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14. MAI 2019 – Dienstag

14.05.2019 | Tageskommentar

Wiener Staatsoper – Probenfoto „Die Frau ohne Schatten“ . Regisseur Vincent Huguet und Nina Stemme. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Opernhauses am Ring – die heutige Wiener Staatsoper wurde am 25. Mai 1869 feierlich eröffnet – kommt Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten am 25. Mai 2019 zur hochkarätig besetzten Festpremiere.

Auf genau dieser Bühne wurde das Werk vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1919, uraufgeführt. Das kongeniale Duo Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal diskutierte schon ab 1910 über einen neuen Opernstoff, der Titel Die Frau ohne Schatten – ihre vierte gemeinsame Oper – existierte spätestens ab 1911. Inmitten des Ersten Weltkriegs entstand das Werk, das 1917 fertig gestellt wurde und das der Komponist selbst als „schönste und erhabenste Arbeit“ prophezeite. Erzählt wird die (komplexe) Geschichte zweier Paare – Kaiser und Kaiserin sowie Färber und Färberin –, die durch Selbsterkenntnis und Selbstüberwindung zum glücklichen Ende finden…

Mehr darüber in den „Infos des Tages“. Diese Premiere wird wohl in den nächsten drei Wochen eine vorrangige Stellung in unserer Berichterstattung einnehmen.

HEUTE: Stream aus der Wiener Staatsoper: MACBETH (ab 19 h)

Die Wiener Staatsoper rüstet ihre Streams technisch auf. In den vergangenen Tagen konnten wir diesbezüglich etwas mehr erfahren. Technisch sind die Staatsopernstreams mit denen anderer Opernhäuser nicht vergleichbar, sie „können viel mehr“ – und deswegen sind sie auch kostenpflichtig.

Noch immer verfolgt ein Großteil der Stream-Benutzer das Geschehen vom PC aus – und durch die Aufrüstung – ein Segen für die technisch Versierten – ergeben sich für die älteren Besucher manchmal Probleme. Lassen Sie mich einen Vergleich anstellen: Es ist klar- ein Ferrari ist ein Super-Auto, fährt meinem Renault-Kleintransporter um die Ohren. Der Ferrari steht allerdings viel öfter in der „Box“ als mein Renault. Wozu brauche ich in Österreich einen Ferrari? Ich besitze keine eigene Rennstrecke, also kann ich die Vorzüge dieses Autos gar nicht ausnützen.  Ähnlich verhält es sich mit den hochtechnisierten Streams – für jene Benutzer, die nicht bereit oder auch gar nicht in der Lage sind, technisch groß und immer nach dem neuesten Stand aufzurüsten.

Es ist klar, die Staatsopern-Streams sind eine Geschäftsidee – und demnach für die nächste Generation, nicht für die gegenwärtige konzipiert. Das ist natürlich legitim. Vielleicht könnte man auch noch die Option „Stream-light“ anbieten, bei der man die ganz große technische Aufrüstung nicht benötigt. Wenn die „Depperl-Generation“ (der auch ich angehöre, diese Fachleute nehmen mich natürlich nicht wirklich ernst) ausgestorben ist, könnte man diese „Stream-Gehschule“ ja wieder abschalten!

Kann man mit den Streams Geld verdienen? Ich wünsche der Staatsoper dazu viel Glück, mein Geschäfts-Instinkt (der mich noch nie im Stich gelassen hat), sagt eher nein. Klassik ist auch bei Sony, DGG und Co. ein Prestigeprojekt, in das Geld gepumpt werden muss. Wie überhaupt die Klassik der Subvention bedarf – also ohne finanzielle Hilfe aus Steuergeldern nicht überlebensfähig ist! Und damit will man Geschäfte machen?

Wien/ Theater an der Wien: OBERON von C.M. von Weber (Premiere am 13.5.)

