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15. DEZEMBER 2020-Dienstag

15.12.2020 | Tageskommentar

GESTERN HENZE-PREMIERE AN DER WIENER STAATSOPER. Foto: Wiener Staatsoper / Pöhn

WIEN / Staatsoper / STREAM: DAS VERRATENE MEER von Hans Werner Henze
Premiere: 14. Dezember 2020

Premierenbericht von Renate Wagner: Nun tritt das Duo Wieler / Morabito an, das Roscic ans Haus geholt hat (eigentlich ein Trio, wie man hört, denn ohne Anna Viebrock als Ausstatterin geht es nicht). Als „modernen“ Beitrag zum Spielplan haben sie sich ein 30 Jahre altes Werk von Hans Werner Henze gewünscht, das kaum je gespielt wird. „Das verratene Meer“.

Wie kann man ein Meer „verraten“? Die Geschichte erzählt es, und sie ist inhaltlich seltsam genug. Sehr japanisch, sehr Yukio Mishima, der hierzulande eigentlich keine Sympathien genießt – zu „rechts“, zu nationalistisch. Geht es wirklich um die einsame Witwe Fusako, die ein neues Glück ersehnt? Geht es um den Seemann Ryuji, der bereit ist, irgendwann an Land zu bleiben? Doch weit eher um Noboru, Fusakos pubertierenden Sohn, der einer ideologiegetränkten Jugendbande angehört. Geht es nicht vielmehr um die fünf Jungen, die nur mit ihren Nummern identifiziert werden und ihre seltsamen Gedankenwelten spinnen? Und die bereit sind, wenn man sie enttäuscht (ein Seemann, der das Meer „verrät“, muss bei ihnen gleich sterben), zu letalen Mitteln zu greifen? Ist das ein Opernstoff? Zumal das Libretto von Hans-Ulrich Treichel von ziemlich literarischer Künstlichkeit ist.

Nun, Henze selbst hat nie gefragt, wie gefällig die Geschichten sind, die er sich hernahm (so wenig wie etwa Benjamin Britten). Im Grunde hat die Nachwelt entschieden – angesichts der Popularität des Komponisten ist „Das verratene Meer“ nach der Uraufführung 1990 in Berlin kaum noch nachgespielt worden. Natürlich, die Japaner wollten das Werk sehen, es ist ja ihr Stoff. Da hat Henze dann an der Fassung gearbeitet…

Bo Skovhus, James Lovell. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

…Es ist eine düstere Welt, in die man zu flirrender Musik einsteigt, nicht zuletzt wegen der trostlosen Einheitsszenerie, die Anna Viebrock auf die Bühne stellt. Da läuft eine bürgerliche Tragödie ab, die vor allem als Generationskonflikt aufzudröseln ist. Die Regisseure Jossi Wieler & Sergio Morabito ziehen gegen Ende die krimi-artige Schauergeschichte stark an, erzählen aber im Grunde geradlinig (dankenswert, ohne die jungen Männer zu Neonazis zu machen), denn diese reizlosen Alltagsgeschichten sind schwer genug zu vermitteln…

...Musikalisch entfaltet der Abend mit Hilfe von Simone Young seine ganze beeindruckende musikalischen Reichhaltigkeit, den Drive der „Handlungs-Szenen“ und den Reiz der Zwischenspiele.

Aber seien wir ehrlich: Ob „Das verratene Meer“ wirklich ein so großer Wurf Henzes war, dass man das Werk unbedingt jetzt ausgraben und zur Österreichischen Erstaufführung bringen musste – das ist nicht wirklich überzeugend bewiesen worden, bei allem Respekt vor den Ambitionen der Direktion.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

TOSCA an der Wiener Staatsoper. Gesammelte Kritiken

Wien/ Staatsoper
Natürlich ist Netrebko eine Tosca
Die Sopranistin gab ihr Wien-Debüt in Puccinis Opernklassiker im TV – in der leeren Staatsoper.
WienerZeitung

Anna Netrebko als Tosca – ohne Publikum in Wien Bezahlartikel
Die Wiener Staatsoper kann derzeit nicht vor Publikum spielen. Aber sie kann spielen. Via ORFIII und Livestream schickte man Puccinis „Tosca“ um die Welt. Online ist die Aufführung noch zu sehen.
Die Presse

Netrebkos erste Wiener „Tosca“: Mord im römischen Mädchenpensionat
Anna Netrebko verwandelte trotz Publikumslosigkeit Rührung in Herzschmerz. Trotzdem blieben Wünsche offen
Der Standard

