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13. SEPTEMBER 2020 – Sonntag

13.09.2020 | Tageskommentar

SITUATIONSBERICHT VOM GESTRIGEN „SIMON BOCCANEGRA“ IN DER WIENER STAATSOPER. Foto: Fritz Krammer

Hallo Online.Merker-Leser ich checkte um etwa 18,15 Uhr am Samstag 12.9.2020 die Stehplatzkassa. Die waren mit dem Verkauf schon durch, kaum Nachfrage für Simon B wie mir am Tor und an der Kassa gesagt wurde. Die Galerie war, für Domingo und ¾ neue Besetzung, erschreckend leer…

„Stehplätze“ Galerie Seite leer. Klar, sitzend sieht man dort nicht! Foto: Fritz Krammer

Die Kritik von Helmut Christian Mayer ist online:

Zum Bericht von Helmut Christian Mayer

Weiter mit Fritz Krammers erstem Kurzbericht: Simon Boccanegra am 12.9.2020 war eine „gestandene Repertoireaufführung“. Mehr war nicht zu erwarten. Gut so. Die 3 Wien Newcomer mit kleinen Einschränkungen sehr gut, alle rollendeckend. Der Tenor gefiel mir, weil metallischer als sein zahmer Kollege in der Butterfly. Der Gabriele Adorno ist aus meiner Sicht nach dem Alvaro die schwierigste Verdi Tenorrolle überhaupt und wird unterschätzt. Ist keine Belcantorolle wie ich Merker las. Die Sopranistin, ein Frittoli-Verschnitt, sehr in Ordnung etwas scharf in den dramatischen Momenten, aber wer ist das nicht. Die Rolle verlangt einen Spinto wie einst Rethberg, Varnay, Stella, Gencer etc.

Groissböck tat gut daran, den Fiesco ins Repertoire aufzunehmen. Tut der stimmlichen Reife und den Schritten ins italienische Repertoire gut. Domingo bewegte in seiner Deutung, trotz kleiner Textschwächen in der Senatsszene, die er clever nützte, sich zum Souffleur vorarbeitete und durchkam. Ein alter Fuchs eben, der die Jagd nicht aufgibt.

Fazit ein kompakter Abend. Ich ging nach 15 Minuten Beifall. Die Domingo Damen, vorwiegend im Corona-Risikoalter, waren zwischen Bravo-Geschrei und Smartphone-Fotos nicht zu zähmen.

Dieser Bericht wurde uns von Fritz Krammer unmittelbar nach Vorstellungsende übermittelt.

Damit tritt der Fall ein, vor dem ich gewarnt habe. Die neue Stehplatzregelung ist eine großartige Idee in dieser verrückten Zeit, die Wiener Stehplatzler haben im Vorfeld viel herumgemotzt, kommen nun aber nicht in jenen Scharen wie erwartet wurde. Die Touristen fehlen weitgehend auf dem „Steh-Sitzplatz“, tun sich auch das aufwendige regierungsgeforderte Procedere nicht an und investieren hoffentlich in eine Führung.

Und die Wiener sollen sich bloß „nicht spielen“. Wenn kein Interesse besteht, muss man sich etwas dazu überlegen. Ich vertrete da die knallharte Ansicht eines Kaufmanns ohne Sentimentalität. Wenn ein Produkt nicht nachgefragt wird, gehört es aus dem Sortiment genommen.

Aber zuerst sollten die Zuständigen wirklich auf „normale Zustände“ warten – soferne die je eintreten werden – und erst dann ihre Entscheidungen treffen.

Zu beneiden ist der neue Direktor nicht, die Jagd nach Rekorden kann er wohl vorerst abschreiben. Aber in seiner früheren Branche geht es auch nicht rosig zu, „vom Regen in die Traufe gekommen“ ?

Und Placido Domingo? Auch er sollte nachdenken. Früher haben sich die Stehplatzler regelrecht wegen ihm geprügelt, geblieben davon ist eine Damenriege älteren Zuschnitts!

