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16. NOVEMBER 2018

16.11.2018 | Tageskommentar

Mailand: Die Kurtag-Oper wurde nun doch fertig. Foto: Mailänder Scala

Niemand hat noch daran geglaubt, doch der grosse ungarische Komponist György Kurtág hat mit 92 Jahren seine erste Oper vollendet. Diesen Donnerstag kam «Fin de partie» nach Samuel Beckett zur Uraufführung an der Mailänder Scala.
Eleonore Büning/ FAZ: Der Geist ist stark, so viel ist klar. Er ist Wille und Vorstellung. Nur das Fleisch wird langsam schwach. Wer aber wissen möchte, wie viel Spass Philemon und Baucis dennoch miteinander haben, auf ihre alten Tage, in ihrem von den Göttern beschützten Paradies, der sollte sich unbedingt auf Youtube den Fünf-Minuten-Trailer zu dem Film «L’Héritage artistique chez les Kurtág» anschauen. Gedreht hat ihn die Amsterdamer Videokünstlerin Judit Kurtág – über ihren Vater, den grossen ungarischen Komponisten György Kurtág…
Den Link dazu finden Sie im Artikel der „Neuen Zürcher Zeitung“ (siehe unten)
Fertig ist er mit dem Endspiel nämlich noch lange nicht. Im Druck steht über dem Titel der rote Sperrvermerk: «Versione non definitiva». Zwar haben die zwölf Szenen der «Mailänder Fassung» einen Anfang und ein Ende, Prolog und Epilog. Aber nur sechsundfünfzig Prozent des Beckettschen Textes sind bisher vertont. Kurtág schreibt weiter, es soll eine zweite Fassung geben.
Wenn Philemon für Baucis eine Oper komponiert
Niemand hat noch daran geglaubt, doch der grosse ungarische Komponist György Kurtág hat mit 92 Jahren seine erste Oper vollendet. Diesen Donnerstag kommt «Fin de partie» nach Samuel Beckett zur Uraufführung an der Mailänder Scala.
Neue Zürcher Zeitung
 
Kommentare zu Salzburger Festspiele/ Programm: Begeisterung sieht anders aus
 
Den Kommentar von Heinrich Schramm-Schiessl habe ich bereits gestern in die Tagesinfos gestellt, auch Peter Skorepa, den es – im Gegensatz zu mir – doch gelegentlich nach Salzburg verschlägt, hält mit seiner Meinung nicht „hinter dem Berg“:

Eine Analyse des Programms der Salzburger Sommerfestspiele – wie von unserem Kolumnisten in Aussicht gestellt – klingt für den Musiktheaterbereich doch etwas hochgestochen, besteht das zentrale Antiken-Anliegen der Festspiele auf diesem Sektor nur aus drei Beiträgen (denn vom operettenhaften Offenbach ist ja nur versuchte Schenkelklopferei zu erwarten):

Der Idomeneo kann nach der Erfahrung des vorigen Jahres mit dem Titus sicherlich interessant werden, weil wieder musikalische Einschübe aus anderen Werken Mozarts zu erwarten sind.

Cherubinis Medea war auch schon einmal im Theater an der Wien vor über einem Jahrzehnt, ein Heroinenstück mit wunderbarer Musik

und Enescus Oedipe war schon unter Holender an der Staatsoper zu sehen, ein Klassiker des 20.Jahrhunderts. Damals das erste mal in der Wiener Oper mit einer Übertitelungsanlage extra für den Landsmann des Direktors.

Das alles unter Mythos, OK. Auf diese drei Werke darf man sich freuen.

Alles Andere sind Kassenfüller oder Wiederholungen, so wie sie das ganze Jahr über im Überall des Opernbetriebes zu finden sind. Die Wiederbegegnung mit der vorjährigen „Salome“ eine Pflicht im Programm. (So wie es der Wozzeck hätte sein sollen)

Fritz Krammer ergänzt zu „Medea: MEDEA wurde in den 1970 Jahren an der Wiener Staatsoper für Leonie Rysanek ins Repertoire genommen, insgesamt 10 Vorstellungen.

https://archiv.wiener-staatsoper.at/search/work/126

Wiener Staatsoper:   DON GIOVANNI (14.11.)

Marcus Werba (Don Giovanni.Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Elena Habermann: Ein Abend mit neuen Gesichtern und Stimmen. Als Don Giovanni stellte sich Marcus Werba erstmals vor. Er ist ein flotter, sehr jugendlich und unbekümmert wirkender Giovanni, der am liebsten alles niedermähen möchte. Also sehr gut und passend. Musikalisch in den ersten Takten noch ein wenig unsicher, was sich aber sehr bald gab und alles lief sehr gut. Nach einigen Folgevorstellungen ist die Sicherheit wahrscheinlich keine Problem mehr. Sein wirklich sehr gutes Aussehen ist für diese Rolle natürlich bereits die halbe Miete. Sein Diener Leporello gelang Anatoli Sivko weit besser als der Basilio bei seinem Hausdebüt. Mit viel  Spielfreude und wirklich sehr schön gesungen erlebte man die „Registerarie“. Diese Rolle liegt ihm hörbar viel besser, liegt sie doch etwa höher. Der Massetto gelang Peter Kellner sehr gut. Die Stimme trägt ausgezeichnet und seine Soli kamen sehr gut und sicher an. Ein Hausdebüt war Virginie Verrez als Zerlina. Vielleicht war es der Nervosität der jungen Sängerin geschuldet, dass sie so stark forcierte und somit einen sehr zwiespältigen Eindruck hinterließ. Die hübsche Mezzosopranistin spielte allerdings gut man sollte weitere Abende abwarten…