„Oberon“ Foto: Werner Kmetitsch/ Theater an der Wien

Renate Wagner ist Premierenberichterstatterin: Zu einem Abend wie diesem ist man um markige Formulierungen nicht verlegen. „Tumult im Narrenhaus“ sowieso, aber auch „Rollenspiele in der Psychiatrie“. Oder: „Der Chefarzt ist ein Fixer.“ Auf jeden Fall: „Was Regisseuren so alles einfällt.“ Anlaß solcher Spekulation: Carl Maria von Webers „Oberon“ im Theater an der Wien, eine Co-Produktion mit München, gestaltet von Nikolaus Habjan (was sicher stellt, dass seine für ihn unverzichtbaren Puppen dabei sind).

Man muss dem Theater an der Wien tief dankbar sein, dass es zur allgemeinen Kenntnis des „Freischütz“, der ja wirklich immer wieder einmal im Repertoire auftaucht, diese Spielzeit die Weber-Raritäten „Euryanthe“ und nun „Oberon“ geboten hat. Letzteres war Webers letztes Werk, eine „romantische Feen-Oper“, für London in dem dort typischen Patchwork-Stil gehalten (wo er doch lieber erneut eine „italienische Oper“ geschrieben hätte, wie es die „Euryanthe“ für Barbaja gewesen war). Da mischt sich Shakespeares Feenkönig samt Gattin, Puck und einigen Elfen mit einem Helden aus der Zeit Karls des Großen und einer orientalischen Kalifentochter, und bewiesen werden soll (wie immer) die ewige und unerschütterliche Liebe. Stilistisch sind es gesprochene Dialoge und eine Musik von solcher Pracht, dass eigentlich nicht einzusehen ist, warum „Oberon“ kaum je auf die Bühnen kommt.

Oder doch – denn auch Regisseur Nikolaus Habjan beweist wieder einmal die Angst der Regisseure vor dem Stoff. Nur im Kino kann man dem Zuschauer „Fantasy“ aller Art (und in allen Schattierungen der Dummheit) vorsetzen, auf der Bühne traut man sich nicht. Was tun? Die Geschichte verfremden. Ihr einen Rahmen geben, dass sie als Spiel im Spiel passiert, als solches ironisch kenntlich gemacht…

Der Beifall fand keinerlei Widerspruch. Wenn man sich darauf einließ… ja, dann sah man „Oberon“ durch die Psychiatrie durchblinzeln.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Wien/ Festwochen-Eröffnung

Meinhard Rüdenauer berichtet: Die Wiener Festwochen haben es nach heiklen vergangenen Jahren mit starkem Besucherrückgang sowie nach dem Versagen des frühzeitig abgeschobenen Intendanten Tomas Zirnhofer–Kin nicht leicht. Im sozialen Kontext der Stadt mit einer sich ändernden Gesellschaft muss nach einem neuen Profil gesucht werden. Ist nun beim alljährlichen Festwochen-Auftakt am Rathausplatz mit einem musikalischen Ladys-Bouquet ein erfreulicher Einstand geglückt? Zeitgleiche TV-Übertragungen: Einschaltquote für ‚Dancing Stars‘ 29 Prozent, die für das Eröffnungsfest 3 Prozent ….

Der kurzfristig bestellte derzeitige Intendant der Wiener Festwochen, Christophe Slagmuylder ist ein sehr sympathischer, ruhiger, einnehmender Herr aus Brüssel, Jahrgang 1967. Sein Akzent klingt so gar nicht wienerisch, doch sein Deutsch ist o.k., geht ganz gut. Englisch scheint er jedoch vorzuziehen. Und die Augen der Wiener Festwochen sind nach wir vor auf Einkäufe von Kunst-Events aus dem Ausland gerichtet. Der freundliche Belgier muss nun überlegen, wie er die Wiener, den kleinen Teil der an künstlerischen Veranstaltung teilnehmend jedenfalls, kulturell bereichern kann… (Zitat Ende, mehr in den Infos des Tages)

