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Die internationale Kulturplattform

15. MAI 2020 – Freitag

15.05.2020 | Tageskommentar

Im Bild: Rudolf Buchbinder (künstlerischer Leiter Grafenegg), Landeshauptfrau NÖ Johanna Mikl-Leitner, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.
SCHLUSS MIT SCHLIESSEN – Grafenegg musiziert. Im Bild: Rudolf Buchbinder (künstlerischer Leiter Grafenegg), Landeshauptfrau NÖ Johanna Mikl-Leitner, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.(c) ORF (Roman Zach-Kiesling)

Nachdem sehr viele traditionsreiche sommerliche Kulturveranstaltungen wegen der Corona-Krise bereits abgesagt worden sind, hat nun das Land Niederösterreich im Falle des Festivals von Grafenegg ein Zeichen gesetzt. In Grafenegg wird auf jeden Fall im Sommer Musik gemacht. Aus Grafenegg werden via TV etliche Veranstaltungen auch international zu sehen – und zu hören sein.

Die Presse

Aber es wird auch Veranstaltungen mit Publikum geben, natürlich mit Einschränkungen. Die Landeshauptfrau kann Ihren Chef  doch nicht in den Rücken fallen (obwohl das in ihrer Partei ein beliebtes Gesellschaftspiel ist – jedoch nicht in dieser besonderen Situation und im besonderen Fall!)

Aber es wird mit großem Orchester konzertiert – und so gesehen bin ich zuversichtlich, dass sich auch in der Wiener Staatsoper im September der Vorhang heben wird. Vielleicht werden einige Sitze bewusst freigehalten werden („der Staat“ wird da wohl ausgleichend eingreifen – weil es eh schon wurscht ist), aber die Künstler werden ihre Gagen bekommen.

 

                                                                                       Das Vermummungs-Gebot

Die Wutbürger artikulieren sich immer lauter – im Fall von Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger hört es sich schon wie hysterisches Gekreische an. Andere, wie Günther Groissböck, schreiten (mit Hilfe von Anton Cupak) zur Tat und schauen, was an „Öffentlichkeit“ für die Kunst möglich ist. Wenn die Kulturstaatssekretärin schon nicht imstande ist, Lösungen zu zaubern, wo es vorläufig noch keine geben kann. Aber dafür ist es doch lustig, mit Rücktrittsforderungen an die überforderte Dame zur Hatz zu blasen. Offenbar ist der Fall Rendi-Wagner viel zu schnell medial „gestorben“… jetzt ist die Lunacek dran! Halali!

„Corona“ ist nun schon seit Wochen für Erregungen aller Art – echte und künstliche – gut. Das hat, wie schon festgestellt, für die Öffentlichkeit durchaus Unterhaltungswert. Irgendwas, das man aufbauschen kann, passiert immer. Wenn sich gar der Kanzler entblödet, im Freien (!!! wie kann er nur!) ohne Maske zu erscheinen, gibt es jede Gelegenheit für einen Shitstorm („Lebensgefährder“, sagen Leute, die die ganzen Maßnahmen vermutlich für Humbug halten, „Heuchelei und Doppelmoral“ tönen jene, die sonst in Beachtungslosigkeit versinken würden), und keine der Parteien ringsum hat versäumt, mit ihren Beschimpfungen, Klage-Drohungen und Entschuldigungs-Forderungen brüllend in die Öffentlichkeit zu gehen (wenn man nichts anderes hat, ist jeder Vorwand recht)…

…Jetzt kann es wieder losgehen, dachte ich bis vorgestern. Bis ich mir, zwecks Einkaufen, endlich die Maske übers Gesicht zog – wer hätte gedacht, dass wir je vom Vermummungsverbot zum Vermummungsgebot kommen würden? Die Muslimas können da nur lächeln, nehme ich an. Und die Erfahrung war – scheußlich. Obwohl die Maske (das normale Ding, also ohnedies die Light-Version) einen nicht beengen sollte, ich fand es grauenvoll, da in meinem eigenen heißen Atem zu schwimmen. Ich weiß, dass ich mir das Ding nur über Mund und Nase ziehen werde, wenn ich es unbedingt muss, sprich: einkaufen gehen. Ob ich mich stundenlang damit in ein Theater setzen würde, egal, wie theaterhungrig ich schon bin? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Weiterlesen unter APROPOS

Josefstadt-Direktor: „Diese Regierung ist eine Zumutung für die Kulturnation“
Herbert Föttinger ist „besorgt und verzweifelt und auch wütend, weil wir endlich von der österreichischen Bundesregierung Perspektiven haben wollen“.
Die Presse

