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13. MÄRZ 2022 – Sonntag

13.03.2022 | Tageskommentar

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Metropolitan Opera New York im Kino: Ariadne auf Naxos“

Die Übertragungen aus der Metropolitan Opera umfassen durchaus nicht nur Premieren, sondern auch Repertoirevorstellungen. Die „Ariadne auf Naxos“-Inszenierung von Elijah Moshinsky, der im Vorjahr als Covid-Opfer starb, stammt aus dem Jahre 1993. Man würde sie hierzulande vermutlich als “alten Hut” bezeichnen – aber wenn man sich grundlegend für eine historisierende Inszenierung entscheidet wie hier, dann altert sie höchstens in der Dekoration, nicht im grundlegenden Zugang…

…Als Wiener Opernbesucher interessiert man sich vordringlich für Besetzungen, und da stach der Name Lise Davidsen heraus, die erst kürzlich – offenbar wegen ihrer Riesenstimme – in Wien in “Peter Grimes” so viel Beachtung bekommen hat. Sicherlich haben wir da den Wagner-Star der nächsten Jahrzehnte vor uns. Wäre die 35jährige nicht Norwegerin, würde man – wie bei Nilsson und Stemme – von Schwedenstahl sprechen. Jedenfalls ist die Kraft dieses dramatischen Soprans überwältigend, und wie er strahlend aufblüht, das ist ein nicht allzu oft zu erlebendes Ereignis. Von “Totenreich” in der Tiefe bis “Hermes” in der Höhe hat sie in den Registern keine Schwierigkeiten. Es ist nur klar, dass sie lieber laut, sehr laut, statt piano singt – und wenn sie nächstes Jahr an der Met die Marschallin sein wird, muss sie ihr Material zu Mezzavoce und Parlando bändigen, sonst wird es nicht klappen. Aber man freut sich auf all die großen Wagner-Rollen, mit denen sie uns hoffentlich erfreuen wird…

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Lise Davidsen, Brenda Rae. Foto: Metopera

…da hat die quirlige Zerbinetta mehr Möglichkeiten, und man hätte nicht gedacht, dass Brenda Rae (in einem echten Colombina-Kostüm) so viel aus der Rolle herausholen würde, als herzlich-liebenswürdige Darstellerin und als Sängerin, die jeden Ton ihrer Mörder-Arie traf. Die Gruberova ist tot, Reri Grist singt nicht mehr, wir haben die Besten gehört und sind dankbar für jene, die so gut mit der Partie zurecht kommen…

Nicht gänzlich überzeugend war (zumindest an diesem aus New York gesendeten Nachmittag, de runs traditionsgemäß am Samstagabend im Kino erreicht) Isabel Leonard als Komponist. Es war ihr Debut in dieser Rolle, überhaupt ihr erster Strauss, bevor sie nächstes Jahr der Octavian (mit Lise Davidsen) sein wird. Überzeugender noch war allerdings Johannes Martin Kränzle als Musiklehrer, der eine Präsenz hatte, die nicht jeder in dieser Rolle erreicht. Durchaus witzig der Auftritt von Wolfgang Brendel als Haushofmeister, der weniger den Hochmut, als die Boshaftigkeit eines Domestiken ausspielte, der anderen etwas antun kann. Mein Gott, dieser Mann war einmal Sachs und Holländer… sic transit Gloria mundi.

Und da ist noch die Mörder-Partie des Bacchus. Tatsächlich hat Brandon Jovanovich die Circe-Rufe mit geradezu unermüdlicher Kraft geschmettert. Und in der Folge hielt er bewundernswert und mit der Partnerin auf Augenhöhe durch. Wenn die beiden zum Finale dann  richtig, so mit voller Kraft loslegen – ja, als wir noch jung, ungestüm, frech und furchtlos waren, hätten wir gesagt: Zwei Brüllaffen. Nun, da wir gesetzt, gereift, ungemein seriös und ernsthaft sind und gelernt haben, jedes falsche Wort zu fürchten, sagt man bewundernd, wie selten es vorkommt, dass zwei Sänger dieser ungeheuren Dramatik gerecht werden, die Strauss in die Oper ab dem Auftritt von Bacchus hinein gelegt hat…

Zum Bericht von Renate Wagner

Lise Davidsen Shines in “Ariadne auf Naxos’ at the Met Opera
With Anna Netrebko off the roster perhaps forever, the Met needs a new reigning diva, and Davidsen is surely one of its prime candidates.
By Christopher Corwin • 03/08/22 9:33am
https://observer.com/2022/03/lise-davidsen-shines-in-ariadne-auf-naxos-at-the-met-opera/

