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16. SEPTEMBER 2018

16.09.2018 | Tageskommentar


„Alcina“ im Theater an der Wien. Copyright: Herwig Prammer/ Theater an der Wien

Renate Wagner in ihrer Premierenkritik: Alcina, die so oft vertonte Heldin aus dem „Orlando furioso“, haust bei Händel auf ihrer Zauberinsel der Lüste, zieht Menschenmänner in ihren Bann und verwandelt sie in Tiere – bis sie ihrer Macht beraubt wird. „Alcina“ war 2010 in der Wiener Staatsoper der erste Erfolg der Direktion Dominique Meyer mit „alter Musik“, die sich im übrigen doch noch immer fest im Besitz des Theaters an der Wien befindet. Da holte man nun auch „Alcina“ hervor – in der sicher richtigen Überlegung, dass Barockfans es sogar genießen werden, eine ihrer Händel-Opern nun in einer ganz anderen Interpretation zu sehen.

Die damalige in der Staatsoper war auf ihre Art geglückt, vor allem ein ästhetisches Vergnügen, dargestellt als Fest am Hof einer britischen Herzogin (hier glänzte Anja Harteros), die selbst in die Rolle der Alcina stieg. Da hat die Rahmenhandlung für „Theater auf dem Theater“ gesorgt und solcherart über alle Seltsamkeiten der Geschichte hinweggespielt – die übrigens so seltsam nicht ist, denn wo sollten denn Wunder und Magie eher zuhause sein als auf der Bühne?

Das Theater an der Wien, wo die Aufführung nur knapp dreieinhalb Stunden dauert, weil man gänzlich auf das Ballett verzichtet hat, engagierte erneut Tatjana Gürbaca, der ja einst zu Strauss Fürchterliches und zu dem zerstückelten Wagner-„Ring“ auch nicht viel Gescheites eingefallen ist. Mit der „Alcina“ rutscht sie nur selten in allzu schlimme Willkürlichkeiten, obwohl es auch diese gibt, aber jedenfalls siedelt sie die Handlung des Werks dort an, wo es spielt: auf einer Insel…

Zur Premierenkritik von Renate Wagner

Da bin ich aber beruhigt. Sollte Frau Gürbaca tatsächlich den nächsten Bayreuther „Ring“ machen, spielt der vielleicht doch nicht auf einem Golfplatz oder in einer Wrestling-Halle!

LINZ: TRISTAN UND ISOLDE – nach der Inszenierung von Heiner Müller. Premiere am 15.9.2018


Annemarie Kremer und Heiko Börner. Copyright: Reinhard Winkler/Landestheater Linz

Petra und Helmut Huber berichten aus Linz: Der Schriftsteller Heiner Müller (1929 – 1995 hatte für 1993 im Gefolge seiner Regie- und Konzeptarbeiten wie „Hamlet/Maschine“ Wolfgang Wagners Einladung für eine „Tristan“-Produktion erhalten, was Müller selbst „so absurd und verblüffend“ fand, „daß er es probieren“ müsse. Eckhard Roelcke lobte in der „Zeit“ die Produktion als gelungene „Geometrie des Todes“. Der „Spiegel“ (Klaus Umbach) zitierte Müller, die Oper „nicht als lineare Lustkurve, sondern als verzögerten Orgasmus“ inszenieren zu wollen, und hämte dann, „es hätte den Neo-Regisseur aus der Lustkurve getragen“ – beziehungsbefreites Stehtheater, postmoderne Beliebigkeit. Joachim Kaiser stellte sich szenebezogen gar die bange Frage, ob denn Tristan die Isolde nie geliebt habe, fand aber, daß „der Orgasmus wenigstens im Orchester“ stattfände und die Inszenierung mit der Zeit Verständnis finden würde. Auf youtube kann man sich jederzeit selbst ein Bild machen.

Sein Assistent damals und Regisseur heute ist aktuell Schauspielchef des Landestheaters: Stephan Suschke: Ersthändiger kann eine Rekonstruktion eine Generation später, in Koproduktion mit der Opéra de Lyon (2017), kaum sein!…

...Lautstarke Begeisterung bis zu standing ovations; im Sinne Wagners eigener Einschätzung der Gefahren seines Werkes sind wir dem Schicksal Napoleons XIV. („they’re coming to take me away, ha-haa!“) nur knapp entgangen!

