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14. OKTOBER 2019 – Montag

14.10.2019 | Tageskommentar


BERLIN / Komische Oper: DIE BASSARIDEN. Günther Papendell, Sean Pannikar. Foto: Monika Rittershaus

Das nach Schoenbergs „Moses und Aaron“ gut aufeinander eingespielte Duo Regisseur Barrie Kosky und Dirigent Vladimir Jurowski kann nun wohl einen weiteren Erfolg auf seine Fahnen heften. Diesmal hält eine antike Tragödie lautvoll und statisch monumental Einzug in die Komische Oper. Barrie Kosky inszeniert ganz klassisch und streng formalistisch Henzes oratorienhaftes Musikdrama in einem Akt und vier Sätzen „Die Bassariden“ nach Hugh Audens und Chester Kallmans Libretto auf die Tragödie „Die Bakchen“ von Euripides. Synchronisiertes Bewegungstheater als Geometrie der vernichtenden Leidenschaften. Nur im Intermezzo (in der Version von 1992 eigentlich gestrichen) darf es in einer langen percussionbrüllenden, schweißtriefenden Tanzsequenz auch ein wenig nach Klamauk und Slapstick aussehen, selbst wenn das in Anbetracht des düsteren Sujets und der trotz Mandolinenklängen wenig sarkastischen Musik kaum zündet. Shostakovich‘ Genie hatte Henze definitiv nicht…

Zur Premierenkritik von Dr. Ingobert Waltenberger

The Bassaris Henze Kosky Komische Oper 1

Foto: Monika Rittershaus

Komische Oper Berlin: The Bassarids 
Klare Inszenierung, feine Sänger: Henzes Bassariden erleben eine clevere, packende Neu-Inszenierung ohne jeden Schnickschnack. Vladimir Jurowski lässt das Orchester der Komischen Oper schweben
Konzertkritik/opernkritikberlin

„Die Bassariden“ – eine Premierenkritik
https://www.freitag.de/autoren/andre-sokolowski/the-bassarids-von-hans-werner-henze

Wiener Staatsoper: MADAMA BUTTERFLY (12.10.)

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Kristine Opolais. Foto: Webseite Opolais

Zum 389. Mal legte im letzten Bild dieser Inszenierung die U.S.S. Abraham Lincoln in Nagasakis Hafen an, um den von Ivan Magri als Pinkerton schmierig dargestellten Angestellten der Marine an Land zu lassen, so schmierig, wie er auch tatsächlich in die Story passt und der in dieser zusammengestückelt ausgestatteten Uniform eher ein Angestellter des Zwischendecks oder des Küchenpersonals zu sein scheint. Hat er sich doch für den Uniformrock wohl irrtümlich verschiedene und wahrscheinlich geklaute Rangabzeichen, für die Ärmel und die Achselspangen jeweils ein anderes, einmal mit zwei und einmal mit drei Streifen, angenäht! Aber einer japanischen Geisha fällt das genauso wenig auf wie der theatereigenen Garderobenschneiderei oder gar dem amerikanischen Konsul…

Zum Bericht von Peter Skorepa

ESSEN/ Aalto-Theater: PIQUE DAME am 12.10.2019. Doomsday in Russland

Achtung: Diese Inszenierung könnte ihr bisher freudvolles Dasein und ihr ausgeglichenes Seelenheil beschädigen

Es gibt Wahrnehmungen, da möchte man als Kritiker schon beim – viel zu frühen! – Aufgehen des Vorhangs das Opernhaus sofort wieder verlassen. Es sind diese Situationen, die man schon hundertmal durchlitten hat und die mitverantwortlich sind, daß man dann im Alter sein Haar von einst schillernder Lockenpracht in schlohweiße Dürre gewechselt hat.

Dazu zählt ein Inszenierungskonzept der längst vergangenen 80er, als man öfter, egal ob Schauspiel oder Oper, sofort alle Personen auf der Bühne drapierte – gleich ob sie jetzt schon auftreten oder erst später. Diese Nichtagierenden sitzen dann meist gelangweilt bis belanglos am Rand herum und zählen imaginäre Fliegen an der Decke oder – was sich in dieser Produktion (Müllplatz hinter der Tschernobyl-Ruine) eher anbieten würde – imaginäre Riesen-Kakalaken auf dem Boden….


