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13. AUGUST 2019 – Dienstag

13.08.2019 | Tageskommentar

„Competizione dell Opera“ – das Siegerbild. Diesmal gastierte der Bewerb mit seinem Finale in Sotschi. Foto: Competizione

Der in Dresden beheimatete „Competizione del’Opera“ wird wie andere große internationale Gesangswettbewerbe (u.a. Operalia, Belvedere) mittlerweile jedes Jahr weltweit in einer anderen Stadt durchgeführt. In den letzten Jahren waren dies u.a. Minsk, Taschkent, Linz, Moskau, Dresden und Hamburg. 2020 findet der Competizione in Mexiko-City statt.

In diesem Jahr war vom 5. bis 10. August das mondäne Sotschi an der russischen Schwarzmeerküste Austragungsort des Wettbewerbs. Die Sirius-Foundation (Privatstiftung des russischen Präsidenten), deren künstlerischer Leiter der Dresdner Opernballchef Prof. Hans-Joachim Frey seit 2017 ist, war ein großzügiger Gastgeber.

Die Sopranistin Anna Bondarenko, aus der Ukraine stammend, konnte in diesem Jahr als Gewinnerin aus dem Wettbewerb hervorgehen. Der Stifter des Preises war der Dresdner Unternehmer Jürgen Preiss-Daimler. Platz 2 belegte die russische Mezzosopranistin Victoria Karkacheva. Die derzeit im Jungen Ensemble der Semperoper engagierte und ebenfalls aus Russland stammende Julia Muyzchenko belegte Platz 3 und bekam außerdem den diesjährigen Publikumspreis, welcher beinhaltet, dass sie im nächsten Sommer in Sotschi ein Galakonzert geben wird. (Pressemeldung Ende)

Ein Gesangswettbewerb ergibt nur dann wirklich Sinn, wenn er Türen in namhafte Opernhäuser öffnen kann. Inwieweit das der Competizione dell Opera kann bzw. macht, weiß ich nicht. Ich habe mir die Namen der Siegerinnen vermerkt und werde beobachten, ob ich sie irgendwo in näherer Zeit in Besetzungslisten finde. Domingos „Operalia“ hat diesbezüglich Erfolge zu verzeichnen, weil sich „der Chef“ wirklich in dieser Richtung bemüht und auch die Möglichkeiten hat. Wenn er das einmal nicht mehr kann, steht auch dieser Bewerb vor einer neuen Situation.

Und während diese „Eintagsfliege Tageskommentar“ noch nicht in der Mitte ihres Daseins angelangt ist, überschlagen sich die Ereignisse. Klaus Billand macht mich auf eine große Siegerin des „Competizione“ aufmerksam:

Ich kann dazu einen Beitrag leisten, da ich selbst dabei war: Die Médée in Salzburg, Elena Stikhina, ging als Siegerin des Bewerbs 2014 in Linz hervor. Siehe hier den Link zu meinem auch im Online-Merker erschienenen Bericht.

https://www.klaus-billand.com/deutsch/diverses/gesangswettbewerbe/linz-brucknerfest-2014-finale-der-competizione-dellopera-28-september-2014.html

Ja – und durch nachfolgende Meldung könnte  „Operalia“ in ein schiefes Licht geraten. Das wäre wirklich jammerschade!

Neueste Info: Nun gerät Placido Domingo in die MeToo – Affäre

Mittlerweile bereits sehr international, umfangreich, unerfreulich – aber wenig überraschend

Opera Singer Placido Domingo Accused of Sexual Harassment

https://www.hollywoodreporter.com/news/opera-legend-placido-domingo-accused-sexual-harassment-1231102?fbclid=IwAR1Ans4TcgN0IWMCaQeIvlamyBPWwQFJ6dwcsb7zvyZqkCHsVCu4RGRGicY