Zum Premierenbericht von Petra und Helmut Huber

Heute: La traviata an der Wiener Staatsoper

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Giuseppe Verdis La traviata steht ab Sonntag, 16. September 2018 wieder auf dem Spielplan des Hauses am Ring: Als Violetta gibt Albina Shagimuratova ihr Staatsopern-Rollendebüt, Pavol Breslik singt den Alfredo und KS Simon Keenlyside den Giorgio Germont. Ihre Hausdebüts geben die neuen Ensemblemitglieder Szilvia Vörös als Flora sowie Alexandre Beuchat als Marchese d’Obigny.

Evelino Pidò leitet erstmals La traviata an der Wiener Staatsoper.

Reprisen: 20. und 23. September

Die OMV, Generalsponsor der Wiener Staatsoper, lädt alle interessierten Zuseherinnen und Zuseher ein, die Übertragung der Vorstellung am 23. September 2018 mit WIENER STAATSOPER live at home kostenlos live bzw. innerhalb von 72 Stunden live-zeitversetzt zu erleben:

www.staatsoperlive.com

Alle Aufführungen werden außerdem im Rahmen von „Oper live am Platz“ live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen.

Wien/Staatsoper: FREISCHÜTZ-Derniere am 14.9.2018


Christopher Ventris als „Max“. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Thomas Prochazka (www.dermerker.com) zeigt sich mit dem Regisseur nicht ausgesöhnt:

http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=34744530-B772-11E8-8E90005056A62983

HEUTE: Erstmals überträgt ORF III aus der Wiener Volksoper und zeigt Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ zeitversetzt um 20.15 Uhr.

Elissa Huber soll dabei sehenswert sein!

HEUTE IN LINZ/MUSIKTHEATER/ BLACK-BOX: URAUFFÜHRUNG DER KAMMEROPER „DIE WAND“ VON CHRISTIAN DIENDORFER
Text von Hermann Schneider nach dem gleichnamigen Roman von Marlen Haushofer

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PREMIERE SO, 16. SEPTEMBER 2018, 20.00 UHR, BLACKBOX MUSIKTHEATER

 Rusalka in Klagenfurt: Ein glänzender Einstand und ein Sängerfest
Dem neuen Chefdirigenten Nicholas Carter gelingt mit durchwegs fabelhaften Sängern bei der Eröffnungspremiere des Stadttheaters von Antonín Dvoráks „Rusalka“ eine feinsinnige und packende musikalische Realisierung
Kleine Zeitung
Traum- und Trugbilder einer sich verfehlenden Liebe
Pumeza Matshikiza singt, Eva-Maria Höckmayr inszeniert im Stadttheater Klagenfurt Dvořáks heikel-schöne „Rusalka“.
Salzburger Nachrichten

Graz/ Musikverein für Steiermark
Interview mit Michael Nemeth: Brücken bauen hin zur Musik
Michael Nemeth über Treue, Verwandtschaft, Herausforderungen und seine zehnte Saison als Musikverein-Chef. Eröffnet wird sie am Montag.
Kleine Zeitung

Neu in unseren Interviews: Ist „Turandot“ Witwe? Wer weiß mehr darüber?


Unser Mitarbeiter Thomas Janda sprach in Weimar  mit der 80jährigen Regisseurin. Foto: Gawritschenko

...Tatsächlich ist Chen Xinyi ein Phänomen, das viele, die sie noch nicht kennen, nicht so richtig einordnen können. Ein wenig gehbehindert wird sie immer von einigen jungen Männern begleitet, die sie jederzeit stützen und auch mal gleich kurzzeitig tragen. Während der Unterrichtsstunden ist sie aber immer präsent. Gestützt auf einen Tisch, hält sie schnell mal einen Kurzvortrag und ich bin selbst anfänglich über das gebannte Interesse erstaunt, das ihr alle Studenten entgegenbringen...

