Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

17. JULI 2022 – Sonntag

17.07.2022 | Tageskommentar

München/ Bayerische Staatsoper: DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN  – „OPER FÜR ALLE“. Der Intendant bei der Begrüßung. Foto: Andreas Schmidt

München: Erhabenheit, Vollkommenheit und Finesse

Auch mit dieser Ausnahmeproduktion, dem „Schlauen Füchslein“ von Leoš Janáček, hat die Bayerische Staatsoper in München bewiesen, dass sie mit Abstand das beste und inspirierendste Opernhaus in Deutschland ist. Zwar geben sich an der Wiener Staatsoper (noch) mehr Weltstars die Hände, aber was der australische Regisseur Barrie Kosky hier an Erhabenheit, Vollkommenheit und Finesse kreiert hat, hat das Haus am Ring noch nicht gesehen. (Andreas Schmidt)

Angela Brower, Elena Tsallagova. Foto: Wilfried Hösl

Klassik-begeistert.de

Na ja, lieber Andreas Schmidt, bevor die Rösser vollends durchgehen. Die Wiener Staatsoper gehört nicht zu Deutschland und kommt in diese Argumentation wie Pontius Pilatus in das Credo. Und der Herr Kosky ist doch eher eine Berliner Erfindung. In Wien kommt der übrigens gar nicht so gut an, viele Wiener Opernfreunde  fürchten sich bereits vor der Fortsetzung des Da-Ponte-Zyklus.

Ansonsten bin ich einverstanden, das „Füchslein“ ist ihm gelungen und die Bayerische kommt im Moment auch sympathischer rüber als die Wiener. Selbst für Wiener!

BAYERISCHE STAATSOPER: HEUTE PREMIERE „CAPRICCIO“ IM PRINZREGENTENTHEATER

Diana Damrau (Gräfin). Foto: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Konversationsstück für Musik von Richard Strauss
Komponist Richard Strauss. Libretto von Stefan Zweig, Joseph Gregor, Clemens Krauss, Richard Strauss und Hans Swarowsky. Neuproduktion.
Premiere am 17. Juli 2022

Münchner Opernfestspiele Sonntag, 17. Juli 2022, 19.00 Uhr, Prinzregententheater.
1. Teil (ca. 19.00 – 20.00 Uhr) Pause (ca. 20.00 – 20.30 Uhr) 2. Teil (ca. 20.30 – 22.00 Uhr)

PREMIERE!
Münchner Opernfestspiele, Capriccio
Preise PAA , € 191 /152 /105 /- /-
Tickets

Clairon (Tanja Ariane Baumgartner), Michael Nagy (Graf). Foto: Wilfried Hösl/Bayerische Staatsoper

Musikalische Leitung: Lothar Koenigs
Inszenierung : David Marton
Szenische Einstudierung : Andreas Weirich

Die Gräfin : Diana Damrau
Der Graf : Michael Nagy
Flamand : Pavol Breslik
Olivier : Vito Priante
La Roche : Kristinn Sigmundsson
Die Schauspielerin Clairon : Tanja Ariane Baumgartner

München/Bayerische Staatsoper
David Marton über „Capriccio“ an der Bayerischen Staatsoper: Müssen Künstler politisch korrekt sein?
David Marton brachte die Oper vor neun Jahren in Lyon heraus. Am Sonntag hat seine Inszenierung im Rahmen der Münchner Opernfestspiele im Prinzregententheater Premiere.
MünchnerMerkur.de

Österreichischer Musiktheaterpreis – Diskussionen auch über den Juryvorsitz

Unser Forum wurde zwar eingestellt (heute „feiern“ wir „eine Woche ohne Forum“), dennoch gelangen Wortmeldungen zu mir.

Zum Beispiel und stellvertretend für mehrere Diskutanten von „Balthasar Zorn“ (Forumsname): Komisch ist das schon mit den Nominierungen: Da ist Roscic auf seine Regiearbeiten so stolz, aber keine Produktion, keine Inszenierung, keine Ausstattung hat er nomiert bzw. nominieren lassen , sondern z.B eine Netrebko und einen Tezier, die sich andere österreichische Theater wohl kaum leisten können.

