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14. SEPTEMBER 2018

14.09.2018 | Tageskommentar

Können zwei „Alphatiere“ miteinander gut auskommen?

Nikolaus Bachler soll Intendant der Salzburger Osterfestspiele werden. Das ist – auf den ersten Blick – eine „Win-Win-Situation. Einerseits bekommt Salzburg einen hocherfahrenen Intendanten, anderseits ist Nikolaus Bachler schon 70 – und in diesem Alter kann man es ruhig etwas langsamer angehen lassen. Der Job wird auch sicher gut bezahlt.

Wo liegt das Problem? Nikolaus Bachler ist ein „Alpha-Mann“ – und bei den Osterfestspielen träfe er in Salzburg auf einen ebensolchen.

Heinrich Schramm-Schiessl hat sich Gedanken gemacht:

Mir war in dem Moment klar, dass er es wird, als ich hörte, dass Nikolaus Bachler als neuer Intendant der Osterfestspiele zur Diskussion steht. Er gilt als einer im internationalen Opern- und Theatergeschehen bestens vernetzter Mann und hat als Intendant der Bayrischen Staatsoper – egal ob man das, was er gemacht hat, goutiert oder nicht – für Aufsehen gesorgt.

Mit der nunmehr auf ihn gefallenen Entscheidung gehen die Osterfestspiele – und das traue ich mir jetzt bereits zu sagen – unruhigen Zeiten entgegen. Bisher gab es mit Christian Thielemann einen klaren Chef und die jeweiligen Intendanten beschränkten sich auf die administrativen Tätigkeiten und mischten sich nicht in die Programmgestaltung ein. Abgesehen davon, dass jetzt zwei Alphamänner an der Spitze des Festivals stehen, kann ich mir nicht vorstellen, dass Bachler darauf verzichten wird, sich in die Programmatik einzubringen. Damit meine ich nicht die Opernregisseure. Hier war Thielemann schon bisher Pragmatiker und und mehr oder weniger „blind“ für das, was auf der Bühne geschah. Ich glaube aber, dass Bachler möglicherweise die Grundausrichtung der Festspiele in Frage stellen könnte und hier sehe ich Konfliktpotential, zumal die beiden Herren weltanschaulich nicht unbedingt im gleichen Boot sitzen…

Weiterlesen in den „Infos des Tages“/ Aktuelles

Mittlerweile scheint man auch sogar in Salzburg zu denken beginnen. Ein etwaiger Stolperstein könnte im vorletzten Satz der offiziellen Aussendung versteckt sein: „Die Gesellschaftervertreter der Osterfestspiele Salzburg GmbH sind in Kontakt mit dem Künstlerischen Leiter Christian Thielemann.“ Angeblich – und von seiner Warte aus durchaus verständlich – soll der Künstlerische Leiter der Osterfestspiele, Christian Thielemann, Nikolaus Bachler nicht als seinen Wunschkandidaten für die Ruzicka-Nachfolge sehen. Als möglicherKompromisskandidat ist daher Dominique Meyer, der 2020 aus der Wiener Staatsoper ausscheidet, noch lange nicht aus dem Rennen!

Mittlerweile ist auch die Kritik „Ariadne auf Naxos“ vom gestrigen Abend online. Manfred A. Schmid schreibt über den „Bacchus-Einspringer“ Charles Workman irgendwie „zwischen den Zeilen“: Fehlt noch der Einspringer des Tages: Da Stephen Gould noch weiter erkrankt ist, kam diesmal als Bacchus – wie zuvor schon Herbert Lippert – der Amerikaner Charles Workman zum Einsatz, der am Theater an der Wien schon in drei Händel-Opern mitgewirkt hat und in der Staatsoper im vergangenen Jahr zuletzt in Alban Bergs Lulu als Alwa dabei war. Mit einer feinen, schlanken Tenorstimme ausgestattet, hatte er bei seinem Rollendebüt an der Staatsoper einige Mühe, sich gegenüber der einnehmenden Pieczonka zu behaupten. Man möchte ihn im Haus am Ring aber gerne bald wiedersehen bzw. -hören, z. B. im französischen Fach oder bei Mozart…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

„Zwischen den Zeilen“ liest wohl jeder anders. Manfred A. Schmid begrüßt ein Wiedersehen mit Charles Workman, aber offenbar nicht als Bacchus. Wenn das so ist und die Umbesetzung von Herbert Lippert auf Charles Workman nicht aus Krankheits- oder Termingründen erfolgt ist, hätte man gleich Lippert nochmals den Bacchus singen lassen können.

