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17. OKTOBER 2021 – Sonntag

17.10.2021 | Tageskommentar

 

Wenn man die Geschichte all ihrer „Realität“ entkleidet, wie Regisseur Christof Loy es tut (Bühne: Johannes Leiacker), bedeutet das zweifellos einen Nachteil für die vielen Nebenfiguren, die meist im Chor versinken und sich und ihre Funktionen nicht profilieren können (ebenso wie die Handlung im Detail in der Luft hängen bleibt).

Aber dafür gewinnt der Abend auf nahezu leerer Bühne, nur ein Bett im Vordergrund (die schmale, aber signifikante Welt des Peter Grimes) natürlich etwas ungemein Gleichnishaftes. Indem der Chor schlechtweg brillant geführt ist (auch mit Hilfe der Choreografie von Thomas Wilhelm), im Beobachten, Näherrücken, Zusammenrücken, Bedrängen, wird die „Jagt den Außenseiter“-Situation so stark, wie sie nur sein kann.

Darüber hinaus ist „Peter Grimes“ natürlich, unwidersprochen eine homosexuelle Geschichte mit ihren Geheimnissen, und das kann man hinunterspielen – oder ausreizen bis zum Letzten, wie Christof Loy es tut, zumal in der Geschichte des „Boy“. Das ist hier kein Halbwüchsiger aus einem Dorf, das ist weit mehr ein ganz bewusster Strichjunge, der es darauf anlegt, zum Objekt der Begierde für alle zu werden, sogar von einer Frau – auch Ellen Orford würde ihm erliegen, und Kapitän Balstrode, für den das gar nicht vorgesehen wäre, findet sich in das Spiel der Sexualität eingebunden: Man spürt, dass er Grimes gerne „so“ nahe wäre, und er läuft erst in letzter Minute vor den Versuchungen des „Boys“ davon…

Foto: Monika Rittershaus

…Benjamin Britten gehört (neben Richard Wagner natürlich) zu jenen Komponisten, wo man dem Orchester ebenso gerne zuhört wie den Sängern, denn hier geht es nicht nur um Begleitung und „Stimmung“, hier wächst ein eigenständiger musikalischer Kosmos neben dem szenischen. Was ein Orchester hier alles können muss, ist vom ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Thomas Guggeis glücklicherweise nicht zu viel verlangt, immer wieder horcht man bei besonders starken Passagen auf. Und der Arnold Schoenberg Chor (geleitet von Erwin Ortner), der, wie man weiß, alles kann, war diesmal wieder besonders gefordert – und besonders eindrucksvoll.

Starker Beifall für einen starken Abend

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Wien/ Theater an der Wien: PETER GRIMES  – 2 Fotoserien auf Instagram

Dirigent Thomas Guggeis. Foto: Monika Rittershaus

ZU INSTAGRAM mit weiteren Fotos – Serie 1

ZU INSTAGRAMmit weiteren Fotos – Serie 2

Wiener Staatsoper: Supergau vom Staatsopernchor verhindert

So etwas passiert (hoffentlich) nur in Corona-Zeiten. Der bei Eugen Onegin sehr wichtige Chor konnte nicht anreisen, weil es sich um einen Gastchor aus der Slowakei handelt. Was den Staatsoperdirektor zu diesem waghalsigen Experiment bewogen hat, entzieht sich meiner Kenntnis bzw. hat mich nie sonderlich interessiert, ob ich von der damaligen Notwendigkeit überzeugt bin, ist daher unwichtig. Viel interessanter wäre zu wissen, ob es auch der Staatsopernchor damals verstanden und als Notwendigkeit empfunden hat. Egal, diesmal schaffte der Chor ein Husarenstück.

