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13. JÄNNER 2020 – Montag

13.01.2020 | Tageskommentar


Anna Netrebko war gestern in Wien. Wurde Sie bei „Lohengrin“ gesichtet? Oder will sie in ihrer Freizeit von Oper nichts hören und sehen? Foto: Instagram

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Schwacher Kartenverkauf an der Metropoitan Opera

Klaus Billand überwintert bei angenehmeren Temperaturen, aber er ist mit dem Online-Merker ständig verbunden und meldet sich auch zu Wort, wenn es ihm wichtig erscheint. Ja, es gab Zeiten, wo selbst er froh war, an der Met einen  Stehplatz zu ergattern (zugegeben, das war beim „Ring“), aber derzeit läuft der Kartenverkauf für dieses Riesenhaus trotz (oder gerade) „La Traviata“ und „La Bohème“ schleppend. Wir berichteten gestern über freie Kartenkontignente.

Billand: Diese Zahlen sind wirklich unerwartet hoch! Peter Gelb sollte und muss sich nun offenbar ernsthaft Gedanken machen, ob seine Programmpolitik noch stimmt und ob die immer häufigere Kinoübertragung von Live-Opern der Met wirklich zielführend auch im Hinblick auf das tatsächliche Opernpublikum im Lincoln Center ist. Schon lange glaube ich, dass an der Met immer mehr aus der Kino-Perspektive inszeniert wird. Ein Beispiel ist „Der Ring des Nibelungen“, um  nur eine Produktion zu nennen, und offenbar auch deshalb geht Opernpublikum verloren. Man sollte in New York mal darüber nachdenken!

Dabei triumphiert Aleksandra Kurzak derzeit als Violetta in der „Traviata“


Aleksandra Kurzak. Foto: Marty Sohl/ Metopera

Kurzak triumphs in Met’s “Traviata”
https://newyorkclassicalreview.com/2020/01/kurzak-triumphs-in-mets-traviata/

James Levine und Placido Domingo aus der Metropolitan Opera entfernt. Nichts soll mehr an sie erinnern.

Klaus Billand nimmt auch zu Renate Wagners Wozzeck-Eindrücken Stellung:

Eine seltsame Welt, in der wir leben“ schreibt Renate Wagner gestern anlässlich einer Rezension über eine Kinoübertragung aus der Met zum Thema Domingo und Levine, und völlig zu Recht. Es ist dies die Welt des prüden Protestantismus, wo vermeintliche (und juristisch immer noch unbewiesene) Verfehlungen von Placido Domingo und James Levine (dessen Verführung Jugendlicher ausgenommen, obwohl das jahrelang flächendeckend von der Met bis Bayreuth und Salzburg bekannt war, aber die künstlerische Leistung des Maestríssimo der Met alle – eventuellen –  Bedenken überstrahlte…) einfach nicht hingenommen werden (können/dürfen). Das begann bekanntlich mit den Pilgrim Fathers der Englischen Separatistenkriche, einer radikalen Form des Puritanismus, die 1620 aus dem Königreich England über den Atlantik auswanderten und letztlich die Gründung der protestantischen USA bewirkten.

Im angelsächsischen Raum, also neben des USA sicher auch im United Kingdom sowie in Australien und Neuseeland werden nun ganze Lebenskarrieren, die den an klassischer Musik interessierten Menschen, und das sind nicht wenige, über Jahrzehnte unglaublich viel gegeben haben, vernichtet. In einem quasi rechtsfreien Raum – wo doch gerade in der protestantischen Welt immer so sehr auf die Bedeutung von Recht und Gesetz gepocht wird – werden diese Künstler nun annihiliert samt ihrer Historie, darunter mal eben ein Jahrhundert-Sänger des 20. Jahrhunderts, dem die Los Angeles Opera wesentlich ihr Entstehen und heutige Bedeutung zu verdanken hat. Er wurde dort kurzerhand rausgeschmissen.

