Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

18. APRIL 2020 – Samstag

18.04.2020 | Tageskommentar

Carl Spitzweg - Der arme Poet, 1839 - 1000 Teile - GRAFIKA Puzzle ...
„Wir lassen niemand zurück“, tönt es aus Politikermund – da wie dort. Und da wie dort merkt man nichts davon. Carl Spitzweg: Der arme Poet“. Foto: Archiv

Ich habe den gestrigen Auftitt des Vizekanzlers mit seiner Kulturstaatsekretärin nicht miterlebt, aber zahlreiche Wortmeldungen an mich lassen vermuten, dass er „unterirdisch“ gewesen sein muss, weil diese Politiker keine Ahnung von dem haben, von dem sie reden. Das wäre halb so schlimm, denn das sind wir gewohnt und erwarten nichts anderes. Schlimm ist freilich, dass die Herrschaften nicht nur über etwas reden, von dem sie nichts verstehen, sondern dass sie zuständig für etwas sind, das ihnen völlig fremd ist! Und dass Menschenschicksale davon abhängen!

Da wurde als Lockerung in Aussicht gestellt, dass Veranstaltungen ja stattfinden könnten, wenn jeder Besucher 20 Quadratmeter allein für sich hat. Die Salzburger Festspielchefin, gewiss keine Favoritin von mir, fiel ob dieser Verhöhnung fast vom Sessel. Die Staatssekretärin „Ulrike, die Unbedarfte“ meinte bei anderern Gelegenheiten mehrmals in Richtung Künstler, dass Freischaffende eben für sich eine falsche Entscheidung getroffen hätten, denn im Ensemble wären sie geschützt. Bingo! Wie funktioniert ein Opernbetrieb ohne Freischaffende? Wenn sie die alle ins Ensemble übernimmt, kostet das ein Vielfaches!

Die Situation ist total verkorkst, die Theaterleiter – allesamt abgesichert – halten den Deckel auf den brodelnden Kessel noch (!) drauf – aber noch ein oder zwei solcher Kabarettauftritte – und der Deckel fliegt in die Luft.

Auszug aus der gestrigen Pressekonferenz

Zur Mediathek. Unsere Kulturpolitiker sind ab Minute 13,30 zu genießen

Corona und Kultur: Schrittweise Lockerungen im Kulturbereich
Museen werden demnächst öffnen können – Konkretes im Bereich Theater und Musik wird noch überlegt.
Wiener Zeitung

Sommer ohne Großevents, Theater ohne Liebesszenen
Großveranstaltungen bleiben bis Ende August verboten. Die Museen öffnen Mitte Mai wieder, für die Festspiele in Salzburg und Bregenz bleibt alles offen.
Die Presse

Salzburgs Festspiel-Chefin zu Kultur-Plänen: „Wie soll denn das überhaupt gehen“ Bezahlartikel
Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, hält die neuen Regelungen für nicht umsetzbar. Doch sie hofft weiter.
Kurier

Das kann nicht funktionieren, Theater praktisch ohne Zuschauer rechnet sich nicht, und Theater ohne Körperkontakt funktioniert schon überhaupt nicht. Liebesszenen mit mehreren Metern Sicherheitsabstand, Opern ohne Chor und Ballett (weil hier die körperliche Nähe unabdingbar ist), diese Vorschläge zeugen von Ahnungslosigkeit und sind eine Verhöhnung!

Frau Dr. Rabl-Stadler im Interview: Zu Youtube

Der Opernfreund lebt nicht nur vom Stream allein, obwohl es derzeit leider so ist.

Apropos „Oper ohne Publikum und aus dem Wohnzimmer. Waltraud B. meint: Nur so nebenbei: die ORF-Veranstaltung am Sonntag „Wir spielen für Österreich“ wird nicht mehr auf der Webseite der WSO beworben….. Konservierte Links von gestern Vormittag führen jedoch zu der bekannten Programminformation. Im aktuellen Programmtext von ORF III wird nun von eine „Initiative von ORF III und Wiener Staatsoper“ gesprochen und die Sänger werden nicht mehr als „Staatsopernsänger“ bezeichnet, sondern als „Opernstars“. Die vorherige Sprachwahl hat offensichtlich nicht allen gefallen…….. (mir auch nicht) WB

Dilettantismus eine weitere Folgeerscheinung von Corona? Die Medizin lernt immer mehr zu diesem Thema dazu!