 

WIEN / Staatsoper: EUGEN ONEGIN von Piotr I. Tschaikowski, 15. Oktober 2021

Erst die vierte Aufführung dieser Neuproduktion, und schon drohte ein – logistisch allerdings vorprogrammierter und damit selbstverschuldeter – Supergau: Am Morgen wird die Direktion informiert, dass der eigens für diese Produktion engagierte Chor aus der Slowakei – wegen Covid19-Erkrankung einiger Mitglieder – nicht werde anreisen können. Was folgt, ist ein hektischer Tag mit eingeschobenen Proben, denn gerade der Chor hat in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov viel zu tun, nicht nur gesanglich, sondern er ist auch in die Handlung stark eingebunden. Als Hauspersonal, Bauernchor und Gäste im Landgut der Eltern von Tatjana und Olga sowie beim Ball am Hofe von Fürst Gremin, der hier allerdings gar kein Ball ist, wovon später noch die Rede sein wird. Bevor der Vorhang aufgeht, tritt der Staatsoperndirektor vor das Publikum und lobt den tapferen Einspringer, auf den immer Verlass sei: den vielgerühmten Chor des Hauses, um den uns viele Bühnen in aller Welt beneiden und der auch an diesem Tag, unter widrigen Umständen, sich bestmöglich bewährt und dafür sorgen wird, dass die Vorstellung weitgehend klaglos über die Bühne gehen kann. Trotz dieser enormen Herausforderung ist anzunehmen, dass der Auftritt des von Thomas Lang in Blitzeseile einstudierten Staatsopernchors an diesem Abend von seinen Mitgliedern nicht zuletzt auch als Genugtuung empfunden wird…

Asmik Grigorian, Andre Schuen. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

...Für die erkrankte Nicole Car übernimmt Asmik Grigorian bei ihrem Wiener Rollendebüt den Part der zartfühlenden, unschuldsvollen, schwärmerischen Tatjana, die im Schlussakt an der Seite von Fürst Gremin zu einer gereiften, treuen Ehefrau geworden ist, die von Onegin nochmals leidenschaftlich herausgefordert wird, sich dann aber klar zu ihrer jetzigen Lebensentscheidung bekennt. Auch sie wirkt, in der unentschlossenen Personenführung des Regisseurs, in 1. und 2.  Akte meistens zu passiv. Eine Ausnahme ist die Briefszene. Hier tritt sie stark in Erscheinung, stößt in höchster Erregung Stühle um und tänzelt, hin und hergerissen von entflammten Emotionen, auf dem Tisch umher. Man hat Tatjanas große Arie schon schöner gesungen gehört. Hier meint man zunächst den großen Bogen zu vermissen. Doch bald wird man positiv überrascht und nimmt zu Kenntnis: Die innere Zerrissenheit, ihre aus dem Lot geratene seelische Verfassung, die überspannten und übereilten Erwartungen an die Zukunft und die Angst davor – all diese Reflexionen und Ausbrüchen spiegelt ihre Arie trefflich wider…

…Das Publikum reagiert einhellig begeistert und mit viel Applaus. Mag sein, dass da auch Dankbarkeit angesichts der vom Herrn Direktor anfangs erwähnten schwierigen Bedingungen mitspielt. Oder aber die schaurige Erinnerung an die frostige Eishockeyplatz-Vorgängerinszenierung, die nun endgültig abgelöst ist.

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

WIEN/ Staatsoper: EUGEN ONEGIN  am 15.10. 2021 – Bericht von Thomas Prochazka

Der Chor der Wiener Staatsoper springt am eigenen Haus ein und rettet die Vorstellung. Dmitry Tcherniakov orchestriert die Szene als Statist auf der Bühne. Andrè Schuens Tun ragt als Leuchtturm weithin sichtbar über das ihn umgebende gesangliche Tiefland, und Tomáš Hanus am Pult waltet über einen musikalisch harmlosen, erschreckend beliebigen Abend.
(So waren, in Kürze, die Begebenheiten.)

