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13. SEPTEMBER 2018

13.09.2018 | Tageskommentar

Hans Peter Kammerer als Samiel ist einer der wenigen „Überlebenden“ der Freischütz-Premiere, die – auch bei uns – ziemlich heftig kritisiert wurde. Der Eremit hat sicher nicht den Unterschied ausgemacht, der war auch bei der Premiere einer der Lichtblicke. 

Aber ansonsten hat die Umbesetzung der Inszenierung gut getan, meint auch Manfred A. Schmid:

Mir reicht´s“, stöhnt der von Versagensängsten gequälte, komponierende Jägersbursch Max laut Libretto einmal. Mit einem „Mir reicht´s“ reagierte auch die überwiegende Mehrheit der Rezensenten, als im vergangenen Juni die Premiere von Carl Maria von Webers romantischer Oper über die Bühne ging und im Zuschauerraum eine schon lange nicht mehr gehörte Buhruf-Orgie ausgelöst hatte. Das Ganze sei „kläglich gescheitert“, hieß es in den ÖO Nachrichten, „musikalisch und inszenatorisch missglückt“.

Gemach, gemach. Das letzte Wort über die Qualität dieser Inszenierung von Christian Räth war damit noch lange nicht gesprochen. Schon jetzt gibt es an der Staatsoper die Gelegenheit, diese zunächst in zur Gänze verteufelte Inszenierung erneut auf ihre Tragfähigkeit hin zu überprüfen. Und siehe da, in einer so gut wie runderneuerten Besetzung und mit einem kompetenten Dirigenten (Sebastian Weigle) im Orchestergraben nimmt sich das Ganze nun schon etwas anders aus. Erste Abschwächungen des vernichtenden Todesurteils in der vergangenen Saison konnten bereits registriert werden: Im neuen musikalischen Gewande erweise sich hier wieder einmal, so die Argumentation, „dass eine gelungene musikalische Interpretation die Akzeptanz für eigenartige Inszenierungen erhöht“. Da gebe ich meiner geschätzten Kollegin und meinem ebenso geschätzten Kollegen völlig Recht. Das Urteil wird ausgesetzt, eine neue Verhandlungsrunde hat begonnen. Nur: Die Unschuldsvermutung gilt hier nicht. Kunst ist nie unschuldig. Sie ergreift immer Partei…

…Und am Ende der derzeitig laufenden Aufführungsserie wird es sich vermutlich wieder einmal herausstellen, was dann alle immer schon gewusst haben werden: Totgesagte leben eben meistens länger.  Denn in der nicht gerade mit vielen nachhaltigen Kostbarkeiten auftrumpfenden Liste von Neuproduktionen in der allmählich auslaufenden Amtszeit von Operndirektor Dominique Meyer ist Der Freischütz sicher eine der anregendsten und überzeugendsten Neuinszenierungen. Wenn nicht überhaupt die bislang beste.

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Na gut, jetzt sage ich „Gemach, gemach“. Die Latte liegt ja nicht allzu hoch! Da hat die Premierenbesetzung sechs Wochen geprobt – und dann läuft ihr die Alternativbesetzung den Rang ab?  Ich denke, bei der Premierenserie hatte Samiel seine Finger im Spiel – hoffentlich ist er jetzt nicht deswegen verhindert, weil er zu neuen Taten unterwegs ist. Die nächsten Premieren stehen ja demnächst an.

Wiener Staatsoper: HEUTE UMBESETZUNG „ARIADNE AUF NAXOS“

Besetzungsänderung in „Ariadne auf Naxos“ an der Wiener Staatsoper

Charles Workman/ Foto: medici-TV

Charles Workman singt heute, 13. September 2018, den Bacchus in „Ariadne auf Naxos“ anstelle des erkrankten KS Stephen Gould und gibt damit sein Rollendebüt an der Wiener Staatsoper

Ob die Besetzungsänderung wegen der heutigen Stream-Übertragung (ab 19 h) erfolgt ist, weiß ich nicht. Der ursprünglich vorgesehene Stephen Gould ist ja schon längere Zeit gehandikapt, zweimal hat ihn Herbert Lippert vertreten. Heute ist Charles Workman an der Reihe

Aus unserer Rubrik „Bücher: DIE WIENER STAATSOPER . Jahrbuch 2018
Herausgegeben von den Freunden der Wiener Staatsoper. Gesamtredaktion: Rainhard Wiesinger

 

Renate Wagner hat das Buch gelesen: Viel sehr Klassisches – Verdis „Otello“, Donizettis „Lucia di Lammermoor“, Strauss’ „Die Frau ohne Schatten“ und Berlioz’ „Les Troyens“ – steht dem Staatsopernpublikum in der Spielzeit 2018 / 19 bevor, aber auch ungewöhnlich viel Neues: „Die Weiden“ von Johann Maria Staud, „Orest“ von Manfred Trojahn (den man in Wien allerdings schon gesehen hat), außerdem noch Elisabeth Naskes „Was ist los bei den Enakos?“

Das Jahrbuch der Wiener Opernfreunde ist bekannt für seine gründlichen Einführungen zu den jeweiligen Premieren, und das ist für neue Werke besonders wichtig – wobei es im Fall der Kinderoper ein Gespräch mit Komponistin Elisabeth Naske gibt.

