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CHEMNITZ/ Oper: NON(N)SENS – Musical von Dan Goggins

27.11.2017 | Operette/Musical

Chemnitz: „NON(N)SENS“ – Musical von Dan Goggins am 26. 11.2017

Die Chemnitzer Oper gibt sich zum Auftakt der neuen Spielzeit recht musicalfreundlich, wartet sie doch binnen zweier Monate mit drei Neuproduktionen (allesamt Erstaufführungen) auf, wovon Dan Goggins‘ Off-Broadway-Erfolg die nunmehr jüngste Position einnahm. Leider existiert das Format „Oper auf der Hinterbühne“ nicht mehr, denn hierfür hätte sich das intime Stück weitaus eher angeboten als für den ausladenden Rahmen der eigentlichen Spielfläche des Opernhauses.

So verstand denn Gesamtausstatter Walter Schütze die Not als vermeintliche Tugend, indem er das Geschehen fast durchweg vor dem Vorhang ansiedelte und selbigen vorrangig nur zu einigen Videoeinspielungen lüftete. Linkerhand positionierte der Bühnenbildner ein estradenähnliches Gebilde, auf dessen dem Publikum zugekehrter Rückwand  Andeutungen klösterlicher Atmosphäre ablesbar waren. Rechterhand hatte Jakob Brenner, virtuoser musikalischer Leiter der Inszenierung und für die Backing Tracks mit Musikern der Robert-Schumann-Philharmonie und Gästen zuständig, an einem Orgelpositiv Platz genommen. Da stellte sich schon die Frage, ob Schütze mit einem verminderten Budget vorlieb nehmen musste, zumal andererseits Mittel für Videosequenzen mit dem MDR und einen Ausflug der Nonnen durch Chemnitz und Umgebung (einschließlich einer Begegnung mit der Oberbürgermeisterin) zur Verfügung standen. Wieso sprach zudem Gunther Emmerlich den Begrüßungstext, wenn Regisseur Matthias Winter diese Aufgabe problemlos übernehmen könnte?

Da sich die Regie weder auf die Haupt- noch auf die Hinterbühne begeben konnte, ergriff sie Flucht nach vorn, wobei sie das begeistert reagierende Publikum zu fleißigem Mittun animierte, sei es mittels rhythmischen Klatschens oder der Beteiligung an der ausufernden, ohnehin etwas substanzarmen Quizrunde. Da ließen denn doch der Musikanten-Stadel oder andere Perlen der Unterhaltungskunst grüßen, geriet die eigentliche Fabel in den Hintergrund.

Glücklicherweise verfügt die Inszenierung über ein Solistinnen-Quintett, das der Aufführung unentwegt Glanzpunkte garantiert und ein darstellerisches, vokales und tänzerisches Feuerwerk (Choreographie: Peter Schache) zündet. Als „prima inter pares“ sei zunächst Monika Straube, langjährige Altistin des Hauses, genannt, die als Ruheständlerin nochmals den Sprung auf die Bühne wagt und nicht zuletzt mit einer rundum gelungenen Jazz-Einlage als Oberin das Auditorium in ihren Bann zieht. Wunderbar in ihrer schüchternen Zurückhaltung, der überaus glaubwürdigen Angst vor der eigenen Courage glückt Hanna Moll (Schwester Amnesia) ein prächtiges Chemnitzer Debüt. Dass der über sie hereinbrechende Geldsegen von der Regie nahezu untergebuttert wird, dürfte dem Konto der jungen Dame nicht anzulasten sein. Als „Zweitbesetzung“ Robert Anna errang sich Claudia Müller-Kretschmer mit versiert interpretierten Musical-Hits berechtigten Applaus. Die Schwester Maria Hubert wurde von Sylvia Schramm mit verrucht rauchigen Tönen angereichert, während Katharina Boschmann als verhinderte Ballerina die Lachsalven der Besucher auf ihrer Seite hatte, ohne auf billige Art und Weise um deren Gunst zu buhlen. Mithin erbrachten die genannten Damen (zweifellos vom Regisseur fachkundig geführt) mehr als die Hälfte der Miete.

Joachim Weise

 

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