Salzburger Festspiele: Oedipe mit durchwegs guter Presse

Auszu aus „Drehpunkt Kultur“: Wissend, dass ein Achim Freyer für Regie, Bühne und Kostüme zeichnet, hatte man vor dieser Premiere wenig Panik, dass man einem Juppi-Paar im Penthouse bei der Abrechung zuschauen wird müssen. Achim Freyer hat mit Oedipe  (erwartungsgemäß) sinnlich-opulent und dabei so kundig wie subtil (nämlich ohne Gelehrsamkeit heraushängen zu lassen) die Substanz von zwei-dreitausend Jahren Mythos lebendig und aktuell werden lassen. Wie brillant das funktioniert, ganz ohne Banal-Aktualisierung, war denn doch überraschend…
Grausam und bunt wie das Leben selbst
Ein wenig bunt? Da und dort ein paar Geschlechtsteile auf der falschen Körperseite. Ein wenig bizarr? Warum nicht, wenn die zur Inszenierung gehörige Oper ihr Publikum dreieinhalb Stunden unter Hochspannung hält, wie George Enescus Oedipe in der Felsenreitschule: Ein Wurf von Ingo Metzmacher und Achim Freyer.
DrehpunktKultur

Achim Freyer inszeniert „Œdipe“ in Salzburg: Mythentheater vom Allerfeinsten
Jörn Florian Fuchs im Gespräch mit Eckhard Roelcke
DeutschlandfunkKultur
Salzburg wird zum effektvollen Zirkustheater
Der Standard
„Oedipe“: Rocky IV gegen das Schicksal
Kann es so etwas wie die Selbstbefreiung vom Schicksal geben? Ja. Zumindest bei diesen Salzburger Festspielen und in der Lesart von George Enescu und Achim Freyer zum drückenden Mythos des Ödipus. Die Premiere von „Oedipe“ in der Felsenreitschule wurde zu einem Boxkampf gegen die Macht der Prophezeiung. Das ändert zwar nichts an den Ereignissen. Aber wie in der modernen Medienwelt gilt: Am Ende gewinnt, wer die Deutungshoheit über den Stoff hat. Und die holt sich nach über 2.000 Jahren nun Ödipus zurück.
https://orf.at/salzburgerfestspiele19/stories/3133421/

In unserer Presseschau bieten wir noch weitere Pressekritiken an. Irgendwann, wenn wir bereits beim nächsten Spektakel angelangt sind, wird sich ein Eigenbericht auf Kaufkarte finden. Ob der dann noch großes Interesse hervorrufen wird?

Apropos Presse-Berichterstattung. In unserem Forum läuft derzeit eine Diskussion, konkret über Savonlinna in Finnland – aber das darin geschilderte Procedere ist wohl auch für andere (wenngleich nicht für alle) Festspiele ein Thema. Sune Manninen, der auch für den „Online-Merker“ berichtet, schreibt: Seit 1995 besuche ich das Savonlinna Opern-Festival und berichte seit einigen Jahren für den Online-Merker über die Aufführungen dieses Festivals, zunächst für andere Publikationen, seit wenigen Jahren für den Online-Merker. Dadurch weiß ich etwas über das Procedere der Rezensionen. In der Tat werden „Journalisten“ ausländischer Publikationen oftmals eingeladen, und diese Einladungen ergingen (natürlich auf Vorschlag Savonlinnas) über das finnische Außenministerium. Von diesen „Kollegen“ ist mir mehrfach beim Pausen-Sektsempfang gesagt worden, ohne diese Einladung, d.h. auf eigene Kosten, wären sie nicht nach Savonlinna gekommen…

In diesem Zusammenhang wirft „Iris“ eine interessante Frage auf: Wenn es in Finnland üblich ist, ausländische Journalisten zu Festspielen einzuladen, wäre es eine logische Konsequenz, wenn unser Außenministerium (oder wer bei uns dafür zuständig ist, in regulären Regierungszeiten war dies der Kanzleramtsminister) ausländische Journalisten zu diversen Festspielen einlädt – dies übrigens auf Kosten der Steuerzahler. Dann darf man sich aber wirklich nicht über deren Berichterstattung wundern – und auch nicht über das Image von Journalisten…

Das sind dann PR-Aktionen, deren Bezahlung völlig legitim ist – auch auf Kosten der Steuerzahler. Nur sollten sie dann auch als „Bezahlte Werbung“ gekennzeichnet sein!

