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16. MÄRZ 2020 – Montag

16.03.2020 | Tageskommentar

 

ZWANGSPAUSE. Zwangspause – mit Hausarrest noch dazu.
Noch vor einer Woche wäre das undenkbar gewesen. Ein Blick auf die „armen Italiener“, aber bei uns? Ja. Bei uns.

Im Mittelalter hätten die Prediger die leidende Bevölkerung noch mit dem Höllenfeuer bedroht und „Corona“ als Strafe Gottes für irgendetwas beschworen. Aber wir? „Wie kommen wir dazu?“

Offenbar hat es im Dezember letzten Jahres auf einem Markt für lebende Fische und Meeresfrüchte in Wuhan begonnen – ein Virus, mittlerweile „Sars-CoV-2“ benannt, der eine schwere Lungenerkrankung mit Fieber und in manchem Fällen tödlichem Ausgang bewirkt.

Wem verdanken wir das innerhalb kürzester Zeit bei uns, in Österreich? Ja, die gepriesene „Globalisierung“, die manchen so viel Geld und vielen so viel Leid bringt, wird schon dahinter stecken – eine offene Welt, in der sich jeder nach Belieben bewegen konnte und, wie einst Aids, eine Krankheit in Nullkommanichts über die Welt streuen kann…

Machen wir uns klar, wie gut es uns gegangen ist – und wir haben es gar nicht gewusst.
Wenn Corona ausgestanden und das Leben wieder ein Leben ist, werden wir es viel besser zu schätzen wissen. Wie alle, die einen Krieg überlebt haben.

ZUM APROPOS

Soweit die Meinung von Renate Wagner, die es als begeisterte  Theatergeherin besonders hart trifft. Für mich ist die Situation in jedem Fall eine Herausforderung. Den Anspruch, die Quote zu halten, stelle ich an mich selbst. Wenn andere verzweifeln, muss ich eben zur Hochform auflaufen. Möge die Übung gelingen!

BAYERISCHE STAATSOPER /München: DER SPIELPLAN FÜR 2020/2021)

Staatsintendant Nikolaus Bachler überschreibt seine letzte Spielzeit an der Bayerischen Staatsoper mit DER WENDENDE PUNKT. „Rainer Maria Rilke beschreibt in seinen Sonetten an Orpheus die Kunst als einen Prozess, der oft mit dem Anfang schließt und dem Ende beginnt“, so Nikolaus Bachler. „Dieser Gedanke beschwört nach 13 Jahren als Intendant dieses Hauses nicht nur das Ende, sondern gerade den ‚wendenden Punkt‘.“ Im Zentrum der Saison stehen elf Premieren, darunter drei Uraufführungen und vier Werke, die ihre Uraufführung in München erlebten.

ZUM GESAMTSPIELPLAN

ZU DEN OPERNPREMIEREN

ZUM OPERNREPERTOIRE

PREVIEW FÜR TRISTAN UND ISOLDE (Münchner Opernfestspiele 2021)

Nikolaus Bachler bringt ein starkes Finale
Die kommende Saison bringt Uraufführungen, einen neuen „Tristan“ mit Jonas Kaufmann und einen „Rosenkavalier“ mit dem künftigen Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski
Münchner Abendzeitung

Die Bayerische Staatsoper am Wendepunkt
Der scheidende Intendant Nikolaus Bachler stellte das Programm für seine letzte Spielzeit vor –
https://www.nordbayern.de/kultur/bayerische-staatsoper-am-wendepunkt-1.9941192

Nikolaus Bachler über Theater in Coronavirus-Zeiten

https://www.azonline.de/Welt/Kultur/Buehne/4170935-Staatsopernintendant-Nikolaus

Schwach sind die Programmvorhaben nicht, das muss ich neidlos anerkennen. Will Bogdan Roscic in Wien mithalten, muss er sich „warm anziehen“. Beliebig zusammengestelltes (angeblich zusammengekauftes) Touristentheater wird da nicht reichen. Lassen wir uns überraschen, wennn wir die Wiener Präsentation am 26. April über Stream miterleben können. Ob Roscic tatsächlich die Interessierten in die Staatsoper  einladen wird können, steht in den Sternen. Im Moment sieht es nicht gut aus, aber Bocksprünge in dieser Angelegenheit sind wir gewohnt. Noch vor 4 Tagen schloss der Gesundheitsminister – ein Volksschullehrer – Ausgangssperren aus. Nun, was haben wir jetzt? Drei Passanten auf  3 Quadratmetern gilt schon als Menschenansammlung, die von der Polizei geahndet werden soll.  Auf den Trick, wie unsere Staatslenker aus dieser Nummer wieder herauskommen, ohne die Wirtschaft vollends ruiniert zu haben, bin ich gespannt!