LINZ/ Landestheater: PARSIFAL – Glanzvolle Premiere

Nachttisch-Lampe in Hitlers Berghof: Wagners "Parsifal" in Linz | BR24
Katharine Lerner, Michael Wagner, Heiko Börner. Foto Reinhard Winkler

Der Linzer Schauspielchef Stephan Suschke stellte eine Inszenierung auf die Bühne, der man die dramatische „Pranke“ des ehemaligen BE-Chefs und langjährigen Mitarbeiters von Heiner Müller am Deutschen Theater Berlin anmerkte: insbesondere die Interaktionen von Kundry mit Klingsor und dem Titelhelden sind intensivstes Theater, spannend und aufregend – und absolut entlang und, tiefschürfend, innerhalb des Wagner’schen Textes. Heißt natürlich auch: eine ausgefeilte Personenregie kann nur mit vorzüglichen Sing-Schauspielerinnen und-Schauspielern funktionieren, und die sind an diesem Abend fraglos bei der Arbeit. Aber auch der erste Akt gerät einfach  überwältigend in seiner Stringenz und aufwühlenden Emotionalität. Im dritten könnte man vor dem Karfreitagszauber bemängeln, daß dem Regisseur zur Salbung von Parsifal und zur Taufe von Kundry nichts wirklich Sinnvolles eingefallen ist – aber der Rest auch dieses Aktes ist großes Theater und der Musik absolut dienlich! Dramaturgische Betreuung: Christoph Blitt

...Markus Poschner hat im Vorfeld der Produktion erklärt, daß „wir hier in Linz viel Erfahrung mit groß besetzten Stücken haben – Bruckner, Mahler, Wagner, Strauss“; stimmt einmal objektiv, aber er hat den Mund wirklich nicht zu voll genommen: die gewaltige Partitur wird von ihm und dem Bruckner Orchester mit größter Präzision, aber genauso mit transzendierender Leichtigkeit und feinsten Zwischentönen präsentiert – und ja, man verliert, wie es erklärte Absicht des Komponisten war, das Zeitgefühl. ..

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Michael Wagner, Ralf Lukas, Katherine Lerner. Foto: Reinhard Winkler/Landestheater

Die Besetzung der Solorollen erfolgte weitestgehend aus dem Ensemble. Als Amfortas war Martin Achrainer vorgesehen. Allerdings sang bei der Premiere (ohne Mitteilung über Gründe der Besetzungsänderung) der Gast Ralf Lukas, der eine reiche Vorgeschichte in dieser und anderen großen Baritonrollen in Bayreuth, München und weiteren ersten Häusern aufweist; er wurde seinem Ruf mit tragfähiger, schön timbrierter und modulationsfähiger Stimme sowie intensivem Schauspiel auch in Linz gerecht.

Ein – sehr regelmäßiger (FroSch-Kaiser, Tristan) – Gast sang auch die Titelrolle: Heiko Börner hat eine exzellente baritonale Stimmbasis, verliert aber auch in der Höhe nicht an Kraft und Stimmkultur und setzt die fordernde Rolle von Anfang bis Ende großartig um, egal ob an der Rampe oder tief im Bühnenhintergund – die Bezeichnung „Heldentenor“ paßt ihm absolut faltenfrei. Dabei spielt er auch noch entzückend den anfänglichen Naivling, weiß sich gegen Kundry zu behaupten und ist schließlich der vielleicht etwas düstere, aber verantwortungsbewußte neue Gralsherr…

…Die Kundry von Katherine Lerner entspricht allen Erfordernissen dieser Rolle mit geradezu mächtiger, dabei fast immer samtiger Stimme und außerordentlich engagiertem Schauspiel; wie sie Parsifal in vielfältiger Weise umgarnt, ist nicht nur hörens- sondern auch sehenswert – und ihr Elend im dritten Akt kann sie ebenso berührend darstellen.