Was micht betrifft verfolge ich seit langem einen Traum, mit dem ich aber bei wichtigen Mitarbeitern nicht durchdringe und er deshalb wohl ein Traum bleiben wird: Bevor ich mich Pressebüros ausliefere, verzichte ich auf Kritiken, die durch Pressekarten zustandekommen. Ich bin erzogen worden, mich von niemand abhängig zu machen – und habe das bis in meine „alten Tage“ durchgehalten. Es gibt auf der ganzen Welt niemand, dem ich Dank schulde (was nicht heißt, dass ich undankbar bin). Ich hatte bereits genug Erlebnisse mit Pressebüros, weiß also, worüber ich schreibe. Interventionen, Fragen nach den Geldgebern, Drohungen, Verwünschungen, Entzug der Pressekarten, Anzeigen an eine „Rassismusmeldestelle“ – alles war dabei! 

An der Wiener Staatsoper gibt es für den Online-Merker (nur für diesen, darauf lege ich wert) keine Pressekarten und darüber bin ich wirklich nicht unglücklich. Gerade deshalb klappt die Zusammenarbeit vorzüglich.

Was Wien und die derzeit aktuelle Direktion betrifft, hat es vor ziemlich genau 10 Jahren (nach der „Don Giovanni-Premiere) ein Telefonat gegeben, bei dem mir der Direktor „das Wilde obiräumen wollte“.  Daraufhin habe ich ihm gezeigt „wo der Hammer hängt“! Seitdem habe ich Ruhe und bin mit der Situation zufrieden. Wie sich die Situation in der neuen Direktion entwickeln wird, weiß ich natürlich nicht. Ich werde mich bestimmt nicht ändern!

Salzburg: Thomas Hengelbrock zu Cherubinis „Médée“
„Diese Frau ist ein Opfer der politischen Verhältnisse“
Bei den Salzburger Festspielen 2019 dirigiert Thomas Hengelbrock die Aufführungen von Luigi Cherubinis Oper „Médée“. Im Interview verrät er, warum er das Werk für einen verkannten Geniestreich hält und was es mit den verschiedenen Fassungen auf sich hat.
BR-Klassik

Bregenzer Festspiele: Die dritte Regenabsage
Die Regen-Versicherung des Festivals wird nun wirksam.
Wiener Zeitung

Nun wissen wir es also genau, die Versicherung zahlt ab der dritten Absage, zwei Regentage sind im Budget der Festspiele „eingerechnet“.

Diese dritte Absage tangiert auf den ersten Blick die Finanzen der Festspiele nicht! Grund zur Gleichgültigung ist trotzdem nicht angebracht, denn die Versicherung ist kein Wohlfahrtsunternehmen und wird – der Erfahrung folgend – eben die Prämien für die nächsten Saisonen erhöhen. Und das ist dann schon weniger lustig!

BAD ISCHL: Lehar-Rarität „Clo-Clo“

Sieglinde Feldhofer in der Titelrolle. Foto: fotohofer

Das heurige Lehár-Festival in Bad Ischl wartete mit einer sensationellen Wiederentdeckung einer Operette auf: „Clo-Clo“ von Franz Lehár. Die Uraufführung des Werks fand im Jahr 1924 in Wien statt, die Deutsche Erstaufführung noch im selben Jahr in Berlin, die englische Fassung bereits 1925 in London. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand „Clo-Clo“ aus dem Operetten-Repertoire. Die bisher letzte Aufführung im deutschsprachigen Raum fand 1971 an der Staatsoperette Dresden statt…

Zum Bericht von Udo Pacolt

Franz Lehárs „Clo-Clo“ in Bad Ischl: Zwerchfelltraining im Kurort
Die selten gespielte Operette war halbszenisch zu erleben
Der Standard
„Clo-Clo“ beim Lehár-Festival: Eine höchst unterhaltsame Operettenrarität
DeutschlandfunkKultur

Nach Absage für Bayreuth wegen Erschöpfung: Anna Netrebko geht feiern
Am Mittwoch und am Sonntag kommende Woche hätte Opern-Star Anna Netrebko bei den Bayreuther Festspielen die Rolle der Elsa in Wagners Lohengrin singen sollen. Vor einigen Tagen kam die überraschende Absage. Als Grund nannte die russische Star-Sängerin „Erschöpfung“.
Bayreuther Tagblatt
Es gilt der Musik
Für die Bayreuther Festspiele wird die Welt nicht untergehen. Für Anna Netrebko auch nicht – selbst wenn die Star-Sopranistin nach derzeitigem Stand in der Bayreuther Festspielgeschichte wohl nicht mal als Randnotiz auftauchen wird.
Nordbayerischer Kurier

Freundlich sind diese Artikel in den Bayreuther Zeitungen für Anna Netrebko nicht – und eigentlich untermauern sie die Richtigkeit ihrer Entscheidung. Ich habe mich schon geäußert, damit soll es genug sein.