Zum Berichtvon Elena Habermann

Mit Don Giovanni auf der Überholspur
Das Herz pocht, der Blick ist fokussiert, der Körper angespannt. Die Welt draußen rast vorbei, das Innenleben ist in Aufruhr. Wieder ist es passiert: Die Musik Mozarts ist unaufhaltsam durch alle Poren gedrungen. Gleich mit dem ersten Akkord des „Don Giovanni“ hat sie zugeschlagen, das Staatsopernpublikum umfangen und weggetragen – ohne Vorwarnung, ohne Rücksicht auf Verluste. Dies ist selbstredend, wenn Adam Fischer am Pult steht.
Wiener Zeitung

Theater an der Wien: TESEO von G.F.Händel (14.11.)

Dominik Troger schreibt auf www.operinwien.at: „Teseo“ teilte das Schicksal vieler Händelopern, wurde über 200 Jahre lang nicht gespielt und erst im 20. Jahrhundert wieder ausgegraben. Seinen Raritätenstatus hat das Werk aber bis heute nicht verloren – und die aktuelle Neuproduktion des Theaters an der Wien wird daran wenig ändern. Händel hat mit dem „Teseo“ auf die französische Barockoper „geschielt“: Das Libretto basiert auf Philippe Quinaults Libretto zu Jean-Baptiste Lullys Oper „Thésée“ aus dem Jahr 1675, und dessen fünfaktige Form wurde von Händels Librettisten Nicola Francesco Haym beibehalten…

http://www.operinwien.at/werkverz/haendel/ateseo.htm

Wien/ Konzerthaus: Im Meer der Bedeutungen
Olga Neuwirths Bühnenwerk „The Outcast“ bei Wien Modern.
Wiener Zeitung

New York/ Metropolitan Opera: „DIE PERLENFISCHER“


Pretty Yende and Javier Camarena, front center, as the lovers Leïla and Nadir in Bizet’s “Les Pêcheurs de Perles,” which returned to the Metropolitan Opera on Wednesday night.
CreditSara Krulwich/The New York Times

An unexpected debut sparks Met’s “Pearl Fishers” revival
http://newyorkclassicalreview.com/2018/11/an-unexpected-debut-sparks

Wien/ Theater in der Josefstadt: „DER EINSAME WEG“  von Arthur Schnitzler. Premiere am 15.11.

Alma Hasun. Copyright: Barbara Zeininger

Renate Wagner schreibt in ihrer Premierenkritik: Bühnenbilder sind wichtig und aussagestark. Erstens geben sie dem Publikum einen Hinweis, wo die Aufführung des Abends „verortet“ ist. Und zweitens kann man daraus schließen, was der/die Regisseur/in auf einer Metaebene meint. Mateja Koležnik hat im Mai vorigen Jahres Ibsens „Wildente“ an der Josefstadt inszeniert, das Stück auf ein Minimum zusammengedampft und auf eine steile Treppe gestellt, auf der sich alle Darsteller drängeln mussten – so dass das einzig Interessante des Abends darin bestand, wer zuerst ausrutschen und sich den Knöchel brechen würde… Kurz, die Regisseurin schließt ihre Figuren ein. Und weil heutzutage – wie auch bei Anna Bergmann bemerkt – bereits die zweite Garnitur ihre „Masche“ hat, war zu erwarten, dass Mateja Koležnik für Arthur Schnitzlers „Der einsame Weg“ etwas Ähnliches einfallen würde.

Bingo – Raimund Orfeo Voigt und Kathrin Kemp haben Wände gebaut. Zwei Reihen Wände, bestehend aus Türen, gelegentlich Fenstern und Wandpaneelen dazwischen. Und diese wandern, nicht zuletzt, wenn sich (angeblich!) in den fünf Akten des Stücks die Schauplätze ändern (sollten): Dann wird wieder Wand geschoben, verschoben, hin- und zurück. Das passiert auch während des Spiels. Die Darsteller treten ab und kommen anderswo wieder. Letztendlich besteht die „Inszenierung“ aus diesem bedächtig schleichenden, kreisenden Totentanz der Eingeschlossenen. Wer solch vordergründige und ziemlich billig auf der Hand liegende Symbolik als Aussage nimmt, dem liegt nicht viel an dem Stück…

