Klavier) mit Werken von Szymanowski und Górecki am Sonnabend, den 17. November sowie das Konzert der NDR Bigband unter der Leitung von Geir Lysne mit Vladyslav Sendecki (Klavier) und dem Atom String Quartet am Sonnabend, den 24. November (jeweils 20 Uhr).

Die Links zu allen Live-Streams sowie zu Video-on-Demand-Angeboten sind hier zu finden:

www.elbphilharmonie.de/blog/tag/livestream

Wien/ Nestroy-Preisverleihung: Nestroy für Peters und Simonischek

Im Theater an der Wien hat am Samstag die Verleihung der Nestroy-Preise stattgefunden. Auszeichnungen gab es unter anderen für Caroline Peters, Peter Simonischek und Nikolaus Habjan. Für das Lebenswerk wurde Peter Handke geehrt.

Caroline Peters gewann den Preis als Beste Schauspielerin für ihre Rollen in Simon Stones „Hotel Strindberg“, für die sie bereits in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Theater heute“ zur „Schauspielerin des Jahres“ gewählt worden war. Derzeit ist sie auch in Sönke Wortmanns Komödie „Der Vorname“ im Kino zu sehen.

Peter Simonischek wurde zum Besten Schauspieler gekürt – für die Rolle des Afzal in „The Who and the What“ von Ayad Akhtar im Wiener Akademietheater. Er konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen, da er infolge einer kurzfristigen Vorstellungsänderung auf der Bühne stand. Er wurde von seinem Sohn Benedikt Simonischek vertreten. (Quelle: ORF.at)

Wien/ Theater in der Josefstadt: Schnitzlers Doppeltüren-Drama
Mateja Koležnik inszenierte eine Kurzversion von „Der einsame Weg“: Originell, kühl kalkuliert, kaum aber mitreißend.
Die Presse

Literatur/ Buch: Thomas Bernhard  Der Ursprung der Wiederholung
Eine neue Graphic Novel bebildert Thomas Bernhards autobiografische Erzählung „Die Ursache“.
Wiener Zeitung

Frankreich: Eine Tote und 106 Verletzte bei Spritpreis-Demos in Frankreich
Eine Autofahrerin sei angesichts einer Straßenblockade in Panik geraten und habe eine Demonstrantin überfahren, erklärt Frankreichs Innenminister Castaner.
Die Presse

Im Land des Wunderwuzzi geht es zu! Hat da die EU kein Auge drauf? Blickt sie nur Richtung Osten?

Einen schönen Sonntag wünscht

A.C.

 

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