Das erste Projekt wurde in Wien Donaustadt initiiert: Die deutsche, in Wien lebende Künstlerin Anna Witt hatte zuvor alle Bewohner der riesigen Wohnhausanlage kontaktiert, um sie für ihre Mitmachaktion „Beat House Donaustadt“ zu gewinnen. Von den mehr als 1000 Menschen in 533 Wohnungen erklärten sich schließlich 51 bereit, ihr Herzpumpern aufzeichnen zu lassen. Auf Anna Witts Pfiff hin spielten sie bei offenen Fenstern die Töne über ihre Verstärkeranlagen ab. So verbanden sich die Herzschläge zu einem Wummern. Eine Minderheit, dem Gedanken der Gemeinschaft und Solidarität verpflichtet, dominierte über die Mehrheit, die nicht ganz verstand, was da vor sich ging. Eine ältere Dame erklärte telefonierend: „Wird wieder Geld gekostet haben... (Quelle: Kurier)

Ein junger Mann störte das Wummern mit einem Hit von „Falco“. Sofort war Polizei zur Stelle! So geht es meiner bescheidenen Meinung nach auch nicht! Kunst muss mit Polizei durchgesetzt werden?

Start der Wiener Festwochen: Protest und kollektives Herzpumpern
Das Festival begann am Wochenende in der Donaustadt mit einem Marathonprogramm
Kurier
„Diamante“: Sturm im Wasserglas
Festwocheneröffnung mit Herztönen, Fahnen und Theatermarathon über Aufstieg und Fall einer Industriestadt.
Wiener Zeitung
Aufwendige Theaterinstallation „Diamante“ als Festwochen-Start

Zehn Häuser und über zwei Dutzend Schauspieler: Mariano Pensottis Theater beschert dem Festival ein thematisch spannendes Stück
Der Standard

Ich wünsche den Wiener Festwochen als Wiener viel Erfolg. Gar so schnell wird sich der nicht einstellen. Dazu bedarf es Geduld – die aber auch irgendwann zu Ende geht. Dass man die Donaustadt mit Hochkultur missionieren will, ist zwar gut gemeint – aber gut gemeint ist meist das Gegenteil von gut! Mit Polizeiaktionen zur Durchsetzung der Hochkultur wird man das Gegenteil von dem erreichen, was man erreichen will! Also bitte – Hochkultur und Aktionismus mit Augenmaß!

Wie dem auch sei, wir werden fair berichten!

Frankfurt: RODELINDA von G.F. Händel

Jakub Józef Orliński (Unulfo), Fabián Augusto Gómez Bohórquez (Flavio), Božidar Smiljanić (Garibaldo), Martin Mitterrutzner (Grimoaldo) und Statist der Oper Frankfurt (Wache) sowie oben Lucy Crowe (Rodelinda). Copyright: Monika Rittershaus

An der Oper Frankfurt wird die selten gespielte Händel-Oper ‚Rodelinda, Regina de‘ Longobardi“ aufgeführt. Ein kleines hochgefahrenen Orchester, das teils auf Originalinstrumenten (Barockoboen, Barockfagott, Naturhorn, Laute und Barockgitarre) spielt, steht zur Verfügung. Es ergibt sich daraus mit den Streichern ein kompakter Sound, der vom Cembalo aus vom Barockspezialisten Andrea Marcon eindrucksvoll moderiert wird. In den 3 Stunden Musik wächst das Ensemble mit schlagkräftigem Sound zusammen. Aber es kommt auch zum Ausdruck, daß die Händel’sche Musik, die zwar viele interessante Farben und kompositorische Finessen beinhaltet, den ganzen Abend schwer trägt, und bei dem immer ablaufenden Schema Rezitativ – da-capo-Arie – Ensemble, besonders in der 1.Hälfte, Langeweile aufkommt. Auch wenn das bei einigen von Händels Highlight-Opern gut kaschiert erscheint, liegt es meiner Ansicht nach auch daran, daß bei ihm keine Chöre vorkommen. Händel, der ja in seinen Oratorien zeigt, daß er gut für Chöre schreiben kann, hält sie in seinen Opern außen vor, vielleicht ja nur aus Kostengründen…