Der Staatsopernchor rettete die Vorstellung. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

…Es war Andrè Schuen, der in der Partie des Eugen Onegin an diesem Abend alle Kollegen überstrahlte. Schuen bot, mißt man mit heutigem Maß, eine sehr gute Leistung. Bemühte sich um die gesangliche Linie. (Die sich, kaprizöse Schöne, nicht durchwegs erobern ließ.)…

...Diese Vorstellung war die des Chores der Wiener Staatsoper, der sich hiermit das Recht auf Eugen Onegin wiedererobert hat. Und all jener, welche, oft unbedankt, hinter der Bühne dafür sorgen, daß am Abend der Vorhang hochgeht.

http://dermerker.com/index.cfm?objectid=5371E169-9F2F-0D7B-8C24D56C295A57EE Thomas Prochazka

Wien: Asmik Grigorian vor, während und nach ihrer Tatjana in „Eugen Onegin“ – ein interessantes Video

 

ZU INSTAGRAM mit Video

Gestern in der sogenannten „Provinz“. Wo liegt heute die „Opernprovinz“ ?

Offenbar nicht in Klagenfurt!

Fotografiert von Leser Erich S.

Prag: „ERSTES FESTIVAL MUSICA NON GRATA“ (Alexander Zemlinsky) Tschechische Staatsoper – 8. -10. 10. 2021

Anfang einer neuen Ära in Prag mit „verbotener Musik“ und der Uraufführung des Opernfragments „Malva“ von Alexander Zemlinsky
Der Geburtstag von Alexander Zemlinsky jährte sich dieser Tage (14.10.) zum 150. Mal

Wiederentdeckung Zemlinskys an der Tschechischen Staatsoper zu seinem 150. Geburtstag. Das Wiener Wunderkind wurde viel weniger bekannt als seine Zeitgenossen und gab sich selbst die Schuld dafür: „Man ist an seinem Schicksal immer selbst schuld – letzten Endes; oder unschuldig schuldig wenigstens. Mir fehlt sicherlich das gewisse Etwas, das man haben muss – und heute mehr denn je – um ganz nach vorne zu kommen. In einem solchen Gedränge nützt es nichts, Ellbogen zu haben, man muss sie auch zu gebrauchen wissen.“ (© Narodny Divadlo) 

Uraufführung des Opernfragmentes „Malva“

Diese ganzen familiären und emotionellen Verstrickungen erklären die Entstehung von „Malva“ und warum diese Oper nie zur Aufführung kam. Antony Beaumont, der unbestrittene Zemlinsky-Spezialist par excellence (seine 2005 bei Zsolnay in Wien erschienene Zemlinsky-Biografie gilt als das Standartwerk), konnte in zwei Vorträgen wunderbar darüber berichten. – Auch weil er eine vielbeachtete Neuauflage von Mahlers Briefen verlegt hat (mit 188 Briefen & Dokumenten die Alma zensiert oder ganz gestrichen hatte). Nur kurz dazu: Der sehr belesene und aufgeschlossene Zemlinsky hat die Novelle des damals kaum bekannten Maxim Gorki schon 1901 gelesen als er leidenschaftlich in seine Schülerin Alma verliebt war, die am 9. März 1902 den 19-Jahre älteren Gustav Mahler heiratete…

Ausführlicher in unseren „Infos des Tages“ oder HIER

München/ Gärtnerplatztheater
Aufwändige Annäherung – „Amors Fest“, eine barocke Ballettoper am Gärtnerplatztheater 
Neue Musikzeitung/nmz.de

„Amors Fest“ im Gärtnerplatztheater: Ein Sieg für Spanien
Das Barockspektaktel „Amors Fest“ von Karl Alfred Schreiner und Howard Arman im Gärtnerplatztheater.
Münchner Abendzeitung

Wien: Zwei Theaterkritiken online: DER BOCKERER im Theater in der Josefstadt und „HELDENPLÄTZE im Volkstheater in den Bezirken

Den jeweiligen Link finden Sie in den Theaterkritiken, wir gehen morgen, Montag, noch genauer darauf ein!

Hamburger Schauspielintendantin bezeichnet Kritiker als „Scheiße am Ärmel“

Karin Beier ist die Karina Sarkissova des Schauspiels – und das ist keinewegs positiv gemeint (wie denn auch?) Ein Tag ohne reißerische Schlagzeile ist ein verlorener!