Wer bezahlt die Künstler?
Viele Künstler bangen um ihre Gage. Über die Frage, ob das Coronavirus einen Fall von höherer Gewalt darstellt
Tagesspiegel

Die Frage, ob tatsächlich „Höhere Gewalt“ vorliegt, habe ich schon in der Vorwoche gestellt.

Auszug aus dem „Tagesspiegel. Dieser zieht Peter Raue zu Rate:

Peter Raue ist Anwalt in Berlin (Anm. d. Red.: wir kennen ihn von den Salzburger Festspielen) . Seine Kanzlei ist auf das Gebiet Kunst und Kultur spezialisiert.

Aufgrund des Coronavirus werden immer mehr Kulturveranstaltungen abgesagt. Hunderte Künstler bangen nun um ihre Gage für die ausgefallenen Vorstellungen. Gern zitiert wird in diesem Zusammenhang die höhere Gewalt. Doch was ist das eigentlich? Und kommt es überhaupt darauf an?

Als Erstes empfiehlt sich ein Blick in den Vertrag. Oft enthält dieser spezielle Regelungen für Fälle höherer Gewalt…

Gibt es solche nicht im Vertrag (darauf wird man in Zukunft wohl besser achten müssen), gilt das Gesetz:

Wurde die Veranstaltung behördlich untersagt oder hat der Veranstalter sie aus freien Stücken abgesagt?

Für behördlich untersagte Veranstaltungen gilt: Wir haben einen Fall der sogenannten Unmöglichkeit. Die Künstler sind nicht mehr dazu verpflichtet, aufzutreten. Anders herum können sie aber auch keine Gage mehr verlangen

Das klingt nicht unbedingt beruhigend für die Künstler – ist aber wiederum auch nicht gar so dramatisch – wie der Anwalt ausführt. Zumindest die Vorleistung – also die Probenarbeit, müsste entsprechend honoriert werden.

Diesbezüglich wird noch sicher gestritten.

Es ist ein schwacher Trost für Künstler, aber diese mögen bedenken, dass ein Unternehmer in der Privatwirtschaft (davon weiß ich ein Lied zu singen) die finanzielle Verantwortung für die Familien seiner Arbeiter und Angestellten trägt, während Künstler „nur“ in Sorge um sich und ihre Familien sind!

Besser dran sind sind Künstler, die keine Gage für die einzelne Veranstaltung vereinbart haben, sondern in einem Anstellungsverhältnis zum Theater sind. Der Arbeitgeber muss dann den Lohn grundsätzlich fortzahlen. Das ist ohnedies klar, aber die Ensemblemitglieder beziehen nicht eben Spitzengagen – deshalb drängt es sie auf die „freie Wildbahn“.

Gestreamte Vorstellungen

Dafür muss natürlich die volle Gage bezahlt werden! Streams sind aber Prestigeprojekte, kein Geschäft. Nun muss die Berliner Staatsoper den für Mittwoch geplanten „Idomeneo-Stream“ absagen:

Absage des Livestreams der Premiere von Mozarts IDOMENEO aus der leeren Staatsoper Unter den Linden
Ab Dienstag startet der Online-Spielplan mit Aufzeichnungen aus dem Repertoire

Der für Mittwoch, den 18. März, in Kooperation mit dem rbb geplante, Livestream der Premiere von Mozarts IDOMENEO unter der musikalischen Leitung von Simon Rattle muss aufgrund der aktuellen Entwicklungen vorerst abgesagt werden.

Bereits am Wochenende wurde der Probenbetrieb zum Schutz des Ensembles und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. 

Ab Dienstag bietet die Staatsoper Unter den Linden ein kostenloses Online-Programm auf ihrer Website an. Der genaue Spielplan wird morgen bekannt gegeben. Am Mittwoch, dem 25. März geht das Programm für die Saison 2020/21 an der Staatsoper Unter den Linden online.