Auch Klaus Billand trägt zum Simon in Wien bei und sendet Fotos vom Dogenpalast in Venedig. Zwar spielt der Simon Boccanegra in Genua, aber der dortige Dogenpalast wird nicht viel anders ausgesehen haben als der in Venedig:

Klaus Billand: „Ende Juli besuchte ich in Verbindung mit Verona und Macerata auch Venedig, um die Lagunenstadt einmal fast ohne Touristen zu erleben. Das war in der Tat etwas Besonderes. Natürlich stand ein Besuch des Dogenpalastes auf dem Programm, auch schon im Hinblick auf die derzeit an der Wiener Staatsoper laufende „Simon Boccanegra“-Serie mit PD. Auch wenn ihre Handlung in Genua stattfindet, hier einige Fotos vom Senats-Saal in Venedig, der mich gerade an die mit Domingo so atemberaubende Senatsszene erinnerte. Ich hatte ihn da unmittelbar vor Augen…

Dogenpalast in Venedig (nichtin Genua). Foto: Klaus Billand

Mehr Fotos sehen Sie in unseren heutigen „Infos des Tages“

Wiener Staatsoper: Elektra – die Zweite (11.9.)

Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Diese Statue und ihr gestürztes Haupt sind die einprägsamen szenischen Merkmale dieser aus dem Jahr 1989 stammenden Inszenierung, die der erst im Dezember letzten Jahres verstorbene Regisseur Harry Kupfer entworfen hat (Bühne: Hans Schavernoch, Kostüme: Reinhard Heinrich). Kupfer hat an der Wiener Staatsoper nur drei Produktionen geleitet, ein geplanter „Ring“ kam nicht zustande. Durch diese „Elektra“ wurde eine Inszenierung von Wieland Wagner aus dem Jahr 1965 abgelöst. Kupfers Inszenierung hat 1989 durchaus zum Widerspruch herausgefordert, doch ist sie im Wesentlichen rasch akzeptiert worden. Vor allem das unverkennbare Bühnenbild hat viel dazu beigetragen. Die neue Staatsoperndirektion hat die Produktion aus dem Fundus geholt, Angela Brandt hat sie neu einstudiert. Damit wurde ein künstlerisches Zeichen gesetzt, die beim Publikum wenig geliebte Neuproduktion aus dem Jahr 2015 ersetzt…

Zum Bericht von Dominik Troger

Graz
Musikverein für Steiermark/ Programmpräsentation im ORF

Foto: Musikverein für Steiermark

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200911_OTS0002/musikverein-graz

Stehen Künstleragenturen weltweit vor dem Aus?
Die USA sind von der Covid-19-Pandemie besonders hart betroffen, was Infektions- und Todeszahlen angeht. Das Kulturleben liegt brach, weshalb vergangene Woche eine der wichtigsten Künstleragenturen der USA insolvent gegangen ist, Columbia Artist Management. Werden andere Künstleragenturen bald nachfolgen und reihenweise dichtmachen müssen? Und wie sieht die Lage weltweit aus? Auch in Asien und Australien finden seit Monaten so gut wie keine Konzerte und Kulturveranstaltungen statt.

Wie ist die Sitation in Deutschland?

In Deutschland ist die Situation anders. Sabine Frank, Managing Director der Agentur Harrison Parrott in München, beobachtet die Entwicklungen in den USA mit Sorge. Für ihre Mitarbeiter konnte sie zum Glück Kurzarbeit beantragen. Eine „kleine und sparsame Decke“, die aber tatsächlich genutzt hat. Die Direktoren von Harrison Parrott haben schon im März eine freiwillige Gehaltsreduktion von 25 Prozent bis zum Ende des Jahres beschlossen, erzählt die Managerin.
Das ist auch dringend notwendig, denn zu tun gibt es für Harrison Parrott mehr als vor Corona, sagt Sabine Frank. Wenn Konzerte ausfallen müssen oder verschoben werden, sind jedesmal neue Verträge fällig. Und da die Agentur ihre Künstler weltweit vertritt, kommen ganz neue logistische Herausforderungen auf das Team zu. „Welche Regeln herrschen in welchem Land? Wer darf in Norwegen einreisen? Wer muss in Quarantäne, wenn er aus Paris zurückkommt?“ Komplizierte Fragen, weil die Lage sich täglich ändert. Und dann muss noch jeder Künstler, jede Musikerin vor der Anreise zu einem Engagement einen negativen Covid-19-Tests vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf…

BR-Klassik

Alles wird davon abhängen, wie sich die Situation der Theater überhaupt entwickelt. Diese ist nicht prognostizierbar. Die doch vorwiegend älteren Besucher haben immer noch Angst, die täglich weiter geschürt wird. Wie lange noch? Ist es mit einem Impfstoff getan.