Josefstadt-Direktor kritisiert Bundesregierung: „Wir brauchen klare Regeln“
Herbert Föttinger fordert einen Rettungsschirm für die Kunst und nimmt Bundeskanzler Sebastian Kurz in die Pflicht
Wiener Zeitung

CoV: Föttinger rechnet mit Politik ab

https://wien.orf.at/stories/3048645/

Der Herr Direktor Föttinger ist ein eigener Fall – aber zumindest lauter als seine Kollegen, denen er mangelnde Loyalität vorwirft. Da die junge Burschen-Partie des Bundeskanzlers mit Theater und Oper wenig bis gar nicht zu tun hatte, kennt sie die Künstler nicht so wie Renate Wagner und mittlerweile auch ich sie kennen , hat daher deren Reaktion unterschätzt. Denn es kommt nicht überraschend, weil die SPÖ hat viele Jahre lang den Kulturbetrieb verwaltet hat. Es haben sich Netzwerke gebildet, die auch bequeme Hängematten beinhaltet haben. So etwas geben Föttinger und Co. nicht leichtfertig auf. Er wird so lange schreien, bis er sein Ziel erreicht hat – nämlich wieder seine Hängematte im roten Netzwerk zu haben. Dazu müssten die Grünen entfernt werden . Grün war in dieser Situation ein Betriebsunfall, denn mit Türkis-Blau wäre die Föttinger-Übung ein Kinderspiel. Aber noch wollen die Grünen ihren Platz in der Regierung nicht aufgeben. Herr Direktor, bitte warten!

Aber auch Daniel Kehlmann meldet sich zu Wort:

Daniel Kehlmann kritisiert Regierung
Nur vage Ankündigungen statt einer klaren Perspektive: Österreichische Kulturschaffende fühlen sich von ihrer Regierung im Stich gelassen. Auch der Schriftsteller Daniel Kehlmann schloss sich der Kritik an.
Der Spiegel

Da sehe ich schon ein, dass der Kanzler lieber ins „Kleine Walsertal“ gefahren ist, wo wegen ihm sogar die Häuser beflaggt wurden, was man seit „Urzeiten“ nicht mehr erlebt hat.

Letzte Meldung: Ulrike Lunacek zurückgetreten!

Die frühere Vizepräsidentin des EU-Parlaments sagte, sie habe ihre weitreichenden Netzwerke für den Kunst- und Kulturbereich Österreichs einsetzen wollen. Das habe sie Grünen-Chef Werner Kogler zugesagt, als dieser sie am Silvesterabend gefragt habe, ob sie als Staatssekretärin der Regierung angehören wolle.

„Ich mache Platz für jemanden anderen“, sagte Lunacek nun. Wer das sein wird – Lunacek sprach dezidiert von einer Nachfolgerin -, könnte bereits am Freitag zu Mittag von Kulturminister und Vizekanzler Kogler bekanntgegeben werden.

https://www.diepresse.com/5813641/ulrike-lunacek-tritt-als-kulturstaatssekretarin-zuruck

Schauen wir, wer jetzt kommt! Ob jetzt plötzlich alles anders, Corona in Abrede gestellt wird, wird es vermutlich nicht spielen. Dieser Job kann finanziell gar nicht so gut dotiert sein, als dass er erstrebenswert wäre. Mit dem Hysteriker aus der Josefstadt werden alle Nicht-Roten ihre Probleme haben.

HEUTE beim Online-Merker (Veranstaltung ausgebucht)

Die telefonische Voranmeldung ist natürlich angesichts der Beschränkungen hinfällig! Bitte Mundschutz mitnehmen!

Wenn wir schön brav sind, hat Günther Groissböck sogar „Wotans Abschied“ versprochen.

Zur Veranstaltung in der Merker-Online-Galerie: Keine Angst, wir halten uns an die 10 m2-Regelung pro Person und Raum – obwohl wir das gar nicht müssten. Ich habe die Anwesenheitsliste nach dem Eingang der Anmeldungen erstellt – fair, wie ich tatsächlich unter ohne Augenzwinkern bin – und da sind Namen dabei, die ich nicht kenne. Da ich mich aber auf mein Gefühl, meinen Instinkt verlasse (bei zwei Anmeldern hatte ich ein ungutes Gefühl und habe „abgeplankt) , gehe ich davon aus, dass kein Blockwart dabei ist. Irgendwie bilde ich mir ein, dass ich das spüren würde!