„Nach den aktuellen Entwicklungen lässt sich der geplante IDOMENEO-Livestream leider nicht mehr durchführen. Ich danke allen Beteiligten wirklich sehr, dass Sie bereitgestanden hätten und auch dem rbb für sein beherztes Vorgehen. Gesundheit geht immer vor. Wir werden alles dafür tun, dass diese IDOMENEO-Aufführung in gleicher Besetzung zu einem späteren Zeitpunkt aufgeführt werden kann.“

Streams von gestern/ Sonntag:

Krefeld/ Mönchengladbach hat seine „Rusalka“-Premiere gestreamt. Die Grundidee ist eine interessante (Familiengeschichte), Wasser kommt in dieser Rusalka allerdings nicht vor.

Sigi Brockmann aus Münster hat auch den Stream gesehen und beschreibt wie folgt: Für mich war es eine für zeitgemässe Aufführungen typische Inszenierung. Der Regisseur hat für sich das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom entdeckt, das nun der Rusalka übergestülpt wurde, ob es paßte oder nicht! Auch Video-Installationen müssen ja unbedingt sein. Um noch etwas dem Titel lyrisches Märchen doch noch etwas gerecht zu werden, gab es quasi-romantische Beleuchtungseffekte. Zu bewundern war die Leistung der Hexe/Mutter – dramatischer Sopran und dramatischer Mezzo in einem  –  dann noch schlanke Schönheit – diese machte das Regiekonzept etwas angenehmer zu ertragen.Die arme Rusalka mußte die Mond-Arie teils im Liegen singen – dafür machte sie es ganz gut zum Schluß wurde zeigte sie ja richtige stimmliche Dramatik

Ich habe die Zuschauerquote beobachtet. Diese konnten – für mich neu – eingesehen werden. Gestartet wurde um 18 h mit 360 Besuchern, nach 20 Minuten waren es knapp über 700 – die sich dann wieder reduzierten und im Schnitt bei etwa 500 einpendelten. Es waren also relativ viele Besucher auf Kurzvisite, Neugierige eben. Ein lobenswerter Versuch, sicher kein Geschäft! Wieviele Opernfreunde den Stream besucht hätten, wenn der Online-Merker nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, werden wir nie wissen.

Probleme gab es mit dem Stream der kleinen Truppe in Straßhof/NÖ bei der Faust-Parodie. Zuerst wurde aus technischen Gründen von 19,3o h auf 20,30 h verschoben, dann auf 22 h. Als ich um 22 h schauen wollte, stand da 22,30. Da bin ich mir gefrotzelt vorgekommen, habe aber beschlossen, das Angebot, den Stream heute Montag zwischen 8 h und 18 h zu sehen, angenommen.

 

Und sie da, Heute funktioniert der Stream – sogar angeblich bis 24 h : https://www.tv21.at/
Man darf nicht so streng mit den Leuten sein, sie bemühen sich und haben ohnedies einen großen finanziellen Schaden!

Die Wiener Staatsoper kramt in ihren alten Streams und stellt heute FALSTAFF zu Verfügung:

16. März 2020: Falstaff (Vorstellung vom 30. Jänner 2019)
Dirigent: James Conlon | Inszenierung: David McVicar
u. a. mit Carlos Álvarez (Sir John Falstaff), Simon Keenlyside (Ford), Jinxu Xiahou (Fenton), Herwig Pecoraro (Bardolfo), Ryan Speedo Green (Pistola), Michael Laurenz (Dr. Cajus), Olga Bezsmertna (Alice Ford), Hila Fahima (Nannetta), Monika Bohinec (Mrs. Quickly), Margaret Plummer (Meg Page)

„Miserere“ von Gregorio Allegri… und die Folgen verletzten Urheberrechtes
Ich hoffe immer noch, dass ich eines Tages einem guten Ensemble beitreten und die mystische Erfahrung miterleben kann, während ich dieses wunderbare Werk „Miserere“ mitsinge. Vielleicht könnte man damit auch beten, um die schwierige Pandemie-Zeit zu überstehen…
von Jolanta Lada-Zielke aus Hamburg und Krakow
https://klassik-begeistert.de/ladas-klassikwelt-23-klassik-begeistert-de/

Hauters Hauspost 1: Plädoyer für die Menschheit – warum wir doch nicht aussterben sollten
Unseren Planten haben wir bald ruiniert. Wir versinken nicht nur im steigenden Meeresspiegel sondern auch im Hass aufeinander. Den letzten Orang-Utans fällen wir den Baum unterm Hintern weg und futtern dafür Nutella, bis die Diabetes kommt.
Barbara Hauter schreibt jeden Donnerstag ihre Hauspost.
https://klassik-begeistert.de/hauters-hauspost-1/