Zum Premierenbericht von Friedeon Rosén

Bregenzer Festspiele bringen 2020 „Nero“ ins Festspielhaus
Die Bregenzer Festspiele bringen im Festivalsommer 2020 Arrigo Boitos Oper „Nero“ (Nerone) ins Festspielhaus. Das 1924 an der Mailander Scala uraufgeführte Stück wird am 22. Juli Premiere feiern und insgesamt drei Mal zu sehen sein, gaben die Festspiele am Montag bekannt. Giuseppe Verdis „Rigoletto“ – das Spiel auf dem See 2019/20 – hat dann am 23. Juli erste Vorstellung.
Salzburger Nachrichten

Nürnberg: „Lohengrin“ am Staatstheater Nürnberg. Wagner für Fantasy-Fans
Richard Wagners Oper um den Gralsritter Lohengrin und die schutzbedürftige Jungfer Elsa erscheint am Staatstheater Nürnberg in einem neuen Gewand: Regisseur David Herrmann versetzte das Werk in eine Fantasy-Welt zwischen „Game of Thrones“ und „Herr der Ringe“. Gleichzeitig ließ er Wotan und Parzival auftreten. Die Premiere am Staatstheater Nürnberg am12. Mai überzeugte aber vor allem musikalisch.
BR-Klassik

Bremen: Wie ein Sog – Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“ am Theater Bremen
Neue Musikzeitung/nmz.de
Oper „Die tote Stadt“ in Bremen: Mit der Heckenschere gestutzt
DeutschlandfunkKultur

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 14. – 20. MAI 2019

 

(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bezieht sich ausschließlich  auf die untenstehenden Sender). Kurzfristige Programmänderungen der Sender vorbehalten!
Alle Zeiten MEZ.

14.5. LA STRANIERA (Live aus Florenz) RAI 3-20 Uhr
16.5. IL CAPELLO DI PAGLIA DI FIRENZE (aus Neapel, Aufnahme v. 10.5.2018) BBC 3- 15 Uhr
18.5. AIDA (Live aus Venedig) RAI 3-19 Uhr
DIE WALKÜRE (aus London, Aufnahmeb v. 18.10.2018) RNE Classica Madrid- 19 Uhr
PARIA (aus Poznan, Aufnahme v. 12.4.) Deutschlandradio-19.05 Uhr
AIDA (aus New York, Aufnahme v. 6.10.2018) ORF Ö1-19.30 Uhr
JACK THE RIPPER (aus London, Aufnahme v. 29.3.) BBC 3-19.30 Uhr
KING ARTHUR (aus Hamburg, Aufnahme v. 20.4.2018) HR 2-20.04 Uhr
19.5. ERO DER SCHELM (Live aus München) Bayern 4-19 Uhr
BILLY BUDD (aus London, Aufnahme v. 10.5.) France Musique-20 Uhr

Begräbnis von Elena Habermann

Auf dem Hietzinger Friedhof ist unsere Elena von Prominenz umgeben!

Doris Day mit 97 Jahren gestorben

Die US-amerikanische Sängerin und Filmschauspielerin wurde mit braven Rollen und Hits wie „Que Sera, Sera“ zu einem der größten Hollywoodstars der 1950er und 60er Jahre.
Die Presse
„America“s Sweetheart“ ist tot: Film-Legende Doris Day starb mit 97
Die US-Schauspielerin ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Das gab ihre Stiftung am Montag bekannt. Day hatte den Angaben zufolge zuletzt an einer Lungenentzündung gelitten. In ihren letzten Stunden sei sie von Familienangehörigen und Freunden begleitet worden.
Tiroler Tageszeitung

Mit diesen gar nicht guten Nachrichten schließe ich den heutigen Kommentar und wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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