Es ist doch interessant festzustellen, dass gerade Placido Domingo in der vornehmlich vom Katholizismus geprägten Welt noch Anerkennung gezollt wird und er weiterhin auftreten kann, so u.a. in Österreich. Und dabei ist doch gerade der Katholizismus mit sexuellen Übergriffen offiziell immer recht pingelig gewesen. Wahrscheinlich stand und steht er aber der Realität des menschlichen Lebens um einiges näher als der Protestantismus. Dem #Metoo-Wahn scheint hier nimmer Sieg zu werden, um mit Lohengrin zu sprechen. (Klaus Billand)

Na ja, Gustav Kuhn wird das anders sehen!

LINZ/ IL TROVATORE. (11. Jänner 2020). Political Correctness in den Übertiteln


Katharine Lerner (Azucena), Sung-Kyu Park (Manrico). Foto: Reinhard Winkler/Linzer Landestheater

Azucena wird in der „Linzer Fassung“ doch tatsächlich noch als „Zigeunerin“ bezeichnet

Auszug aus BR-Klassik: Allerdings war in den Übertiteln mit Sternchen hinzugefügt, dass es sich beim Wort „Zigeuner“ um eine historische, also nicht mehr angemessene Bezeichnung handelt. Wenn diese politische Korrektheit Schule macht, dürften demnächst noch viele Operntexte des 19. Jahrhunderts mit Sternchen auf die Bühne kommen – wobei dann allerdings nicht mehr immer ganz klar wäre, was Satire und was ernsthafte Sprachkritik ist.

Verdis „Troubadour“ in Linz: Arien aus Käfighaltung
Flammen lodern, explodierende Feuerbälle wirbeln durch die Luftund Blutströme ergießen sich über die Bühne: Regisseur GregorHorres inszeniert Verdis populäre Oper „Il Trovatore“ zwar mitstarken Bildern, aber ohne eine Geschichte zu erzählen. Ein teilweise wirrer Opernabend, der musikalisch glänzt.
https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/kritik-oper-verdi-il-trovatore-linz-100.html

LINZ: Premierenfeier nach dem Troubadour. Was versteht man unter einer Premierenfeier?


Sängerinnen und Sänger, Dramaturg, Chorleitung  lassen sich vom Publikum feiern – und feiern selbst kräftig mit. Foto: Petra und Helmut Huber

Kürzlich hat unser Redakteur Klaus Billand das Thema „Premierenfeier“ angesprochen, das in den diversen Opernhäusern unterschiedlich gehandhabt wird.

In Wien ist es eine Feier, oft auf der Hinterbühne, zu der neben den Künstlern nur ein sehr exclusiver Kreis extra eingeladen ist. Neben Journalisten (problematisch!) tummeln sich dort auch viele Societyladies (und natürlich auch Boys) und der Stamm der bekannten „Seitenblicker“, die auf solche Feiern entweder abonniert sind oder die Routine (man kann auch Frechheit sagen) besitzen, immer und überall notfalls auch ohne Einladung hin zu gelangen. Ich selbst war zweimal bei solchen Feiern eingeladen, ich verspreche nie wieder zu kommen, selbst wenn das Procedere von der neuen Direktion geändert werden sollte. Ich habe mich dort nicht wohlgefühlt (zugegeben, ich bin etwas „reserviert“ und deshalb der falsche Mann am falschen Ort) und bin der Meinung, dass die Wiener Premierenfeiern in der derzeit praktizierten Form ausschließlich für Künstler, nicht für diverse „Anschleicher“ gedacht sind. Soweit Wien derzeit!

In Linz öffnet man Premierenfeiern für alle Premierenbesuchern in den diversen Foyers. Sicher, der personelle Aufwand ist groß und somit teuer. Wer aber sagt, dass diese Premierenfeiern für die Besucher vollkommen gratis sein müssen? Sicher, ein paar Kisten Wein und einige Snacks auf Stelltischen kosten nicht die Welt, aber wer bei den Theaterfeiern darüber hinaus zulangen will, sollte die Möglichkeit der Bezahlung haben. Nur so könnte ich mir den unwahrscheinlichen Fall vorstellen, doch noch irgenwann zu einer Premierenfeier zu kommen…

…Wenn schon, dann sollte man die Premierenfeiern für alle Besucher öffnen – und zu keinem Exclusivzirkel für unsere geradezu bereits professionellen Premierenfeierer machen. Damit erreicht man nämlich das Gegenteil dessen, was man anstreben sollte, nämlich Künstler und Publikum in gelockerter Atmosphäre „zusammenzubringen“.