Fehlt natürlich noch der eigentliche Hauptdarsteller, gerechnet nach Textumfang und gesanglichem Anspruch: Gurnemanz! Ihm verleiht Michael Wagner tolle Bühnenpräsenz, nicht nur mit der besten Diktion unter all den sehr gut Artikulierenden, mit noblem, facettenreichen Spiel, sondern auch mit der nötigen stimmlichen Ausdauer:

Zum Premierenbericht von Petra und Helmut Huber

Robert Treichler: Tschaikowsky und der Krieg
Mit repressiven Methoden gegen russische Künstler und Medien schadet sich Europa selbst.
Profil.at

Ist es der richtige Entscheid, die Oper «Mazeppa» abzusetzen?
https://www.bielertagblatt.ch/ist-es-der-richtige-entscheid-die-oper-mazeppa-abzusetzen

Oksana Lyniv: „Anna Netrebko hat als Mensch nicht das Recht, einfach wegzuschauen“
DieWelt.de

Anna Netrebko: Wie politisch müssen Künstler sein?
Russische Künstler sind vielerorts ab sofort unerwünscht, und es trifft auch die größten unter ihnen. Der Dirigent Valery Gergiev ist plötzlich abgemeldet. Und, was niemand für möglich gehalten hätte: Anna Netrebkos Auftritte werden storniert. Wie politisch müssen Künstler sein?
https://www.news.at/a/anna-netrebko-keine-auftritte-12459372

Bayerische Staatsoper „PETER GRIMES“ 1944/45 
Neuinszenierung, 2. Vorstellung 10. März 2022 TTT Einlassungen: Pralle, morbide Wucht: Werkimmanenz in Assoziationsmontagen
Außerordentliches Musiktheater ohne Mätzchen: umsichtig, fundiert, zukunftsträchtig! Programmatik Serge Dornys (der neue Intendant) greift!

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Foto: Wilfried Hösl

Während Nikolaus Bachler  (Intendant bis 2021, s. Buch „Sprache des Musiktheaters“) keine Programmatik verfolgte, lediglich populäre Regisseure holte (wobei einige Karieren auch von ihm „gemacht“ wurden), überwiegend historische Werke ins Repertoire nahm, hat Serge Dorny eklektisch seine Programmatik eingerichtet, beginnt seine Ära 2021/22 mit Schwerpunkt 20. Jhdt., hat nun einen Volltreffer gelandet.

„Die Bayerische Staatsoper gilt heute – national wie international – als „kulturelles Flaggschiff“ des Freistaats. In den letzten Jahren konnte sie ihren Rang unter den  führenden Musiktheatern der Welt weiter festigen und ausbauen.“ (Ministerium Wissenschaft und Kunst)So spiegelt das bisherige Gesamt-Repertoire Traditionen überwiegend gängiger historischer Repertoire–Wiedergänger, mit derzeit  60 inszenierten Opern im Fundus. Aktuelleres ab 20. Jhrdt., heutige wichtige Klassik, verlangt Ergänzungen. Diesjährige Premieren-Schwerpunkte können das, führen die Bayer. Staatsoper aus historischem Archiv ins 21. Jahrhundert. Das dürfte weltweit  einmalig sein.

Die Gegenwärtigkeit der Kunst von Musiktheater wirkt, berührt aus der befeuernden Gegenwart und nicht aus unsubstantiierten Transformations – Missdeutungen (Dekonstruktionen) von wertvoll Etabliertem…

Häufige Rhythmuswechsel, Kombination unterschiedlichster Klangelemente, dämonische Kraft der Chöre z. B. bei den Schlagwerken, klare Streicher, präsenten Bläser, Dezibel, die Singende nie abdecken, Pianissimo, Fortissimo, lebendige Gestaltung im Auf und Ab (Agogik), mir schien alles richtig im vitalen Gesamtwirken Aller. Wie schon zitiert: „musikalisches Drama für die Ohren sichtbar, für  Herz / Geist erlebbar  „Mit dem Herzen denken, mit dem Gehirn fühlen!“ Orchester,  Dirigent, Singende erfüllen den Anspruch  im Übermaß  – man geht melancholisch, emphatisch berührt und doch auch mit dem, was man altbacken „Erbauung“  nennt: andächtig  / versunken / besinnlich / ergriffen /angeregt / inspiriert!  DANKE!

Zum Bericht von Tim Theo Tinn

BAYERISCHE STAATSOPER: „PETER GRIMES“ und das weitere Programm

Peter Grimes
„Peter Grimes“. Foto: Bayerische Staatsoper/ Wilfried Hösl

Heute Abend öffnet sich der Vorhang für die vorerst letzte Vorstellung von Peter Grimes. In den Münchner Opernfestspielen kommt die Neuproduktion wieder zurück auf die Bühne und in unseren Observations werfen wir nochmals einen Blick auf das Werk und die Entstehung. Falls Sie Peter Grimes nicht live erleben konnten oder unseren Livestream verpasst haben: Ab sofort gibt es die Neuproduktion als kostenloses Video-on-Demand auf STAATSOPER.TV. Und ab dem 26. März 2022 heißt es wieder eine Woche Tanz in der Ballettfestwoche.