Unser Mitarbeiter Dr. Klaus Billand ist besonders empört:

 

Das ist unfassbar. Welche Ignoranz, Arroganz und Feigheit vor Qualitätsbeurteilung durch Dritte! Unglaublich! Aber das wird nicht durchgehen. Es zeigt nur eigene Unsicherheit oder die Gewissheit, dass man dort nichts macht, was entgegen eigener Auffassung berichtenswert wäre. So ein Kommentar käme sicher nicht bei regelmäßig vollem Haus. 

Allein schon aufgrund ihres öffentlichen Auftrags der Theater und der erheblichen Subventionen durch die öffentliche Hand ist so ein Kommentar an Absurdität und Unangemessenheit, ja Vermessenheit kaum noch zu überbieten.

Klaus Billand

Theaterskandal: Karin Beier und die „Scheiße am Ärmel“
https://www.welt.de/kultur/theater/plus234436386/Theaterskandal-Karin-Beier-und-die-Scheisse-am-Aermel.html

ORF
Karina Sarkissova ärgert sich über Otto Konrad: „Schlecht erzogen“
Nach der Show gab es laut der Dancing-Stars-Jurorin einen unschönen Zwischenfall.
Kurier.at

Otto Konrad war Fußball-Torwart bei Salzburg und in Spanien. Bei den ORF-Dancing-Stars hat er ausgetanzt – durchaus zu Recht, wie meine Frau meint. Aber darum geht es gar nicht, sondern um die Kommentare der Frau Sarkissova, die von Dominique Meyer vor Jahren aus dem Wiener Staatsopernballett geschmissen wurde. Über die Manieren von Herrn Konrad kann ich nicht urteilen, meine Meinung über Frau Sarkissova mache ich hier sicher nicht öffentlich. Nach der letzten Sendung sind die beiden zufällig in einem Hotel zusammengetroffen unfd Frau Sarkissova hat Herrn Konrad angesprochen. Der wollte aber nicht reden, schon gar nicht mit der spitzzüngigen Jurorin.

Was Frau Sarkissova daran gestört hat, lesen Sie in der Zeitung. Ganz ehrlich, mir wäre in dieser Gemütslage auch nicht nach Sarkissova gewesen. Diese hat nun wieder ihre tägliche Schlagzeile im Boulevard – um die geht es nämlich!

Hollywood
Veranstalter wollen Golden Globes ohne TV-Gala abhalten
Das gab der Verband der Auslandspresse in Hollywood, der die Film- und Fernsehpreise organisiert, am Freitag bekannt.
Oberösterreichische Nachrichten

ORF HEUTE: „IM ZENTRUM“: Zwischen Türkis und Schwarz – Wohin steuert die ÖVP?

Am 17. Oktober um 22.10 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) – Die Regierungsarbeit wird nach dem Rücktritt von Sebastian Kurz fortgesetzt. Nach der Kanzler-Rochade befindet sich die ÖVP aber immer noch unter Druck. Was bedeuten die Korruptionsermittlungen für das Ansehen der Partei und die Zukunft von Sebastian Kurz als Parteichef und Klubobmann? Welcher Werte-Katalog wird als Maßstab für die Neue Volkspartei herangezogen? Wie wird sich Alexander Schallenberg als Bundeskanzler profilieren? War der Rücktritt von Sebastian Kurz alternativlos? Wie viel Macht hat der Parteiobmann und nunmehrige Klubobmann Kurz und wie viel Gewicht haben die Meinungen der Landeshauptleute? Wird Türkis wieder Schwarz und aus der neuen Volkspartei wieder die alte?

Darüber diskutieren am Sonntag, dem 17. Oktober 2021, um 22.10 Uhr in ORF 2 bei Claudia Reiterer „IM ZENTRUM“:

Elisabeth Köstinger Bundesministerin für Landwirtschaft und Tourismus, ÖVP
Franz Fischler ehem. EU-Kommissar, ÖVP
Matthias Strolz ehem. Bundesparteivorsitzender NEOS
Fritz Plasser Politikwissenschafter

Über Politik möchte ich mich derzeit nicht weiter äußern. Was heute aktuell ist, kann morgen schon wieder ganz anders sein!

Haben Sie einen schönen Tag!

A.C.

 

 

 

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