Das bedeutet „mit Kanonen auf Spatzen schießen“.

Der Herr Sichrovsky steht auch im Kreuzfeuer, manche Leser vergleichen ihn mit dem Nationalratspräsidenten, der auch einen Ausschuss leitet, bei dessen Themen er stark involviert war/ist. Herr Sichrovsky gilt in der Branche und auch in der Wahrnehmung unserer Leser als der größte Heranpirscher im Kulturbereich, zumindest zu unserer Zeit.

Viel Glück, Österreichischer Musiktheaterpreis!

KOMMENTAR VON SUNE MANNINEN ZUR SITUATION (Russen-Bashing)

 

Mit Interesse  las ich Ihren heutigen Kommentar zum Netrebko-Bashing. Diese ganze Hexenjagd gegen russische Künstler im Allgemeinen und Sänger im Speziellen geht mir gewaltig gegen den Strich. Es sollte doch bekannt sein, dass jedes russische Opernhaus ein staatliches Theater ist (siehe Mariinsky = Staatliches Akademisches Mariinsky-Theater), also mit Geldern des Staates = Putin gefördert. Soll man aus dieser Tatsache schließen, dass jeder am Mariinsky arbeitende Künstler Putin und dessen Krieg in der Ukraine unterstützt? Wenn dem so wäre, dürfte keiner dieser Künstler im Westen auftreten. Blogs wie Operawire.com oder slippedisc.com (Norman Lebrecht) wetteifern damit, dass sie westliche Operndirektoren vor Engagements russischer Künstler warnen wie z.B. Yuliya Matochkina oder Evgeny Nikitin, die an der MET auftraten oder auftreten sollten, obwohl sie Mitglieder des Mariinsky-Theaters sind. Darf Nikitin an der MET Telramund singen, obwohl er am „Victory Day“ die Titelrolle in Borodins „Fürst Igor“ sang und (so wird geschlussfolgert) damit Putin unterstützte?

Mich stört außerdem die Ungleichbehandlung. Offiziell ist nicht bekannt, warum Ildar Abdrazakov seinen Auftritten an der Wiener Staatsoper nicht nachkam (nachkommen durfte?). Seiner Facebook-Seite entnahm ich jedoch, dass er zur Zeit am Königlichen Opernhaus Covent Garden Verdis Attila probt. Was ist mit Ekaterina Sannikova, die gerade in St. Margarethen Abigaille sang? Oder Irina Churilova als Gioconda an der Scala? Ist keinem der Inquisitatoren aufgefallen, dass diese Sänger (man könnte sie auch als Gergievs Favoriten abqualifizieren) Mitglieder des Mariinsky-Theaters sind? Man könnte diese Liste fast beliebig weiterführen, denn auch Ekaterina Semenchuk, Alexei Markov, Vladislav Sulimsky, Roman Burdenko, Andrei Popov und viele mehr tummeln sich im Westen. Wurde von ihnen verlangt, sich von Putin zu distanzieren, so wie es vom Tenor Alexander Mikhailov verlangt wurde, der am Prager National-Theater den Duca in „Rigoletto“ hätte singen sollen? Nicht verwunderlich, dass er dieser Distanzierung nicht nachkam, denn dies ist in Putin-Russland ja unter Strafe gestellt. Konsequenz : Sein Vertrag wurde aufgelöst.

Mit besten Grüßen aus Finnland

Bregenz
Elisabeth Sobotka: „Aufrechte russische Geister unterstützen“
Die Bregenzer Festspiele beginnen wieder: Intendantin Elisabeth Sobotka über gute Verkaufszahlen, Corona und den Krieg.
WienerZeitung.at

Die Meinung der Intendantin ist etwas drollig. Sie „verlangt zwar kein offenes Bekenntnis gegen Putins Krieg“, versichert sich aber dennoch, dass Ihre „aufrechten Russen“ sich zumindest innerlich dagegen positioniert haben. Wie funktioniert dieses Bekenntnis?