Sollte einer dabei sein, dann möge er sich den Weg sparen. Das Haus in der Zeleborgasse umfasst an Ausstellungsräumen, Stiegen und Gängen  etwa 300 m2 in einer Etage (es sind sogar mehr). Wir halten uns aber an die Vorgabe innerhalb des Veranstaltungsraumes! Wie es aber tatsächlich ausgelegt wird, entnehmen Sie bitte untenstehender Auslegung:

PUBLIKUMSBERECHNUNG IN DEN MUSEEN

Die zehn Quadratmeter Flächenvorgabe pro Besucher zielt auf die zulässige Höchstzahl von sich gleichzeitig in einem Museum befindlichen Personen ab. Wenn ein Haus also beispielsweise 5000 Quadratmeter an Ausstellungsräumen, Gänge und Stiegen bis hin zum Shop aufweist, können sich 500 Besucher gleichzeitig darin aufhalten.

Die Galerie des Online-Merker ist auch ein Ausstellungsraum, bis morgen ist noch die Ausstellung Alberto Shena – The golden pebbles“ zu besichtigen!

HEUTE, am 15. Mai senden einige Künstler*innen der Festwochen Eröffnung am Rathausplatz einen musikalischen Gruß als erste Geste in die Welt.

Wiener Festwochen 2020 - Abgesagt!

Ab heute geht’s los!

Die Festwochen starten mit kleinen Gesten, die, dem Rhythmus des Festivalprogramms folgend, täglich auf der Webseite sowie auf den Social Media-Kanälen veröffentlicht werden. Im gesamten Festwochen Zeitraum von fünf Wochen werden Videobotschaften, Plakate, Bilder und Texte das Fehlen der Kunst spürbar machen und auf die Gesamtpartitur des Festivals verweisen.

MEHR INFO

O weh, für Ulrike Lunacek kommt es dick. Nun hat der von ihr vorgeschlagene Art für Art-Chef seinen Job nach 10 Tagen wieder verlassen müssen. Was aber macht der Holding-Chef?

Neuer Art-for-Art-Geschäftsführer zurückgetreten
Massive Zweifel an Angaben zu seinem Lebenslauf dürften für Axel Spörl den Ausschlag gegeben haben.
Wiener Zeitung

Neuer Art-for-Art-Geschäftsführer Axel Spörl zurückgetreten
Der erst kürzlich bestellte Kostümwerkstätten-Chef stolperte über einen offenbar falschen Doktortitel
Der Standard

Falscher Doktortitel? Art-for-Art-Chef Axel Spörl tritt nach zehn Tagen im Amt zurück
Nachdem Ungereimtheiten in seinem Lebenslauf bekannt wurden, ist der neue Chef der Burgtheater-Tochtergesellschaft kurz nach seinem Amtsantritt zurückgetreten. Seine Dissertation findet er selbst nicht.
Die Presse

Frau Lunacek ist mit ihren Kulturaufgaben schwer überfordert. Das wissen die Künstler, das wissen wir, vielleicht wird es auch irgendwann zum Kanzler dringen. Eine Personalentscheidung in Sachen Dekorationswerkstätten der Bundestheater ist freilich keine „kulturelle Entscheidung“. Aber lassen wir die Frau Lunacek weg, die wird ohnehin ständig geprügelt.

Wie sieht es mit Ihnen aus, Herr Mag. Kircher? Genügt es, wenn man Ihnen von einem Doktorgrad erzählt, um Sie als bloßer Magister vor Ehrfurcht erstarren zu lassen? Mehr noch, bekommt man dann einen Job, um den sich 35 weitere Bewerber bemüht haben?

Beim Online-Merker gibt es eine imposante Akademikerdichte, die meisten der tasächlichen Doktoren, das sind jene, die ihre Dissertation auf Anhieb vorzeigen können, verzichten darauf, den Titel wie eine Monstranz vor sich herzutragen. Der Chef des Online-Merker ist kein Akademiker. Da die Österreicher jedoch titelsüchtig und manchmal auch Opportunisten sind, sprechen sie mich oft vorsichtshalber („auf Verdacht“) mit Doktor an. Ich wehre da sofort ab und fordere jeden auf, der mich so betituliert hat und dem ich nicht augenblicklich widersprochen habe auf, dies öffentlich kund zu tun! Für mich ist „Herr Cupak“ Titel genug, meine Vorfahren waren allesamt rechtschaffene und tüchtige Menschen, die nicht Unbeträchtliches ihren Nachkommen hinterlassen haben. Das selbe gedenke auch ich zu tun, wenn es denn einmal so weit sein sollte, sind lebensverlängernde Maßnahmen, die Geld kosten, bei Enterbung verboten! Meinen Arsch sechs Monate länger als biologisch vorgesehen in dieser Welt zu halten, ist kein Geld wert!

