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15. APRIL 2020 – Mittwoch

15.04.2020 | Tageskommentar

Heute (tagsüber) Stream aus der Metropolitan Opera: BORIS GODUNOW (Gergiev; Semenchuk, Pape, Antonenko, Nikitin, Petrenko u.a. )

www.metopera.org

Von der Met hört man bei uns mehr als von der Wiener Staatsoper. Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Oder Untertauchen?

Vom großen Met-Event (25. April) liegt nun die Liste der Teilnehmer und deren Standorte vor. Es sind so ziemlich alle dabei, die Rang und Namen haben (wenige fehlen, das wird seine Gründe haben.  Bitte also keine Protestschreiben an die Redaktion). Jetzt sind so ziemlich alle „daheim“ – oder eben dort, wo sie sich heimisch fühlen. Die Netrebko lebt derzeit am Wiener Franziskanerplatz!

Die Met-Liste finden Sie in unseren heutigen „Infos des Tages“

New Yorker Metropolitan Oper plant virtuelle Gala mit Stars
Veranstaltung mit Netrebko, Kaufmann und anderen am 25. April soll kostenlos im Internet zu sehen sein.
Kurier

Virtuelle Gala mit Opernstars
Die New Yorker Metropolitan Oper plant kostenlose Veranstaltung.
Wiener Zeitung

Opernkrise allerorten, so auch in Wien. Staatsoperndirektor Meyer: Sag zum Abschied „leider Sperrstund“
Er musste wegen Corona die Wiener Staatsoper und die Mailänder Scala schließen. Ein Gespräch über höhere Gewalt und Finanzlöcher
Der Standard

Es scheint so,als täte sich nun doch etwas in der Sache der „Freischaffenden“, die so ganz brutal durch das Sozialnetz zu fallen drohen. Das Problem der Gruppe ist, dass sie zu klein ist, um für die Politik wirklich interessant zu sein – und dass wir falsche Vorstellungen vom Verdienst dieser „fahrenden Sänger“ haben. Gewiss, Sie verdienen – so sie einen gewissen Status erreicht haben – nicht schlecht. Aber das Leben auf Reisen ist teuer – und meist müssen sie Quartier und Konsumation aus eigener Tasche bezahlen. Da bleibt dann weniger, als wir glauben. Natürlich gibt es Sänger, mit denen ich als ehemals kleiner Gewerbetreibender „ungschauter“ sofort die Finanzen tauschen würde, aber sehr viele sind das nicht.

Auszug aus einem Interview, das Dominique Meyer, der zwar nicht weiß, was er im Juni macht, aber bereits für 2024 und darüber hinaus planen muss, dem „Standard“ gegeben hat. Er macht sich Gedanken über die freiberuflichen Sänger. Er braucht diese eben für die Zeit nach der Krise – und weiß, dass er nun dafür „guten Wind machen muss“.  „Ich hoffe, dass man etwas für sie macht, man kann nicht behaupten, dass sie reich sind. Dass Stars gut verdienen, ist klar, aber nicht die gesamte Realität. Ich denke, man muss Solidarität zeigen. Ich sage zwar immer: Der Portier und der Bühnenarbeiter sind mir genauso wichtig wie die Sänger.“ Nun sei den Sängern aber durch Absagen alles weggebrochen.

„Eigentlich dürfen wir nichts zahlen, denn die Verträge beinhalten die Klausel ,Höhere Gewalt‘. Wenn die Sänger aber sechs Monate nichts bekommen, ist das schlimm. Zwar ist die rechtliche Grundlage eindeutig. Aber eine entgegenkommende finanzielle Geste wäre wichtig. In Paris und London haben sie eine solche gesetzt. Wir haben schon mit Holding-Chef Christian Kircher und Staatssekretärin Ulrike Lunacek gesprochen. Ich hoffe, dass wir rechtliche Grundlagen bekommen, um etwas zahlen zu können.“

Das wird vermutlich auch passieren, denn erstens ist die Gruppe wirklich nicht so groß, um ein Budget massiv zu belasten und zweitens „wollen wir doch niemand zurücklassen“ – diesen Stehsatz habe ich aus Politikermund in den letzten Wochen so oft gehört, dass ich ihn schon nicht mehr hören kann.