Coronakrise: Die Münchner Opernfestspiele sind abgesagt
Münchner Abendzeitung

Auszug aus der Bachlerschen Presseinformation: Die Absage der verbleibenden Saison und der Münchner Opernfestspiele schmerzt mich persönlich natürlich sehr. Ein Theater ohne Publikum, ohne Künstlerinnen und Künstler, die Bühne und Orchestergraben beleben, ist nichts weiter als eine tote Hülle. In den letzten Wochen haben wir mehrere Szenarien für die Durchführung der Festspiele durchgespielt, die vor allem die Sicherheit und Gesundheit von Ihnen, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kunstschaffenden und Publikum sicherstellen sollten. Keine der Optionen hat sich allerdings als praktikabel und zufriedenstellend herausgestellt. Daher prüfen wir nun unter Hochdruck, welche Premieren zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden können und welche Aktivitäten im digitalen Umfeld möglich sind.

 Um für eine Wiedereröffnung im Herbst vorbereitet zu sein, werden wir ab Montag schrittweise den Vorbereitungsbetrieb wieder aufnehmen und prüfen auch die Fortsetzung der live-übertragenen Montagskonzerte und ähnlicher Projekte…

Eines muss man Herrn Bachler lassen – er reisst sich den Hintern auf, um doch noch irgendetwas auf die Beine zu stellen. Und er kritisiert sogar die Politik, was sich andere „Opernduckmäuser“ nicht trauen!

Die Wiener Staatsoper trauert um Maksimilijan Cenčić

Die Wiener Staatsoper trauert um Maksimilijan Cenčić | Aktuelles ...

Die Wiener Staatsoper ist tief betroffen vom Tod des langjährigen ehemaligen Leiters der Bühnenmusik des Hauses am Ring und geschätzten Kollegen Prof. Maksimilijan Cenčić, der am Donnerstag, 16. April 2020 nach längerer, schwerer Krankheit in Wien verstorben ist. Der aus Rogaška Slatina (ehem. Jugoslawien) stammende Dirigent war von 1991 bis 2014 an der Wiener Staatsoper engagiert und dirigierte neben seiner Tätigkeit als Leiter der Bühnenmusik u. a. die Erstaufführung des Balletts Mythos in einer Choreographie von Renato Zanella im Großen Haus sowie zahlreiche Kinderopernvorstellungen von Wagners Nibelungenring für Kinder, Der 35. Mai und Die Omama im Apfelbaum. Die Staatsopernfamilie drückt seinen Angehörigen ihre aufrichtige Anteilnahme aus.

ZUM HEUTIGEN „BUTTERFLY“-STREAM AUS DER METROPOLITAN-OPERA: DIE GROSSEN „BUTTERFLYS“ DER MET (läuft derzeit bis gegen Mitternacht!

Minghella-Inszenierung  (Summers; Racette, Zifchak; Giordani. Croft) auf Met-Stream – bis in die Abendstunden

Das ist die „neue Butterfly“, die wir in der Roscic-Ära sehen werden. Sie ist schon ein paar Jahre jünger als die derzeitige „Uralt-Inszenierung“ (angeblich die älteste aller Wiener Staatsopern-Inszenierungen)


ZU INSTAGRAM – VIDEO

HEUTE  Stream aus Sofia: PARSIFAL. Der Stream bleibt bis Samstag 15 h online! Dann folgen ab 16 h Cavalleria und Bajazzo
Zum Stream/ Youtube

Ildar Abdrazakov in Quarantäne – lustiges Ende

ZU INSTAGRAM mit Video

HEUTE IM RADIO

18.4. DIE WALKÜRE (aus Kassel, Aufnahme v. 31.3.2019) HR 2-19.04 Uhr
LA VILLE MORTE (aus Göteborg, Aufnahme v. 8.3.) Bayern 4-19.05 Uhr
TOSCA (aus New York, Aufnahme v. 30,4.2018) Deutschlandradio-19.05 Uhr
DALIBOR (aus Wien, Aufnahme v. 10.8.2004) ORF Ö1-19.30 Uhr
SIMON BOCCANEGRA (aus London, Aufnahme v. 10.12.201) BBC 3-19.30 Uhr
19.4. FIDELIO (aus London, Aufnahme v. 3.3.) SWR 2-20.03 Uhr