Ist es klug, ein Ehepaar als Liebespaar auftreten zu lassen`
Anna Netrebko und Yusif Eyvasov in der Wiener Staatsoper
Livestream am 13. Dezember 2020
von Dr. Ralf Wegner, Hamburg
Anna Netrebko verfügt als Tosca zweifellos über eine prachtvolle große und in der Höhe aufblühende, dunkel timbrierte, schöne Stimme ohne jede Schärfe oder störendes übermäßiges Vibrato. Der Stimme mangelt es aber in meinen Ohren an Ausdrucksvermögen, an Beseelung. Gefühle wie hingebungsvolle Liebe, Verzeihen, schiere Verzweiflung und abgrundtiefer Hass werden von der Sängerin zwar gespielt, aber nicht stimmlich transportiert. In Ermangelung der ausreichenden stimmlichen Gestaltungsfähigkeit neigte Frau Netrebko als Tosca deshalb zum Chargieren, also zur übertriebenen physischen Darstellung der von ihr dargestellten Figur. Wegen ihrer Berühmtheit und zweifellosen Stimmpracht vermag es wohl kein Regisseur, ihre darstellerischen Fähigkeiten in diskretere Bahnen zu lenken.
Klassik-begeistert

Interessante Formulierung in einer Kritik bezüglich Wolfgang Koch, der einen eher wenig gefährlich wirkenden Polizeichef gegeben hat. Dem Sänger wird anempfohlen, beim österreichischen Innenminister einige Lehrstunden zu belegen. Der weiß, wie man Menschen ängstigt, bewiesen in unzähligen Pressekonferenzen!

BERLIN/ Staatsoper: LOHENGRIN. Premiere der Bieito-Inszenierung am 13.12.

Christian Konz schreibt:

CALIXTO BIEITO führt Regie. Einst Infant terrible ist er inzwischen zum etablierten Regisseur geworden, der international in engem Takt Inszenierungen ausstößt. Hier bei Lohengrin bleibt seine szenische Sprache doch recht starr und plakativ. Regietheater-Mätzchen, ästhetisch bereits überholt, spicken seine Lesart und eine stringente Aussage ist nicht zu erkennen. Der Abstand haltende, auf festen Positionen beharrende Chor hebt Wort-Schilder in Castorf- oder Konwitschny- Manier der 80er Jahre, winkt in großen Gesten oder schminkt sich zu Clowns. Überhaupt berührt sich niemand, sicher eine Art Sicherheitskonzept, was aber bei dem heftigen Aerosolausstoß von so viel Beteiligten auf doch engem Raum gar keinen Sinn macht. Hoffentlich sind alle regelmäßig gestestet.

Recht simple Symbolsprache weist den Weg: ein winziger Papierschwan, etliche Puppen, ein Spielzeugauto werden bedeutungsschwanger bespielt…

Zur Premierenkritik von Christian Konz

Alexander Walther war ebenfalls per Stream dabei: Rein gesanglich sorgt diese interessante Produktion durchaus für Überraschungen. Dies gilt vor allem für die grandiose Mezzosopranistin Ekaterina Gubanova als geifernde Ortrud, die ihre Spitzentöne ultimativ herausschleudert. Und auch Vida Mikneviciute als Elsa von Brabant kann mit kristallklaren Sopran-Kantilenen fesseln, die in der B-Dur-Welt eher dramatisch als lyrisch wirken. Mit robustem Bariton agiert Martin Gantner als Friedrich von Telramund. Roberto Alagna zeigt als Lohengrin eine ausdrucksstarke Leistung, wenngleich seine Stimme bei der Gralserzählung zuletzt überanstrengt wirkt. Die Spitzentöne beschwört der Tenor jedoch voluminös und ergreifend. Rene Pape beweist als König Heinrich gesanglich reife Charakterisierungskunst sowie sonore formale Klarheit und Prägnanz. Als Heerrufer des Königs gefällt zudem Adam Kutny mit kernigem Bariton. Den Wechsel vom lichten A-Dur über das verschleierte As-Dur nach a-Moll vollzieht die Staatskapelle Berlin unter der umsichtigen Leitung von Matthias Pintscher sehr konsequent. Die grausame Welt von Ortrud und Telramund erscheint in krass gestaltetem fis-Moll – und der Gegensatz zur C-Dur-Welt des Königs Heinrich könnte nicht größer sein. ..