Aber wir bieten noch eine weitere Kritik an (Maria und Johann Jahnas), in der Bacchus etwas anders gesehen wird: Für die Derniere stand mit dem amerikanischen Tenor Charles Workman ein würdiger Interpret für diese anspruchsvollen Partie zur Verfügung. Er gestaltete sein Rollendebut klug und mit Vorsicht; seine Mozart-Kompetenz bewirkte eine geradlienige, edel klingende Interpretation der lyrischen Passagen und die Schlüsselstellen, wie: „Weh! Bist du auch solch eine Zauberin?“ und ganz besonders das Finale mit wohl einer der schönsten Liebeserklärungen der Opernliteratur: „und eher sterben die ewigen Sterne, eh‘ denn du stürbest aus meinem Arm!“ gelangen technisch perfekt und mit enormem emotionalem Ausdruck…

Zum Bericht von Maria und Johann Jahnas

WIEN: Jubiläumsaktivitäten rund um „150 Jahre Opernhaus am Ring“

Mit der Tagung zur Geschichte der Oper in Wien vom 17. bis 19. September 2018 (jeweils ab 9.00 Uhr im Gustav Mahler-Saal) beginnen die zahlreichen Aktivitäten der Wiener Staatsoper rund um ihr 150jähriges Jubiläum, das im Mai 2019 gefeiert wird.

 

www.wiener-staatsoper.at/150

Beginnend bei der Barockoper befragt unter der Leitung von Oliver Rathkolb dieses hochkarätig besetzte Symposium die wechselnden Situationen, Ausdrucksformen und Umstände des (Wiener) Musiktheaters:

Wer waren die Rezipienten, wie waren die politischen Zustände, was durfte gespielt werden – und was nicht? Wie sah die Spielplanpolitik der einzelnen Direktoren aus – und wie die wirtschaftliche Lage des Hauses?..

Aufgrund der sehr großen Nachfrage – alle Karten waren binnen kürzester Zeit vergeben – hat die Direktion beschlossen, eine größere Anzahl an Zählkarten aufzulegen und die gesamte Tagung live zu streamen. Der Livestream und das detaillierte Tagungsprogramm können direkt über die Homepage der Wiener Staatsoper abgerufen werden: www.wiener-staatsoper.at

BUCH: WIENER STAATSOPER. IMPRESSIONEN ZUR SPIELZEIT 2017 / 2018
Fotografiert von Michael Pöhn und Ashley Taylor

 

Renate Wagner stellt uns das Buch (das Sie sicher im Arcadia-Shop in der Staatsoper kaufen können) vor:

Die schöne Blondine im himmelblauen Kleid, die am Titelbild der „Staatsopern-Impressionen“ der letzten Spielzeit kauert, würde man zwar nicht für die strahlende Verführerin Dalila halten, aber wir wissen ja, dass „Samson und Dalila“ nicht gerade die Glanzpremiere geworden ist, die man sich vorgestellt hat. Aber neben der Netrebko hält Elina Garanca seit nun schon mehr als einem Jahrzehnt den Status des Superstars, und so ist es logisch, dass die Staatsoper sie auf ihr Titelblatt setzt.

Seit nunmehr vielen Jahren dokumentiert sich die Ära von Dominique Meyer nicht nur mit rund 40 Stream-Übertragungen aus der Wiener Staatsoper (von denen einige glücklicherweise dann doch im Fernsehen landen), sondern auch mit den dickleibigen, viereckigen, „ziegel“-artigen Büchern, in denen sich eine Spielzeit kommentarlos (ohne Vorwort, ohne Nachwort) darstellt. Einzig in ihren Programmzetteln, die jede Besetzungsvariante aufzeigen, und den Fotos, die Michael Pöhn (für die Opern) und Ashley Taylor (Ballett) unermüdlich schießen – von jeder Vorstellung, von allen Besetzungsvarianten. Fakten, Fakten, Fakten. Wobei Bilder auch imstande sind, Inszenierungen in ihrer ganzen Verbogenheit zu desavouieren – etwa den „Trachten-Lohengrin“…

67. Internationaler Musikwettbewerb der ARD München – Gesangswettbewerb vom 3. bis 12. September 2018 – Finale am 12.9.2018

Natalya Boeva hat den Bewerb gewonnen. Foto: Daniel Delang

Nun ist er wieder mal entschieden, der Gesangswettbewerb der 67. Ausgabe des seit 1952 ausgetragenen Internationalen Musikwettbewerbs der ARD München, der dieses Jahr auch die Fächer Viola, Klaviertrio und Trompete umfasste.

