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15. JULI 2020 – Mittwoch

15.07.2020 | Tageskommentar

Die Rückabwicklung des Kartenverkaufs der Salzburger Festspiele war eine gewaltige Leistung, das muss anerkannt werden. Beim neuerlichen Kartenkauf sind die Leute zurückhaltender. Nicht alle Karten konnten in den ersten 24 Stunden verkauft werden!

Auszug aus ORF.at: Bei den Salzburger Festspielen hat am Montag der freie Verkauf der restlichen 25.000 Festspielkarten begonnen. Das sind jene Tickets, die weder von Freunden und Förderern der Festspiele gekauft wurden noch von jenen, die bereits Karten für die regulären Festspiele hatten.

Der Ansturm auf diese noch verfügbaren Tickets war vor allem online groß. Bevor die Coronavirus-Krise den Strich durch die Rechnung machte, hatten die Festspiele für das Jubiläumsjahr heuer den Verkauf von 240.000 Karten geplant. Die Zahl der Vorstellungen musste aber dann halbiert werden, die Zahl der Spielstätten ebenso. Außerdem sorgt die Pandemie dafür, dass nur jeder zweite Sitzplatz vergeben werden kann.

Mehr als 50.000 Karten wurde in den vergangenen Wochen verkauft. Rund 25.000 kommen ab Montag nun auf den freien Markt. Die noch verfügbaren Tickets werden ausschließlich im Festspiel-Shop in der Hofstallgasse verkauft, dieser befindet sich beim Eingang in die Felsenreitschule und in das Haus für Mozart.

Volle Palette der Aufführungen zu haben

Es gibt noch Karten für praktisch alle Aufführungen, betont man bei den Festspielen – sogar der Jedermann sei noch zu haben. Dass es rund zwei Wochen vor Festspielbeginn noch Jedermann-Karten gibt, überrascht die Kunden und auch das Festspielmanagement. Die Aufbauarbeiten für die Tribüne und Bühne für den Jedermann am Domplatz werden in den nächsten Tagen abgeschlossen sein, die ersten Aufführungen stehen am 01. August auf dem Programm… (Zitat Ende)

So zwischen den Zeilen liest man, dass der Kartenverkauf denn doch etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Die Salzburger Festspiele können keine wirkliche Pleite erleben, weil im Fall des Falles der Steuerzahler einspringt. Wurde der gefragt?

Salzburger Festspiele: Großer Andrang auf freien Kartenverkauf
Innerhalb von 24 Stunden wurden über 5.000 Karten verkauft. Kaufmännischer Direktor: Für alle Produktionen gibt es noch Karten. Kein weiterer Corona-Fall
Der Standard

Festspiele starten freien Kartenverkauf
https://salzburg.orf.at/stories/3057701/

100 Jahre Festspiele. Berühmte Gäste in zehn Kapiteln
https://www.krone.at/2191419

Immer wieder waren die Salzburger Festspiele Anziehungspunkt für illustre Gäste. Österreichische Regierungen und Bundespräsidenten laden ihre Amtskollegen gerne zu Gesprächen plus Kulturgenuss ein. Dazu kommen Promis aus Wirtschaft und Kultur. Die Premieren-Auffahrten in der Hofstallgasse sind für Adabei und Fotografen jedes Jahr attraktiv. Ein kursorischer Überblick über die vergangenen Jahre.

Ernsthaft Sorgen müssen wir uns über Salzburg nicht machen, eine weiche Landung ist garantiert – und eine Bruchlandung wird es schon nicht werden.

Zu den Mutmaßungen über die Festspielpräsidentin (es kann aber auch ein Präsident werden, wir leben ja in Zeiten der Gleichberechtigung) die Meinung von H.S.S: Ich persönlich glaube nicht, daß es Frau Großbauer wird, denn man wird sicher schauen, daß es wieder ein Salzburger/eine Salzburgerin wird. Mit Ausnahme von Heinrich Puthon (1928-1960) und Albert Moser (1983-1991) waren es immer Salzburger. Außerdem waren Festspielpräsidenten  immer eher unauffällig. Ausnahmen waren hier nur Bernhard Paumgartner (1960-1971), der sich aber in erster Linie künstlerisch einbrachte (Mozart-Matineen, die er alle selbst dirigierte und die Pflege der frühen Mozart-Opern) und eben Rabl-Stadler.