OPER ZÜRICH: INTERVIEW-PODCAST ZUM AKTUELLEN THEMA:

In der vierten Folge von «Zwischenspiel», dem Podcast aus dem Opernhaus, sind Andreas Homoki und Christian Berner zu Gast. Der Intendant und der Kaufmännische Direktor des Opernhauses berichten über die aktuellen Herausforderungen und Schwierigkeiten. Darüber welche Entscheidungen wann und wie getroffen werden müssen und welche Handlungsoptionen das Opernhaus in dieser besonderen Situation hat. Diesen Podcast und alle weiteren Folgen finden Sie zum Anhören oder als Download hier: www.opernhaus.ch/podcast

Das aktuelle Streaming-Angebot von Vincenzo Bellinis «I Capuleti e i Montecchi» steht von Freitag, 17. April, 18 Uhr bis Sonntag, 19. April, 24 Uhr online zur Verfügung. Die viel zu selten gezeigte Belcanto-Oper erzählt eine besondere Version des klassischen Romeo-und-Julia-Stoffes. In der Hosenrolle des Romeo ist Weltstar Joyce DiDonato zu erleben, an ihrer Seite singt die junge ukrainische Sopranistin Olga Kulchynska die Giulietta. Die Inszenierung des Regisseurs Christof Loy und das Dirigat von Fabio Luisi wurden an der Premiere von Publikum und Presse gleichermassen begeistert aufgenommen. Weitere Informationen und das vollständige Programm von «Heimspiel: Der Online-Spielplan» finden Sie hier: www.opernhaus.ch/streaming

München: Opern-Uraufführung im Staatstheater am Gärtnerplatz verschoben
Aufgrund der aktuellen Situation muss die ursprünglich für 23. April 2020 angesetzte Premiere der Oper »Schuberts Reise nach Atzenbrugg« abgesagt werden. Die Uraufführung soll nun voraussichtlich in der Spielzeit 2020/2021 stattfinden.

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin präsentiert seine Saison 2020/2021


 
 Auf der Jahrespressekonferenz des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO) präsentierten per Livestream Chefdirigent Robin Ticciati, Orchesterdirektor Alexander Steinbeis und Bratschistin Eve Wickert, Mitglied des Orchestervorstands, die Projekte der Saison 2020/2021.

Mehr darüber in unseren „Infos des Tages“

Buchbesprechung über Jochen Köhler: ARTURO BENEDETTI MICHELANGELI
Auf der Suche nach dem Vollkommenen
216 Seiten, wolke Verlag, 2020

Geboren vor hundert Jahren, vor einem Vierteljahrhundert verstorben, war Arturo Benedetti Michelangeli einer der Großen am Klavier, die das vorige Jahrhundert beherrschten. Und er verfügte zudem über ein absolut faszinierendes Image, das zweifellos zu seinem Ruhm beitrug. Wer so schwierig, so rätselhaft war, musste auch jemand Besonderer sein…

Autor Jochen Köhler spürt dem Phänomen des Künstlers auf mehreren Ebenen mit großer Ausführlichkeit nach. Die Biographie wird kurz gehalten, einiges an bewusster Legendenbildung steckte immer darin. Geboren als Sohn eines hoch musikalischen Advokaten und einer adeligen Mutter, wuchs er in Brescia auf, war ein Wunderkind, wobei er eigentlich die Geige bevorzugte, aber ein Klavierstar wurde. Seine Ausbildung war hervorragend, das Conservatore Giuseppe Verdi in Mailand schloß er schon als 13jähriger ab. Bereits bei Wettbewerben war er der Liebling des Publikums. Aus unerfindlichen Gründen im Weltkrieg von der Wehrtätigkeit befreit (zur Legende gehört auch, dass er sich dem Widerstand angeschlossen hätte), begann seine Weltkarriere in den Kriegsjahren und hielt bis in die achtziger Jahre an – und das, obwohl Benedetti Michelangeli als berüchtigt „schwierig“ galt und auch ein großer „Absager“ war. Vielleicht machte das diesen Mann, der eine Attitüde der Unzugänglichkeit ausstrahlte, noch interessanter…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Berlin
Klaus Lederer zur Öffnung der Kultur: „Es gibt auch Instrumente, die man mit Mundschutz bedienen kann“
Die Beschränkungen im öffentlichen Leben sollen abgebaut werden. Was bedeutet das für die Berliner Kultur? Ein Gespräch mit Kultursenator Klaus Lederer.
Tagesspiegel