Im Gesangswettbewerb gewannen im Finale vorgestern Abend folgende Sängerinnen und Sänger:

1.Preis: Natalya Boeva, Russland, Mezzosopran
2. Preis: Milan Siljanov, Schweiz, Bass
3. Preisreis: Ylva Sofia Stenberg, Schweden, Sopran und Mingjie Lei, China, Tenor

Einen ausführlichen Bericht von Dr. Klaus Billand lesen Sie in unseren heutigen Infos des Tages oder in unserer Konzertrubrik

Weiters in

ARD-Musikwettbewerb 2018 Vier Preise im Fach Gesang
Vier junge Sängerinnen und Sänger haben am Mittwochabend im Herkulessaal der Münchner Residenz um die begehrten Preise beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD gesungen. Alle vier wurden ausgezeichnet.
BR-Klassik

Hamburg/ Staatsoper: Herbert Fritsch inszeniert Mozarts „Così fan tutte“ – natürlich nicht so wie alle …
Neue Musikzeitung/nmz.de

Ekaterinburg: Gestern war „Turandot“ -Premiere – heute lesen Sie darüber bereits im Online-Merker

Paolo Lardizzone (Calaf). Copyright: Olga Kereluk

Gestern Abend erlebte Giacomo Puccinis große Choroper „Turandot“ am Akademischen Opern- und Ballett Theater (kurz Uraloper) im westsibirischen Ekaterinburg eine Neuinszenierung durch den jungen Regisseur Jean-Romain Vesperini in den Bühnenbildern und den überaus fantasievollen und opulenten Kostümen von Dirk Hofacker, mit dem Lichtdesign von Christophe Chaupin sowie den Videos von Ilya Shusharov. Elvira Gaifullina studierte die großen Chöre mit über 65 Sängern ein. Der Ekaterinburger GMD Oliver von Dohnányi dirigierte wie immer mit viel Verve und Engagement das Orchester der Uraloper und brachte insbesondere die Dynamik der Partitur und nicht zuletzt die großen Chorszenen eindrucksvoll zur Wirkung. Seit Anfang August wurde geprobt.

Vesperini wählte ein traditionelles Regiekonzept für seine Interpretation, das wie so oft die klassischen Symbole chinesischer Kultur wie den Drachen, die Fächer und die Farben Gold und Rot betonte. Die Videos erwiesen sich als interessante Belebung des durch zeitweise Rotation von Bühnensegmenten aufgelockerten Einheitsbühnenbildes…

Zum Bericht von Klaus Billand

OPER FRANKFURT: Kurzfilm zu „TRI SESTRY“ ist freigeschaltet

Der Kurzfilm von Thiemo Hehl zur Frankfurter Erstaufführung von Peter Eötvös’ Tri sestry / Drei Schwestern (Musikalische Leitung: Dennis Russell Davies und Nikolai Petersen; Inszenierung: Dorothea Kirschbaum) im Internetauftritt der Oper Frankfurt ist freigeschaltet: 

https://oper-frankfurt.de/de/mediathek/?id_media=162

NEUE YOUTUBE-VIDEOS MIT BERND WEIKL WARTEN AUF VERBREITUNG

PLAYLIST

 

 Gabriele Rossmanith / Bernd Weikl: „Des Knaben Wunderhorn“ (27 Min.) TEIL1

Gabriele Rossmanith/ Bernd Weikl: „Des Knaben Wunderhorn“ (28 Min.) Teil 2

„Der Opernfreund“ – Bernd Weikl-Seite

WIEN / Kammerspiele der Josefstadt: VIER STERN STUNDEN von Daniel Glattauer
Uraufführung
Premiere: 13. September 2018

 

Daniel Glattauer ist jener Wiener Autor, dessen Romane – eine Variation von „E-mail für Dich“ – es mit großen Erfolg dramatisiert auf die Bühne der Josefstädter Kammerspiele brachten: „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“, lustiger Zeitgeist, Schauspielerfutter, Publikumsvergnügen. „Die Wunderübung“ war dann schon ein „echtes“ Theaterstück, die Personenanzahl von zwei auf drei gestiegen. Sukzessive hat sein jüngstes, genremäßig nicht klassifiziertes Stück „Vier Stern Stunden“ vier Personen, zwei junge, zwei alte. Damit sich die Dinge am Ende auf die obligate Weise lösen können.