Ein Auszug aus dem Interview ist mir besonders aufgefallen und wirft eine Frage an echte Experten auf. Von Chen Xinyi gibt es nämlich eine „Turandot“, die man in der eigenen Mediathek haben könnte/sollte. Dazu meint sie: … „Puccini gehört für mich natürlich zu den ganz wichtigen Komponisten, weil er sich auch so sehr mit chinesischer Musik beschäftigt hat. Nur bei den chinesischen Jahresangaben wie Hund- und Affen-Jahr usw. hat sich der Maestro geirrt. Wenn man das nämlich nachrechnet, wie lange Turandot Witwe ist, dann kommt man schnell auf fast 20 Jahre. Das wäre eine sehr lange Witwen-Zeit. Da hätte Turandot auch nicht mehr heiraten müssen“, meint die Grand-Dame der chinesischen Oper schmunzelnd…

STAATSTHEATER WIESBADEN: „DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG“. Premiere ist am 29.9.2018

Richard Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« ist in einer Neuinszenierung von Bernd Mottl und unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange zu erleben.

Oliver Zwarg gibt als Hans Sachs sein Rollendebüt in Wiesbaden. Marco Jentzsch ist in der Partie als Walther von Stolzing zu sehen. Thomas de Vries debütiert in der Partie des Sixtus Beckmesser und Betsy Horne ist Eva. Erik Biegel ist als David und Margarete Joswig als Magdalene zu sehen. Young Doo Park singt Veit Pogner. Benjamin Russell übernimmt die Partie des Fritz Kothner. In den weiteren Meistersinger-Partien sind Ralf Rachbauer, Florian Kontschak, Rouwen Huther, Reiner Goldberg, Andreas Karasiak, Daniel Carison, Philipp Mayer und Wolfgang Vater zu erleben.

New York
For the First Time, the Met Will Perform Opera on Sundays
Sunday matinees will become a regular part of the Met’s offerings in the 2019-20 season. The following year, the Met will take a midwinter break in February.John Moore/Getty Images
The New York Times

Dresden
Musikalische Visionen und Bauhaus-Jubiläum: Ausblick auf die Dresdner Musikfestspiele 2019
Unter dem Motto „Visionen“ laden die Dresdner Musikfestspiele vom 16. Mai bis 10. Juni 2019 zu einem facettenreichen Programm und feiern 100 Jahre Bauhaus. „Was unserer Gesellschaft fehlt, sind Visionen! Kultur, Kunst, Musik können Vorreiter sein und einer Zeit ihren Weg zeigen.“ Intendant Jan Vogler möchte in einer Zeit, in der oftmals keine zukunftsweisenden Ideen und Gedanken zu erkennen sind und die von Ignoranz, Sturheit und Rechthaberei bestimmt ist, vermitteln. „Es ist nicht so sehr ein musikalisches, sondern ein gesellschaftliches Thema“, sagt Vogler.
Pauline Lehmann berichtet aus Dresden.
Klassik-begeistert

„Konzertgänger in Berlin“
Musikfest 2018: RSB beleuchtet Abel Gance
Zwischen vielen Stunden Stockhausen beim Musikfest was vergleichsweise Tiefenentspannendes: zum Beispiel einen dreistündigen Stummfilm über die Grauen des Ersten Weltkriegs. Live begleitet vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem filmorchestrigsten unter Berlins Spitzenorchestern.
https://hundert11.net/musikfest2018-rsb-jaccuse/

Sewerodonezk/Ukraine
„Don Giovanni“ in der Ostukraine: Schlag mich doch, Geliebter
Frankfurter Allgemeine

Papst ruft Mafiosi in Palermo zur Bekehrung auf
Bei seinem eintägigen Besuch auf Sizilien hat der Papst die Mafiosi zur Bekehrung aufgerufen. „Den Mafiosi sage ich: Ändert euch, Brüder und Schwestern! Bekehrt euch zum wahren Gott. Sonst werdet ihr euer eigenes Leben verlieren und eure schlimmste Niederlage erleiden“, rief Franziskus in seiner Predigt bei einer Messe zu Ehren des Anti-Mafia-Priesters Pino Puglisi vor 80.000 Gläubigen in Palermo.
Salzburger Nachrichten

Manchmal denke ich, dass es auch für den Papst ein Alterslimit geben sollte! Sein Wort in Gottes Ohr – aber wie gelangt es von dort zu den Mafiosi?

Einen schönen Sonntag wünscht

A.C

 

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