Man hat den Eindruck, dass eine ganze Reihe an sich erstklassiger Schauspieler keine Ahnung hat, was sie tut – und an welchen Rollen sie da vorbeispielen (und das übrigens mit Kopfmikrophonen !!!! Irritierend genug, dass man sich manchmal fragt, woher der Ton kommt). Weder einem ganz normalen, wie von der Straße kommenden Bernhard Schir glaubt man den flirrenden Dichter Stefan von Sala noch dem extrem wehleidigen (nein, so ließen sich Herren dieser Gesellschaft nicht gehen) Ulrich Reinthaller den Maler Julian Fichtner. Ihre Gespräche, die so tief und essentiell sind, plätschern vorbei, als fänden sie nicht statt (das haben sie mit dem ganzen Abend gemeinsam)…

Dieser Abend ist eine verschmierte, verschmutzte, konturlose Kreidezeichnung, Grau in Grau, die man am besten gleich entsorgt.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Etwa 50 Fotos aus dieser Produktion finden Sie HIER . (Album Barbara Zeininger)

Wien: Wie am Burgtheater geprasst wurde (wird)

Namhafte Künstler wie Sunnyi Melles oder die Toten Hosen wurden für Bilanzfälschungen missbraucht. Und Urgesteine des Burg-Ensembles genießen Privilegien.

Quelle: https://www.sn.at/panorama/oesterreich/wie-am-burgtheater-geprasst-wird-60883816 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2018

Dass die Frau Stantejsky ihre abenteuerliche Buchhaltung ohne Wissen und Billigung ihrer Vorgesetzten durchführen konnte – das glauben zu müssen beleidigt meine Intelligenz. Die Rolle des Dr. Drozda, der uns nicht nur den neuen Staatsoperndirektor, sondern auch Martin Kusej als Burgherren beschert hat, wird noch zu untersuchen sein. Ich fürchte aber, dass alles an der Buchhalterin hängen bleibt, die als „der gute Geist des Hauses“ beschrieben wurde und offenbar nicht in die eigene Tasche gearbeitet hat. Diesen Ruf muss man sich erst verdienen!

Was nun die Privilegien für diverse Schauspieler betrifft: Es wundert mich nicht, dass diese für die Erhaltung der alten Zustände auf die Barrikaden klettern, auch bei Donnerstags-Demos hinter der Döner-Truppe einhermarschieren. Hoffentlich ist der Spuk nun zu Ende. So richtig glauben kann ich es nicht. Es sind bereits zu viele Weichen „ins Paradies“ gestellt.

Wie am Burgtheater geprasst wird
Namhafte Künstler wie Sunnyi Melles oder die Toten Hosen wurden für Bilanzfälschungen missbraucht. Und Urgesteine des Burg-Ensembles genießen Privilegien.
Salzburger Nachrichten

Regisseurinnen an Theatern: Als Frau „Mensch zweiter Klasse“
„Weibliche Regisseure gibt es nicht, das werden Sie nie schaffen“, das sagte August Everding in den 60ern zu seiner ersten weiblichen Hospitantin. Aber auch 2018 sieht es nicht besser aus: Frank Castorf erklärte in einem Interview mit der SZ, er habe selten erlebt, „dass eine Frau besser inszeniere als ein Mann“. In der Spielzeit 2018/19 stehen rund 80 Opernregisseuren an den bayerischen Staatstheatern nicht mal 20 Frauen gegenüber. Wie kommt es, dass im 21. Jahrhundert immer noch so ein Ungleichgewicht an den Opernhäusern herrscht?
BR-Klassik

Filme der Woche:

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Wenn man wie Joanne K. Rowling gut zehn Jahre lang an acht Harry Potter-Romanen geschrieben hat, reicht es offenbar nicht, durch Bücher und Filme Milliardärin geworden zu sein. Schreiben kann auch süchtig machen. Und dass sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith mittlerweile schon vier „Erwachsenen“-Romane um den Detektiv Cormoran Strike geschrieben hat, ist ihr offenbar auch nicht genug.

2016 gab es das erste Kino-Spin-Off der Potter-Welt, nur noch viel mehr Fantasy als im Original, mit „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“. Das Ganze ist bereits auf fünf Filme angelegt, und nun haben wir den zweiten im Kino: „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“. Nicht alle Darsteller des ersten Teils sind wieder an Bord, Colin Farrell beispielsweise fehlt, und auch der einstige Hauptheld Newt Scamander in Gestalt von Eddie Redmayne steht nicht mehr dermaßen im Mittelpunkt – aber was soll’s: Der Inhalt wirbelt ohnedies ziemlich undurchschaubar gut zweieinviertel Stunden herum, aber die Machart des Films von Regisseur David Yates ist bestrickend genug, dass man immer bei der Sache bleibt…

Und was ist Sache? Sie läuft lange so verwirrend, dass die Autorin am Ende zu dem Agatha-Christie-Effekt greift, alle Figuren an einem Ort zu versammeln und die Geschichte und ihre Hintergründe quasi im Zeitraffer zu erzählen: Wenn man das eine oder andere nicht gleich kapiert hat, dann weiß man es letztendlich…

Erleben Sie einen schönen Tag! Das wünscht

A.C.

 

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