Soweit zum nun offenbar doch nicht Doktor Spörl. Wie er seinen Freunden und Bekannten, denen er wahrscheinlich auch den Titel vorgegaukelt hat, künftig gegenübertreten wird, ist seine Sache. Es gäbe die Möglichkeit in ein Kloster zu gehen, ich würde in so einem Fall von meinem Balkon in der Dachgeschoßwohnung springen. Das entspricht meiner Mentalität, denn vor die U-Bahn zu hüpfen behindert den Verkehr und somit meine Mitmenschen – und schreckt zudem den U-Bahn-Fahrer. Aber dazu bedarf es eines „Genierers“!

Aber Sie, Herr Mag. Kircher, sind von einer ganz groben Fahrlässigkeit nicht freizusprechen. Sie sind nicht irgendwer, denn Sie sind Chef der Holding, die in den vergangenen Jahren in einer anderen Sache keine glückliche Figur gemacht hat. Um aufzuräumen hat man sie geholt! Und nun das! Für mich war es selbstverständlich, die Qualifikation meiner Mitarbeiter zu überprüfen. Bei mir waren zwei Meister angestellt und selbstverständlich mussten mir die ihren Meisterbrief vorlegen, den ich natürlich kopiert und archiviert habe. Gut, ich hätte auch einer Fälschung aufsitzen können, deshalb habe ich mich natürlich noch bei der Standesvertretung rückversichert.

Sie, Herr Mag. Kircher, haben nicht einmal die Ausrede, dass sie einer Fälschung aufgesessen sind. Sie haben gleich gar nicht nachgeforscht. Und das als Chef der Holding!

Für mich sind sie rücktrittsreif. Wenn Sie Anstand haben, dann räumen Sie ihren Schreibtisch! Ich vermute aber, dass Sie nächste Woche noch immer in Ihrem Sessel sitzen, als wäre nichts gewesen!

Bayreuth: Katharina Wagner hat ein Recht auf Kranksein
Die Bayreuth-Chefin ist schwer erkrankt. Prompt spekuliert die Gerüchteküche über den „Untergang des Hauses Wagner“. Und der Dirigent Christian Thielemann tut wissend und weiß doch nichts.
Die Welt.de

Dramatiker Rolf Hochhuth ist tot
Er prägte das dokumentarische Theater der Bundesrepublik – und löste regelmäßig Debatten und Skandale aus. Nun ist der Dramatiker Rolf Hochhuth mit 89 Jahren gestorben.
Der Spiegel

Rolf Hochhuth ist tot. Eine Stimme des Theaters, die die Institutionen das Fürchten lehrte
Tagesspiegel

Marie-Theres Arnbom : DIE VILLEN VON PÖTZLEINSDORF
Wenn Häuser Geschichten erzählen
272 Seiten, Amalthea Verlag, 2020


Besuchen Sie Renate Wagners BUCHRUBRIK

Autorin Marie-Theres Arnbom hat sich schon erfolgreich auf die Spuren von Villen in Bad Ischl, am Attersee und am Traunsee gesetzt. Es ist ihre Spezialität geworden, anhand von diesen Adressen an den noblen Ferienorten Schicksalen nachzuspüren, wobei sich ein Großteil der Villen, um die es geht, in jüdischem Besitz befanden. Das ist bei Pötzleinsdorf nicht anders. Und wenn man meint, sich ja nun „in Wien“ zu befinden, so irrt man. Zu der Zeit, als die meisten Villen im heutigen 18. Bezirk bezogen wurden, war man da noch „am Land“, eine Ansichtskarte, die das Buch ziert, ist aus der „Sommerfrische Pötzleinsdorf“ geschickt worden…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Coronadistanz gilt nicht für alle – Im Flugzeug geht alles weiter wie bisher
Da gilt auch die 500 Euro Strafe nicht

Kein Abstand im Flugzeug: Passagiere von Iberia Express protestieren vor dem Abflug
Unklare Sicherheitsregeln in der Flugzeugbranche verunsichern die Passagiere – wie im Fall einer Iberia-Maschine. Am Mittwoch will die EU einheitliche Standards veröffentlichen.
https://amp2.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/luftfahrt-kein

Nach dem Corona-Schock werden die Hausmeister weiterhin nach Hawaii auf Urlaub fliegen. Auch Fans werden ihren Lieblingen rund um den Erdball nachjagen. Dabei hat die Flugpause der Natur nicht geschadet. Eine unserer Mitarbeiterinnen ist begeisterte Vielfliegerin, ließt aber mir die Leviten, weil ich vor dem Virus nicht in die Hose mache und vor allem, weil ich Ihnen die Angst zu nehmen versuche! Angst macht krank!

Es scheint, als sei die Corona-Angst derzeit eine Modeerscheinung. Die Menschen werden sich nie ändern!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

 

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