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16. OKTOBER 2019 – Mittwoch

16.10.2019 | Tageskommentar

Kangmin Justin Kim ist der Paradiesvogel in unserer Opernwelt. Am Theater an der Wien singt er die „Hosenrolle“ des „Annio“. Foto: Agentur

Neuproduktion des Theater an der Wien: LA CLEMENZA DI TITO

Premiere: Donnerstag, 17. Oktober 2019, 19:00 Uhr bis ca. 21:45 Uhr (Pause ca. 20:10 Uhr). Aufführungen:19. / 22. / 24. / 27. / 29. Oktober 2019, 19:00 Uhr

KANGMIN JUSTIN KIM: Ein abenteuerlustiger  „Allesfresser“
Kangmin Justin Kim ist der Paradiesvogel in unserer Opernwelt. Der Koreaner ist ein junger Mann von heute, für den es keinen Widerspruch bedeutet, auf der Opernbühne klassische und weniger klassische „Counter“-Rollen zu singen und gleichzeitig ein YouTube-Star zu sein. In Wien debutiert er mit einer Mozart-Rolle, die sonst meist Mezzos in Hosen singen: Er ist der Annio in „La Clemenza di Tito“ in der Neuproduktion des Theaters an der Wien…

Foto: Agentur

Renate Wagner hat mit ihm gesprochen

ZUM INTERVIEW

Wiener Staatsoper: Christian Thielemann sei Dank!….
In ungeahnt süßem Ton weinen die Celli, in selten gehörter Vollendung posaunen die Mittelstimmen, und die Bässe brummen, als würde sich das „Rheingold“ mit voller Wucht über dem Graben ergießen. Selbst teils falsch intonierende Holzbläser und ein zu Beginn inhomogenes Geiger-Ensemble tun der Freude keinen Abbruch. Bereits während der beiden Pausen bricht das Publikum in Jubelstürme aus. Thielemann begeistert die Massen wie im Augenblick nur noch sein russisch-griechisches Pendant aus Perm – der als Scharlatan verrufene Teodor Currentzis! Eine Eine Brise Moschus da, ein wenig bitter-süße Edelschokolade dort und ein kräftiger Schuss Opium hinten dran, hätten vermutlich selbige Wirkung, die jedoch nicht allen wohl bekommt.
Jürgen Pathy berichtet aus der Wiener Staatsoper
Klassik begeistert

Unermüdlicher Frauenheld. Brigitte Fassbaender über Plácido Domingo: „Vor seinen Avancen war keine sicher“

Brigitte Fassbaender mit Plácdio Domingo in Kurt Horres’ Inszenierung von Jules Massenets Oper „Werther“ im Nationaltheater (1978). Foto: Sabine Töpffer/Bayerische Staatsoper

In ihren soeben erschienenen Erinnerungen „Komm‘ aus dem Staunen nicht heraus“ berichtet die Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender über Proben mit Plácido Domingo im Nationaltheater. Dort stand sie mit ihm 1978 in Jules Massenets „Werther“ auf der Bühne. Der Kollege habe sie zwar nicht im engeren Sinn belästigt, ihr aber doch recht aufdringlich nachgestellt.
Münchner Abendzeitung

Jetzt wird auch noch das Fassbaender-Buch für die Aktion  „Hau den Domingo“ bemüht!

OPER GRAZ: „Die Fledermaus“ im Landeanflug!

Copyright: Oper Graz

In der „Königin der Operette“ scheint ​am Anfang alles noch harmlos und vor allem urkomisch zu sein: Die beiden Freunde Gabriel von Eisenstein und Dr. Falke besuchen einen Maskenball – der eine als Schmetterling, der andere als Fledermaus. Doch dann entgleitet die Ausgelassenheit, und auf der Strecke bleibt ein zutiefst verletzter Falke, der auf Rache sinnt. So lässt er den Herrn von Eisenstein, dessen Gemahlin Rosalinde und das Stubenmädel Adele, das von einer Karriere am Theater träumt, schließlich auch den Gefängnisdirektor Frank in andere Identitäten schlüpfen und auf einer exquisiten Party des Prinzen Orlofsky aufeinandertreffen. Erotische Begehrlichkeiten, makabre Späße und Alkohol, sehr viel Alkohol führen zu einer kollektiven Verbrüderung. Doch in welchem Ausmaß diesem „Duidu“ und diesem „Lalala“ wirklich zu trauen ist, spürt Maximilian von Mayenburg nach.
Der junge Regisseur, der an der Oper Graz mit einer turbulent-witzigen Inszenierung von Mozarts „Hochzeit des Figaro“ das Publikum begeistert hat, schärft in seiner Neuinszenierung der „Fledermaus“ (und dank einer für Graz erstellten Textfassung) die Beweggründe für den von Dr. Falke ersonnenen Racheplan: „Die gemeinsame Vergangenheit zwischen Falke und Eisenstein ist der Ausgangspunkt. Und ich hatte schon immer beim Lesen das Gefühl, dass uns Eisenstein, wenn er die Geschichte im zweiten Akt der Festgemeinschaft erzählt, nicht die volle Wahrheit sagt.“ Erleben Sie unter anderen Elissa Huber, Alexander Geller, Sieglinder Feldhofer, Ivan Oreščanin und Adi Hirschal (als Frosch)!