Zweiter Schwerpunkt der jährlichen Jahrbücher, die durchgehend reich in Schwarzweiß bebildert sind, aber auch einen farbigen Schwerpunkt-Teil über die Premieren der letzten Spielzeit bieten (mit den stärksten Szenen- und Rollenfotos), sind die Niederschriften der Interviews mit Opernstars, wie sie im Lauf des Jahres so dankenswert veranstaltet werden…

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Wie Dirigent Brandon Brown gegen Rassismus in der Klassik kämpft

Die Klassikwelt ist umgeben von gläsernen Mauern, den Taktstock halten Weiße. Brandon Brown ist einer der wenigen afroamerikanischen Dirigenten. Eine Begegnung
Tagesspiegel

Das Theater Magdeburg stellt heute Anna Skryleva als neue Generalmusikdirektorin ab der Spielzeit 2019/2020 als Nachfolgerin von Kimbo Ishii Eto vor 

Anna Skryleva. Copyright: Thomas Leidig

Nach ihrer pianistischen Ausbildung am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau kam Anna Skryleva 1999 nach Deutschland, um ihr Klavierstudium an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Klaus Hellwig fortzusetzen. Später nahm sie Dirigierunterricht beim Prof. Lutz Herbig in Düsseldorf. Von 2004 bis 2007 war sie an der Oper Köln als musikalische Assistentin u. a. beim »Ring des Nibelungen« unter der Leitung von Jeffrey Tate und Markus Stenz tätig. Zudem leitete sie als Dirigentin die Produktionen der Kölner Kinderoper mit dem Gürzenich-Orchester in der Yakult Halle. 2007 bis 2012 wurde Anna Skryleva als Musikalische Assistentin und Solorepetitorin an die Staatsoper Hamburg unter der Leitung der Intendantin und GMD Simone Young engagiert. Sie betreute die neue »Ring«-Produktion und die großen Wiederaufnahmen u. a. »Parsifal«, »Der fliegende Holländer«, »Salome«, »Elektra« und »Chowantschina«. Als Dirigentin leitete sie zwei Produktionen des Internationalen Opernstudios der Hamburgischen Staatsoper in der Opera Stabile und Repertoirevorstellungen auf der großen Bühne mit den Hamburger Symphonikern und den Hamburger Philharmonikern…

OPER FRANKFURT: FOTOS AUS DER PREMIERE „LOST HIGHWAY“ am 12.9. im Bockenheimer Depot

Libretto von Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth
nach dem Drehbuch zum gleichnamigen Film (1997) von David Lynch und Barry Gifford

Elizabeth Reiter (alle Frauen; oben) und Jeff Burrell (Fred; oben und unten). Copyright: Oper Frankfurt/ Monika Rittershaus

THEATER ERFURT MIT „DER FLIEGENDE HOLLÄNDER“ HEUTE IN SHANGHAI

 

HEUTE  Abend ist es nun soweit: im Shanghai Grand Theatre steht die Premiere der Wagner Oper „Der fliegende Holländer“ auf dem Programm. Es handelt sich – wie vorab mehrfach angekündigt – um eine echte deutsch-chinesische Gemeinschaftsproduktion. Inszenierung: Guy Montavon

Für einen Eindruck über die Vorbereitungen des Gastspiels möchte ich Sie einladen, uns in den sozialen Medien (Facebook, Instagram) zu folgen und dort lesen/zu schauen oder sich direkt in die Beiträge auf dem Theater Erfurt-Blog zu klicken wo wir über die Reise berichten:

blog.theater-erfurt.de

EMMY WERNER IST HEUTE 80!

 

Emmy Werner: … ALS OB SIE EMMA HIESSEN
Eine Nachbetrachtung .
320 Seiten mit einem Bildteil, Residenz Verlag, 2018

Renate Wagner würdigt die Jubilarin: Punktgenau zu ihrem 80. Geburtstag legt Emmy Werner, geboren am 13. September 1938, nun ihre Memoiren vor. Es ist ein ausführliches Buch, das sich dennoch von anderen Erinnerungswerken dieser Art unterscheidet. Ganz zu nah will sie den Leser doch nicht an sich herankommen lassen. Von sich selbst spricht sie in dritter Person, von „E.“, und sie ist tatsächlich imstande, die wichtigsten Menschen ihres Lebens – ihren Gatten Georg Lhotzky, ihren Sohn Alexander Lhotzky, ihren Gefährten Rudolf Jusits – nicht per Namen zu nennen. Auch das Volkstheater, das sie von 1988 bis 2005 geleitet hat, heißt bei ihr nur „das Große Theater“. Das wirkt ein wenig schrullig, aber diese Emmy war ja nie wie alle anderen.