Also ich würde mich derzeit an keiner Künstleragentur beteiligen. Ich werde voraussichtlich die Berufsentscheidung meiner Enkel nicht erleben, aber wenn die vielleicht Opernsänger als Berufwunsch nennen sollten, würde ich Sanktionen setzen (eine Watschn links und rechts ist ja nicht mehr erlaubt).

Matthias Goerne: Die Kultur steht vor dem Bankrott

Matthias Goerne, einer der führenden Sänger der Gegenwart, sieht durch die geltenden Corona-Restriktionen die deutsche Kulturlandschaft in ihrer Existenz bedroht. „Die Kultur steht vor dem Bankrott. Und gegenwärtig grundlos“, sagt der Bariton im Gespräch mit WELT AM SONNTAG.

Der 53-Jährige macht dafür vor allem die übermäßig strengen Auflagen für Konzerte und andere Kulturveranstaltungen verantwortlich. „Wenn die Autoindustrie so behandelt werden würde wie die Kultur, dann würde längst schon kein einziger Wagen mehr vom Band rollen.“

https://www.welt.de/kultur/klassik/article215585168/Corona-Krise-Die-Kultur-steht-vor-dem-Bankrott.html

Opernnachwuchs! Wie stehen die Chancen?

Künstler der Agentur Siranush Galoyan Art: Yu Chen, Irena Krsteska, Xenia Galanova, Ksenia Valentina, Siranush Galyoan, Maryna Lopez  und der Tenor Miki Stojanov. Foto: Galyoan Art Agentur
Zum Bericht

WIEN/Servitenviertel: BACH CONSORT WIEN setzt kleinen aber feinen Zyklus „ViertelBarock“ fort

„Wie Gott in Frankreich, versus „Small is beautiful“

Bach Consort: von links: Agnes Stradner, Joanna Kaniewska-Eröd, Sonja Leipold, Katarzyna Cichon und Ruben Dubrovsky. Foto: Andrea Masek

Keine Angst, jetzt kommt kein Exkurs über Leopold Kohr und seine Wirtschaftsphilosophie! Aber ich komme unwillkürlich auf diesen Titel!

Noch bevor die großen Wiener Konzertveranstalter die Saison voll anlaufen lassen (immer mit dem Corona-Schreckensszenario, wird das überhaupt funktionieren, liest man die neuesten Nachrichten, während dieser Bericht entsteht!), gibt es in Wien regionale musikalische Aktivitäten vom Feinsten. In diesem Fall outdoor (der Wettergott spielte perfekt mit, ein  Ausweichen in die Servitenkirche wäre eingeplant gewesen!)…

Zum Bericht von Karl Masek

Dr. Anthony Fauci Warns Theaters Will Not Open for Another Year
http://operawire.com/dr-anthony-fauci-warns-theaters-will-not-open-for

Florenz
Edita Gruberová Cancels Upcoming Performance & Ends Career
https://operawire.com/edita-gruberova-cancels-upcoming

Venedig
Teatro La Fenice 2020 Review: Dido & Aeneas
https://operawire.com/teatro-la-fenice-2020-review-dido-aeneas/

Kult-Komponist Arvo Pärt: Der Meister der Stille wurde 85

Arvo Pärt

Er gilt als der stille Superstar der zeitgenössischen Musik: Arvo Pärts Werke werden weltweit aufgeführt und als einzigartige Klangwelten bewundert. Mit einfachen musikalischen Mitteln avancierte er zu einem der erfolgreichsten Komponisten der Gegenwart. Nun feiert der berühmte Tonsetzer am Freitag (11. September) seinen 85. Geburtstag – in seiner Heimat Estland.

https://www.nmz.de/kiz/rubriken/personalia

WIEN / Akademietheater des Burgtheaters:
ANTIGONE. EIN REQUIEM von Thomas Köck nach Sophokles
Österreichische Erstaufführung.
Premiere: 12. September 2020

Foto: Burgtheater/ Horn

Nur eine kleine Erinnerung an eines der ganz großen Werke der Antike, denn vielleicht ist es schon eine Zeit lang her, dass man die „Antigone“ des Sophokles gelesen hat. Darin geht es um einen Toten – er ist Antigones Bruder, göttliches Recht verlangt, dass sie ihn würdig bestattet. Er war aber auch ein Staatsfeind für Theben, und als solcher, verfügt König Kreon, möge sein Leichnam nach dem Gesetz am freien Feld vor der Stadt verrotten.