Heidelberg: Oper von Hans Gál: Sie quakten im Zweivierteltakt
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Aleksandra Kurzak impresses in latest Covent Garden Traviata revival

Aleksandra Kurzak beim Schlussvorhang. Foto: Mark Pullinger

Aleksandra Kurzak impresses in latest Covent Garden Traviata revival
bachtrack

London: Massenet’s Chérubin charms at Royal Academy Opera
http://www.operatoday.com/content/2020/03/massenets_cheru.php

Heute (ab 22,30 h) im ORF: Österreichs Kulturleben in der Krise – Hilferuf an die Politik

Die heimische Kulturbranche stöhnt unter der Coronakrise, sind doch die wirtschaftlichen Folgen desaströs und noch kaum abschätzbar. Allein der Wiener Staatsoper entgehen durch die Schutzmaßnahmen pro Tag 130.000 bis 140.000 Euro an Einnahmen, sagt Direktor Dominique Meyer. Auch die Bundesmuseen sind seit kurzem geschlossen, Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder musste die feierliche Eröffnung der neuen Dependance kurzfristig absagen. Die Lage für die Freie Szene ist noch dramatischer, denn viele Selbstständige fürchten ums Überleben. Künstlerinnen und Künstler, Moderatorinnen und Moderatoren, Veranstalter, Agenturen, Filmproduzentinnen und -produzenten, Kameraleute, Tonmeister und viele mehr sehen ihre Existenz bedroht. In offenen Briefen fordern sie einen Krisengipfel im Kunst- und Kulturbereich, um mit einem kühlen Kopf rasch sinnvolle Maßnahmen zu finden und zu setzen. Eine große Herausforderung für die Politik, der klar ist, dass der Kultursektor ein für Österreich essenzieller Wirtschaftsfaktor ist. Ob und wie die Auswirkungen auf die Branche abgefedert werden können, fragt der „kulturMontag“ Staatssekretärin für Kunst und Kultur, Ulrike Lunacek, und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler…

Kulturplattform bittet Publikum, sich Karten nicht erstatten zu lassen
Bitte an Publikum und Hilfsforderung an Politik
Die Kulturplattform Oberösterreich (KUPF OÖ) hat sich mit der Kampagne #norefundforculture an die österreichische Bevölkerung gewandt und bittet, sich bereits gekaufte Eintrittskarten für kommende Veranstaltungen nicht rückerstatten zu lassen. „Fordert das Geld nicht zurück, wenn ihr aktuell darauf verzichten könnt“, hieß es in einer Presseaussendung am Sonntag.
Der Standard

Fordern – noch dazu in offenen Briefen? Ob das der richtige Ton ist? Es kommt auf den Adressaten an!

Gesperrte Geschäfte: Unternehmen müssen keine Miete zahlen
Das ABGB sieht bei „Seuchen“ einen Entfall der Zinspflicht vor; das Gleiche gilt bei angeordneten Schließungen, wie sie unmittelbar bevorstehen.
Die Presse

Man lernt nie aus, das habe ich nicht gewusst. An wen wendet sich der Vermieter, der kann auch nichts für die Krise!

Die Krisenkolumne: Mit Corona hat es sich ausgeknuddelt
Wie ein Virus sich zwischen die Generationen schiebt
Der Standard

Fußball International
„Es macht keinen Sinn, die Europameisterschaft zu spielen“
Coronakrise: Uli Hoeneß, der Ehrenpräsident des FC Bayern München, redet nicht um den heißen Brei herum
Oberösterreichische Nachrichten

Die Absage steht unmittelbar bevor. Dass Österreich die Europameisterschaft 2020 ungeschlagen übersteht, habe ich auch nicht für möglich gehalten!

 

In ganz Österreich wird sogar der Spaziergang eingeschränkt
Die Regierung ruft „Ausgangsbeschränkungen“ für das ganze Land aus. Alle Bewohner sollen in ihren Wohnungen bleiben, mit Ausnahmen. Die aktuellen Ereignisse im Liveticker.
Die Presse

Ich wünsche einen schönen Tag und gehe jetzt mit meinem Redaktionshund Theo unter den argwöhnischen Blicken der Polizei  den einen Kilometer in ein Geschäft, das nicht unbedingt geöffnet sein müsste (Online-Merker-Redaktion). Weit haben wir es gebracht!

A.C.

 

 

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