Dr. Helmut Huber ist gemeinsam mit seiner Frau Petra für die Linzer Premierenberichterstattung zuständig und erklärt uns das „System Linz“:

Zu Ihrer Premierenfeier-Übersicht im heutigen Tageskommentar kann ich bzgl. LTLinz präzisieren, daß man sich (natürlich auch auf Vorbestellung mit reserviertem Tisch) Getränke und Brötchen selbst kauft, es gibt warme Snacks wie Würstel oder Hendlhaxerl zu Einheitspreisen und es gibt seit Jahren von einem marktführenden Sponsor Freibier vom Faß. Der Andrang ist fast immer groß und man hat den Eindruck, daß, je besser die Vorstellung war, desto mehr Leute bei der PF dabei sein wollen. An einem gelungenen Abend wie dem vergangenen Samstag summt und wurrlt das große Foyer im 1. Stock dann richtiggehend, und Theaterpersonal und Publikum sind völlig ungezwungen und bunt durcheinander gewürfelt – bis auf die 20 Minuten, in denen der Intendant eine Ansprache hält und Bühnen- wie Produktionsmannschaft auf die kleine Foyerbühne bittet und sie nochmals vorstellt, oft incl. sonst meist anonym Bleibender von Inspizienz oder Kostüm oder Bühnenwerkstatt. Immer eine exzellente Quelle für zusätzliche Infos, die wir natürlich schamlos für unsere Berichte nutzen, und ebensolches gilt für die bei dieser Art der Premierenfeier bestehende großartige Gelegenheit, von Künstlerinnen und Künstlern noch ein paar sachliche Details im direkten Gespräch zu erfahren.

GRAZ / Oper: Frank Loessers musikalische Broadway-Fabel GUYS AND DOLLS

1. Aufführung (Premiere) in dieser Inszenierumg am 11. Jänner 2020


Miss Adelaide (Bettina Mönch) bei ihrem Revuerauftritt. Foto: Oper Graz / Werner Kmetitsch

Siebzig Jahre nach der Uraufführung kann die „musikalische Broadway-Fabel“ von Frank Loesser, nach einer Geschichte des New Yorker Autors Damon Runyon, immer noch mitreißen und Begeisterung auslösen. Guys and Dolls, in Graz mit englischen Songs und Dialogen in deutscher Sprache aufgeführt, gilt allgemein als Muster- und Meisterstück des amerikanischen Musicals alten Stils der 50-er Jahre, braucht aber, anders als etwa der Klassiker Kiss me Kate, keine Aktualisierungskniffe, um heute noch so wirkungsmächtig zu sein wie zur Entstehungszeit. Die in Hans Kudlichs Bühne konzentriert eingefangene  Atmosphäre im New York der schrägen 20-er Jahre, mit den spielsüchtigen Klein- und Halbganoven, die ihrer Wettleidenschaft unter den gestrengen Augen der Gesetzeshüter nachgehen, wo der findige Organisator Nathan Detroit immer auf der Suche nach neuen Standorten für die Abhaltung verbotener Glücksspiele ist, wo es von mehr oder weniger leichten Damen aus der Revueszene nur so wimmelt und wo sich eine Abordnung der Heilsarmee tagtäglich unbeirrt und ebenso erfolglos um das das Seelenheil der armen Sünder kümmert, wird von Regisseur Henry Mason in rasanten Szenenwechseln und mit einem starken Sinn für die liebevolle Zeichnung der Hauptpersonen mit pulsierendem Leben erfüllt. Das Stück nach einem Buch von Jon Swerling und Abe Burrows  handelt von Liebe, von den Nöten eines Lebens am Rande der Legalität und von der Moral. Vor allem aber geht es um die kleinen und größeren Schwächen der kleinen Leute. Ohne erhobenem Zeigefinger, dafür aber voll von Menschlichkeit…