Antigones Widerstand ist paradigmatisch geworden für das Aufstehen des Individuums gegen die Staatsmacht. Am Problem des Stücks kann man sich übrigens bis heute fransig diskutieren, weil es nämlich keine verbindliche Lösung gibt – jeder wird nach seinen eigenen Prioritäten und Wertvorstellungen entscheiden…

…Von dieser Antigone des Sophokles hat der aus Oberösterreich stammende Autor Thomas Köck die Grundstruktur übernommen – Antigone gegen den Staat. Allerdings hat er dazu ein Stück ausschließlich für hier und heute geschrieben. Das nur einen Fehler hat: Antigone besteht darauf, die Leichen angeschwemmter Flüchtlinge zu begraben. Und das wäre doch, seien wir ehrlich, für heutige Politiker gar kein Problem. Die würden sogar tränendrüsige Reden halten und die Scheiterhaufen schmücken, wenn sie das Problem auf so billige Weise los werden könnten. Nein, der Sachverhalt würde in seiner ganzen Brisanz nur funktionieren, wenn es darum ginge, ob man lebende angeschwemmten Menschen gleich wieder wegschickt, oder ob man sich entschließt, sie bei sich aufzunehmen…

Mavie Hörbiger hingegen macht aus der Rolle der Botin ein schreckliches Glanzstück, sie, die sich dreht und wendet unter dem, was sie stets an Grauenvollen zu berichten hat, und die doch ganz eindeutig versucht, sich der allgemeinen erwünschten Meinung anzubiedern…

Man weiß, was man gesehen und gehört hat, man weiß, was man denken sollte. Bloß, dass es ungleich einfacher ist, das auf der Bühne zu verkünden, als in der Realität das Richtige zu tun.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

WIEN/ Theater im Park, 11.9. : „4 Voices of Musical“

Wiens gestandenes Musical-Publikum sollte auch den Weg in Michael Niavaranis & Georg Hoanzls neues Theater im Park am Belvedere finden. Mit „4 Voices for Musical“ hat Maya Hakvoort einen ersten Anlauf gewagt – und es könnte sich zwischen kabarettistischen Einzelgängern, Wolfgang Ambros  oder der Simpl-Elite positiv entwickeln. Von zwei Pianisten an Elektroklavieren begleitet hat Hakvoort unter den abendlichen Baumwipfeln des Schwarzenberg-Parkes einen lockeren Spaziergang durch das gefällige Standardrepertoire, gemischt mit einigen Raritäten, angeführt. Im Gefolge: André Bauer dezent soigniert, Missy May schelmisch mit zartem Stimmchen, Lukas Perman locker parlierend. Bisschen besinnlich, bisschen empfindsam, doch noch nicht so ganz richtig explosiv. Immerhin, die Szene hat nach der langen Flaute wieder etwas zu flackern begonnen und könnte nun eigenen Show-Originalitäten zusteuern.   

Meinhard Rüdenauer

Österreich
Kurz bekräftigt Nein zu Flüchtlings-Aufnahme, Kogler will noch verhandeln
Der Bundeskanzler sagte in einer Videobotschaft Samstagfrüh, dass er eine Wiederholung der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 vermeiden möchte. Vizekanzler Kogler will weiter über die Aufnahme von Flüchtlingen verhandeln. Ärzte ohne Grenzen sieht Österreich gefordert, da Griechenland mit der Situation überfordert sei.
Tiroler Tageszeitung

US Open
Thiem schafft Einzug ins Finale
Dominic Thiem hat am Freitag (Ortszeit) zum ersten Mal in seiner Karriere das Endspiel der US Open erreicht. Der 27-jährige Weltranglistendritte besiegte den russischen Vorjahresfinalisten Daniil Medwedew nach 2:56 Stunden mit 6:2 7:6 (9/7) 7:6 (7/5) und überstand dabei auch eine Blessur der rechten Achillessehne. Thiem trifft nun am Sonntag im Endspiel auf Alexander Zverev (GER/5).
https://sport.orf.at/stories/3066927

Ich wünsche einen schönen Sonntag!

A.C

 

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