Sie war eine Wunsch-Tochter, ist in der Währinger Straße in einer künstlerischen Familie aufgewachsen, die den Nazis fern stand und ihr eine glückliche Kindheit bescherte. Krieg und Nachkriegszeit prägten sie wie alle – nie wäre sie imstande, Essen wegzuwerfen, sie hat Hunger erlebt. Die Familie hatte Glück – Vater und Bruder kehrten aus dem Krieg heim, und die Eltern waren bis zu ihrem letzten Atemzug für sie da, auch als es galt, etwa ihr Theater zu finanzieren…

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GOLDAMMER AUSSTELLUNG  – Sammlung Altenburger. 3034 Maria Anzbach, Marienplatz 25  –  neben der Kirche
Informationen unter 0664-2003034  /  EINTRITT FREI! 

 Sonderausstellung: KARL GOLDAMMER – „Sammlung Altenburger“

 

Mischtechniken, Acryl – Aquarellbilder, seltene, limitierte Original Farbradierungen & Bleistiftzeichnungen
1. Sept. – 27. Oktober 2018 in der Wienerwaldgemeinde Maria Anzbach

Filme der Woche

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Ist es lustig und einfach nur ehrlich, wenn eine Handvoll attraktiver Damen, die ja doch schon um die 70 sind, nach Sex rufen – oder ist es peinlich? Andererseits: Wo liegen die Probleme der „Oldies“ heute? Immerhin kann man zu „Book Club“ eines sagen: Glücklicherweise gibt es immer wieder Filme mit alten Schauspielern. Sie können nämlich so viel mehr als viele junge, sie haben Mut und Selbstironie… und damit kriegen sie so manches in den Griff.

Wir haben hier ein luxuriöses Damen-Quartett, alte Freundinnen, die sich zu Lese-Diskussionsstunden zusammen finden, um ihre Hirne zu stimulieren. Das kann allerdings, je nachdem, was man liest, in viele Himmelsrichtungen gehen. Wenn ihnen da „Fifty Shades of Grey“ in die Hände kommt, erkennt man nicht nur die mediokre Qualität des Buches, es evoziert auch Ideen. Natürlich gibt man solche Lektüre nicht zu. Was sie gelesen habe, wird Diane von einem Mann gefragt. „Moby Dick“, lügt sie.

Es sind hinreißende Geschöpfe von einiger Reputation, die große Jane Fonda (zwei „Oscars“), die noch immer so unglaublich gut aussieht, Diane Keaton (ein „Oscar“) mit ihrer ungeheuren Ausstrahlung, Candice Bergen (eine „Oscar“-Nominierung), die nicht ihre Schönheit, aber ihre Persönlichkeit erhalten hat, und die eigenwillige Mary Steenburgen (ein „Oscar“). Die Lebensbedingungen und Partnerschaften ihrer Figuren sind verschieden, aber im Grunde ihres Wesens sind sie zu jedem Flirt bereit. Tatsächlich benehmen sie sich in diesem Film von Bill Holderman seltsam – als steckten in ihnen noch die kreischenden Teenager, die sie einst, vor einem halben Jahrhundert, gewesen sind… Nein, „#MeToo“ ist wirklich nicht ihr Problem, sie würden sich über manche Aufmerksamkeit freuen…

EU-Verordnung über Urheberrecht

Das von mir gestern an dieser Stelle angesprochene Thema wurde gestern von der EU „auf Schiene gebracht“ – wie es so schön heißt, wenn etwas lange dauern wird. Jetzt geben erst einmal die Kommissare ihren Senf dazu, das dauert vermutlich bis zum Mai. Dann sind bekanntlich EU-Wahlen, die eventuell personelle Änderungen und Machtveschiebungen innerhalb der EU bringen werden. Der Start der Urheberrechtsreform wird so bald nicht erfolgen. Bis dahin darf ich meine Presseschau wie bisher machen.

Die wohl spektakulärere Entscheidung war die Einleitung eines Verfahrens gegen das Mitgliedsland Ungarn. Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit wurde problemlos erreicht. Am Ende des Weges kann theoretisch der Verlust des Stimmrechts für Ungarn stehen kann. Dazu ist aber Einstimmigkeit unter den Staatschefs nötig. Da über Polen aber das gleiche Damoklesschwert hängt, gibt nunmehr zwei „bedrohte“ Mitglieder – und dass diese sich gegenseitig „die Mauer machen“, ist wohl klar!

Hat man das nicht bedacht? Oder, so über mehrere Ecken gedacht, hat man es etwa darauf angelegt? Säbelrasseln – und nichts passiert! Auch das ist Politik – und nicht einmal die dümmste!

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

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