„Die Fledermaus“
Premiere am 19. Okt 2019, 19.30 Uhr
„Die Königin der Operette“ von Joahnn Strauß
Informationen & Tickets

Bern/ Konzert-Theater: Intendant geht mit Ende der Spielzeit. Erfolgreiche „Barbiere-Produktion

Xavier Zuber, seit der Spielzeit 2011.12 Opern- und Konzertdirektor bei Konzert Theater Bern, wird nach zehn Jahren auf Ende der Spielzeit 2020.21 zurücktreten. «Zehn Jahre sind eine stolze Zeit und es ist ein guter Moment, mich neuen Aufgaben zu widmen», sagt der Spartenleiter. Er habe in all den Jahren grossen Rückhalt des Hauses für seine Arbeit erfahren und freue sich nun auf die letzten beiden Spielzeiten in Bern.

Bern: IL BARBIERE DI SIVIGLIA

Foto: Annette Boutellier

Cordula Däuper ist dabei eine hochpoetische Inszenierung gelungen, die das Schattenspiel (Licht:Christian Aufderstroth) mit den Figuren der Commediadell’arte kombiniert. Grundlage für die Schattenrisse und Schattenspiele ist ein annähernd bühnenfüllender, multifunktionaler Kubus (Bühne: Mareile  Krettek). Die Wände dienen als Projektionsflächen, eine Wand kann aufgeklappt werden und gibt den Blick in Bartolos Behausung frei. Das Dach kann hochgeklappt werden, damit Rosinas Billett auch schön fallen kann. Die Kostüme von Pascal Seibicke transportieren frisch und farbenfroh die klassischen Attribute der Commedia dell’arte-Figuren ins hier und jetzt…

Zum Bericht von Jan Krobot

„RICHARD COEUR DE LION“ von André Modeste Grétry an der Opéra Royal de Versailles – 13. 10. 2019

Zum 250 Jubiläum der Hofoper eine wunderbare Wiederentdeckung als Anfang einer Grétry-Renaissance?

Der treue Diener Blondel (Rémy Mathieu) vor der Burg in Linz, in der Richard Löwenherz gefangen gehalten wird. Copyright: Agathe Poupeney

 Am 16. Mai 1770 wurde die wunderschöne königlicher Hofoper in Versailles eröffnet für die festliche Hochzeit das damals 16-jährigen „Dauphin“ mit der 14-jährigen Marie-Antoinette. Der Prunksaal war eigentlich eine Sparmaßnahme. Weil der französische Staat schon damals sehr verschuldet war – der Hauptgrund, der zu der französischen Revolution von 1789 führte – rechnete die Hofintendanz aus, dass es billiger sei, einen permanenten Saal für solche Festanlässe zu bauen, als dreimal in einem Jahr, wie bis dann üblich, die große Reithalle für die drei bevorstehenden Hochzeiten der drei Enkel von Ludwig dem XV. umzubauen. Kurz nach dem „Dauphin“ (der spätere Ludwig der XVIe) heirateten noch seine beiden Brüder „Provence“ und „d’Artois“ (die späteren Könige Louis XVIII und Charles X). Und in diesem Saal passierte einer der dümmsten politischen „faux-pas“ von Königin Marie-Antoinette, im Volksmund inzwischen „Madame Déficit“ genannt, als ihre Leibgarden in ihrer Anwesenheit die Arie ihres Lieblingskomponisten Grétry sangen, „O Richard ! O mon roi !“ und dabei die revolutionäre Trikolore-Fahne auf der Bühne zertrampelten. Dies führte zur „Verhaftung“ der Königsfamilie, die am 6. Oktober 1789 durch das „Volk“ nach Paris verschleppt wurde und ab dann de facto „Häftling“ war. Die Arie wurde s zum Versammlungslied aller Königsgesinnten und während der „Restauration“ 1814-1830 quasi die französische Nationalhymne…

Zum Bericht von Waldemar Kamer/ Paris

Wien/Staatsoper
Herausragend dirigierte Madama Butterfly hebt einem Wiener Repertoireabend die Flügel

…Dirigiert wurde dieses Wunderwerk am besprochenen Abend von Jonathan Darlington, und für nicht wenige Opernliebhaber war seine Leistung in Don Carlo der Hauptgrund, sich Butterfly wieder einmal zu Gemüte zu führen. Man wurde nicht enttäuscht; dieser Herr ist eine echte Bereicherung für das Haus. Natürlich steht mit dem Staatsopernorchester allabendlich ein fähiger Klangkörper zur Verfügung, aber auch dieser will geführt und motiviert werden. Diesbezüglich dürfte die Chemie stimmen, jedenfalls erlebte man keinen jener Dienst-nach-Vorschrift-Abende, die es gerade bei viel gespielten Stücken auch immer wieder gibt…
bachtrack