Zur Premierenkritik von Alexander Walther

Berlin/ Staatsoper: Halbwegs gelungene Lockdown-Lohengrin-Premiere an der Staatsoper Berlin mit Bieito, Alagna, Miknevičiūtė
„Unechte“ Premiere an der Staatsoper Unter den Linden in diesem an Premieren so armen Theaterwinter. Aber die Staatsoper setzt ein Zeichen gegen Virus-Angst und Absagen-Tristesse. Wenn man auch Lockdown-gemäß ohne Publikum und im vollkommen leeren Großen Saal spielt. Matthias Pintscher dirigiert etwas harsch, Calixto Bieito zeigt eine erratische, aber doch nicht rundum schlechte Inszenierung. Alagna in seinem Rollendebüt kann teilweise überzeugen, hat Schwächen im Piano, steigert sich aber in den Paradestellen. Das Highlight ist Vida Miknevičiūtė als rätselhaft kühle Elsa mit erstaunlich souveränem Sopran. Auch Pape kann vollauf überzeugen. Ein Lohengrin unter erschwerten Bedingungen, durchaus sehens- und hörenswert – auch dank mitreißender Einzelleistungen.
Konzertkritikopernkritikberlin/Anton Schlatz

Roberto Alagna (Lohengrin). Foto: Youtube

Elena Gubanova mit Zerstörungswut (Ortrud). Schade um die Hochzeitstorte. Foto: Youtube)

Nascht von der Hochzeitstorte: Vida Mikneviciute. Foto: Youtube

Wagner als Kammeroper
Werfen Sie jetzt bitte mal ganz flott alle Ihre Wagner-Vorurteile über Bord. Zu laut? Zu langatmig? Zu krude? Zu viele Wiederholungen? Vor allem zu viel Geschrei? Diese Klischees widerlegt die Berliner Lindenoper mit ihrer aktuellen Neuinszenierung – und bringt den „Lohengrin“ quasi als Kammeroper auf die Bühne. Maria Ossowski hat den Videostream der Neuproduktion mitverfolgt.
BR-Klassik.de

Lohengrin“ als surrealistischer Film: Utopie und gewalttätige Ordnung
Calixto Bieto setzt im Staatsopern-Stream Wagner mit Smoking-, Anzug- und Karohemdträgern um, mit hervorragender Elsa und schwachem Lohengrin.
Berliner Zeitung

Regietheater rückwärts
In der Berliner Staatsoper inszeniert der Skandalregisseur Calixto Bieito seinen „Lohengrin“ fürs Fernsehen. Sein Startenor Roberto Alagna hat diesmal zwar nicht abgesagt. Aber so richtig bei der Sache ist auch er nicht.
Die Welt.de

LOHENGRIN an der Staatsoper Unter den Linden
https://www.freitag.de/autoren/andre-sokolowski/lohengrin-an-der-staatsoper-unter-den-linden

Berlin/ Staatsoper
„Lohengrin“ Unter den Linden: Trash von der Resterampe
Die völlige Abwesenheit von ästhetisch ansprechenden Bildern, Kostümen und Requisiten macht die dreieinhalb Stunden dauernde Aufführung zu einer wahren Prüfung. Der Schwan ist den ganzen Abend nur als kleine Origami-Papierfigur präsent, in dem schlampig-salopp gekleideten Roberto Alagna begegnet man eher einem in die Jahre gekommenen latin lover als einem Wagnerhelden. Warum hat die Staatsoper das sich und uns angetan?
Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 13.12, Peter Sommeregger
Klassik-begeistert

Warum ich auf die unscharfen Stream-Bilder zurückgreife: Weil ich mit Fotografen aus diesem Teil Deutschlands schon schlechte Erfahrungen gemacht habe, die ins Geld gegangen sind.

Lockdownmusik: Jonas Kaufmann ganz nah
CDs von Jonas Kaufmann, Mathias Rüegg, Clemens Wenger und Daniel Hope als Dokumente des ersten Lockdowns
https://www.derstandard.at/story/2000122476182/jonas-kaufmann-ganz-nah

ORF: Beczała, Nylund, Skovhus, Janoska Ensemble, Josh., DENK, Molden u. v. m. musizieren für ORF-III-„Licht ins Dunkel“-Gala

 Live am vierten Adventsonntag, dem 20. Dezember, um 20.15 Uhr

Wien (OTS) – Einen glanzvollen Gala-Abend zugunsten „Licht ins Dunkel“ mit zahlreichen Stars der Opernwelt, Lieblingen aus Schauspiel und Kabarett, besinnlichen Weihnachtsmelodien und einer Live-Auktionsgala für den guten Zweck präsentiert ORF III Kultur und Information am vierten Adventsonntag, dem 20. Dezember 2020, live aus dem ORF RadioKulturhaus um 20.15 Uhr. Im Mittelpunkt stehen die Gesellschaft für MukoPolySaccharidosen (MPS) und ähnliche Erkrankungen sowie das Inklusionstheater „Delphin“.