Man verlangt sicher keine Innovation – die einzige hier scheint in der exzentrischen Formulierung des Titels zu liegen. Warum so und nicht anders? Wer weiß, und egal ist es auch. Es geht überhaupt recht parodistisch zu, wenn ein jugendlicher Hoteldirektor „Reichenshoffer“ heißt und ein zickiger alter Dichter „Trömerbusch“ – wir sind im Land der launigen Autoren-Ironie. Reichenshoffer begrüßt das Publikum des Hotels, das gleichzeitig das Publikum der Josefstädter Kammerspiele ist, und vergisst nicht das greisenhafte Alter der Gäste zu erwähnen – womit er zweifelhaft recht hat. Gelacht wird darüber so wenig wie über seine zwanghaft dummen Versprecher. Nein, das fängt nicht gut an…

Alles in allem, ja, sicher, was man so „gute Rollen“ nennt und im Sinn des Theaters ein schönes, poetisches Ende. Was will man mehr? Nun, ein etwas besseres Stück, das über das Niveau von Privatfernsehen hinaus geht und das vor allem auf den billigen Tschador verzichtet – das hätte man von Glattauer schon erhoffen wollen.

Zum Bericht über die Uraufführung von Renate Wagner

Na gut, wenn es schon keine Sternstunden waren, dann waren es zumindest nicht deren vier! Es ist also auszuhalten!

Filme der Woche

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Im Arbeiter- und Bauernstaat der DDR war Gerhard „Gundi“ Gundermann (1955-1998) von Beruf Baggerfahrer in einer Lausitzer Braunkohlenzeche. Aber er war auch Liedermacher und Sänger, der den Alltag reflektierte – aber nicht so aggressiv, dass die DDR ihn nicht akzeptieren konnte. Im Gegenteil, ihn als Aushängeschild zu benützen und sogar im feindlichen kapitalistischen Ausland gastieren zu lassen, kam ihnen gerade recht. Allerdings um den Preis, dass er – man hat ihm diese Tätigkeit verharmlost und verzuckert dargestellt – der Stasi über seine Kollegen in der Band berichtete. Über alles, jede Kleinigkeit, wie unwichtig sie auch scheinen mochte…

Der Film von Andreas Dresen, der selbst in der DDR aufgewachsen ist und sich dort auskennt, reflektiert das deutsch-deutsche Schicksal Gundermanns nach einem bemerkenswerten, ausgewogenen Drehbuch von Laila Stieler, das nichts beschönigt, aber auch nichts dramatisiert. Im Gegenteil – hier offenbart sich die Selbstverständlichkeit, mit der die Stasi im damaligen Leben der DDR-Bürger gegenwärtig war. Hier lernt man begreifen, wie die Menschen versuchten, sich in dem System so einzurichten, dass es ihnen möglichst wenig wehtat. Und wie ein Mann wie Gundermann in die Welt des Verrats schlittern konnte, wie man sich im Netz der Spinne verfängt, während rundum das „normale“ Leben weitergeht…

Österreich/ Innenpolitik: Kneissl redet, Blümel schweigt, Drozda kritisiert
Trenklers Tratsch: Die Opposition ärgert sich darüber, dass der Kulturminister mit Umsetzungen säumig ist
Kurier

Gernot Blümel,  ÖVP-Kulturminister, ist slick und smart. Er vertut seine Zeit nicht, fast alles perlt an ihm ab. Und das ärgert die Opposition, die sich nun im Schattenboxen übt.

Herrn Drozda, Blümels Vorgänger, Drozda muss ziemlich langweilig sein. Blümel lässt ihn gegen eine Wand reden. Das Schlimme an der Situation: die Opposition sieht kein Ufer! Ist die Regierung etwa zu slick und smart?

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

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