VIDEO-ON-DEMAND „PETER GRIMES“

BONN: Die heutige Premiere EIN FELDLAGER IN SCHLESIEN muss leider krankheitsbedingt verschoben werden.

Aufgrund von Erkrankungen im Ensemble kann die für heute, den 13. März um 18 Uhr im Opernhaus geplante Premiere EIN FELDLAGER IN SCHLESIEN nicht stattfinden.

Ein neuer Premierentermin wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben.

Heute Stream AIDA aus der Semperoper Dresden (die Vorstellung beginnt um 16 h)

Musikalische Leitung Christian Thielemann
Inszenierung Katharina Thalbach

Heute auch auf Arte um 16,45 h

https://www.arte.tv/de/videos/107205-001-A/live-aus-dresden-giuseppe-verdis-aida/

Wolfgang Rihm wird 70 – Zu seinem Werk gehört der Widerstand
srf.ch

Wolfgang Rihm: Musik, die alle Linien überschreitet (Bezahlartikel)
Wolfgang Rihm ist 70. Zum Geburtstag des großen Unangepassten unter den deutschen Komponisten, der unermüdlich seinen eigenen Werken beim Entstehen zu lauschen scheint.
DiePresse.com

Eleonore Büning : WOLFGANG RIHM
ÜBER DIE LINIE
Die Biographie
344 Seiten, Benevento Verlag, 2022 

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So populär und viel gespielt wie er werden moderne Komponisten selten. Darum erscheinen zum runden Geburtstag von Wolfgang Rihm auch zwei Biographien. Hier geht es um jene der renommierten Musikkritikerin Eleonore Büning, die schon 2013 einen Anlauf für eine Biographie nahm. Aber seither ist noch viel geschehen, der Künstler feiert nun am 13. März seinen Siebziger, und ungeachtet, was er noch vorhat (er ist in vielen Funktionen unermüdlich tätig), ist dies ein erster Überblick über Leben und Werk.

Das geht, auch wenn sich die Betroffenen – der Komponist und seine Biographin – seit 33 Jahren kennen, wobei die Journalistin den Künstler quasi durch sein Schaffen begleitet hat. Dabei waren, wie sie schildert, ihre gemeinsamen Anfänge holprig, sie nannte ihn einen Epigonen, er nannte sie plemplem. Beide dürften ihre Meinungen geändert haben, und die Autorin kann reichlich Aussagen von Rihm zitieren, ebenso vieles aus der Sekundärliteratur,

Am Ende gibt es noch ein Interview mit Rihm, viele Fragen, die die Journalistin im Lauf der Jahre gestellt hat (und oft auf lange Fragen lapidarste Antworten bekam) –  ob er tatsächlich ein „krisenfester“ Komponist sei, ein Vielschreiber, wie ein Komponistenalltag aussieht, wie er mit Krisen umgeht…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

TTT Vinylschätze 13 – Tempi passati: Benjamin Britten, Four Sea Interludes from Peter Grimes, 1945, André Previn · London Symphony Orchestra 1976

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No. 1, Dawn https://www.youtube.com/watch?v=8KMB-vUZIgY 3.42 Min.
No. 2, Sunday Morning https://www.youtube.com/watch?v=qUbk4ro7MCc 3.47 Min.
No. 3, Moonlight https://www.youtube.com/watch?v=i4BzOap1z4I 4.3 Min.
No. 4, Storm https://www.youtube.com/watch?v=qcLJg26e0l4 4.28 Min.

André George Previn (* 1929 als Andreas Ludwig Priwin in Berlin, † 2019 in New York) deutsch- amerikanischer Pianist, Komponist, Dirigent, Jazz, Klassik u. Filmmusik
Benjamin Britten (* 1913, † 1976, England) Oper „Peter Grimes“
siehe: TTT Einlassungen: Pralle, morbide Wucht … 12.3.2022 Online Merker

HEUTE BENEFIZKONZERT FÜR UKRAINE (Kirche St. Andreas in Wien-Hütteldorf)

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Anabelle Garfio-Mendez, Maryna Lopez

Hamburg
CPE-Bach-Chor Hamburg: Benefizkonzert in Altona für eine Welt des Friedens und der Geborgenheit
Um auch die Studierenden in den umkämpften Gebieten in der Ukraine zu unterstützen, spendet der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg den Erlös dieses Konzerts an die Studierenden der Nationalen Musikakademie in Kiew.
Klassik-begeistert.de

Mit Ankündigungen zu Benefizkonzerten für die Ukrainekönnte ich die gesamte Spalte füllen, täglich. Ich mache, was ich kann!

 

 

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