Gefährdeter als das große Salzburg sind aber die kleineren Privat-Festivals, die volles Risiko nehmen. Gars zum Beispiel.

Volles Risiko aber auch in Kittsee im Burgenland (bei Hainburg bzw. Bratislava).

 

In Kittsee spielt man heuer ab Freitag „Wiener Blut“. Die Veranstalter wurden mit einer Vielfalt von Auflagen konfrontiert. Eigentlich ist es die erste „programmgemäße“ Festspiel-Veranstaltung (also ohne Corona-bedingte Programmänderung) in diesem vermaledeiten Theatersommer. Kittsee zieht das Programm wie vorgesehen durch. Im August wären noch weitere Aufführungen möglich, die Veranstalter warten aber erstmals den Juli ab.

Menschen sind Herdentiere – und Herdentiere sind in der Regel feig. Aber ich möchte meine Leserschaft nicht beleidigen, deshalb füge ich vorsichtshalber hinzu, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Beweisen Sie das, vor allem sich selbst!

Ganz ehrlich, ich mache mir Sorgen um diese Pioniere. Honorieren Sie deren Mut und machen Sie sich auf den Weg nach Kittsee. Der Schlosspark ist herrlich, das Risiko gleich null. Die Auflagen sind so kostspielig wie unnötig, gerade, dass man nicht noch die Bereitstellung einer Krankenschwester pro Besucher verordnet hat. In unseren Infos des Tages vermitteln wir einen Vorgeschmack auf diese. Unter diesen Umständen eine Veranstaltung zu wagen, wohl wissend, dass es dem Steuerzahler (im Gegensatz zu Salzburg) schnurzegal ist, ob der Veranstalter auf der Nase landet, zeugt von echten Unternehmertum. Wir werden daher mehrmals an die Termine erinnern!

Berlin
Von der Krise lernen. Berlins Kulturszene sortiert sich
Corona beschert die Möglichkeit zum Neueinstieg. Aber die Bedingungen für Künstler, Anbieter und Kultursuchende haben sich dramatisch geändert.

Das Foto hat das Zeug zum Symbolbild der Coronakrise in der Kultur. Der Blick fällt ins Parkett, die rot bezogene Bestuhlung mit Klappsitzen lässt sofort ein Theater erkennen. Doch die Stühle im Berliner Ensemble stehen seltsam allein auf dem hölzernen Boden. Nur Gitter von Lüftungsschächten sind zu sehen, wo sonst mehr Stühle zu finden sind. Das Theater hat Stuhlreihen ausbauen lassen, die in virusbedingten Abstandszeiten nicht benutzt werden dürfen. Mehr Publikum geht nicht mehr.

Berliner Morgenpost

Das besagte Foto klicken Sie bitte selbst an, Berlin ist ein guter Boden für wildgewordene Theaterfotografen. Ich sehe schon ein, dass auch diese mit der Krise leben müssen.

Kleine Bühnen und Corona: „Das Wasser steht uns bis zum Hals“
Als am 15. Juni die vorsichtigen Lockerungen für den Theater-, Musik- und Kinobetrieb in Bayern in Kraft traten, sprach Münchens Kulturreferent Anton Biebl von der Stunde der kleinen Bühnen. Denn für Innenräume waren zum Ärger der großen Veranstalter anfangs nur maximal 50 Zuschauer vorgesehen. Doch was auf den ersten Blick als große Chance für die Kleinen aussah, hat auch eine Kehrseite.
BR-Klassik

Österreich: Die Wiedererfindung der „Kulturnation“

Dass Österreich eine „Kulturnation“ ist, wird heute niemand infrage stellen. Es war in der berühmten „Stunde null“, dass man im Zugriff auf die Kultur eine besondere Chance erkannte. Die beinahe ins Überzeitliche erhobenen österreichischen Werte sollten helfen, sich von den Deutschen – und damit von der Nazi-Zeit – abzugrenzen. Ausgerechnet ein Kommunist wurde dabei Motor einer Österreich-Idee, in der am Anfang ein restaurativer Kulturbegriff alles, die Moderne aber wenig galt.

https://orf.at/stories/3166707/

Na ja, Papier ist bekanntlich geduldig und auch das Netz schlägt nicht zurück. Eine besondere Liebe zur Kultur kann ich bei den Spitzen dieser Regierung nicht orten. Nur sagen, „wir zahlen eh“ ist wohl zuwenig, wenn man zuvor Grundlagen entzogen hat. Außerdem muss man dann auch wirklich zahlen – aber andere Versprechensempfänger können ein gar garstig Lied über die Zahlungsbereitschaft anstimmen!