Diesem „Höhere Gewalt-Passus“ haben weder Künstler noch deren Manager bisher wirklich ernst genommen, weil mit einer deratigen Situation niemand gerechnet hat. Eigentlich ist er obszön – und gehört dringend überarbeitet. Das wird vermutlich auch geschehen, man lernt aus Fehlern! Hoffentlich!

Wissen Sie übrigens, mit welchem Prozentsatz die frei engagierten Sänger zum Beispiel das Gesamtbudget der Wiener Staatsoper belasten? Ich habe aus durchaus berufenem Mund von 10,5 % gehört. 70% (mindestens) der Besucher kommen aber wegen ihnen! Also bitte: Hirn einschalten!

Wirtschaftsfaktor Salzburger Festspiele: Hoffen auf die Sommergäste
Die Coronakrise führt zu massiven Ausgangsbeschränkungen. Vielerorts steht der Kulturbetrieb still. Das hat nicht nur Auswirkungen auf Theater, Konzertsäle, Opernhäuser, Kinos und Kleinkunstbühnen, sondern auch auf den örtlichen Tourismus. Bestes Beispiel: Salzburg. Nach der Absage der Osterfestspiele fallen nun auch die Pfingstfestspiele aus.
BR-Klassik

Gar so rosig sehe ich auch für die Sommerfestspiele nicht. Obwohl, ich würde sie dringend brauchen. Nicht dass ich hinfahren würde (nach Salzburg bringen mich keine 10 Ochsen), aber viereinhalb Monate lang halte auch ich diesen Zustand nicht aus!  Da geht auch mir sämtlicher Schmäh aus und ich nerve dann bloß. Wenn es soweit ist und ich auf das Niveau des „Krone-Kolumnisten“ zurückfalle (der durchlebt eine gewaltige Formkrise), dann sagen Sie es mir bitte. Sie wünschen, wir spielen! Ich kann auch pausieren!

Betreff: Bayerische Staatsoper. Aus Brüggemanns „Crescendo-Newsletter“:

 

Axel Brüggemann: Ebenfalls interessant waren die Mails und Anrufe, die ich aus der Bayerischen Staatsoper und dem Bayerischen Staatsballett bekommen habe. Leute, die an den Proben zu „7 Deaths of Maria Callas“ beteiligt waren, haben mir berichtet, dass Nikolaus Bachler – anders als andernorts behauptet – niemanden zu Proben gezwungen hätte. Im Gegenteil: Einige Angestellte der Oper hätten die Situation ausgenutzt, um eigene Interessen durchzusetzen. Bachler habe allen Beteiligten versprochen, sie zu bezahlen, auch wenn sie nicht proben oder auftreten wollten. „Was sollte er auch davon haben, die Leute zu zwingen“, fragte einer der Beteiligten, die mich angerufen haben. „Bachler braucht sich nichts mehr zu beweisen. Er ist ein Theater-Tier und glaubt an die Kunst: Er ist Risikogruppe und trotzdem der Erste im Haus und der Letzte, der geht.“

Das Staatsballett stellte derweil fest, dass die Polizei tatsächlich eine Kontrolle durchgeführt, aber nicht die Proben verboten habe. Es wurde lediglich der Ablauf des freiwilligen Trainings überprüft. Inzwischen ruht auch an der Bayerischen Staatsoper der Betrieb.

Ob ich nun den Nikolaus Bachler mag oder nicht, ist unerheblich. Vermutlich wäre auch ich ihm unsympathisch, wenn er mich kennen würde. Aber dass in so einer Krise alte Rechnungen beglichen und neue Forderungen durchgesetzt werden sollen, liegt auf der Hand. Den Begriff „Blockwart“ verwende ich nicht, aber „Falsche Fufziger“ sind überall dabei!

In Krisenzeiten startet Gernot Kranner eine neue Initiative: JEDE WOCHE EINE GESCHICHTE GRATIS

Es sind die Hörspiel-CDs der MITSING-MUSICALS, mit denen er bis vor kurzen noch täglich durch Kindergärten und Volksschulen getourt ist. 