Eine Gegenpositionierung ist gleichbedeutend mit dem Wegfall sämtlicher staatlicher Fairness in ihren Russland-Positionen, also mit der Aufgabe der oft hart  erarbeitenden Leitungspositionen.

Simpler Vergleich: Äußere ich mich in Niederösterreich gehen Ihre Majestät, die Landeshauptfrau Johanna I., dann brauche ich erst um keine Baugenehmigung mehr einreichen!

Giuseppe Verdi: Nabucco • Oper im Steinbruch St. Margarethen • Vorstellung: 15.07.2022

Copyright: „Oper im Steinbruch/Jerzy Bin

…Eine gelungene Openair-Aufführung.

Zum Bericht von Jan Krobot/Zürich

Georges Bizet: Carmen • Oper Burg Gars •

Nach zwei Jahren Verschiebung konnte Bizets «Carmen» nun die vierte Premiere auf Burg Gars feiern. Nicht nur das Wetter war kaiserlich: Die Produktion wurde vom Premierenpublikum begeistert gefeiert.
Zum Bericht von Jan Krobot/ Zürich

Seefestspiele Mörbisch: „The King and I“ entthront den Walzerkönig

 

Das vormals so gepriesene und lautstark beworbene ‚Mekka der Operette‘ ist im austrocknenden Neusiedlersee versunken. Ein ebenso angepriesener wie beworbener Broadway-Ableger soll nun dafür die Herzen der Burgenländer und vieler, vieler Angereister beglücken. So haben es die Kulturpolitiker des Bundeslandes vorgeschrieben. Der Bruch mit dem Wechsel von heimischer Tradition zu gängigen Verkaufsshows mag durchaus typisch für die heutige österreichische Kulturszene ohne eigene geistvolle Schaffenskräfte anzusehen sein…

…Das menschliche Gewirre an solch einem Premierenabend ergibt eher das Flair eines Stadions als einer Kulturstätte. Und es scheint, dass zur Zeit nicht liebevoll mit Kultur geflirtet wird sondern einfach jegliches Publikum herbei geholt werden soll. Andreas Gabalier steht demnächst auf der Menuekarte. Und nächste Saison ist das „Mamma Mia!“-Wunder von Schwedens ABBA zu erleben. Der Strauß-Schani und Meister Lehár dürften in Mörbisch vorläufig wohl ausgebootet sein. Und damit ein Stück wertvollster österreichischer Kultur.

Zum Bericht von Meinhard Rüdenauer

Erfurt
„Nabucco“ bei den Erfurter Domstufen-Festspielen: Große Bilder, wenig Feinheiten
Mdr.de.klassik

Schwetzingen
„Così fan tutte“ in Schwetzingen: Der süße Schreck
Und wenn man sich noch eins fest vornimmt für die endende Spielzeit: „Così fan tutte“ in Schwetzingen.
FrankfurterRundschau.de

West Horsley
The Flying Dutchman, Grange Park Opera, review: no storm and no ship in this prosaic economy staging (Subscription required)
A straight concert performance might have been better than this awkward half-measure, but Bryn Terfel is a commanding Wagnerian lead
telegraph.co.uk

Wien
Keine Rock’n’Roll-Show und darum die beste: Die Rolling Stones in Wien
Darf Mick Jagger leutselig über Stelze und Bier plaudern? Aber ja. Solange seine Band ihre dunkle Energie stets neu am Chaos auflädt. Das tat sie auch im vollen Praterstadion. Höhepunkte: „Out Of Time“, „Midnight Rambler“.
Die Presse.com

Ausstellungen/ Kunst
Kassel:
Nach documenta-Eklat: Geschäftsführerin Schormann legt Amt nieder
Die Managerin stand durch ihren Umgang mit antisemitischen Bildern auf der Kunstschau stark in der Kritik
Kurier.at

Fotografie: Das Missgeschick des Augenblicks
Wieso gelten verwackelte oder unscharfe Fotos als misslungen? Ein Plädoyer für eine andere Annäherung an die Fotografie.
WienerZeitung

Buchbesprechung:

 

Milan Turković
PAUSENTÖNE
124 Seiten, Verlag Der Apfel, 2022

Wenn man immer schon gerne geschrieben hat  – und Milan Turković, einst im Hauptberuf berühmter Fagottist, bringt es auf ein gutes halbes Dutzend Bücher -, dann läuft der Schock des März 2020, als Corona und der Lockdown plötzlich über die Menschen hereinbrachen, vielleicht auch darauf hinaus, sich über mancherlei den Kopf zu zerbrechen und es nieder zu schreiben. So kam es zu dem Bändchen „Pausentöne“, das unter dem Motto der Nestroy’sche Erkenntnis „Ja, die Zeit ändert viel!“ stehen könnte.