In Bayreuth freut man sich auf Annette Dasch! Wo liegt eigentlich das Problem?

OPER FRANKFURT: PREMIERE VON ROSSINIS „OTELLO“

Damiano Michieletto. Foto: Fabio Lovino

Es handelt sich um die Inszenierung, die bereits im Theater an der Wien zu sehen war!

Premiere / Frankfurter Erstaufführung: Sonntag, 08. September 2019, um 18.00 Uhr im Opernhaus

Weitere Vorstellungen: 12., 21., 29. (18.00 Uhr) September, 3. (18.00 Uhr), 12., 20. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren) Oktober 2019 Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr

Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Mit Daniele Gatti kann man doch noch werben – die Zeit heilt (fast) alle Wunden

Rezensent Dr. Waltenberger ortet aber das Ereignis dieser Aufnahme in Malin Byström:

Beim Anhören dieser CD kommt selbst ein erfahrener Opernfreund aus dem Staunen nicht heraus, dass es heute eine Sopranistin gibt, die die Salome so schön und leicht singt wie die Cebotari, mit einem cremigen Timbre à la Te Kanawa und einer Stimmpower wie Leonie Rysanek. Vom Geheimtipp mittlerweile zu einer begnadeten und weltweit anerkannten Interpretin von Mozart, Verdi und Richard Strauss geworden, ist die blendend aussehende Schwedin heute gern und oft gesehener und gehörter Gast am Royal Opera House Covent Garden London, an der MET, in München, Paris, San Francisco oder Stockholm…

Filme der Woche

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Man liest immer wieder solche Meldungen, wenn sie auch selten über einen Einspalter im Wirtschaftsteil hinaus gehen: Irgendeine mittelgroße Fabrik, die immerhin Hunderte, ja Tausende Menschen im Umkreis ernährt, wird von ihren Betreibern als nicht lukrativ genug betrachtet und zugesperrt. So funktioniert der Kapitalismus.

Und die Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren und in ihrer Region keine Chance haben, einen neuen zu finden? Dergleichen wird von den Anzugträgern in den Chefetagen kaum bedacht – soll sich der Staat darum kümmern… Nicht zum ersten Mal, nicht zum letzten Mal wollen Betroffene kämpfen. Nicht zum ersten Mal, nicht zum letzten Mal sind sie chancenlos.

„Streik“ von Regisseur Stéphane Brizé erzählt die Geschichte eines Protests, und es ist sicherlich in Frankreich, wo die „Gelbwesten“ ja auch aus wirtschaftlichen Gründen auf die Straße gehen, der Film der Stunde. Ob der hier gezeigte Fall, der eine Autofabrik im südfranzösischen Agen betrifft, Fiktion ist, weiß man nicht, er wirkt jedenfalls nicht zuletzt deshalb so unter die Haut gehend echt, weil der Regisseur großteils mit Laien besetzt hat, die den Eindruck erwecken, als spielten sie sich selbst (ein paar Gewerkschaftsfunktionäre taten das angeblich auch). „Der Wert des Menschen“ hat Brizés viel beachteter Vorgängerfilm geheißen, und darum geht es auch: Wert und Würde des Menschen stehen zur Diskussion.

Gabalier Konzert musste abgesagt werden
Volks-Rock‘n‘Roller Andreas Gabalier muss wegen seiner erlittenen Lebensmittelvergiftung ein für Mittwoch geplantes Konzert in der Schweiz absagen. Der 34-Jährige müsse auf dringenden ärztlichen Rat weiter das Bett hüten, zitierte der Veranstalter das Management von Gabalier
https://www.krone.at/1976710

Diese Absage ist glasklar, da steckt kein Kalkül dahinter. Wenn man sich die Besucherzahlen ansieht, kostet die Vergiftung dem Barden ein Vermögen (wohl durch keine Versicherung abgedeckt). Wie man sich so eine Lebensmittelvergiftung holt, will ich im Detail gar nicht wissen. Mir soll das Essen ja weiterhin munden – viel mehr andere Freuden hat man ja in diesem Alter nicht mehr!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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