Copyright: Monika und Karl Forstner

https://www.deropernfreund.de/essen-aalto-oper.html

Metropolitan Opera New York: TURANDOT – Kinoübertragung


Yusif Eyvazov beim Pauseninterview mit Angel Blue. Foto Instagram

EIN VIDEO und 7 Fotos

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Es gilt bei vielen Opernfreunden als schick, gegen Yusif Eyvazov Vorbehalte zu haben. Der Grund hierfür ist klar, seine Karriere verdankt er nach Meinung seiner Kritiker nur seiner Frau.  Auf der Bühne ist er aber allein und muss sich bewähren. Nun bricht die Merker-Heft-Chefin Dr. Sieglinde Pfabigan für Eyvazov eine Lanze: Die große sängerische Überraschung war Yusif  Eyvazov als Calaf. So gut haben wir ihn noch nie gehört und so fesch und persönlichkeitsstark noch nie gesehen. Wenn auch seine Stimme in der Mittellage kein bezwingendes Timbre aufweist, so besticht seine topsichere, glänzende Höhe allemal. Umso mehr, als er nicht zu forcieren braucht, um zündende Spitzentöne zu offerieren. Sein „Vincero!“ war somit vorgezeichnet.  Das war ein Prinz im selbstbewussten Auftreten, ein Liebender, der offenbar wusste, was ihn an dieser Frau faszinierte, und auch, wie er sie aus ihrer Distanziertheit würde reißen können…

Zum Bericht von Sieglinde Pfabigan

 Linz/ Landestheater: LE PROPHÈTE (Vorstellung vom 12.10.

Die Inszenierung des 1970 in Bremerhaven geborenen Alexander von Pfeil, mit vollem Namen Alexander Christian Ernst Walter Friedrich Carl Graf von Pfeil und Klein-Ellguth, eines Schülers von Götz Friedrich, versucht in einer Zeitreise jene historischen Ereignisse in die Gegenwart zu holen. Als äußere Merkmale dienen ihn dazu die Bücherverbrennung während der NS-Zeit und, äußerst aktuell aber völlig unnötig, der Einsatz von Mobiltelefonen…

Zum Bericht von Harald Lacina

Nikolaus Bachler: „Eitelkeiten habe ich gern“ Bezahlartikel
Er sei kein Intellektueller und kein Stratege, sagt der Intendant der Bayrischen Staatsoper, Nikolaus Bachler. Intuition sei seine große Stärke. Der Steirer wird ab 2022 Dirigent Christian Thielemann als künstlerischer Leiter der Osterfestspiele Salzburg nachfolgen. Das sorgte medial für große Aufregung. Nicht jedoch bei Bachler. „Ich bin in meinem Tun schon gefestigt“, sagt er.
https://www.diepresse.com/5705335/nikolaus-bachler-eitelkeiten-habe-ich-gern

Dresden: „Fidelio“ zum Mauerfall: „Sie können Herren Ihrer Geschichte werden“
Vor 30 Jahren inszenierte Christine Mielitz Beethovens „Fidelio“ in Dresden als subversive Geschichte aus einem Staatsgefängnis. Jetzt wurde die Inszenierung wiederaufgeführt. Und Joachim Gauck hielt eine Rede.
Die Welt.de

Händels „Agrippina“ an der Royal Opera London als musikalische Farce leuchtet in Barrie Koskys High-Tech-Inszenierung….
Das Bühnenbild ist eiskalt, ein fast unerträglich nüchtern-zweckhaftes Bürohaus aus Glas, Chrom und Stahl mit aufwendig verschiebbaren Elementen auf Rollen und klinisch weißen Intérieurs. Eine Metapher für die Hauptfigur von Händels Oper, einem überaus erfolgreichen Jugendwerk. Denn eiskalt, ist sie, die kalt berechnende, machtbesessene, manipulativ agierende und alle psychologischen und politischen Fäden ziehende Agrippina, die über Leichen geht und nur eines will: ihren debilen Sohn Nero auf den Thron des Römischen Kaisers zu hieven.
Dr. Charles E. Ritterband berichtet aus dem Royal Opera House London….
Klassik-begeistert

AKTUELL IN UNSERER WEBSEITE: DIE „JUBILÄEN OKTOBER 2019“ SIND NUN VOLLSTÄNDIG

Walter Nowotny hat die letzte Liste fertiggestellt. Der September war eine sehr ungesunde Zeit, noch nie war die Liste der Todesfälle so lang!

Zu den JUBILÄEN Oktober 2019

Adam Fischers Liebeserklärung an Wien

Neues Album „Wien“ mit Jonas Kaufmann und den Wiener Philharmonikern unter Adam Fischer erschien am 11. Oktober bei Sony Classical

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Adam Fischer. Foto:Prest Classical

Wien ist die künstlerische Heimat des international renommierten Dirigenten Adam Fischer. Mit der neuen CD „Wien“, mit Arien und Duetten aus den Operetten „Die Fledermaus“, „Eine Nacht in Venedig“ und „Wiener Blut“ von Johann Strauß, „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar sowie Wienerliedern von Robert Stolz, Hermann Leopoldi und Rudolf Sieczyniski zeigt er seine tiefe Verbundenheit mit dieser Stadt und ihrer Musik. Mit Jonas Kaufmann entstand in diesem Jahr nicht nur diese gemeinsame CD. An der Bayerischen Staatsoper München feierten der Startenor und der Maestro auch Ende September einen großen Erfolg mit “Otello”. Die Wiener Philharmoniker waren kongeniale Partner dieser CD, die auch in Wien aufgenommen wurde.