Turković sinniert viel darüber, was erst die Pandemie und nun, viel schlimmer, der Krieg für uns bedeuten. Er schwenkt dennoch in die Vergangenheit, und der nunmehr bald 83jährige erzählt etwa von seinen Erfahrungen des Reisens mit Orchestern (als Fagottist war er bei vielen Institutionen teils Mitglied, teils Gast), was auf jeden Fall eine besondere Sache ist (immer mit der Sorge um das mitreisende Instrument).

Vor Jahrzehnten haben sich – „Ja, die Zeit ändert viel!“ – Musiker, wenn sie an das Teatro Colon in Buenos Aires gingen, gerne zur Überfahrt wochenlang auf ein Schiff gesetzt, um noch einmal Zeit für ausführliches Partiturstudium zu haben. Heute kann das Hin- und Herhetzen zwischen den Kontinenten gar nicht schnell genug gehen…

Auch Persönliches spielt da herein: Turković, nach dem Tod seines aristokratisch-kroatischen Vaters von der Wiener Mutter nach Österreich gebracht, wurde als junger Musiker gewarnt, an einem Gastspiel in Tito-Jugoslawien teilzunehmen. Obwohl längst Österreicher, hätte man ihn noch als Kroaten betrachtet und wegen nicht geleisteten Militärdienstes dort einbehalten…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Aktuelles aus „Neue Zürcher Zeitung“

Mario Draghis sparsame Rhetorik war neu für Italien. Seine Rücktrittsankündigung ist auch ein Sieg der Geschwätzigen
Was die Regierungskrise in Rom über den italienischen Regierungschef und das System aussagt.
Jetzt lesen
 Aus dem Nichts an die Downing Street? Die Überraschungskandidatin Penny Mordaunt mischt das Rennen um Boris Johnsons Nachfolge auf
Glaubt man den Wettbüros, ist Penny Mordaunt die Favoritin für die Nachfolge Boris Johnsons. Die 49-Jährige ist zwar wenig bekannt, überzeugt aber mit Charisma und unorthodoxen Positionen. Sie erfreut sich in der Parteibasis enormer Beliebtheit.
Jetzt lesen
Der reichste Mann der Ukraine steigt aus dem Mediengeschäft aus – ob das der Pressefreiheit hilft, ist fraglich
Der Oligarch Rinat Achmetow übergibt die Lizenzen seines Medienimperiums an den ukrainischen Staat. Die Medienmacht in der Ukraine ist zunehmend konzentriert – teilweise auch in den Händen der Regierung Selenski.
Jetzt lesen
 Biden in Saudiarabien: Zwei Fäuste und ein bisschen Erdöl: Nach Israel besucht der amerikanische Präsident Biden zum Abschluss seiner Nahost-Reise Saudiarabien. Dort trifft er auch auf Kronprinz Mohammed Bin Salman, den er bis vor kurzen als Schurken bezeichnet hat. Ein Freundschaftsbesuch ist es nicht.
Jetzt lesen
 Spanien will die Aufarbeitung der Franco-Diktatur vorantreiben – doch ein neues Gesetz zeigt, wie schwer das ist: Menschenrechtsverbrechen sollen untersucht und die 40 Jahre Unrechtsstaat nun auch im Schulunterricht behandelt werden. Doch für die konservative Opposition werden dadurch nur alte Wunden aufgerissen.
Jetzt lesen

Genießen Sie einen schönen Sonntag und vermeiden Sie jeden Ärger.

A.C.

 

Diese Seite drucken