Maestro Jonathan Darlington war gestern in unsere Online-Galerie. Da er in der Staatsoper noch Proben für die heutige „Butterfly“ hatte, begann das Gespräch erst um 20,45 h. Dafür verlief es spannend, amüsant und trotzdem informativ (Moderator Peter Skorepa). Esther Hatzi vom Arcadia-Shop war Initiatorin und sorgte auch für ein tolles Buffet (inclusive Torte zum Ausklang). So verließen die letzten Besucher unseren Veranstaltungsort erst heute um 0,30 h. Dementsprechend gerädert ist Ihr heutiger Kolumnist!

Luzern: Oper in Gummistiefeln auf Schlauchbooten
Ungewöhnlich ist die Inszenierung der Oper «Lieder von Krieg und Liebe» von Claudio Monteverdi im Luzerner Theater.
https://seniorweb.ch/2019/10/15/oper-in-gummistiefel-auf-schlauchbooten/

Gelungene Premiere im Luzerner Theater: Krieg und Liebe so aktuell wie damals
https://www.zentralplus.ch/krieg-und-liebe-so-aktuell-wie-damals-1632927/

St. Gallen: Wie lernt man als Sängerin Tschechisch für Opern wie die St.Galler «Rusalka»?

Der Weg zum perfekten Opern-Tschechisch geht nur über viel Üben. Zum Glück sind Sänger sehr sprachbegabt. In St.Gallen haben sie ausserdem eine Sprachtrainerin.
Tagblatt

WIEN / Theater der Jugend im Theater im Zentrum:   ALLES GUTE von Lutz Hübner
Premiere: 15. Oktober 2019

Claudia Waldherr, Shirina Granmayeh     (Alle Fotos: Rita Newman) 

Kein Theater kommt ohne „Gebrauchsdramatik“ aus, Stücke, die entweder Schauspielern auf den Leib geschrieben werden oder auf Wunsch spezifische Themen behandeln. Stücke für Jugendliche sind besonders begehrt und gar nicht so leicht zu „stricken“: Der Deutsche Lutz Hübner kann das und tut es seit Jahrzehnten. Interessant, dass „Alles Gute“ von 1998 in den mehr als zwei Jahrzehnten, seit es im Berliner Grips-Theater uraufgeführt wurde, noch immer eine aktuelle Geschichte erzählt.

Zumindest ansatzweise und am Beginn, wenn die vaterlose Prekariatsfamilie, in der die 14jährige Schülerin Alina lebt, auch ein bisschen überzeichnet wird. Eine überlastete, laut schimpfende Mutter; ein halb krimineller Bruder; und um einen leicht geistig behinderten Jungen in der Nachbarschaft kümmert sie sich auch noch. Kein leichtes Leben, aber keines, das man in der Schule zugibt – wie stünde man solcherart da? Und wenn dann die superreiche Nadine in die Schule kommt, muss man deren Angeberei  (das hat sie von Mama gelernt) etwas entgegensetzen. Prahlen, lügen, hochstapeln, wenn auch mit einem sehr unguten Gefühl im Bauch…

…Sicher, Regisseur Werner Sobotka kann nicht nur Musical, er kann auch Unterhaltungstheater, wenn er vieles (etwa die Figur des naiven Jungen Benny, Lukas Spitzenberg) eindeutig zu billig gibt und ihn nur als puren Pointenschleuderer einsetzt. Aber Claudia Waldherr als das einfache Mädchen, das sich dazu verleiten lässt, den Boden unter den Füßen zu verlieren, hat einen herrlichen Natürlichkeitston „aus der unteren Lade“, und Shirina Granmayeh als reiche Nadine ist die hektische Ego-Zicke, wie jeder sie im wahren Leben kennt – ich, ich, ich! Und da sind noch der Bruder Tobias (Sebastian von Malfèr), Elisa Seydel sowie in jeweils zwei Rollen Karoline-Anni Reingraber und Lars Wellings.

Die zuckrige Zubereitung verdeckt in kürzester Zeit die Fragen, die hier drinnen stecken. Schade.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Zwei Ohrfeigen für die Nobelpreis-Jury
Der Deutsche Buchpreis ging mit Saša Stanišić an einen dezidierten Handke-Kritiker – und der Booker-Preis mit Margaret Atwood und Bernardine Evaristo gleich an zwei Frauen. Wollte da jemand dem Nobelpreiskomitee etwas ausrichten?
Die Presse

Österreich
Nun also wieder ein Defizit
Das freie Spiel der Kräfte im Parlament hatte teure Folgen. Geht es trotzdem weiter, bis zur Bildung einer neuen Regierung?
Die Presse

Ich wünsche einen schönen Tag
A.C.

 

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