St. Margarethen
St. Margarethen: Aufbau für „Turandot“
Die Produktion von Puccinis Oper „Turandot“ im Steinbruch St. Margarethen wurde bekannterweise auf nächstes Jahr verschoben. Im Steinbruch wird dennoch gearbeitet. Schon jetzt werden aus wirtschaftlichen Überlegungen viele Teile des Bühnenbildes für nächstes Jahr aufgebaut.
https://burgenland.orf.at/stories/3057732/

Eines ist klar, die Krise kommt erst. Die wirtschaftliche nämlich. In St. Margarethen lässt man die Kulissen für die nächstjährige „Turandot“ bereits aufbauen und dann über den Winter hinweg stehen, weil die Arbeiter sonst entweder „stempeln gehen  oder Daumendrehen müssten. So weit haben wir es bereits gebracht!

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

MAILAND: NEUN FOTOS VOM „JUNGE SCALA-KONZERT“

 

ZU INSTAGRAM – mit 8 weiteren Fotos

Stuttgart: Kurzarbeit am Staatstheater auch in der kommenden Saison

Um durch die Coronakrise verlorene Einnahmen auszugleichen, also Geld zu sparen, gehen ab sofort alle Sparten des Staatstheaters Stuttgart in Kurzarbeit. Das wird auch Auswirkungen auf die kommende Saison haben – höhere Zuschüsse stellt das Land jedenfalls nicht in Aussicht.

Stuttgarter Nachrichten

Der Serebrennikov-Freund Viktor Schoner legt also sein Theater in die soziale Hängematte. „Zahlt eh der Staat!“ . Warum sollen das die Deutschen nicht kapiert haben? Wo will Herr Schoner dann das Geld für die Rückzahlung des laut rechtskräftigen Gerichtsurteils von der Moskauer Theater-Bande unterschlagenen Geldes hernehmen – wenn der Staat die Zuschüsse nicht erhöht?

Die Wiener Symphoniker von Innen
Ein filmisches Porträt von Iva Švarcová und Malte Ludin

 

Musik als Hochseilakt — zwischen Harmonie und Dissonanz, Triumph und Desaster: Der Kinodokumentarfilm TONSÜCHTIG erlaubt erstmals einen Blick hinter die Kulissen der Wiener Symphoniker, den Hütern des weltberühmten »Wiener Klangs«. Kinostart: 4. September 2020

HALLE /SAALE:  INFO ZUR VERTRAGSAUFLÖSUNG MIT FLORIAN LUTZ

„Die Theater, Oper und Orchester GmbH Halle und Herr Florian Lutz sind übereingekommen, den Dienstvertrag des künstlerischen Leiters der Oper Halle zum 31.07.2020 einvernehmlich aufzuheben.

Herr Lutz bleibt dem Haus verbunden und steht auch ohne finanzielle Bezüge weiterhin mit Rat und Tat bei der Realisierung des angekündigten Spielplans zur Verfügung: „Ich glaube, dass wir mit der Spielzeit 2020/21 auch trotz Corona eine wirklich spannende Saison auf den Weg bringen konnten, und freue mich sehr darauf, die zehn Opern- und Ballett-Premieren in der Oper Halle zu besuchen“ (Florian Lutz).“

Ich sehe da nicht ganz durch. Herr Lutz und Halle haben den Vertrag gelöst und Herr Lutz berät unentgeltlich weiter? Es geschehen noch Wunder.

FILME DER WOCHE:

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

yler Williams ist ein durchaus fröhlicher Teenager, Hautfarbe schwarz, Haarfarbe strahlend blond. Er trainiert mit eiserner Entschlossenheit an einer Karriere als Wrestler. Zuhause hat er einen stolzen Vater (Sterling K. Brown), der meint, dass Schwarze das Doppelte leisten müssen wie Weiße, um etwas zu erreichen, und der dies auch tut. Tyler hat auch in Emily eine sanfte, ungemein liebenswerte Schwester, und obwohl er seine Stiefmutter Catherine (Renée Elise Goldsberry) nicht mag, lernt man sie als Kinozuschauer doch nur als liebevoll und bemüht kennen.