Zum Premierenbericht von Manfred A. Schmid

Guys & Dolls: Oper lässt die Puppen tanzen
Mit seinem Musical „Guys and Dolls“ feierte der US-amerikanische Komponist Frank Loesser 1950 einen Riesenerfolg am New Yorker Broadway – am Samstag erlebte der Broadway-Klassiker seine fulminante Erstaufführung an der Grazer Oper.
https://steiermark.orf.at/stories/3029542/

Konzertgänger in Berlin“
Geistkorpusig: Igor Levit spielt Muffat, Rzewski, Kerll, Busoni. Künstlerischer (Nach-)Schöpfungsakt.
Igor Levit spielt … nicht Beethoven. Stattdessen ein komplexes Programm, das er, wie er im Interview erklärt, von hinten nach vorn denkt. Entscheidend ist, was hinten rauskommt, sagte ja einst ein gewichtiger deutscher Vielosoph, und was hinten rauskommt, ist in diesem Denkfall ein einigermaßen erschlagendes Werk von Ferruccio Busoni. Das macht die Stücke, die zuvor vorne reinkommen, nicht weniger hörenswert. Und hörbarer und genussreicher vielleicht auch, zumindest für den Konzertgänger
https://hundert11.net/geistkorpusig/

Rachmaninoff, mon Amour
Der in Hamburg lebende Journalist und Publizist Harald N. Stazol liebt klassische Musik, Oper und Ballett. Besonders schätzt er die Musik des russischen Komponisten Sergei Wassiljewitsch Rachmaninoff (* 20. März jul./ 1. April 1873 greg. auf dem Landgut Semjonowo bei Staraja Russa im Gouvernement Nowgorod, Russisches Kaiserreich; † 28. März 1943 in Beverly Hills, Kalifornien, USA). Dies ist der erste Teil einer siebenteiligen Serie über den Ausnahmemusiker.
Harald N. Stazol berichtet aus Hamburg und Moskau.
Klassik-begeistert

Filme der Woche


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Udo Lindenberg ist eine Art deutscher Vorzeigemusiker, politisch immer auf der richtigen Seite, und zu mindest in einer Hinsicht besonders – als jener Künstler, der den Deutschen ihre deutsche Sprache für Songs zurück gegeben hat, als man in der Nachkriegszeit meinte, singen sei nur noch auf Englisch möglich. Heute in seinen Siebzigern ist er, mit Hut auf dem Kopf, Sonnenbrille, rauchiger Stimme und noch immer voll im Alt-Rocker-Look mit Widerstandsimage, schon eine ziemliche Legende. Wenn auch nicht jedermann die Inhalte seiner Songs, zwischen tiefgründig und banal (und wahrscheinlich beides) allzu hoch schätzt…

Dennoch – wenn man Hape Kerkeling oder Andrè Heller Filme über ihre Kindheit und Jugend widmet, die Geschichten, wie aus den Jungs dann die „Genies“ (cum grano salis) wurden, geht das natürlich auch für Lindenberg. Und Regisseurin Hermine Huntgeburth erzählt nach einem Drehbuch, das nicht weniger als drei Herren gebastelt haben, brav die Geschichte des Buben (Benjamin Friedhoff), des Halbwüchsigen (Claude Heinrich) und schließlich des jungen Mannes (Jan Bülow), aus dem dann „der Udo“ wurde. Was gar nicht selbstverständlich war. Denn „die Lindenbergs werden Klempner und sonst nichts“, sagt der Vater.

WIEN: Tanztheaterstück „MOIRA“ von Nadja Puttner/Unicorn Art:

14. änner 2020 in der TheaterArche, Wien.


Fotocredit: Unicorn Art

 Was geschieht, wenn der eigene Körper in seinem Nicht-Genug-Sein zum Gefängnis für die Seele wird, und das Selbst dem Druck der überzogenen Anforderungen der  Gesellschaft nicht mehr standhalten kann? Wenn Selbstoptimierungswahn und  Erfolgsdruck das Leben bestimmen und Schmerz so lange unterdrückt wird, bis er außer Kontrolle gerät?..

Ich wünsche einen guten Start in die Woche

A.C.

 
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