Seit Sonntag gibt es auf der Website “Der Merker” (www.dermerker.com) (Thomas Prochazka) ein COVID-19-Blog.

Sinn und Zweck ist nicht die Leugnung des Unleugbaren, sondern der Versuch, mit Zahlen und Fakten zu operieren, die Verhältnismäßigkeit (bzw. Unverhältnismäßigkeit) begreiflich zu machen. Die Graphik wird jeweils am Dienstag oder Mittwoch aktualisiert, je nachdem, wie schnell die AGES die Daten bereitstellt.

Auch bereitet mir, ehrlich gesagt, mehr Sorge als das  SARS-CoV-2-Virus selbst, wie unsere westlichen Gesellschaften ihre demokratischen Errungenschaften bei Widerstand sofort aufgeben.

Erreichen können Sie das COVID-19-Blog über die Startseite: entweder auf “COVID-19” im Hauptmenü klicken oder auf die Graphik selbst. 

http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=A2B31711-0EAD-6BDA-C0CEEE46F8311E95

TV/ Kabarett: Danke für nichts, 2020“: Jede Menge satirische TV-Jahresrückblicke
Es gibt viel zu resümieren: Zahlreiche kabarettistische und politische Rückschauen auf das Coronajahr 2020
Kurier

Buch/ Literatur: Er hob den Spionageroman in die Weltliteratur Bezahlartikel
Mit John le Carré starb ein Großer der englischen Literatur. Seine Thriller über die Welt der Geheimdienste im Kalten Krieg dringen – nie beschönigend, nie verurteilend – tief in die kollektive Psyche des 20. Jahrhunderts.
Die Presse

John le Carré und der Spionageroman
Anlässlich des Todes des Autors ein Rückblick auf ein literarisches Genre.
Wiener Zeitung

ADVENTKALENDER DES KONZERTAGENTURCHEFS CHRISTIAN BUCHMANN

Was auf impfbereite Personen zukommt Bezahlartikel
Eine Reihe von Nebenwirkungen, Missverständnisse und Widerstand – Millionen Menschen innerhalb kurzer Zeit zu impfen wird Situationen hervorrufen, über die keinerlei Erfahrungswerte vorliegen.
Die Presse

Diese Info kommt aus keinem Verschwörerblatt, sondern aus der renommierten „Presse“, die auch am Subventiostropf der Regierung hängt. Tröpfelt der Tropf leicht langsamer? .

 

Telemedizin und mehr : Bill Gates nennt positive Folgen der Corona-Pandemie
Der Microsoft-Mitgründer will die Notenbanken von der schnelleren Digitalisierung des Finanzwesens überzeugen. Und spricht eine deutliche Warnung aus.
Frankfurter Allgemeine

Richard Schmitt verlässt oe24.at
Der umstrittene Journalist hat eine neue journalistische Aufgabe. Er begründet ein Medienhaus mit, das eine „neue Qualität des tagesaktuellen Journalismus“ bieten soll.
https://www.diepresse.com/5911305/richard-schmitt-verlasst-oe24at

Deutschland
Corona-Krise:Die Wirtschaft braucht den Lockdown
Deutschland braucht ökonomische Stabilität. Dafür ist politische Entschiedenheit nötig. Genau das leisten die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.
Sueddeutsche Zeitung

Klar-stimmt schon: die Großkonzerne(=Wirtschaft) wie Amazon und Co. freuen sich über Rekordeinnahmen oder sonstige  Regierungsmilliarden wie z.B. Lufthansa.

Der Mittelstand hingegen wird ausgeblutet, kaputt gemacht und bald billig übernommen.

„Great reset“ eben

Schweiz: Die neusten Entwicklungen: Neuer Shutdown für Kulturanlässe
Veranstaltungen sind wieder verboten, die Tonhalle Zürich schliesst bis Ende Februar, selbst Kinovorführungen fallen aus – so steht es um die Kultur in der Schweiz
Neue Zürcher Zeitung

Die Aufbruchstimmung während des ersten Phase der Coronakrise ist total verflogen – auch bei mir. Schlimm ist, dass immer weniger Menschen davon überzeugt sind, dass unsere „Krisenlenker“ auch tatsächlich wissen, was sie tun. 

Haben Sie einen schönen Tag!

A.C.

 

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