„Ich beginne mit ROBIN HOOD!, stelle jeden Tag (von Montag bis Freitag) eine weitere Folge GRATIS auf Facebook und YouTube.“

 

Mi., 15. 4.           Robin Hood 1: https://www.youtube.com/watch?v=l7DNM1WotdI&t=105s

Mehr über die Aktion morgen!

„Konzertgänger in Berlin“
Quarantäne-Qualen (2): Mein erstes Mal in Bayreuth
Nix Konzerte weiterhin. Weiß der Himmel, wann es wieder losgeht. Wenn, dann sicher erstmal Kammermusik, klein besetzt und klein besucht, das ist weniger infektiös. Und bis dahin? Konserve hören. Klavier üben. Lesen.
https://hundert11.net/wehe2/

Langes Klassikwelt 11: Brasilianische Schrammeln
„Volksmusik“ wurde mir gründlich verleidet. Ich sage nur: Blauer Bock, Musikantenstadl, die Hellwigs … Wenn Florian Silbereisen mit festgetackertem Grinsen schmalzig-klebrigsüßes Geschmachte und stumpfes Gestampfe präsentiert, kichere ich fassungslos – und schalte rasch weg. Nach und nach allerdings entdecke ich immer mehr echte Volksmusik. Die kann richtig glücklich machen. Ohne Gefahr für Blutzuckerspiegel und Hirnzellen. Sogar jetzt.
Gabriele Lange berichtet aus München
https://klassik-begeistert.de/langes-klassikwelt-11-brasilianische-schrammeln/

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

Riccardo Muti zum Hausarrest, Corona Politik, Studium Missa Solemnis zu Hause in Ravenna

 

https://www.corriere.it/spettacoli/20_aprile_13/riccardo-mutiniente-bollettinistudio-beethovene-vesto-sportivo-60750238-7d9f-11ea-bfaa-e40a2751f63b.shtml?refresh_ce-cp

Das alles natürlich auf Italienisch. Italienisch kann ich essen, aber nicht lesen und schreiben.

Anita Rachvelsihvili in Tiflis – mittlerweile sind so ziemlich alle zu Hause gelandet

 

ZU INSTAGRAM

„Konzertgänger in Berlin“
Quarantäne-Qualen (2): Mein erstes Mal in Bayreuth
Nix Konzerte weiterhin. Weiß der Himmel, wann es wieder losgeht. Wenn, dann sicher erstmal Kammermusik, klein besetzt und klein besucht, das ist weniger infektiös. Und bis dahin? Konserve hören. Klavier üben. Lesen.
https://hundert11.net/wehe2/

BERLIN/ STAATSBALLETT: URAUFFÜHRUNG UND VORSTELLUNGEN 2019/20 VERSCHOBEN
VERSCHIEBUNG VON SYM-PHONIE 2020

Berlin, 14.04.2020 — Aufgrund der durch die Corona-Pandemie verursachten Lage müssen die Uraufführung und die Vorstellungen von SYM-PHONIE 2020 in dieser Spielzeit verschoben werden. Der neue Uraufführungstermin ist noch nicht bekannt. Es werden derzeit Anpassungen am Programm der Spielzeit 2020/21 vorgenommen, die durch die Corona-Pandemie notwendig geworden sind. Unter https://www.staatsballett-berlin.de/de/programmvorschau werden das neue Spielzeitprogramm 2020/21 und der neue Vorverkaufsbeginn nach Abschluss der Anpassungen umgehend veröffentlicht.

Bereits gekaufte Tickets verlieren ihre Gültigkeit und werden zurückerstattet

FRIEDEMANN VOGEL – Verkörperung des Tanzes (Film-Dokumentation des SWR von Katja Trautwein)

Friedemann Vogel. Copyright: Youn Sik Kim

Der Titel dieser dokumentarischen Würdigung beschreibt perfekt die herausragende Kunst des Tänzers Friedemann Vogel, allein die diversen Sprung-Sequenzen vor den wesentlichen Auftritts-Stationen und durch Straßen und Parks der betreffenden Städte zeigen mit welcher Selbstverständlichkeit, federleichten Gewandtheit und Gelöstheit er sich dieser Bewegungsform bedient. „Geboren für den Tanz und für die Bühne“ fasst es der langjährige Intendant des Stuttgarter Balletts Reid Anderson als einer der zu Wort kommenden Wegbegleiter in dieser einstündigen Dokumentation von Katja Trautwein knapp und trefflich zusammen…