Alles könnte bestens laufen, aber die „Waves“, die wellenartige Bewegung des Lebens, bewahren niemanden vor der Eventualität, in den Abgrund geschleudert zu werden. Regisseur Trey Edward Shults lässt das Tyler in der ersten Hälfte des Films so grausam erleben wie nur denkbar. Eine Verletzung an der Schulter beendet die Karriere. Damit muss man einmal fertig werden, und die Verzweiflung entlädt sich in Fehden mit der Familie. Und als ihm Freundin Alexis (Alexa Demie) gerade in dieser Phase seines Lebens mitteilt, dass sie schwanger ist und das Kind nicht abtreiben will… da schlägt Tyler, betrunken und besinnungslos zu…

Zur Filmbesprechung von Renate Wagner

Wie rassistisch ist „Otto – der Film“?
In dem Film wird ein schwarzer GI als Sklave verkauft, auch das Wort Neger fällt. Für die Produktionsfirma ist das eindeutig Satire. Für einen Verein Schwarzer Menschen mangelt es an Rassismusverständnis.
https://www.diepresse.com/5839269/wie-rassistisch-ist-otto-der-film

Da lachen doch die Ottifanten
Rassismusvorwürfe gegen „Otto – der Film“
Seit Corona die Meldungslage nicht mehr ganz dominiert, ist ein Volkssport wieder im Kommen – das Kippen von Denkmälern. Gewiss, so ein Sockelsturz hat sein Recht, wenn eine Lichtgestalt (braunen) Dreck am Stecken hat. Es kann aber auch zur Hexenjagd geraten, und eine solche hat der Komiker Otto Waalkes zu gewärtigen. Der Vorwurf: „Otto – Der Film“ trage rassistische Züge.
Wiener Zeitung

35 Jahre nach Erscheinen des Films wird Klage erhoben. Dabei ist es Persiflage pur! Titelheld Otto, jung und klamm, trifft auf der Straße einen schwarzen GI und fragt diesen, ob er ein „Neger“ sei. Dann nimmt er den Mann mit und verkauft ihn an eine Hausfrau – als Sklaven „Herr Bimbo“.

Der Sinn der Szene ist aber keine Bestätigung des weißen Überlegenheitsgefühls – sondern dessen Persiflage. Nach dem „Sklaven“-Verkauf tritt Otto erneut auf, nun als Beamter verkleidet, nimmt der Frau den Arbeiter weg und verdonnert sie zu einer Geldstrafe, die er sich mit dem Schwarzen teilt.

Die Persiflage wird nicht verstanden und geklagt. Damit macht der Kläger nicht nur sich lächerlich (das wäre nicht so schlimm), sondern auch die Sache, die er zu vertreten vorgibt. Da lachen sämtliche Ottifanten ganz berechtigt

Österreich
Gerald Pichowetz: Minus 20 Kilo plus ein Enkerl
Nach Herz-Op hat Gerald Pichowetz um 20 Kilo weniger, dafür aber einen zweiten Enkelsohn.
Kurier

Massenveranstaltungen haben Corona-Infektionen offenbar kaum beeinflusst
Tausende auf einer Party am Berliner Landwehrkanal mitten in der Coronakrise. Zehntausende bei Anti-Rassismus-Protesten in Hamburg, München und anderen Städten. Solche möglichen oder tatsächlichen „Superspreader-Events“ haben für breite Diskussionen gesorgt und Ängste vor einem neuen Massenausbruch geschürt. Doch was ist – mit dem Abstand von ein bis zwei Monaten betrachtet – daraus geworden? Hörerinnen und Hörer haben danach gefragt. Wir haben uns bei den Behörden umgehört.
Deutschlandfunk

Eigentlich sollte das eine tolle Nachricht zum Schluss meiner heutigen Ergüsse sein, aber sie sagt aus, dass viele der Corona-Thesen nicht stimmen. Unser stets sorgenvoll dreinblickender Buster Keaton-Verschnitt müsste zugeben, dass er vielleicht da wie dort falsch gelegen ist. Und das darf bei einem Politiker freilich nie und nimmer der Fall sein.

Deshalb schließe ich ohne gute Nachricht und wünsche einen schönen Tag!

A.C,

 

 

 

 

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