Söders Schweigen zur Kultur: unverständlich
Gestern gab der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erste Schritte zur Lockerung der Corona-Maßnahmen bekannt. Über alles wurde gesprochen: Schule, Kinderbetreuung, Geschäfte, Fußball, ja sogar Fußpflege – nur nicht über die Kultur. Das ist enttäuschend.
BR-Klassik

Da muss ich den Herrn Söder schon in Schutz nehmen: Schweigen ist besser als blöd daherreden!

Zu dieser Aussage passend: Österreich: Kinobranche stellt Aussagen von Staatssekretärin Lunacek richtig

 Kinoverbandspräsident Dörfler: Im Sommer werden in unserer Branche enorme Umsätze getätigt

Die heute in der Pressekonferenz von Staatssekretärin Lunacek getätigte Aussage, wonach Kinos an Sie herangetreten sind und nicht öffnen wollen, weil diese im Sommer ohnehin wenig frequentiert werden, wird vom Präsidenten des Österreichischen Kinoverbandes, Christian Dörfler, als absolut falsch zurückgewiesen: „Die Aussagen der Frau Staatssekretärin sind völlig absurd. Selbstverständlich wollen wir am liebsten morgen unsere Kinosäle wieder öffnen, wir sind ja nicht der Feind unseres eigenen Geschäftes! Im Sommer werden in den Kinos gewaltige Umsätze generiert, da traditionell gerade in den Monaten Juli und August aus der Filmschmiede Hollywood einige Blockbuster ihre Europa Premieren haben und unser Publikum auch im Sommer gerne ins Kino kommt.“..

Es kommt selten bis nie vor, dass ein Subventionsempfänger eine Aussage einer Subventionsgeberin öffentlich als „völlig absurd“ bezeichnet. Im Fall der Frau Lunacek ist das freilich ein Hilfsausdruck!

Burgenland blockiert „Meer der Wiener“
De facto bleibt der Neusiedler See weiter geschlossen. Die Entscheidung sorgt für Wirbel.
Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein: Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SP) war nach längerer Krankheit kaum wieder in seiner Amtsstube angelangt, als er per Verordnung mit Wirkung ab Donnerstag den Neusiedler See für ­Fremde quasi abriegeln ließ – ÖSTERREICH berichtete. Vor allem die Wiener sind maßlos enttäuscht.

Das Paradoxe: Im Büro des Landeshauptmanns sieht man die neuen Regeln gar als Lockerungen, weil der Neusiedler See wegen der Corona-Epidemie zuvor komplett unzugänglich war. Jetzt dürfen immerhin Anwohner aus einem Radius von 15 Kilometern ans Wasser, die Besitzer von Seehütten und Fischer in die Seebäder. Der Rest muss draußen bleiben. Und der fragt sich: Darf Doskozil das überhaupt?..

Oe24.at

Die Frage, wer was darf, ist derzeit in Österreich völlig unwichtig. Auch die Ausgangsbeschränkungen sind höchstwahrscheinlich nicht rechtens. Aber da die Mühlen des Gesetzes langsam mahlen, ist die Badesaison längst vorbei, wenn hier eine Entscheidung – so diese überhaupt angestrebt wird – fallen wird.

Auf der ganz sicheren Seite wäre Herr Doskozil, wenn er den Neusiedlersee kaufen und als Privatbesitz einzäunen lassen würde. Sie meinen, das wäre nicht möglich? In Österreich ist derzeit alles möglich, statt Festspiele haben wir Chaos-Tage!

Ein solchen schönen Chaostag wünscht

A.C.

 

Diese Seite drucken