Zum Bericht von Udo Klebes

Musik auf Abstand – Spielräume zwischen 1,50 und Hörweite
Ein Essay von Bernhard König und Alon Wallach
Alles ist anders – dazu gehört auch, dass das Große und Spektakuläre auf einen Schlag als „verzichtbar“ gilt, während die kleine Geste, das Alltägliche, die Arbeit der Supermarktverkäuferin oder des Altenpflegers wertgeschätzt wird wie nie. Auch in der Kultur findet eine solche Umwertung statt.
Neue Musikzeitung/nmz.de

BUCH von Herbert Haffner: : WILHELM FURTWÄNGLER
Im Brennpunkt von Macht und Musik
456 Seiten, wolke Verlag, 2020

 

Wie viel Anteil hat eine verfehlte politische Position an einem Künstlerleben? Das kommt darauf an, wie man es sich „nachher“ gerichtet hat – oder wie unabdingbar man war: Richard Strauss ist so wichtig für das Repertoire aller Opernhäuser der Welt, dass man keinerlei Anspruch auf die Damnatio memoriae aufrecht halten könnte. Herbert von Karajan baute sich nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tod eine Stellung als „The One and Only“ auf, so dass sich lange niemand mit unangenehmen Fragen an ihn heran wagte. Wilhelm Furtwängler hingegen? Er war fast 60, als der Krieg endete und starb neun Jahre später. Die außerordentliche Stellung, die er im Dritten Reich genossen hatte, trug nichts zu seinem Nachruhm bei. Es gibt eine später geborene Dirigenten-Generation, die ihm huldigt, darunter Mehta, Barenboim, Thielemann. Aber ansonsten?

Nun liegt, 17 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen, die Biographie aus der Feder des Kulturpublizisten Herbert Haffner in einer dritten, völlig überarbeiteten Fassung, wie es heißt, wieder vor. Es ist der ebenso umfangreiche wie genaue wie gewissenhafte Versuch, sich einem Künstler zu nähern, der als Mensch durchaus „schillerte“…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

USA stellen Zahlungen an WHO ein
US-Präsident Trump hat den Stopp von US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation angekündigt. Er wirft der WHO Versäumnisse im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie vor und hat die Organisation als zu China-freundlich attackiert.
https://www.tagesschau.de/ausland/trump-who-zahlungen-103.html

Jetzt geht‘s scheinbar echt langsam los und der ach so böse Trump scheint uns jetzt, oder zumindest Amerika, aus den Klauen dieser dubiosen Organisation (gesponsert von der Pharmaindustrie) befreien zu wollen.

Langsam kommen wir den Dingen ja schon immer näher, während die Medien weiter brav mit ihrem täglichen „Infektionsbingo“ die Leute weiter verängstigen wollen. So recht nach ihrem Sinn mag die Seuche aber trotzdem „leider“ nicht ausbrechen… gut so!

 

Übrigens, bevor Sie mich für ganz blöd halten, ein Beobachtungsbericht von der Geschäftsfront: Den großen Ansturm erlebten gestern nur die Baumärkte, die „kleinen Händler“, die der Regierung so am Herzen liegen, wurden gestern nicht gestürmt – und in der Meidlinger FUZO fühlte ich mich recht einsam. Dann ging ich zu einem kleinen Media-Shop in der Reschgasse (gegenüber der U 6 Station Niederhofstraße), um DVD-Rohlinge zu kaufen (50 Stück für 17 Euro, ziemlich konkurrenzlos). Ich war auf eine längere Wartezeit eingestellt und habe mich von meiner Frau entsprechend dramatisch verabschiedet – aber auch hier war ich der einzige Kunde! Warten wir ab, ob und wann das Geschäft wieder anspringt! 

Ein schöner Tag sei Ihnen beschieden!

A.C.

 

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