Opera Quiz: True or False – The Career of Luciano Pavarotti
https://operawire.com/opera-quiz-true-or-false-the-career-of-luciano-pavarotti/

Filme der Woche


Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

So bonbonfarben, so gewaltsam lustig, so knüppeldicke sentimental – hoppla, das hat man ja gewusst. Man geht ja nicht mit cineastischen Ansprüchen in ein Udo-Jürgens-Musical. Schließlich weiß man aus eigener Live-Erfahrung, was einem bevorsteht. Damals, 2010, sah man im Raimundtheater, was 2007 in Hamburg kreiert worden war: Gabriel Barylli hatte für „Ich war noch niemals in New York“ als Autor eine Menge Songs von Udo Jürgens, der damals noch ein unerschütterlich aktiver Spät-Siebziger war, so zusammen gestoppelt, dass man sie in eine „Traumschiff“-artige Handlung pressen konnte und alle paar Minuten Musik und Tanz ausbrachen. Das hatte auf der Bühne einen eigenartigen Nostalgie-Reiz.

Dass es außerhalb des Fernsehens dafür noch ein Publikum geben könnte, hätte man bezweifelt. Aber vielleicht haben deutsche Produzenten die Erfolgsgeschichte von „Mamma Mia“ ins Auge gefasst und gedacht: Das können wir auch. Und da fiel ihnen verspätet der Udo-Hit ein. Zumindest haben sie von den Amerikanern ein Erfolgsrezept übernommen: Eine Starbesetzung muss es schon sein. Und tatsächlich – das hilft.

Wenn man sich richtig erinnert, lief die Musical-Handlung etwas anders, aber Autor Barylli ist beim Film ausgebootet. Man hat zwar die Grundstruktur behalten, doch eine Menge geändert – nicht, dass das nicht völlig egal wäre. Die „Heldin“ Lisa, die zickige Fernsehdiva, ist geblieben, ihr Zukünftiger Axel ist jetzt eine Art von „Wahrscheinlichkeitsrechner“ (gibt es das überhaupt?) mit Kind, das ein wenig zurückgedrängt wurde, um nicht alle Pointen zu klauen wie auf der Bühne…

Angela Merkel und Boris Johnson – Die Kanzlerin und der Spieler
Boris Johnson gilt als skrupelloser Zocker – jetzt geht er in den Brexit-Verhandlungen scheinbar auf die EU zu. Auch auf Angela Merkel kommt es nun an. Kann die Kanzlerin dem britischen Premier trauen?
Der Spiegel

Judo-Weltverband entzieht Österreich die WM
Weil Rate nicht bezahlt wurde, findet die WM 2021 nicht in Österreich statt.
Wiener Zeitung

Bei der Vergabe von Weltmeisterschaften fließen Millionen Euros oder Dollars in die Kassen der Weltverbände. Beim Fußball ist es besonders arg, eine Fußball-WM findet allerdings nur alle vier Jahre statt und ist das sportliche Weltereignis. Durch Werbeverträge werden ebensolche Unsummen wieder rückgewonnen. Ein Stadion zu bauen, ist nicht das Problem, es später zu erhalten und zu nutzen ist die Herausforderung, an der die meisten Veranstalter gescheitert sind.

In den meisten anderen Sportarten gibt es jährlich Weltmeisterschaften – und deren Zuerkennung spült Millionen in die Verbandskassen. Judo ist sicher kein Sport, der Zuschauermassen bewegt – zumindest nicht in unseren Breiten, Österreich soll 6 Millionen Euro dafür bezahlen, dass es die Judo-WM 2021 ausrichten darf. 2 Millionen wurden bereits überwiesen, die zweite Rate war im September fällig.  Diese Rate wurde, aus welchen Gründen immer, nicht überwiesen. Wer überweisen hätte müssen, weiß ich nicht, dass es sich um Steuergeld handelt, weiß ich aber sehr wohl.

Nun hat der Judo-Weltverband Österreich die Weltmeisterschaft wegen Nichtbezahlung der zweiten Rate 2021 entzogen! Was mit den bereits überwiesenen 2 Millionen geschieht, kann derzeit kein Wissender sagen. Wer ist eigentlich in der Interimsregierung Sportminister?

Eigentlich ist das eine gute Geschäftsidee. Wäre ich jünger, würde ich die Gründung eines Weltverbandes in der Disziplin „Kirschkerne-Weitspucken“ (auch Hochspucken wäre denkbar) in Erwägung ziehen. Obwohl weltweit mehr Leute Kirschkerne spucken als den Judosport ausüben, würde ich eine Weltmeisterschaftsvergabe um 2 Millionen Euro als angemessen empfinden – jährlich versteht sich! Man könnte auch erweitern – auf Zwetschkenkerne und so. Organisatorisch ginge das in einem Aufwasch.

Aber leider – ich bin zu alt und der Zug ist somit abgefahren!

Die Welt wird immer verrückter!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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